Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 51 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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D» ffcfcra, vielleicht Mir» Mefe Zfet «tac» Hciaa LheÜ ■dacr CMhsfcr auswiegr», anf N| Ich Mr »o« Ihr»« M B«»cherztge» 4h»bc fl»be. I«, acta nicht aafcfcatcate* Bttailftn will ich mittelst lrtzlwtlliger verfüg»»« dazu k> stimme». in 8. riac Schale zu errichten, guten Schülern mm Eltern Stipendien an«setzen, deu ReltgionAunterrtcht ans moderner Grundlage, in einer «nf« GemÜih de« Linde« etnwtrkendru Leis«, zu pflegen, den Borzng»schüleru dea Vettern Vesnch einer Mttelschule za ermöglichen, andere dem Gewerbe zuzuführe». aas daß im polnischen I«rael eine Generation heramvachse, die befähig! sei, die Enungenschaften der Neuzeit zu würdigen, damit dem constiiutioaellen Recht«» staute nützliche Bürger erwachsen. Ich weiß, daß mein Vorhaben ans heftigen Widerstand stoßen wird, hoffe aber, daß der gesund« verstand und die gutdeukeoden Elemente den Sieg davon tragen werden. * Die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde ist in erster Reihe dazu dernfe«, diese« Werk in die Hand zn nehmen, di« Behörde wird ihr, wie nicht ander« zu erwarten, mit Rath und Lhat an die Hand gehen, und so möge Gott sei»«» Segm dazu geben. Werden dieser von mir gestreute« Saat später gute Frücht« rutsprieße«, wird die Schule an Boden gewinnen und di« Aufklärung Platz greifen, dann werden auch meine Brüder meinen Namen nicht wie den eim» Abtrünnigen auösprecheu und «eine« Andenken vielleicht ein Eriuuervugözetchru widmen. Im Laufe von 10 Jahre» muß sich die Sache ent» scheide», wird sich bi« dahin ein« »ohlihätige Wirkung meiner Stiftung geltend wache«, dann möge mein Grad durch einen Denkstein kenntlich gemacht werden, sonst verdient e« meinen Rame nicht, der Nachwelt überliefert zu werden. Eine Reis« trennet «ich »och von meinem Geburtöorte, ich hoffe, daß mein Geschick «ich früher nicht ereilen wird »ud daß e« mir gegönnt sein wird, weine Gebeine dort zur Mch« betten zu lassen, wo ich da« Licht der Welt erblickt habe. . . . Ich di« zu Ende, «eine Laufbahn ist abgeschlossen, und zerknirscht überblicke ich dieselbe. Ich wist «eim Fehltritte nicht bejchönigeu, glaub« aber doch, daß «eine Erziehung daran nicht ohne Schul» war, und hoffe, daß «ein« Stiftung dazu beitragen wird, daß die abnormen verhüllt iffe in meiner armen Heimath, und wenigsten« in «einer Vaterstadt, aufhöre«. Jetzt erwarte ich ruhig «eiue letzte Stunde, möge mir der Welteuhrrrscher gnädig sein und du, o Leser, widme eine Lhräne de» Maar» eine»unglückliche«, armen, aber reuigen Sünder«." — ItrKmerrmgen. Sen «. Veit. I. Et» Statthalter i» Lheder. E« war in de» sechziger Jahren. I« der jüdischen -Vorstadt woluica (Frriheit«platz) iu Krakau hielt ei» mit Wappen geschmückter Phaeton. Demselben entstiegen der StatthaUer von Galizien, vormalige Minister Golucho wki, der Präsident der Stadt Lrakau Dr. Dirtl und der jüdische Arzt Dr. Roseuberg. Letzterer sollte den Wegweiser ab» geben, kannte sich aber wenig au«. Der Besuch galt der »ierklasfigeu »»raelitischrn vordereüung«schule de« Herr« Ozerowiez. Der Statthalter war uiemal« dr» Jude» hold gewesen, wollte sich aber, da ei» Gesetzentwurf über i»r. Schule» vorla^ eigene Urberzeugung verschaffen. Al« er eintrat sau» er — wegen Freitag Nachmittag« — keinen Schüler vor. Unmuthig ließ er sich vom Direktor den Stundenplan zeigen. Mit dnmpfgrollrnder Stimme begann er p, lese». „Soutag: „hebräisch" — Mo»tag: „hebräisch" — Dien«tag: „hebräisch" — vmmittag«: „hebräisch" — Nachmittag«: „hebräisch" —» Dt« übrigen Gegenständ« »icht erwähnend, rief er de« erschreckten Dtrretor doumrud «»Igegru: .Da« ist ja ei« geistiger Mord, de« Sie hier auf die Linder mit Ihrem ewige» ^Hebräisch" andüben- Haben Sie Pädagogik ftudirt —kl" ..Ich bade Zeugnisse darüber'", war die ruhig« Antwort — .Können Sie Ihr Bergehen verantworten — Rede» Sie —I" ..Excrllenz — ich lehre auch andere Sprache», Geographie und Geschichte. Wenn ich nicht täglich auch eine hebräische Lection gebe» würde, so hätte« die »Lheder«' mir alle Zöglinge ab» genommen" — „Wo find diese verdammten Lheder«? —" ..Eine« ganz in der Nähe"", war die Antwort de« Directo«, der seine volle Fassung gewonnen hatte. .Führe« Tie un« dahin", rief der Statthalter, .ich will mir diese Höllennester einmal anseheu —" — Der Zug begab sich über den mit irdenen Geschirren und Körben belegten Platz mühevoll iu eiue Seitenstraße. Bor einem niedrigen alten Gebäude, auf dessen Dachzimmer sich eine kleine Synagoge befand, blieb der Zug stehen und Direktor O. wendete sich an den Statthalter: „Hier imHofraume unterhält Reb Jizchek ein.Cheder". Der Statthalter ging voran — ihm folgte Dr. Dietl und Dr. Roseuberg.-Red Jizchek saß gemüthlich auS» ruleud im Schlafrocke mit einer lange» Pfeife im Munde am Eingänge seiner Wohnung. Der Statthalter wendete sich an ihn mit der Frage: .Wo ist hier dir Schule?" .„Die .Schül" (er meinte die Synagoge) ist oben"", antwortete Reb Jizchek, ohne nur aufzublickeu. .Ich «eine di« Schule, wo die Kinder sind", bemerkte der Statthalter. Aber Reb Jizchek ließ sich au« seiner Ruhe nicht störe« und antwortete kurz: ..Ich weiß nicht »a« Sie wollen — gehen Sie zum .Schamme«", ooer zum »Gabbe" von der „Schül" —"" Da dräng!« sich die imposante Gestalt de« Dr. Dietl vor. Er schlug Jizchek die Pfeife au« dem Mund und sprach voll Würde: .Ich habe die Ehre, Ihnen vorzustelle» Seiner Excelleuz de« Herrn Minister de« Innern — Statthalter von Galizien Agrnor Graf Goluchow«ki —" Ganz verwirrt und die Pfeife aufhebend murrte der Redde — .Stadlhaller?! — ich habe gar nicht« mit der Stadt zu thun — Da« gehört zum Gabdeu — Er hat all« „Stätt" (Plätze in der Syuagoge) unter sich — und wa» er zu der Stadt hat-* Der Statthalter lächelte «ud di« Honneur« machend "stellte er seinen College« vor: .Ich habe die Ehre Ihne« vorzustellen Seiner Excelleuz den Herrn Pair von Oesterreich, Rector der Universität, Präsident der Stadt Professor Doctor Dietl." — Der Name GolnchowSki war freilich der armen jüdischen Bevölkerung Krakau'« unbekannt — aber Dietl, dieser hervorragende Arzt — dem «an 5 Gulden für ein Consilium zahlen mußte — leider meist die zu späte Zufiucht«stätte, wenn die billigsten «erzte nicht helfe» konnten — von Dietl hatte selbst Reb Jizchek gehört — „.verzeihen Sie mir" — rief dieser sich tief verbeugend — .Sie wollen wahrscheinlich zu einem Kranken — ich versteh' — rin Consilium von der Stadt — verzeihen Sie — bei un« ist aber Niemand krank-wahrscheinlich daneben-"" „Nein", antwortete Dietl deuUich, .wir wollen Sie und Ihre «iuderschule, Ihr Lheder besuchen — führen Sie »us in Ihr Zimmer — —' „.Zu mir!? wa» für Ehre — bitte — bitte hereinzutreteu — Die drei Herren stolperten durch einen schmalen Eingang i» da« duukle schmutzige Zimmer — „Ist da« Ihre Ltuderschnle?" ftagte der Statthalter. ,„— Ja, Herr leben."" „Erklären Sie un« Alle« — wie viel Ltuder bei lernen — wie und »a« sie lerne»."