Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 48 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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toanbte brWmnt sind. Soffen Eie biefe Papiere an ihren Desummungsort kommen." »Ich bin stolz ans die Ehre, welche Sie »ir damit erweisen, ich werbe alle« zuverlässig besorgen", eutgeguete Moritz bestürmt. .Und an Dich, meine geliebte Romana" — Pola hatte sich zu lxrselben gewendet — .fülle ich die Bitte, da« ftinb der unglücklichen Dame zweimal wöchentlich zu besuchen, ich habe diese Pflicht bisher übernommen — Herr MirSki hat die Papiere und eine bestimmte Summe zu erlegen. In dem beregten Hefte wiest Du Alle« haarklein verz'ichnet finden. — Willst Du Dich dem unterziehen?" — „0, ganz gewiß", rief Romana. i .Und nun. meine Themen, lasten wir un« den Abschied nicht sckwer machen —" Moritz fühlte nochmals den Druck ihrer zarten Hand. Sie blickte ihm so liebevoll in'« Auge. Ihr Busen wogte stürmisch und ermattet vom Kompfe der Selbstbeherrschung, lehnte sie ibr schöne« Haupt auf seinen Arm. Die gleichgestimmten Seelen glühten-war e« die Gluth auflodernder Liebe — die erst beim Abschiede ihr Recht geltend «echte?- Da« Stubenmädchen öffnete die Lhüre und meldete: »Herr Mirski läßt sich anmelden". — Pola bekam sofort ihre Faffung wieder: »Er kann eintreten", sprach sie. — Eine kleine Gestalt mit lichtblondem Barte, welche seinem bleichen Gesichte ein besondere« Relilf verlieh — trat ein. Pola begrüßte ihn und stellte ihm da« Geschwisterpaar vor. Rach einigen sreuublichin Redensarten bat M>r«K einige Worte mit Pola allein sprechen zu dürfen. Auf Pola'« Wunsch entferute« sich die Geschwister in da« Rebenzimmer. Er begann eine kurze verhängnisvolle Unterredung- »Hier übergebe ich Ihnen Fräulein, die Papiere und die betreffende Anweisung zur Erhaltung de« Kinde« — wie Eie e« ausdrücklich wünschten —* — »»Ich danke Ihnen.'" — »Eine schwere Last liegt mir auf dem Herzen." — ..Sprechen Sie offen"" — »Unsere Eltern halten soeben eine Unterredung. Mein Bater brachte mir ungünstige Nachrichten. <£« ist unmöglich, ganz unmöglich, daß ich ohne Sie ledin soll. Ich kämpfte furchtbar — vergebens. Ob ich träume oder wache — Ihr Bild steht vor mir. Ich kann Sie nicht vergeflen." — »»Die Zeit wird es bewirken "" — .Nie und vremal«. — Ich will Alle« thuo, wa» Sie von v er verlangen — ich will Ihre Religion annehmen — ich will Sie und Ihre Familie glücklich machen — jeder leiseste Wunsch von Ihnen soll >urch mich in Erfüllung gehen. —'Vciftofjen Sie mich nid. t — verstoßen Sie mich nicht! —" Er war zu chren Füßen niedergefalleu und hob die Hände flehend zu ihr empor. — In der Ferne ertönte ei« vunrpfe« Glockeugeläute. Pola trat einen Schritt zurück uud sprach rnhig: »Bon heute an scheiden sich unsre Wege für immer." — Ein schriller Grabgesang der Mönche wurde hörbar — die Glocken läutetm dazwischen- »Polo, Polo,", rief Mirski kuieeud — »hören Sie diese schrecklichen Töne — sie tragen uusere Freundin zu Grade. -Bei dem Geiste der Hingeschiedenen, der versöhnend zwischen uuS steht, der dem Geiste ihrer geliebten Mutter, der als guter Engel Sie bewacht, bet Allem, was Ihnen nur jemal» iw Leben heüig war, beschwöre ich Sie: — weise« Sie mich nicht zurück." — — Eine Pause trat ein. — Immer näher kam der Gesang der Mönche und die Glocken hallten.- „Wie? Sie »«gen e« in dieser Stunde, da mau da« eine Opfer Ihrer Leidenschaft zu Grabe trägt, vau mir zu fordern, daß ich Ihren Dorten uud Versprechungen vertraue — «in, ich halte Sk feiner reinen Lieb« fähig, »ä« via Liebe neunen, erscheint «k nur als dk Sprache erregten letdeuschaftüchea Sinne«. Zu einem solchen Mauue, der so leicht bereü ist, sei« Religion zu wechseln, würde ich ohnehin kein vertrauen haben. Jeder heckte fest au seine» Glauben, er opfere ihn sckbft der Liebe nicht, denn wa« er au seine« Glauben verliert, kann die Liebe ihm uk«al« er» ersetzen. Wenn dkke Gründe Ihnen noch nicht g nügeu, nun so wird hoffenttich rin Geftäudntß, da« außer Ihnen bisher noch Niemand er 'ahreu. mir wohl für immer von Ihnen Ruhe verschaffen. Go wiffeu Sie denn: Mein Herz gehört bereit« eine« Inbern, der c« selbst vielleicht kaum! ahnt, einem Glaubensgenoffen .... Ich kann e« Ihnen nie geben."" Bei diesen Worten Pola'« sprang Mirski wild auf. Die Augen funkelten. Eine Todteudläffe überzog sein Ge» ficht. — »Also das war'«!' schrie er auf. — Sein Athen» flockte einige Seknndeu. <fr hielt die eine Hand auf da« hochklopfeude Herz gedrückt und ehe fich Pola ermannen konnte — hatte er mit der andern Hand einen Revolver au« der Brusttasche gezogm und auf fie abgefeuert — rasch fich entfernend Moritz war eben durch dk SeUeuthüre eingetreten, al« Pola — tödllich getroffen — rückwärts in seine Arme fiel. Er hatte im Nebenzimmer Pola'« letzte Worte vernommen. »O, ich ahnte, wa» ihr Herz verschloß, wie glücklich machte mich noch soeben ihr Geständuiß, und wie unsäglich unglücklich macht mich jetzt ihr Tod!" * * Zwei Tage darauf erschien der »Rewirswy' bei Heinz uud «ahnte, ihn tu längst,ms einigen Stunden Warschau zu »erlaffen. Gebrochen au Geis» uud Körper nah« er einige Habseligkeiteu und »erließ dk Stätte seine« Unglück«, ruu in seiner deutschen Heimat eine Stelle zu finden — wo er ruhig sterben könnte. — i>« elende Dr. Mirski entging dem Arm der Gerechttgkeit, weil fich kein Ankläger fand. Bischof Szaß «»d Varo« Hirsch. Am 10. November, S-ountag vor 14 Tagen, wurde dk Marmorbüste der Frau Jrhanna Bischitz in der Hauptstadt Ungarn« feierlich enthüllt. Frau Blschitz ist sett Jahren aus d,m Gebiete der Philanthropie in hervorragender Weise thätig, hat Hunderten von armen Waisenkindern ein Asyl verschafft und widmet Zeit und Mühe» um dle hochherzige Spende von fl. 10.000 monatlich, welche der unvergleichliche Philanthrop Baron Hirsch ihr zur Beifügung stellt, mit Umsicht und zu« Dohle aller Eonfesfioaen zu verwenden. Auch appellirt sie, wenn Hunderte von Familien durch Feuer uud Wasser tn eine Rolhiage gnarheo, an dk stet« offene Hand des au Güte und Humanität unerschöpfl-chen Philanthropen» und nk vergeben« I E« nmr eine imposante Bersamruluug von Männern und Flauer, die sich zur Feier der ediea Frau zusammengefunden hatk, un» wer hktt d:e Festrede? Kern Geringerer al» Bischof Karl Szaß! Gr erschien in vollem bischöflichen Ornak, die Bischofsmütze auf dem Haupts um Frau Bischitz zu feiern. Ern unisormirkr Bischof mit den Abzeichen seiner kirchlichen Würde, leiht sein beredte» Wort einem Feste, dessen Mittelpunkt eine Israelitin ist. Da» llingt wie ein Wundnr in dieser arrtrsemitrscherr Zeit und fft nur aus ungarischem Boden möglich, wo kirchliche Würdenträger ihr Amt im apastolischen Geist verwalten. Und wa« ist der Inhalt seiner Rede? Er, ein Bischof, ist der beredk Anwalt unsere« Jahrhundert«. »Man ist stet« bereit", sagte er, »unserer Zeit Irreligiosität und Jadiffe» reutismu« vorzuwerfen. Mtt Unrecht. Unser Jahrhundert ist die Epoche der Humirrittit, der Wohlthäugkert, der Fürsorge für die Armen uud Verlassenen durch großartige Werk der Nächstenliebe". Ist da» Erscheinen de« Bischofs Szaß au und für sich ein wahrhafte« Wunder, so saucliouiren seme Worie dk Religku der Humanität. Da« ist ein hoch-