Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 1 (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- Seite 5 (sequence 8)
- Language
- German
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Mi jiun Jahre 1864 kein Jude Staats«»-« höriger werdm k»»v». Mvar er Gemriudmugehört^r geworsea «ch Ms zu« Jahre 1864 ansnärtlge Israeliten, »elch« hterselbst ata ttzeschäft betrridm Mrafltca, hu eine Steuer a» Me Ge- W«i»de zu zahle« «Athi- -rhatet hatte«, ist auf Graud eines Staotsgesetzes» pubtizirt a« 7. November 1864, das Lex» hältuiß »er Gemeinde zu» Staate eia anderes worde». Die Zwaugspsticht zum Eintritte in die Gemeine sollte aufhsre» und den dishrrigea Mtglieder» sollt« es -«stattet sein, mit ihren Augrhörigeu auszutreteu; doch blieben sie. ebenso »i« die darin verharrende», verpflichtet, eine jährliche 8iqui> dottoussteuer bis zu IX nach Maßgabe der finanziellen Verbindlichkeiten der Gemeinde und so lauge solche bestanden, zn entrichten; mit der Berechtigung: diese Steuer durch Zahlung von 10X auf einmal abzulösen. De» entsprechead sollte die Lrme.l< und Krankeupflrge, sowie das Armeu-Schul- »esen aufhbren, von Seiten der Gemeinde obligatorisch zu sein und von den öffentlichen Wohlth-tigkeils-Anstalten gewährt werden. Bon dieser Vergünstigung wird tndeffea bis jetzt sehr weuiq Gebrauch gemacht. Die jetzige freiwillige Gemrinde fährt fort, ihre Armen und llrankrn selbst zu verpflegen, sowie die Kinder unbemittelter Gemeinde-Angehöriger auf Grund ihrer, im Jahre 1867 publicirtea Statuten unterrichten zu lassen; die Mädchen in der Töchterschule der Semetudeschule, die Knaben in der Talmud Tora, höhere Bürgerschule. Gleichzeitig hvite auch die Aufsicht über die sich hier aufhalteuden Fremden, sowie die Unterstützung der dnrchreisendeu uothteidendeu Armea auf, obligatorisch für die Gemeinde zu sein und sollte der Polizeibehörde ausschließlich obliegen; indessen wird dir Unterstützung nach wie vor von der Arwen-Eowmiffioa der Gemeind« geübt. Die Liquidation der finanziellen Verbindlichkeiten der obligatorischen Gemeinde sollte nach de» vestimmungeu des Senats von dem aus «enn Mitgliedern bestehenden vorstrher-Eollrglum und eine« neu zu wählenden, ans fünfzehn Personen bestehenden, Liquidations-Eollegtum beschafft «erde». Letzteres ronftituirte sich am 6. Februar 1866. Die zu Enltus-, Wohlthätigkeits» und Uvterrichtszweckeu dienenden Grundstücke wurden nicht realifirt, sondern verblieben der jetzigen Gemeinde. Die zu zahlenden untilgbaren Renten, ans de» der Gemeinde früher zur Verwaltung übergebenen Wohlthätigkeits-Stiftungen, sowie die zu zahlenden Pensionen wurde», so fern es nicht schon früher geschehen, der Depositen- Kaffe milder Stiftungen der Dentsch-Jsraelitischen Gemeind« zur wetteren Verwaltung übergeben.*) Außerdem M. 60600 ax Erhaltung der im Jahre 1864 bereits im Besitz« der Gemeinde befindlich gewesenen Begräboißplttze. M. 76666 für dt« Fortführung der Administration bis zu ewigen Zeiten und den dafür zu besoldenden Beamte», sowie M. 86666, u» im Sinn« der Liquidatioasverwaltung davon Gebrauch zu mache», wenn (trotzdem das Aufgebot längst geschloffen ist) »och Ansprüche erhoben werde» sollte», wofür die Billigkeit spräche, daß mau sie berücksichtige. Die Einnahme von 1868 bis 1386 betrug 2,128,166 M. 17 Pf, davon wurde» »erwandt: ») Zur Ausgleichung uud Deckung der Lapital-Schuldeu laut Statut 1886: M. 266831,38. b) Zur Brstrritnug der Ausgaben von 1868 bis 1889 (inclusive) lF68868.82;m8ru°anäa: 2128166M. 17 Pf. Statt der veraoschlagte» 16*/, Liqutdatiousfteuer wurden mu 8 •/,, */, tu Anspruch genommen, .welch« sich aus vierzehu Jahre »crtheilteu. Dank der bessere« Realtfirnug der Staütspapierr uud der vorthrllhastereu Erwerbung der Reute». Di« formell« Schließung der Liquidation fand heute Mittag im Lersammluugssaal der Gemetud«, welcher der Feierlichkeit entsprechend decorirt war, statt. Anwesend waren •) Uad zwar in Betrag« rm 634810 SR. 15 Pf. sowie zur Süd«, steinig gegen etwaig« Verlust« uoch 63481 Ist. »» 10 %, laut Kt» jakttol 10. Rquibatiaus^arstaud uud Liquidation«.Lollegin». der Sekretär der Gemetude uud ei, Rat«. Der Präses des Le^uidalioasvorstinde« eröffnet» die Sitzung und entwarf in -fU« mder Rede riu BUd von der Aufgabe, welch« die Collegieu zn lösen hatten, sowie der Grundsich-, welche dabei obgevqltet hätte»; daß di« Mld« und das jüdische Wohlwollen den Beamten und Peusionsberechtigteu gegenüber so weit wie möglich zu üben, herrschendes Prineip, uad daß es trotzdem gelungen wäre, ein so günstiges Resultat zu erziele», wie sie nimmer erwartet hätten. In erster Linie verdankten sie dies den Bemühungen eines verstorbenen College». Nachdem der Präses noch allen, die mitprwirkt hatten, den Dank ausgesprochea, übergab er dem Vorsitzenden des Gemriade-Borstandes die Besitztitel über vorstehende Summen. Dieser sprach in schwungvollen Worten seine Freud« darüber au», daß die Besorgaiß, welche man zu Ankang gehegt habe, die Gemeinde würde, in Folge der Aufhebung der Zwaazspfl-cht, in Verfall gerathen, als eine unbegründete sich erwiesen habe und die Zahl der Mitglieder um sieben hundert etwa gestiegen sei und die Institute in fortwährender Entwickelung begriffen seien. Er gedachte auch des steten Entgegenkommens eines hohen Senat» und daß Hamburg wohl einer der wenigen Orte sei, wo der Antisemitismus keine Wurzel gefaßt habe, uad die Versammlung stimmte in ein Hoch ei«, daß er demselben ausbrachte. Er dankte dann dem Präses des Liquidation-Vorstandes uad überreichte ihm eine goldene Feder mit'Inschrift, zum Kn» denken an die Feier, womit derselbe di« Akten unterschrieb; dann enthüllte er «ine mit einem reichen Goldrahmen geschmückte Tafel, welche sämmmtliche Namen der lebenden und verstorbenen Mitglieder der Liquidatioas-Berwaltnngen enthielt. Der Vorsitzende theilte der Versammlung noch mit, daß eine Gedenkmünze geprägt werde, wovon drei in Gold einigen Mitgliedern des Senats und zwanzig silberne Münzen den Mitgliedern der Liquidationsoerwaltuag überreicht werden würden. Ein Frühstück schloß die Feier. Gleichzeitig wurde dem Sekretär der Gemeinde, welcher be« reit» dreißig Jahre im Amte mit großer Umsicht und Sewffsenhaftigkeit gewirkt hatte, ein prachtvolle« silberne« Kaffeservice überreicht mit einer Grrvirung zur Erinnerung. Die übrigen Beamten erhielten entsprechende Geldgeschenke. Die Frier verlief würdig und wird den Theilnehmern noch lange im Grdächtniß bleiben. Zturtorutze t. zs.» 28. Dezember. (Or.-Eorr.) Roch vor Ablauf des bürgerlichen Jahres ist auch hier der Jugeudgoitrsdienst «iugeführt uud am Sabbath den 14. d. M. feierlich mit Gesang und Predigt eröffnet worden. Die Ordnung ist folgende: 1. Deutsches Lied. 2. Aaohre und uwo le-Zijon; von erster-m die ersten zwei Verse abwechselnd vom Bordeter und dem Schüler- und Schülerinuen-Ehor gesungen. 3. Thora-Vorlesung, zu welcher nur dir Schuljugend aufgrrufen wird, mit deutschem Gchtt am Schluß der Vorlesung uad beim Schließen der heiligen Lade. 4. Schrifterklärung. 6. liinohft-Sohmone «Mreh. 6. Das Schluß- 5ebet Alann (deutsch) und Schlußlied vom Schülerchor, nn« eigen« dazu tm Aufträge der hiesigen Hauptgemeinde gedruckte, mit Lieder- Composttioneu des Organfften Herrn Siebenrock ausgestattrt« Gebet-Ordnuug befindet sich in den Händen unserer Jugend. Eia Hauch der frischen Begeisterung ging durch die Eiöffnuug dieses Gottesdienstes und man sah es den Mienen der Kinder, wie der zahlreich dazu erschienenen Elwachseuen a», daß damit eia laug gehegter Wunsch von Jung uud AU seiner Erfüllung entgegengevracht worden. Di« Jugend, die nun einmal nach dm heutigen Schuleinrichtungea am Besuch de« Sabbath-Vormittags- Gottesdieustes verhindert ist» hat nun ihren eigenen Gottesdienst, der ihr Gelegenheit giebt zur Pflege gemeinsamer Andacht und zur Ueberlrituug der im Schulunterricht gewonnenen religiöfm Basis ins praktische Leben, und da» ist die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Sache. Die ganze Einrichtung, wie sie hier sür den Jugeudgottesdimst