Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 1 (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
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ttwftlrritttt ttffMÖgtn! Roch nie hat bet eitle Trieb «och Origtvalität et«» von Selbstüberhebung strotze,de» Schrift» steiler zu einem vakrhrtnen llrtheil verlebt, ak« e« die Krrftk de« Herr» Treitschkr über Hein«'» angebliche künstlerische Impotenz ist. Heine, der Meister de« Stil«, der Giaäe Beherrscher der Form, «»künstlerisch! Und der Monn. sein geradezu bornirter Judenhaß z» solchen Aussprüchen »erietten kann, denkt und — spricht von sich al« einen Meister der Geschichtödarstellung, dessen oberste« Gesetz die Dti ainalität ist. (vergl. da« rnalische llrtheil über Heine in »,r. Rr. de« .Litteratnrbl." S. 208. LI. HAer-Augelhei«, 25. Dez. (Or.-E»rr.) Vergangenen Sonntag, de» 28. d. M. fand in Frankfurt a. M. die ordentliche Johre«fidung de« Vorstände« der Nchatva statt. Aue Bertheiluug kamen statutengemäß Mk. 10 325 in 73"/. Theile» »on je 140 Mk. (gegen 9600 Mk. 136 Mk. rin Theil im »or. Jahre). Die größte Summe erhält eine witt»e au«Ba de» mit 7 unerzogenen Kindern; 2'/. Theile — 385 Mt. Außerdem wurden im Laufe de« Jahre« 1980 Mk. al« außerordentliche Gaben in besonder« dringenden Fällen au« de« Reservrfond gegeben; zusammen also in diesem Jahre 12 275 Mk. Da« Berein«oerwögrn beträgt 178 000 Mk. Da zugleich die erfreuliche Mittheiluug gemacht wurde, daß^die verewigte Josrphthal, geb. Maa«, dir auch in ihrem Leben der Achawa reiche Gaben »»fließen lies», dieser au« ihrer Htntrrlaffenschaft ein Legat von 5000 M. ouSsetzie, welche am 3. Januar 1890 zu erheben find, so wird die Achawa mit einem Vermögen von 180 000 Mk. in da« neue Bicrtrljahrhundert ihre« Wirke»«, da« fie eben beginnt, eiutretrn. Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug (1889) zweihundrrlfüufundneunzig; mit den eben Eintreteuden »erden e« wohl 300 sei». Die Zahl der Ehrenmitglieder ist auf 860 grftirgeo. Wenn wir »»« auch au« vollem Herzen mit diesen Resultaten unsere« eifrigen Streben« im vergangenen viertel» jahrhundrrt strurn dürfe», — haben wir ja während diese« Zettranme« auch wohl 150 000 Mk. zur Vertheiluug gebracht und damit gewiß viele betrübte Herzen anfgerichtrt — und wen» t« auch wohl thut, daß »»«mehr die Bertheilung«. summe «ine fünfstellige Zahl geworden ist, so dürfen wir uni» doch nicht verhehlen» daß unsere Aufgabe eine sehr schwierige bleibt; und daß wir da«, wa« wir erreicht haben, zumeist dem humanen Sinne Frankfurt« zu verdanken haben. Erst in den jüngsten Jahren find au« einigen anderen gröberen Gemeinden Ehrenmitglieder in entsprechender Anzahl beige» trete»; i» Iah« 1889 besonder« au« Aug«b»rg. Wir haluu die Uederzeugung, »aß überall, in jeder irgend nam» holte» Gemeinde da« gleiche Ziel mehr oder minder zu erreichen ist, wenn die entsprechende Anregung nicht fehlt. Hat Frankfurt, »eil edle aufopserunggfähige Männer vou hier an die Spitze der Achawa gestellt find-, etwa größere Verpflichtung, dem jüdische» Lehrerstand Alldeutschlaud«. bi« hinei» »ach Posen und Westpreußen, beiprspriugeu, al» Hamburg, Königsberg, oder— Berlin? Und km« ei. Vernünftiger glauben, daß dieSorge für deuLehrrrstaud »trht ei» gemeinsame« J»1ereffe a l l er deutsche» Juden sei? Dich eine Gemeinde sage» könnt,: Uo« geht da« nicht« an? Wir werden für unsere Beamten keinen Anspruch erheben. Woher sollen sich denn die anznstellenden Lehrer rekrutiren? Wo« zur Fächerung de« grsammten Lrhrrrstande« dient, kommt auch der Gesamwthrit zu aut und keine Gemeinde «acht eine Ausnahme. IBcnn dem Lehrerstaude aufgeholfen »och, gewinnt die Schule, gewinnt der Unterricht, und tonn mit größere« Recht auf die Hrraabilduvg tüchtiger j»»ger Lehrer gehofft werden — und da«, kommt sicher Allt» zu g«U. Wir dürfm ohne Ueberhebung behaupten, daß die demsche Judeuheit keine höhere Aufgabe in dieser Nicht»», hat, al« die Förderung der Achawa und du Unter, stütz»», derselbe», damit fie ihrer Aufgabe, — au«k»mmlicht Pensionen gebe» zu könne», — immer »ährr komm«. Wir dürfe» -der auch zu „firm, d. h. de« Lehrern»d »n»bt»«sta»d«« Besch«»»», gestehe», daß »och kau» der zehute Lheil unserer Mitglieder seine Pflicht,»gen die Achawa thuk. E« giebt n »r Einig», welche zuweilen ei», Anregung zur Fächerung ihrer Interessen geben. Auch in ganz kleinen Gemeinden giebt «6 ei» Müglied, einen Verein oder dergl^ die gerne einen Beitrag leisten würden, wenn fie »oa dem gesegneten Wirken der Achawa Lrnntniß hätten. Zum Rehmm sind so Biele bereit — warum nur so Wenige zum Fördern? — Alle« da« und noch mehr habe» wir schon so oft im Laufe de« vergangenen Bierteljahrhundert« psagt. E« ist endlich Zeit, daß e« gehört serde, — überall. Die Achawa ist ja die einzige wohlthätige Anstalt für dir Gesanuntheit der gering besoldeten deutsch-jüdischen ReligionSbeamteu; sie zu fördern ist de erste Pflicht aller derjenigen, die für daS Ganze zu wirken berufen sind. £*uanet. Am 25. Dezember stand die hiesige jüdische Gemeinde in tiefe Trauer um di« Bahre ihre« Ober« cantor« H. Berggrün. Ein jäher, wenn auch sanfter Tod ereilte ihn in der Rächt vom 22. zum 23. Dezember mitte» im Kreise seiner Gemeindemitglirder, seiner Schüler, kurz nachdem er einen Gesang derselben geleitet hatte. Den Taktkloek noch in der Hand haltend, verlor er da« Bewußtsein und verschied in einem Rebeugemache. So ergreifend wie sein Gesang im Gotteshause, so würdig wie sein gouze- Wesen, so poetisch »erklärt wie sein Vortrag der Gebete, so schied der gefeierte Sänger au« diesem Leben, mitten in Ausübung seine» Lehrberufe«. Nicht nur die Gemeinde trauert um einen selten begabten Künstler, der e« meisterhaft verstand, die Herzen seiner Zuhörer zu erquicken und zu er. heben, auch die Kunst hat einen ihrer edelsten Söhne oer» loren. Im Jahre 1838 zu Warschau geboren, Soh-i eine« vielbegehrten Borbeter«, mitten unter meisterhaften Sängern de« Gotteshause« heranwachseud, unterstützte er al« achtjähriger Knabe schon al« .Singer!" seinen Vater. Nachdem er 13 Jahre alt geworden war» betete er schon selbständig in verschiedenen Warschauer Synagogen in Verbindung mit einem kleine» Ehore vor. Täglich bildete er sich im Violinspicl au« und besuchte da« hebräische LehrhauS. Al« 15 jähriger Jüngling errang er sich den Beifall de« berühmten Biolin-Birtuosen Bieuxtemp« in solchem Maße, daß er von ihm uurutgeltlich Vioiinstunden erhielt. Al« er 18 Jahre alt war, wurde er »on der Wilnaer Schulbehvede al« Grsanglrhrrr nach der dortigen Rabbinerschule berufen. Während seine« 20moaotigrn Aufenthalt« daselbst führte er geregelten Gottesdienst mit Ehorgesaog ein, erntete dafür dir besondere Anerkennung de« damaligen Minister« der Auftlärung, auf deffen Empfehlung er nachher al« erster Geiger am großen Theater zu Warschau «»gestellt wurde. Gleichzeitig wirkte er al« Basfist in der deutsche» Synagoge. Hier hörte ihn einst Quattrini, der E«pellmeister der deutschen Oper, und veranlaßt« seine Aufnahme in die Theater-Opernschulr. So verließ er seine Stellung i» der Synagoge und am Theater, um nunmehr sich ganz der Kunst zu widmen. Rach 2 Jahren setzte er seine Stadieu in Odessa bei dem GesangSmriftrr Gervafi fort, indem er zugleich eine Stelle al« Ehordirigeut in der großen Synagoge bekleidtte. Nach wiederum zwei Jahren war fein Svrdium beendet. Er ging dann »ach Wie», woselbst er oo« dem Meister aller Eantoren, dem derühmten Sulzer, bestimmt wnrd«, für alle Zukunft dem Lautoratc sich zu widme». 1864 wurde er Eantor in Posen, 1868 tu Teplitz und 1870 in Hannover. 1873 warde er hier definitiv anMellt. Seit dieser Zeit hat er nicht nnr in der Synagoge zu Hannover, sondern auch bei seinem Auftreten in Ätpzig vor de« größteu Kuuftkenurrn dieser Stadt, wie bet setueu Vorträgen Hierselbst in Wohlthätigkett«- coucerten und in Tonkünstlervrrei» durch seinen herrlichen Gesaa, seine Zuhörer eulzückt und al« trefflicher Küustlrr sich bewährt. Er hat aber auch viele junge Eantoren herangebildet »ud in de» letzte» Jahn» an der .BilduugSaustalt für jüdische Lehrrr" de» gesamwteu 0tfan«. »ad Mufikumerricht ertheilt, für de» er »iura besonderen Lehrgang aufgestellt hat. Set» Ges», hat den Gottesdienst der Gemeinde