Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 2 (9.1.1890)
- Date
- 1890-01-09
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ihm uttb fc«i ist di« Hauptsache. Der streberisch« junge Mann hat sei»«» Zweck erreicht: »« immer Antisemitenorgaue ihr einträgliche« Hrtzgeschäst treib«, hat man fetm» Artikel nachgedruckt u»d hinzugesetzt: »Ein Jude ist'«, der also über seine Stamwesgeuvffen «rthttlt — «ud mu einer, so muß e r doch die Jud« kennen." Zum Eideshelfer auti> semitischer Preßbanbiten herabgesunk« I Na», viel weiter kaun es H«rr Lourad Alberti nicht «ehr bringen — hoffentlich wird der letzte Schritt, den zu lhun de« jungen vielversprechenden Mann noch bleibt, bald erfolg«, und wird Herr Lourad Alberti den Ehrenmännern, die man die Führer der antisemitisch« Bewegung n«nt, au da« biedere Herz fink« und .nennt mau ihre Kam«, so wird auch der seine genannt". Und welch' verlock«de künstlerische Aussichten bieten sich nicht dem Zeitgenoffen der Autisemiteuhänptliugek Welch reiches Material für die pikantesten naturalistisch« Romane wird nicht Herr Boeckel aus seiner eig«m bewegt« Bergangeuheit dem Herzensfreunde bieten können! Also, Herr Lourad Alberti, fahr« Sie fort auf der Bahn, die Sie eingeschlageu Hab«; stell« Sie Ihre gewandte Feder ganz in d« Dienst der antijüdisch« Sache — keine würdiger« Helferin kann der Antisemitismus finde». Sie keine würdigere Sache. G. P.*) 7. Januar. (Or.-Corr.) WaS das Geschick der von Philippson durch SS Jahr« redigirten »Zeitung des Judenthum«" sein wird, läßt sich noch nicht Voraussagen. Die Rr. 1 ist noch nicht erschi««, obwohl sie noch von Philippson selbst rchigirt war, man ist in Verlegenheit, wer als Redakimr zeichne» soll. E« ist kein Elisa da, auf den der Mantel des Elia gefall«, auf dm auch nur »zwei The le" jmes Feuergeistes gekommen wären. Die reib« Schwiegersöhne sind amtlich zu sehr beschäftigte Rabbiner, als daß sie dm zeitraubend« und aufreibend« Müh« der Redaktion eines solch« Blatt S sich unterzieh« sollt«. Hierzu kommt, daß es auch ein ganz unlohnmdes Geschäft — in wörtlichen Sinne des Worte» — ist; denn die Abonnenten- und Jnsrrmtrnzahl war in den lrtzttn Jahr« — was ja kein Geheimniß war — so zusammengeschmolzen, daß das Blatt die Druckkost« nicht mehr trug. Es war nur der Glanz des Phtlippson'schm Ramm», welcher dem Blatte «ine Bedeutung gab, ist dieser mtt seine» Tode entschwundm, so dürfte vas Blatt mü seinem erfahrungsreichen Redakteur entschlaf« sein. Ein Bedürsniß für dasielbe ist faktisch auch nicht vorhand«, d«n die demseld« in der Tendenz am nächst« stthmde »Israelitische Wochenschrift" ist ja das Organ der Mittelpartri, steht auf dem Standpunkt der Vermittlung, des gemäßigte» Fortschritts, der friedlich« Weiter- «ntwicketung de« historisch Gewordmeo. Wie wir hör«, will der Ausschuß des D. I. G.-B. da« Blatt unter seine Fittige nehm«, d. h. zu feine« Organ mach«. Das wäre da« Schlimmste; was dö» Blatte passirm könnte, d«n zur Redaction eines jüdische» Blattes gehört vor allem eine echte, feste jüdisch«Gesinnung, ein muthvolles Eintretm für alle« jüdische Interesse, eine sorgfältige Pflege aller jüdischen Idem und religiös« Institution«, kurz ein Leben i» Judenthum, ein vethäthigen deffeldrn. Wie es in dieser Beziehung mit d« Lettern de» D. I. G.-B. und dm Redaktmr« der von ihm in» Leb« gerufmm und subvmtionirttn jüd. Zeüschriftm auSfieht, ist bekannt, das Hab« gerade in letzter Zeit dir »uSlasiuugen de» »objektiv«" Geschichtschreiber» Geiger gezeigt. An Steile LudwtgPhilppsou's rin Ludwig Geiger oder B r e ßl a u oder ein anderer dieser religiös Radikalen, au tür E p.tze de» Blattes, das wäre eine Ironie auf dm Begründer desselben. L. Jliis htm chroßtzerzogtßn» Kesse». End« December. Ihr sehr fleißiger Lorrespoodent B.-A. hat io Rr. »2 rin« bcherzigenswetth« Gedankm wiederholt ausgesprochen; wir fürchten auch diesmal wieder ohne Erfolg. Für solche Auf¬ *) In vor. Kt. muß et zum Schluß der Larresp.-Berlin" (S. S,n Z. 10 v. ».) »Objektivität- (ft. Originalität) httßen. gab« wäre der D. I. G.-B. da. und e« isi ja anch «anaitzfach« Anregung in diese« Sinn« von ihm ausgeaange». Warn» sind und bleiben es — Worte, in den Wind gesprochen? Ich stehe nicht an, zu behaupt«, daß es das Phantom — hierarchischer Gelüste zu sein scheint, das hieran Schuld ist» oder auch der Geist de» Alles-Beffer-Böifsen-Woüer,«. Spricht man von einer Organisation des jüdisch« Gemeindewesms gleich soll daraus eme Louststorial-Verfaflung wechen, soll« et nur die Rabbin« fein, die eine solche Frage versteh« und erledig«, die da» erste und letzte Wort sag« können.*) Gerade dadurch «erd« die Gemeind« mißtrauisch und die Borstände wollm das Heft nicht aus dm Hänom geben. Und der D. I. G.-B.? El scheint, andere Dinge beschäftig« ihn so lebhaft, daß rr da«, was eigentlich seine Auf« gäbe ist, das Gemeinsame. Organisatorische vergißt l Dann dürfw wir uns aber auch nicht verhehlen, daß die Großgemeindm die brstehmden Organisationen — die kreis-, Distritt«, und Provurzial-Rabbtnale» — nicht so berücksichtigt habm, wie es ihre Pflicht gewesm wäre und in ihrer Leitung mehr ngoros und bureaukratisch, als jüdisch und human verfahr« sind. Es ist eine allbekannt« und ualmgbare Thatsache. daß die Landgemeiod« an Mitgliederzahl immer mehr i« Rückgänge find und der größt« Theil bald ganz verschwunden sein wird, während kleine und große Stadtgemeind« ganz collosial anwachs«. Synagogen in Landottrn unseres Großherzogthum« sühm zu Dutzend« leer, oder können am Sabdathe kaum mehr eia Minjan zusammenbringm; während die groß« Stodtsynagogw, welche vor 20 oder 30 oder sogar erst vor wenig« Jahr« gebaut sind, an dm hvhen Festtag« nicht Raum gmug habe», um alle Besucher zu fasten. Bor Jahr« ist vielfach die Meinung ausaesprochen Word«, daß es ganz angemessen wäre, in solch« Fäll« ein Abzugsgeld zu verlangen, damit die. welche Verpflichtung« gegm ihre vormaligen Hrimathgemeind« eingegaug« stad, solche auch erfüll« und die klein« Gemeinden erhalt« werden könn«. Dir kein« ReligionSgemeindm zerfalle» sonst und es dräng« sich Elemmte in die Broßgemeiadm, von dm« diese sog« könn«: Sie gefall« uns nicht. Statt best« fordern dir Großgemeindm Beiträge für die Rabbinatöcaffe von den arm« und leistungsfähig« Landgemeind«, die vor 40—50 Jahr« unter durchaus ander« Verhältnissen aagemrstm war«, e« aber h«t« durchaus nicht »ehr sind. Dadurch erreg« sie Mißmuth, Unzufriedenheit und Kämpfe, die höchlich zu bedauern sind und jeden gut« Keim zerstöre«. Erst mvgm einmal di« Großgemeind« di« klein« von dies« unerschwinglich« Last« befre,«» damit diese ihre Institutionen möglichst in Ordnung halten können, — dann kann auch eine strammere und wohlthätigwirkmde gemeinsame Organisation au gestrebt werd«. -refekd, 5. Januar. (Or^Eor.) Am 22. Dezember ». I. beging die hiesige.LhewraKadischa" die Feier ihres 125jähriae» Besteh«». Zahlreich« Gäste hatten sich Mittag« 12 übt nebm dm Brreinsmitgliedern im Bereinslokale versammelt,' woselbst von dem Herrn Benj.Eohen eia mit aroßem Beifall aufgmommmer Vortrag geholt« wurde. Hiemach begann der Frstgottesdimst in der Synagoge unter Lettnng des Herrn Lehrers Buxbaum mit Ehorgesang. Dm Glanz» puntt dieser Feier bildete die Festtrde de» Herm Oberradbinrrs Dr. Horowitz. Derselbm folgte ein Gebet für die verstorbm« und lebend« Mitglieder de« Verein»» die Gemeinde, die Stadt Ereftld, dm Kaiser und das Kaiserlich« Haus. Zum Schluß sang der Chor Psalm 150. Nach der Begrüßung der Gäste und Deputation« au« dm Rachbargemeindrn im Festlocale »Oelmühle" durch dm VerrinSpräsidlnten Herm I. Fürst begann da» Festtst«, währmd besten die zahlreich ringelaufm« Telegramme und Glückwünsche verlesm wurden. Den Relg« der Tischrede» -> Las hat Niemand -»sagt; unsere Bemeindevers^inngen leiba» wahrlich «tcht a» einemPrävaltren der räbbiuischeuAtach», sandern vielmehr an der Borstands-Vmnipatenz. (med.)