Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 48 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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weis« md mifkrlpft frommer Führer der Kirche. Er iiberhäuft nicht seine Hörer mit Lorwürsev, haß sie ungläubig und irreligiös sind, sondern zieht sie an sich heran durch mllde und weise Rebe, indem er ihnen zürnst: -Seid edel «nd gut. »ildthätig und barmherzig, lindert die Roth sorget für die Verlassenen, iröstet die Unglücklichen, helfit und spendet, s» oft da» Mitleid an euer Herz sich wendet» beobachtet die Religion der Menschenliebe durch Werke der Menschenliebe I" Darr m schlagen diesem Bischof die Herzen aller derer entgegen, die eia edle», menschenfreundliche» Werk höher stellen, al» die Beobachtung äußerer religiöser Formen. An dieser bischöflichen Manifestation hat Baron Hirsch sein gute« Lheil, wie der Bischof selbst in seiner Rede hervorhob, indem seine unerschöpflich« Freigebigkeit die Veranlafluog gab, daß solche Worte au» dem Munde eine« Bischof« zur Feier einer Israelitin vernommen wurden. Baron Hirsch ist ein Hohepriester im Tempel dieser Religion der Nächstenliebe und die Mildthängkeit, deren Symbole Herz und Hand sind: ein Herz unerschöpflich an Büte und Menschenliebe, eine Hand, stet« bereit, Millionen zu spende», um Menschen au« der Erniedrigung zu erheben, zur Blldung uud zur Arbeit zu erziehen. Wir sind überzeugt. daß Baron Hirs>h den 10. November al« einen der schönsten Tage in den Jahrbüchern seine« Leben« verzeichnen wird. De« Bischof und dem Baron die Verehrung unsere« Jahrhundert», de« Jahrhundert« der Gleichberechtigung und der Philanthropie! Ler Antisemitismus ist eine Sonnen« finsiermß am Himmel der Nächstenliebe, die bald verschwinde» wird. — Und sie bewegt sich doch! J. t. 5' r/-. tieftet lote jüdische Mau schrieb ter französische Gelehrte Reinol (Christ) im belgischen .Sonntagsblatt" einen Artikel über den jüdischen Stamm, de« wir folgende Au«sprüche und Urtheile über die Juden au» der .Neuzeit'' entnehmen: .Die jüdisch» Rcce ist eine der widrrstandSfähigstm, welche auf der Erde ezistirt, und darau« allein erklärt r« sich, wie die Juden den schmählichen Hetzen und den grausamen Verfolgungen während der Jahrhunderte widerstehen tonnten. Besteht hier mne eigene höhere Lebenskraft» welche de« jüdischen Stamme erblich ist, die sich so lange unverüridert erhalten hat? Oder liegt di« Ursache dieser Vorzüge iu der genauen Befolgung der Gesundhe>t«vorschriften, welche Mose» den Juden gegeben hat? Vielleicht liegt stein ihrem Sinne für Regelmäßigkeit, Selen strenge und Familienleben? Wie dem auch sei, die jüdisch Rare ist unstreitig eine der schönsten, stärksten, bepabtcste»;!'ie hat iu ihren über dir Erdkugel zerstreuten Vertretern die größten Berühmtheiten in der Wissenschaft, der Kunst, der Litteratur, der Philosophie, dem -Handel geliefert, »nd diese Leistungen sind derartig, daß der Glanz keiner andern sin jemal« Lbertroffen hat. Die jüdisch« Rite« steht durch ihre Natur wie durch ihre Eigenschaften an der Spitz« der weißen Raren, sowohl physisch wir moralisch; wir sagen e» ganz offen und wir fühlen un« glücklich, diesen Mitgliedern der großen Menschenfamilie, dene« wir unsere Bruderhand reichen, den gerechten Tribut der Wahrheit zu zolle», auf den sie rin Recht haben." .Di« Menschheit hat au« der alte« Welt drei Lehrer: «io.ru Religion«» und «Sittenlehrer: die Juden; einen für . allgemeine Wiffenschastea und Künste: die Griechen: einen besonder« für StaatSwissenschasteu: die Römer. Bon Griechen Römern haben wir Alle« gelernt, wa» von chuen zu lernen war; um aber die alten Herren nicht gänzlich um- Iwnmen z» lassen, geriu-ßru sie al« Sprachlehrer ihr Guadenau unseren Gymnasien. Der Jude aber will sich auf lei»«» Fall pensioniren lasten; er nimmt kein Gaadenbrod an, sondern will sich lucker auf eigene Faust durch die Welt schlagen. Da» ou«en»ihlte Bolk ist noch heute frei practi- - cnender Religion«» urd Sittenlehrer. Die Aufgabe der Judm besteht darin, di« Christen praktisch zur sittliche» Lebensweise zu ermahnen. Trotz christlichn: Raligkou nimmt da» Verbrechen immcr zu. Bei mn« wird mit Nächstenliebe geheuchelt. Um theure« Geld werden Missionäre nach Afrika geschickt, damit sie dem Reger christliche Nächstenliebe predigen während bei un« daheim Christen zwischen Christen verhungern. Sind wir nun nicht Heuchler? Der Jude ist eia praktischer Mann; auch er geht in alle Welt und predigt, aber nicht durch Worte, sondern durch die That: Juün verhungern zwischen Juden nie. Ist der Jude also nicht unser Lehrer?" Allerlei für de« Famttierrttsch. Das theuerste Buch der Welt. Unter den Schätzen, welche die Wundermelt de« vatikanischen Palaste« in sich schließt, befindet sich eia uralte« Buch. Ein Manuskript ist'« welche» wohl viele Jahrhunderte bevor die schwarze Kunst erfun en ward, von der Hnd gelehrter Tchristkünstler gefertigt werde, eine Bibel mit hebräischen Charakter« und von coloffalem Formate, denn mit seinen massiven Einbanddeckeln wiegt e« nahezu vierchalb Centner, nämlich 325 Pfund. Diese» heilige Buch ward zu Anfang de« sechzehnten Jahrhundert» seiten« der israelitischen Bevölkerung Rom» al» hohe» Heiligthum verehrt und um 1512 her» n, also im Jahre de» laterauischm Coacil«. vereinigten sich die Rotabeln de» Ghetto der ewigen Stadt, sowie Juden au« anderen italie» scheu Landen, um den Papst zur Ueberlastung jene» Werke» zu vermögen. Dama'» trug Julian della Rovere, al» Papst Zuliu« IL genannnt, die Tiara. Dieser edle Kirchenfürst, der Schirmherr Rafael'« und Michel Angela'«, hörte die Bitte gütig an, wie er auch da» Angebot entgegennahm, »elchr» jene» Roft.belnsyndikat machte — da« Bibelmanuskript mit Gold aufzuwiegea. Da« hätte nun alle» ding« den Papst, der al« KriegSmann und Mäcen de» Gelbe« bedurfte, wohl verlocken können, denn in runder Summe mochten 325 Pfund lautern Golde« einer Million unser heutigm Geldwährung gleichkommen. Aber Juliu« II überlegte und widerstand schließlich der Versuchung, und so blieb denn dc.» werthvolle Buch, wohl da« theuerste de» Universum«, der Bibüotheo» Vatioan» erhalten. Untersten! Manche Juden haben eine Furcht vor dem sogenannten .Beschreien" oder .Berufen". E« gehört daher bei ihnen zur Gewohnheit, bei angenehmen Ereignissen oder Zuständen die Kundgebung derselben mit den Worten .unbeschrieen" oder .unberufen" zu begleiten. So hört man z. B. .da» Kind ist unberufen schon 8 Jahre alt." Ein Jude wurde al« Zeuge vor Gericht geladen. Al» der Richter ihn fragte: .Wie alt sind Sie?" — ,7» Jahre unberufen" war die Alttwort. Der Richter, welcher diesen Zusatz nicht verstand, stagte nochmal«: .Wie alt sind Sie?" — .74 Jahre unberufen". — .Anwcrten Sie doch nur auf da», wa» ich Sie stage!" herrschte ihn der Richter an. .Wie alt sind Sie?" — .74 Jahre unberufen". Dieselbe Antwort erfolgte, al» der Richter cha da» vierte, fünfte und sechste Mal stagte, und hüte er, dem bereit« der Geduldfaden geriffeu war, noch lange fragen können, ohue rin« andere Antwort herauSzubringrn. Ein jüdischer Referendar, der zufällig al« GrrichUschreiver fungirte, und dem die Roth de» Vorsitzenden endlich zu Herzen ging, bat den Richter um die Erlaudniß, für ihn die Frage an den Zeugen stellen zu dürfen, «a« natürlich gern gewährt wurde. Der Referendar wendete sich nun an den Zeugen und fragte ihn: »Unberufen wie all find Sie?" — ,74 Jahre", lautete hieraus die einfach« auch dem Richter verständliche Antwort. — LCohen.