Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 47 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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».Du hast (I zur rechte« Zeit »»«gesprochen-, tönte e» freudig zurück, .eben eilt fie zu «a».** Einige Minuten später wurde Pal, von den Geschwistern auf« Herzlichste begrüßt. .Wie gut Ihr seid- — rief Pola mit fast kindlicher Heiterkeit — »ich bin »ahrhaft glücklich in Eurer Mitte.- »Warum bist Du so bleich?“ frag Romane. »Naturfarbe-, war die ausweichende Antwort. ,— Sie wollen un« täuschen — werthe« Fräulein-, fiel Moritz besorgt ein — »Ihnen liegt etwa« auf dem Herzen — beehren Sie un« mit Ihrem Berttauen.-- »Wir lieben Dich tief und innig- — fügte Romana in sanftem Tone hinzu — »ja vertraue Dich un«, e» wird Dir wohl thun.- — »— Aber nein! — ich verheimliche Euch doch gar Nicht«, - entgegnrte Pola die Augen niederschlagend. Ihre Worte waren leise, mit innerem Kampfe gesprochen. Ramana halte' er nicht bemerkt. Die Freude de« Wiedersehen« — da« reine Bemüth — die freundschaftlichen Empfindungen, welche die beiden Mädchen aneinander fesselte — ließ bei Romana nicht den geringsten Zweifel an die Aufrichtigkeit ihrer Freundin auftauchen. Desto tiefer wirkten diese wenigen Worte auf Moritz. L« war eine hohe männliche Gestalt von ungefähr dreißig Jahren — mit breiter intelligenter .Stirne und milden blauen Augen. Er trat einige Schritte zurück und biß die Lippen zusammen. Doch ermannte er fich rasch. »Fräulein Pola- — begann er mit wohlklingender Stimme — »ich erhielt gestern einen Brief mit der Unterschrift A. M., dessen Inhalt —“, er blickte sie prüfend an — »ausschließlich Sie betrifft.- — Pola erbebte fast unmerklich. Mit einer Ruhe, die ihrem vollendet schönen Antlitze ein den Rafael'schen Madonnenbildern gleiche« Aussehen verlieh — hob fie die schattigen Wimpern und ihre großen schwarzen Augen öffneten fich weil. Sie verstand sich zu bekämpfen. »Mich?- frug fie, ,wa« kann da« bedeuten —?" »Bielleicht nur der Phaotastegruß eine« Romanheldeu,- amwortete Moritz trübe — »ich habe den Brief gelesen, weil er an mich gerichtet ist.- — »— Aber Moritz-, rief Romana — »Du machst eine solche bittere Miene, daß ich den Brief in Beschlag nehme- — und haschte nach dem Papiere, welche« ihr Bruder in der Hand hielt. »Der Brief wird wohl nicht« Gefährliche« enthalte«- — bemerkte Pola beschwichtigend — .Du kannst ja, theure Romana, den Inhalt vorlesen.- — Romana begann zu lesen. Pola stützte ihr Haupt auf die sammetweiche Handfläche. — Betrachten wir jetzt Pola näher. Sie mag siebzehn Jahre zählen und scheint rin träumerische- Kind, welche« harmlos der Zukunft entgegentändelt. Dichte Rabeulocken umwallen ihr edle« klassisch geformte« Gefichtchen, die dunklen Augen blicken zu Boden — doch sieh da — für 1 einige Sekunden nur — wie diese Augen gleich einem Wetter- I strahl hell aufleuchten und — dir Lippe» zusammenbeben. Moritz beachtet jede Bewegung. Er sieht den mächtigen Ecclenkampf und wie ihre innere Erschütterung an ihrer starken Willenskraft zerschellt — gleich einer tobenden Fluth i die vom Felsen zurückprallt. Und da« siebzehnjährige Mädchen hat solche starke Willen« kraft? da« ahnte er nie, da« hat er niemals bemerkt. — Der Brief lautete: ,-Werther Herr! Ich wende mich an Sie al« den wahren Freund Pola'«. Ich bin der Sohn eines reichen polnischen Edelmanne« und Assistent eine« Primarärzte«. Ich habe Pola zufällig kennen gelernt, aber ich liebe sie mit jener Gluth, die Nicht« zu löschen vermag. Sie erschien al« ein strahlender Komet in meinem finstern verworrenen Lebe«. Sie kann mich hinaufziehen zum Himmel, zur höchsten Seligkeit, oder mich in den Abgrund der Berzweifiung stürzen. Meine Liebe entstand au« der reinsten Quelle. Sie entstand bei Pola'« hachherziger Aufopferung für eine Dame, di« mir naht stand. Ich habe schrecklich« Fehler in meinem Leben begange». Ich will fie jetzt sühne». Ich will die Rechte der Menschheit, di« ich verletzte — durch Pola'« edle Hand tausendfach zur Geltung bringen. — So« ich an jener Dame — Pola weiß um da« Geheinmiß-unglückselig verbrochen — möge der Schleier der Vergangenheit decke» — — )(»: Dame ist seit gestern ohnehin nicht mehr unter de« Lebenden-—- Ei» gellender, herzzerreißender Schrei: .todt! todtleutrang fich der Brust Pola'« und ohumächttg stürzte fie z» Boden. — Die Geschwister eilten ihr zu Hilfe. Romana preßte fie au ihren Busen und erweckte fie mit ihren Küssen. — Dann halfen die Geschwister Pola auf da« Sofa. Unter einem Strömt von Thränen schluchzte und jammerte Pola: »todt, todt — o du unglückliche» Weib — todt — So mußtest Du auf fremden Boden enden —- — Moritz stand wie zu Marmor erstarrt — Romana konnte die Thränen nicht zurückdrängen und suchte ihre Freundin zu beruhigen — dann sprach fie vorwurfsvoll: .Pola — Du,* weine einzige beste Freundin — hattest vor mir ein so schwere« tzleheimniß-- ,Jn der Thal unglaublich-, bestärkte Moritz. _ (Schluß falgt.) A«S dem jüdischen Ordensleden. Die »Menoroh-, da« offizielle Organ de« Bnei-Berith» Orden«, enthält in ihrer vorletzten Nr. (September) folgende», die vielen diesem O:den augehörigeu Leser Ihre« gesch. Blatte« sicherlich sehr interessireuden Bericht (Soporb) über den Diftrict VIII. (Deutschland). »Am Schluffe de» Jahre« 1888 zählten wir 24 Logen mit 2215 Mitgliedern, zu welchen seitdem noch 2 Logen mit 102 Mitgliedern hinzugekommen find. Die Summ« von 18043 Mk. 91 Pf. wurde zu wohlthätigen Zwecken au«gegeben und 9 Mitglieder wurden un« durch den To» entrissen. Der Lassend« stand betrug 213,686 Mk. 94 Pf.; derselbe ist jedoch bi« heute bedeutend gewachsen. Wa« die gewährte» Unterstützungen betrifft, so ist nach meiner Meinung die Ansicht der Logen, daß der Fond derselben für etwa später unterstii tzungsbedürftig werdende Mitglieder reservirt werden müffe und daß au« diesem Grunde Nicht» Mitglieder nicht au« di m Logenfond, sondern au« freiwillige» Beiträgen der Brüder zu unterstützen seien, eine irrige. Die« könnte die Anficht nähren, daß eia hilfsbedürftiger Bruder nur auf den iogenfon» verwiesen werden könne «ad ein Bruder nicht zu Privatbeiträgeu verpflichtet wäre, wodurch dann da« häufige Lollectireu für wohlchätige Zwecke in de« Logen aufhör-r würde und auf diese Weise eine der Ursachen der geringen Betheiligung an den Bersammlunge» beseitigt wäre. E« if: daher natürlich, daß die an« de« Logeofond fließende Uuterftützung keineswegs die wirkliche für Wohlthätigkeit-zwecke verwendete Summe »««macht und auden mir gewordenen Mittheilungen zu schließen, übersteigt die ganze für Wuhlthätigkett« zwecke verausgabte Summe de« VIII. Diftrict« fiir da« abgelaufene Jahr dir Summe von 200,000 Mt. Alle Institute bestehen nicht nur fort wie früher, sondern. haben an Au« rehnung bedeutend gewonnen. Bor» . kehrungrn zur Erweckung de« Jntereffe« für die Pflege von ' Künsten und Wissenschaften, die da« Herz und da» Gemüth veredeln; genußreiche Unterhaltungen, deren Ertrag zur Bekleidung armer Kinder ans Purim und Ehauukah, znr Schickung kränklicher und schwächlicher Kinder in die Sommerferien und zur Griff düng eine« WaisenhauSfond verwendet wird; gesellschaftliche Zirkel zur Bereinigung der Mitglieder : und ihrer Familien; die Bildung von Bereiue» au« den Damen der Bruderfair ilien, welche .Wohlthätigkeitauf ihr« - Fahne schreibe« und Irren auch schon »tele geübt habe», — | alle« diese« wird mit Eifer augestrebt und zur Ausführung A: gebracht.?■£