Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 1 (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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getr affin »otbro, knüpft durchweg in wohlbegrünbeter mb vollberechttgter Sonfernhntng des Htm an Bestehendes an. nur daß anch dem anderweitigen vedürfuiß insofern ftcdptma getrogen weiden, als auL das deutsch« Slemeut wie längst bei» (öemeindekultus selbst in oichodoxesten »reisen, darin Anfna iwe g,fanden. Es ist wohl hier der Ort, an ein «ort des sel. Zacharias Frankel zn erinnern. Dieser mit seinem weitm praktischen Blick für gemeindlich« Verhältnisse unserer Zeit gab einst am 27. Jannar am Breslauer Ee. »inar den eben sertia gewordenen Eandidatm die Weisung reit: „Unb sorgen Eie durch positin« Neuschöpsungen ir. Ihren Gemeinden, daß es denselben nicht an Beran. staltungen fehle, religiöses Leben, wie immer es angeht, zu pflegen". Eine solche positive und nur Segen versprechende Neuschöpfung, die im Grunde nur Berlorenes wiederbringen soll, ist der Jugendgottesdienst. — Im Verein für jüdisch« Geschichte und Litteratur ist soeben der dritte Wintervortrag »Jehuda Ha-Levi als Dichter und Philosoph" von Prof. Ludwig Stein au» Zürich gehalten worden, nachdem wenige Wochen vorher Herr Bezirk«, rabbiner Dr. Sondhcimer aus Heidelberg über das Thema: »Wa« hat Muhammed aus dem Judenthum entnommen?" in demselben Verein einen Abeudvoittag gehalten- K1uttgurt, 16. Der. Unter überaus zahlreicher Be» theiligong wurden heute Barmittag, die sterblichen Ueberrrfte des nach löngerem Leiden verstorbmm Kommerzimrath» Max Neuburger zur ewigen Ruhe bestattet. Am Eingänge in den Friedhof empfing ein Posaunenqnartrtt den Sarg mit dem Choräle »Süß und ruhig ist der Schlummer". Zur Einleilung der Lrauerfeierlichkett sang der Synagogen« chor »ES ist bestimmt in Gotte« Rath", hierauf hielt Kirchenrath Dr. v. Wassermann eine ergreifende Ansprache, in der er dem Schmerze An-druck gab, daß der Dahingeschiedene im besten ManneSalter sterben mußte. Ueberall, wo man den Berstorbenen kannte, seinen unermüdlichen Eifer zu schützen wußte, werde man ihm ein ehrende« Andenken bewahren. Namen« der Bolkeparlei legte Rechtsanwalt Lourad?)anßmann mit beredten Worten einen Lorbeerkranz mit chwarz-ro»h.goldener Schleife nieder. »Er war mit uns verbunden", bemerkte er, »durch da« feste Band der politischen Partei, er hat un« nie gefehlt in all den Sümpfen der vergangenen Jahre, um so schwerer werdm wir ihn in den Sümpfen der Zukunft vermissen. Wir »ollen ihm die Trme halten bi« über da« Grab hinan« und ihm da« Zeugniß geben, daß er ein ganzer Mann gewesen". An Stelle Le« durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Prüfidenten widmete Kammerzienrath Widenmann im Auftrag der Handel«- und Gewerbekammrr dem Berstorbenm einen ehrenden Nachruf und legte den Lorbeerkranz am Sarge nieder. Die Wanderversammlung der würlt. Gewerbe vereine und der Stuttgarter Gewerdeverein« spendeten al« Zeichen inniger Dankbarkeit den verdienten Kranz durch Gemeinderat Stühle. Der Freimaurrrbund widmete dem Manne, »deffm Leben voll Müh« und Arbeit gewesen, und deffm Andenken in un« al« treffliche« Borbild fortleden wird", einen prachtvollm Kranz. Außerdem warm eine große Anzahl Palmen und Krünze am Sarge niedergelegt, von denen speziell der Kranz de« Berrins zur Hebung de« Fremdenverkehrs in dm Stadt« farbm zu erwähnen ist. Mit dem Liede de« Syuagogenchor«: »Sonst schlummere du" war di« erhebend« Trauerfeier berndel. jvesterretch-U»g«rir. B. Krag, 29. Tccember. (Or.-Corr.) Sie hadrn seit einiger Zeit, verehrter Herr Redactcnr, in Ihre« geschütztrn Blatte von hier Berichte veröffentlicht, die nach Ton und Trndrnz einander ergänzten und berichtigten und sich damit dm Dank Ihrer hiestgm Leser erwerbm. .Bon der radikalm Correspoubmz, die zur Zeit durch dm in der moralischm Entrüstung über di« Greuzm der Mäßigung hinausgrhenbm Ton hier ein ganze« Hüufchm Leute au« de« Häuschen brachte, bi« zum »Briefe an« Prag", der in feinen Behauptungen und Angriffen i« Wesentlichen redaktionell widerlegt wurde, habrn Sie alle Parteien zu Worte kommen lasten und banrit gewiß in hohem Grade die Unparteilichkeit bewiesen» di« leider in jüdischen Blättern so selten zu findrn ist. Denn ein „nadiatar et altera pari * oder, un e« jü disch zu sagrn: D3TIK pa STOW, ist dort kaum zu erzielm; »Berichtigungen", »Rufe zur Wahrheit" werdm leider gewöhnlich in den Papierkorb geworfen. Sie gestatten mir also vor Allem einige Unrichtigkeiten in dem »Prager Briefe" zu dcrichttgen. E« ist unwahr, daß von jeher die Syuogogenraddinrr zu Gemeindefumlionen nicht zugelassm wurden. Wie die« vor Jahrtausenden war. wie fich der betr. Briefschreider auSdrücke, dir er der hiesigen Gemeinde allzu liberal zugestrht, weiß ich nicht. Aber bi« zu Ende de« vorigen Jahrhundert« hielt die Gemeinde stramm auf Ceutralisation und keine einzige Synagoge hatte einen Rabbiner, die Gemeinde sorgte für di« geistigen Bedürfniffe ihrer Angehörigcn, e« gib ein P"1 N'2 und die von der Gemeinde ernannten Prediger (D’jlirn) predigten abwechselnd in dm bedeutenderen Synagogen (die kleinen waren nur Betstuben, die de« Platzmangel in den größeren adhalfen. oder Stift«» und Familiensynagogrn ohne öffentlichen Charakter). Die gedruckten Predigten eines R. Jecheskel Landau, Jonathan Eibenschitz, Eleasar Kleckele« u. s. «. tragen daher al« Ueber« schrist abwechselnd »gehaltrn in der Altschul (heutiger Tempel), Neuschul, Meisel-, Klau«, Zigeuuer-Piuca«- u. s. w. Synagoge". Da« war ein natürlicher Zustand, der au« dem Berständmß der Einheit der Gemeinde erfloß. Ander» wurde die« im Anfang diese« Jahrhundert«. In den zwanziger Jahren bildete fich der »Verein für geregelten Gottesdienst", der in feinen behördlich bestätigten Statuten auch einen eigrnrn Rabbiner vorgesehen hatte. Znnz, Sach« und Kaempf habrn diese« »mt in ehrrnvollster Weise bekleidet. Der sel. Rappoport al« »Gemeindefunctionür" kannte keine »Eifersucht" und in rühmlichstem Andenken steht hier da» friedliche und herzliche Berhültm«, in welchem er zu den genannten Herren stand. Auch die Borsteher de« Tempel« dachten al« echte und rechte Söhne de« »einen" Bolle« an keine Spaltung und tro^dem sie die Macht in Händen hattrn, denn die Präsidenten der Tempelgemeinde warm mehrmals zugleich Prüfidenten der »Gemeinde", ging Alle« glatt und friedlich und gab e« nie »Eifersüchteleien und Kümpfe". Spüler bildete fich (vor ca. 30 Jahren) ein ühnliche« Berhültniß in drr Meiselsynagoge und in der Nensynagoge. Dr. A. Stein, der 1. Rabbiner der Meisel« und Dr. Tauber, der Raboiner der Nensynagoge, kauntrn bezüglich ihrer Auttsbrüder nie »Eifersüchteleien". Friedlich wirkten fie in ihrrn Kreisen, unangefochtrn von der »Gemeinde", die währrnd dr« laugen Interregnum« nach dem Tode de« sel. Rappoport ihre und de« Regieruug»rath Prof. Kaempf'« Dirnfte bei jeder Gelegrnheit in Anspruch nahm, ohne je da« falsche Prinzip auszusprechen, man dürfe diese von dem besonderen Hertraum ihrer speeirllrn Theilgemriudrn geehrtrn Herren nicht für Gemeindefuncttonrn verwenden. Da« war die schöne Zeit, wo echt-liberale und gottt«fürchttge, gelehrte und augesehue, g eb o r e ne Berttetrr dieser und anderer Synagogen die maßgeorndrn Stimmen in der Gemeindevertretung hatten. Ich nenru nur die Stamm Verstorbener, die in unser« dankbaren Andenken fortteben: Ernst Wehli, S. K. Frankel (Bruder de« Semmardirector»), Georg Feigl, G. Wolf, Rosenbacher (Vater) D. Zappert u. s. w. Keiner von chnrn sitzt «ehr am grünrn Tisch«» n» die spätere Richtung, die sie thrllweise noch beweint habrn, jetzt zu verdammen, für die ich das reckste Wott und die Charokteristrung mir um so mehr erspare. als fie Gottlob nun seit sechs Jahrrn wieder deseittg t find, fett denselben sechs Jahrrn, von denm der »Brief ans Prag" sagt »es war vielleicht eine Schwäche unseres Borstandes, daß in chnm von jenem Prinzip« adgeaaugen wurde." Bon welchm Prinzipim abgegangen wurde, seitdem ein Dr. Rosenbacher seine Stimme zur maßgebenden im