Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 52 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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tnftatt erschien in Be^eitnn, de» Sah«« de« Bischof» von Metfor», d«» Wortführer» und sei»«» Brnder« im Zimmer, nm die Zögling« ihre Mahljeik verzehrten, nnd sagte ihnen, daß sie i« «amen de» Gesetze» »ehen müßten. Da der Polizeriuspettor ihnen aber schon znvor die MiUheilmrg >e«acht hatte» daß ohne einen Beschloß de» Somit»» ein Borgehen geg« di« Zöglinge nmnöglich sei, widersetzt« sie sich; e» kam zu Thätlichkeit« und in der allgemeinen Schlägerei wurden außer mehreren Zöglingen auch der streitbare Sohn de» Bischof» und der Wertführer verletzt. Beide Parteien riefen die Hülfe der Polizei an; die Konstabler weigerten fich wie zuvor, irgend Jemanden in Verwahrsam zu nehmen und überließen r» den verwundeten, gegen die Tl.äter gerichtlich vorzugehen. Inzwischen berief der Ehrwürden Ernst eine außerordentliche Sitzung de» Eomite'» ein; di« Meinungen der Mtiglirdcr waren gethrilt. Sari unterstützten den Vorsteher, zwei ergriffen für die Zögge Partei, ein fünfte« »ä hoc herbeigeholte» Mitglied soll mit seinem Votum die Aurstoßnst'g der Zöglinge und die Rechtfertigung der von dem Vorsteher beschloss«« Maßregelung möglich gemilcht haben. -Kurz, vorigen Freitag Nachmittag», begann her Auszug allen Ernste«. Die Zöglinge scheinen froh zu seirv au» der Anstalt wegzukommm. wo man sie, nach ihrer Behauptung, unter dem Borwand einer christlichen Erziehung schändlich au»gebeutet hat. Die» scheint nicht unbegründet zu sein, weil nach halbjähriger Lehrzeit ein intelligenter Arbeiter schon 20 bi» 25 Schilling wöchentlich verdienen kann. Die Palästina-Street ist nur etwa zwei Miauten von der Cambridge Heath Station in Bethnal Green entfernt. .Diese» gelobte Land" ist eine Seitenstraße, die zu beiden Seiten von Gebäuden besetzt, in welchen die Propaganda unter den Juden betrieben wird. Zur Linken von der Bitterthüre, welche der Hanptstraß zu liegt, steht ein Misfion»hau», wo Missionäre au«gebildet werden, zur Rechten weiter unten da« Konvertiteü-Hrim. Al« im letzten Mai die Gesellschaft der christlichen Propaganda unter den Juden England» ihre Jahresversammlung in der Exceterhalle adhirlt, machte der Secretär die erbauliche Mittheilung, daß man 30 000 Lst. (600,000 M.) »«»gegeben habe. Da» Ergebniß sei dir Bekehrung eine» Hebräer», der jetzt wieder zu seinem alten Glauben zurückkehren wollte» aber von seinen GlandenSgenossen nicht wieder ausgenommen wurde. Mit dieser Gesellschaft steht da» Konvertiten-Hrim in Verbindung, und in einer kürzlich erschienenen Ausgabe ihre» Preßorgau» qot man den Lesern, wohl um mehr Beiträge erbetteln, die Porträt« aller Zöglinge,,mit der Bemerkung, sie feien alle glücklich und zufrieden. 'Im Gegensatz zu den Taktlosigkeiten de» Ehrwürden Ernst und seine» -Gehülfen, de« Sohne» de» Bischof» von Bedford, muß ich noch die Antwort eine« freimüthigen anglikanischen Geistlichen »tttheilen, der mitten im Ostende London» eine Kirche besitzt. 'Der Agent der genannten Gesellschast stellte an ihn di« Zumnthung, die Kanzel seiner Kirche zur Propaganda unter den Juden benützen zu dürfen. Der Geistliche gabihnz. die zntreffrude Antwort: „tt« genügt mir. daß ein Ehrist ein guter Christ, und ein Jude ein guter Jude ist. .Mehr zu verlangen habe ich nicht da» Recht. Meine stanzet kann ich Ihnen zu dieser überflüssigen Propagande nicht abtrcten." Der Geistliche ist der Nachfolger de» Ehrwürden Roger-, der unter den Armen iw Ostend« viele Jahre.mit größter Aufopferung wirkte. * ' höcendrulAnlageu sucht« ich mir in Gesellschast mehrerer Paffagiere die Zeit p vertreiben. Plötzlich wurde ich »,n eine« stentzen gälizischen Glanbensgenoffen von sehr anstäudiger Haltung mit blondem Backenbart mit den traditiouellrn Haarlocken und in den nationalen Kaftan gehüllt, angeholten nad um die Erlaubnis ersucht, eine kurze Frag« an mich richten zn dürfen. Da ich gerne in Gesellschast dieser Leute verweUe, war ich natürlich erfreut, die Gelegenheit gefunden zu haben, ihm vielleicht einen Dienst erweisen zu können. Dir Einleitung unsere« Gespräche» übergehe ich und bemerke nur noch, daß innerhalb 5 Minuten zehn oder noch mehrere seiner Landsleute sich um un» gesammelt hatte n, deren Wortführer der vorerwähnte zu sein schien. Nachdem er nun vollkommen» Zutrauen zn mir gewonnen zu haben schien, entspann sich unter nn« folgende» Gespräch: Fremder: „Wie ich höre, sind Sie der Führer dieser Bereinigung?" Ich: . Welche Vereinigung meinen Sie?' .Ich meine die Bereinigung .B'ne B'rith", welche heute gestiftet wird." .Ja «ohl, ich bin Mitglied derselben " „Wir haben schon viele» über dieselbe gehört; e» ist eine schöne und vortreffliche Vereinigung." ,,Wa» haben Sie denn gehört, da» sie in Ihren) Augen schön und vortrefflich erscheinen läßt?"' „Sehr viel; aber da» Beste von Allem ist, daß sie dahin strebt, da» „A.ohftdusu (Einigkeit) in Israel herbeizuführen." „Da» ist wahr; aber die Ehaßidim wollen mit den deutschen JndenHlicht» zu thun haben." „Glauben Sie da» nicht, werther Herr. Wenn wir auch „Peoth* (Seitenlocken) tragen, so wünschen wir nichtsdestoweniger, e» Ihnen gleich zu thun. E» ist nur traurig, daß wir verlaffen dastehen und Niemanden haben, der un» rathen könnte." ,.E» giebt aber unter Ihren Landsleuten gewiß nur wenige, welche so denken wie Sie?" Al» ich diese« gesagt hatte, entstand eine Bewegung in dem Haufen und ein ältlicher Mann trat auf mich zu, streckte mir seine Hand entgegen und sagte: „Besuchen Sie un» doch in unserer Heimath. Mein Name ist Rtegler. Ich wohne in OSwiencim und will Jhnenj sofort 100 Mann zuführeu." „Ja, so ist e«", stimmten die übrigen ein. . Ich erwiderte: .Da« ist kaum möglick, denn zuerst »,rd Euer R e b b e diese» jedenfalls verhindert und dann werdet Ihr Euch auch enttäuscht sehen, wenn Ihr findet, daß Euch der Orden „B'ne L'rith" keine materiellen vortheile bringen wird. Zwar gewährt er deren einige, aber nicht genug, um durch dies« zum Beitntt veraolaffea zu können. Unser Hauptzweck ist, für die Erlösung Israel» zu sorgen.' Bei diesen Worten sahen mich dt« Mann» mit einer gewissen Entastung an und e» that mir leid, etwa« zu hart in meinen Ausdrücken gewesen zu sein. Der ältere Mann sagte alSdann:. „Die Deutschen sehen un« hiernach nicht al« civilisirte Menschen au." Ich suchte mich zu entschuldigen und e« gelang mir denn auch, diese Leute zu beruhigen. Ich mußte ihnen jedoch versprechen, sie recht bald in ihrer Heimath besuchen zu wollen. Die Lhatzidi« «»d der Orden v'ne B'rith. In seinem Berichte an den Präsidenten Jnliu» Bien erzählt Herr G. Freuthal in Sattowitz folgrnde» in der .Medorah' veröffentlichte Errigniß: »Auf dem Wege n:ch Birlttz mußte ich ou der Grenz» rurd KrenznnjgDstntün Dzrditz 1'/, Stunden auf den anschließenden Zug «arte». In den schön« zur Station ge- AUerlei für de« F«milie»tisch. Professor BUroth in Rußland. Der berühmte deutsche Wundarzt. Prof. Billroth erhielt einst von eine« Judm in einer klein« Stadt Rußland« einen Brief «st der dringend« Bitte, sofort hinüberzukmnmm, um eine Operation vorzunehm«. Der Profrfsor stellte in seine» Antwort »schreiben eine Honorarforderung von 5000 IRL, weicher Betrag chm auch zpgrsit-t Loche. Lr. begab-sich