Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 47 (1889) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
47 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492351-8722856-5956680--1260-5373615
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr «1 Th eil lat ML« Kalaettn «teilt v< twertlleh. Geehrter Herr Redaoteur I Zürich, len 10. November 1889. Ihr werthea Blatt nimmt tioh von jeher der unsohuldig Verfolgten gern» an, deswegen bitte tob Sie, aooh die folgenden Zeilen in die Spalten desselben entnehmen an wollen. Mein Name ist J. S. Berken, ieh bin ans Kraken, woeelbst ich bereite ala 8ohoohet praotioirte und in der Schwei« bekleidete ioh aohon mehr ala 8 Jahre dieeee Amt, and «war 2 '/, Jahr in Winterthur, and in Zttrioh nah een ein Jahr. loh beaitse die Bef&higangs-Ztagnisae dafür von den 4 in Kraken ale Babbinate-Aeeeeaoren and Babbinen amtirenden Persönlichkeiten and «war von: Babbiner Dr. Duschak, Babbinatsverweser Herrn Hireoh Rappoport, Ekiba Kornitaer, von Ohajim Dombiaer; auf Grand dieaer ITH3p hat der Babbiier Dr. Plato io Köln mioh nach Winterthnr empfohlen. Ana finanziellen Gründen wollte ioh mioh am einen besser dotirten Poeten bewerben, ioh wandte mioh daher an den mir näohst wohnenden Babbiner Dr. Ehrmann in Baden (Oanton Aargau), der mir sofort die!T53p ertheilte. Bald daraof‘erhielt ioh folgendea Schreiben: „Herrn J. Berken in Winterthnrl Baden, den 6. 2. 1888. „Man theilte mir von verschiedenen Seiten ans Zttrioh mit, dass Sie dort ohne Zustimmung des „Züricher Gemeinde* Vors tan des geschachtet haben, and bei dieser Gelegenheit arch das Ihnen vorige Woohe „gesandte n?3p 3rö voraeigten. Sie hatten mir versprochen, dieses Schriftstück nicht in der Schwei«, sondern „nnr für eventuelle Bewerbung im Analand «n verwerthen. Da Sie dieses Versprechen gebrochen haben, „fordere ioh hiermit das JT33P 3T13 eurttok. Falls dasselbe in 48 Standen nicht wieder in meinem Beeitse „ist, werde ioh mir weitere Schritte Vorbehalten, and zunäohst Ihre Handlungsweise veröffentlichen. Dr. H. Ehrmann, Beoiy ks-Bab bin er. - Aas swei Gründen also, wie es aas dem Briefe hervorgeht, wollte er mir die H73p entliehen: 1. weil ioh ohne Genehmigung des Züricher Gemeinde*Vorstandes einmal geschichtet habe, 2. weil ioh, wie er sich selbst ausdrüokte, die JT53p nnr für das Ausland, nicht aber für die Schwei« verlangte. Hierauf erwiede rte ioh ihm in hebräischer Sprache, bediente mich des hebräischen Sataes 131 M3 rDO als Datum, and entschuldigte mich, dass ioh ohne Zustimmung des Vorstandes gesohiohtet habe, and gebrauchte dabei den Ausdruck: D1TI T310 '31t 'MSN flK, weil es mir in der That eriit nachher klar wurde, dass es nicht recht war, in einem fremden Orte ohne Vorwissen des Vorstandes so Schächten. Indessen ist mir hier dieser Schritt nicht so sehr verargt worden, denn sonst wäre ioh doch nicht angestellt worden. Die «weite Behauptung des Herrn Dr. Ehrmann aber entspricht gar nicht der Wahrheit. Im Gegentheil, ioh habe dieselbe ausdrücklich auch für Bülaoh unb Oylisan von ihm erhalten, and diese Ortschaften sind im Oanton Zürich. hörte er aber, dass ioh hier in Zttrioh engagirt wurde, so richtete er eine Zuschrift an den Vorstand, worin er erklärte, er würde mir die fl*?3p nicht entrieben, wenn man ihm die Aufsicht Aber die hiesige Schechitah anvertrauen würde. Dadurch aber hat er sich rerrathen, denn man merkte seine Absicht, dass er in Zttrioh nnr festen Fass fassen wolle. Als er nämlich sah, dass alle die Bemühungen seiner Verwandten und Anhänger, ihn «um Babbiner in Zttrioh zu wählen, fruchtlos geblieben war. meinte er, durch obige Forderung (Aufsicht über die Soheohitah) sich hier Eingang »u verschaffen. Aber auch dieses schlug fehl, di« hiesige Gemeinde stellte die ,lP3p vom Groso-Babbiner Herrn Dr. Weil aas Kolmar, trat« der Verunglimpfungen im orthodoxen „Israelit" and „ Jecohuran" höher, als die eines Ehrmann. Hierauf erklärte er die Zurücknahme der Fhoß im „Israelit* in einer kür mich sehr verletzenden Weise. Alle meine Berichtigungen verweigerte der Israelit aufiranehmen, schon von jeher, weshalb ioh meinen Protest gegen Dr. E. als besahltes Inserat aufgab. Dies wurde aufgenommen, aber gleich daranter schon die „Gegenerklärung" des Herrn Ehrmann. Durch dieselbe sollte ioh bei der Züricher Gemeinde in Misscredit gebracht werden; er bringt darin eine üebersetaung der oben angeführter. Oitate meines hebräioohsn Briefes an ihn, damit man glaube, ioh hätte wirklich grosse und schwere Bünden begangen. Eine wiederum meinerseits eingesandte Berichtigung hat der „Israelit" bis heute nicht gebracht. Dagegen bringt er wiederholt Artikel gegen mich, wie auch gegen die ganze hiesige Gemeinde. Wer der Hintermann dieser Sohmähartikel ist, ist leicht zu errathen; der Zweck derselben aUoh erklärlich: mich möchte man um Amt und Brod bringen und in der Gemeinde Zwiespalt verursachen, um dabei im Trüben fisohen «u können. Wie es gewissen Leuten nicht um die Bache, sondern um Persönliches au thun ist, erhellt aus folgender Thatsaohe: Mein Vorgänger hier qmsste von der Gemeinde auf polizeilicher Veranlassung wegen ungeschickter Hantierungen beim Sohäohten sofort entlassen werden, er setzt aber noch heute in einem Vororte Zürichs des Sohäohten, trat« des Verbotes seitens des Vorstandes, ununterbrochen fort, und die kleine aber rührige Partei des frommen Rabbiners besieht ihren Fleischbedarf von diesem Ex-Sohoohet, diesem wird die N?3p nicht entzogen, obwohl er sich das fast täglich su scheiden kommen lässt, wofür nur für einmal Dr. £. mir die N?3V entzogen hat Wahrlich, grosses Heil haben diese Frommen auch dem Judenthum in dir Schweiz schon gebracht 1 Die jetzt so brennende Schächtfrage ist, wie hier allgemein bekanntnur durch den von sich so gern reden machenden orthodoxen Uebereifer von neuem angriaoht; durch diesen uebereifer hat auch das friedliche Verhältniss, welches bis dahin zwischen Juden und Christen geherrscht, schon ss manche Eiubusse erlitten; ihm hat die jüdische Jugend es su verdanken, dass sie jetzt an Sabbath und Feiertagen ohne Ausnahme «um Schreiben angehalten wird, ihm ist es ferner «umschreiben, dass an der Volksschule in Boden seit kurzem erst den isr. Schülern die erlaubten Absensen von 12 auf 8 Tage im Jahr beschränkt wurden. Und nun verfolgt man mich, und möchte einen Familienvater gern brotlos machen. Ist das orthodox? Indem ich Ihnen fürriie gütige Aufnahme dieser Zeilen im voraus danke, zeichneich mit aller Hochachtung Ihr ergebenster 8. J. Becken, Definitiv aagestelltar Schocket der Ouitasgemsmde Zürich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.