Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 46 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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trat. — Sr cniHribrtc sich fett Woche« nicht mehr; ««f dem Sopl,a liegend, suchte der Uebermüdete den »st enlbehrteu Schlaf, den er seinem Pflichteifer opferte. Die Hilfesuchenden bildei e» Spalier ihn zu den Leidenden geleitend, vrenu er den Fuß über seine Schwelle setzte. Im Hause wurde für Arme und hflflose kranke gekocht, Frau und Tochter Rembrand« halfen unerschrocken wo Hilfe mök,l ch war. Aus den halboerfunteoe« Häusern de» Armenviertels, eilter in da« reichgeschmückte Boudoir der Aristokratie der naheiiegenteu Güter. — Mit SturmeSeile verbreirete fich die ü holera, sie forderte ihre Opfer in den Hütten wie in den Paläiten und Schlöffen, der Reichen und Mächtigen. Endlich, endlich! nach monatelanger Berheernig. zog das ibersättigte TodeSungeheurr allmählich ab, um an andern Orten neue Opfer za verschlingen. Die schreckliche Zeit war vorüber und al» da» Leben endlih wieder seinen Weg und Alles zur Tagesordnung übert egangen war, erhielt Dr. Remvrand, ein AnerkeunungSschre den von der Regierung und den Adlerordcn. — (Beifon zeigte die« seinen Sinder nach England an. Er hatte ihnen in der Zeit der schweren Roth so oft al« möglich Nachricht gegeben, um sie zu beruhigen — aber diese hMthten noch viele Tage, um an ihr Ziel zu gelangen. — Auch Frau Rembrand und Bertha theilte die ehrende Anerkennung ihres geliebten Oberhauptes mit; aber stolz schli » Bertha: .Wer geleistet hat, wie mein Vater, der bedarf keine« Orden«, um belohnt zu werden. Er lächelt auch wenn man den Orden .eine Belohnung" nennt; aber er f 10t mit voller Freude, wenn er ihn in da« Snopfloch sein,« Festtagskleide« befestigt: der Gedanke, dag unser Morarch Jedem seiner Uuterthaoe», den er für würdig eracht:», — ohne Unterschied de« Stande« und der Loufesfiou, — gleiche Huld gewährt, die« sei seine Geuugthnimg al« Bürger. — Angenehmer sei e« jedenfalls, al« jene Bedingung de« LoltuSmiuister« von S. einige Jahre nach dem Kriege: .Di. R. würde da« versprochene Phifikat erhalten, wenn er sich tauf« lasse." .Al« ob man den Glaube» wie ei» Lleid weck selu könnte", bemerkte die Briefschreiberiu. * » Die «sie Thal de» Volke« war di« Befreiung dn seit einem > Jahre verhafteten zweihundert via und fünfzig Pole», die durch Berrakh irregeleitet, ihre von da preußische« Regierung - geschützten Pläne zur Befreiung ihr« Brüder, jeuseu« da Grenz«, in Kerkerhaft büßen mutzten. — Ei» Triumph»«- - war ihnen bereitet, eine ehrenvolle Kundgebung da Böltereinigung! — Die Befreiten riefen begeistert: .Rechnet auf un», deutsche Freunde! im Kampst gegen unfern gemeinsamen Feind l" .Deutschland« Einigkeit, die Hohenzollera al« Kais«, da» sei uns« Loh»! Hoch Deutschland!" .Josef, wa« wir al« Jünglinge geträumt", sagte Arno, .«füllt sich an unfern Kindern! Gott segne da« Vaterland!" Ein ähnliche« Telegramm empfingen di« Großeltern da - beiden begeisterten Jünglinge, wo bange Sorge um de« Ein- ' zelnen bei der Erhebung de« Bolle« gleich war dem Interesse da großen, unerwarteten Ereignisse. — .Das stad die Tage de« Messias, sagte Gecsva. hätte e« doch Valentin erlebt". .E« steht geschrieben im Jesaia»," sprach die schriftkundige Sara: .Durch Blut und Wunden wird sich die Zeit der Befteiung ankündigen." .Friede, Friede! dem Nahen und dem Fernen," rief Dr. Rembrand, die öffentlichen, offiziellen Nachrichten in d« Hand. — .Ander» war cd achtzehnhundert fünfzehn, groß und herrlich! Damal» galt e» dem äußern Frieden, heute dem inner»', sagte d« Doktor ernst. .D« Jubel de« Volke» üb«tönt fast da« Glockengeläuts" sprach Gerson. »Mögen sich die Hoffnung« erfüllen, die setzt jede« Herz bewegen!" .Denken Sie an die ewig wahren Worte unsere« Dicht««, / lieber Freund, erwiederte Rembrand: »Die West wird alt und wird »ied« jung, »Doch d« Mensch hofft immn Berbefferung." Endel Heinrich So«thei«'s SOjährige» Kiinftlerjntztlänm. Achtzehnhundert acht und vierzig, am 24. Februar, läutet« die Glocken von Notre Dame in Pari« dir Revoluttim ein! West hinau» üb« die Grenzen Frankreich« «schütterten dies, Töne Fürsten und Böller. — Am 13. März stürzte da« Metternich'sch« Sklavenshstem, da» die Geist« di«h« in Fesseln geschlagen, — in Wien zusammen. — Die Frühlingsstürme de« 18. März wehten diese in den erregten Gemächern de« preußischen Volke« zam tobenden Orkru. — Bei der Erstürmung de« B«lin« Zeughavse«, zum Korrpfe auf die Barrikaden, zum Leben und Sterben um de» Bolle« Freiheit, finden wir die akademische Jugend «eben Artest«» aller Klassen und Eonfessioaen, nach blutigem, helteumüthigem Kampf« und schwnru Menschenopfern, siegreich die Fahne schwenkeird im Siege»ta«mel und erhabener Frrrde. — .Schwarz-roth-gold" diese Farben de« geeinigten Dnstschlaud«, klang e« au« hunderttausend«« Stiuimea — .da» ganze Deutschland soll e« sein." — In der Siege»freude d« preußischen Hauptstadt, während Kör ig Friedrich Wilhelm IV. in de» Reihen seine« Bolle», hoch zu Roß die schwarz-roth-goldne Fahne schwenkte, vngaßm die Söhue nicht, telegraphffch ihren entfernte» Estern die SiegeSnachricht mitzntheile». Uattr den Jünzern d« Universität, befanden sich auch die in Bali» sttidireuden Sö>»ne unsr« englisch« Freunde. Da« Telegramm lautete: .G-liebte Eltern! Aus den Barrikaden habe» wir mitte« uat.i Kugelregen mstgaimpft und gesiegt für die thruersteu Güer de« Leben«: Freiheit, Gleichheit, Brüderlicksteü! — Eia seltene«, wohl einzig dastehende« Ereignis in der Kunstwelt lenkte am 18. Ost. die Augen all« Freunde da Kaust de« Gesanze«, namentlich d-r Oper, auf sich, r« ist da« övjähr. Künstlerjubiläum H Sontheim«, weich« zwar seit Jahren dem Theata al« angrstellte« Mtglied nicht mehr angehört, d« ab« nie aufgehöa hat, tünstlerisch zu wirken und sich sowohl auf den »eltbedentende» Brettern, wie i« Konzertsaale hi« und autzwärt« alljährlich de« östern hören ließ. Ein Rückblick auf da« Leben und Wirke« de« Küastlnjubilar» wird den Lesern gewiß willkommen sein. — Heinrich Sontheim wurde 1820 zu Jebenhausen O.A. Göppingen, von jüdsschen Eltern geboren. Erzeigte früh Talent zur Musik und erregte al« Knabe durch ferne schöne Stimme wie sein au«gezeichaete« musikalische» Gehör die Aufmerksamkeit Mustkoerständiger. De» ersten Musikunterricht erhielt « uüt 3 gleichaltrigen Junge» van 14—15 Jahren in Göppingen durch den damalige» Stadtzinkensste» , Bleßuer auf d« Violine. Estrige Jahre spät«, al» fich seine Sttmme zum schönen Tenor entwickest hatte, km» « m die Gesang«- und Treffschule von Kuatz hi«, woselbst die hi« noch lebenden prustoairte» Thordirektor Schneid« . und Thorsäng« H. Bogel seine Mstschül« waren. Die höhere und gesangliche Ausbildung «hielt « alsdann von V dem Bassisten de« k. Hastheat«» Häs«, während d« Hof- V; schansptel« und Säug« Tram« mst ch« die ersten Roll« eiostudirte (1837/3S). .Srver" in Norma und .Othello" in Rossini'« Op«, waren seine erst« Aufgaben, zu da« vffenstich« Lösung dem strebsam« ISjährig« Jünglinge 3./j bald genug Selegenhett wurde. Die bekannte Theatadichstert« . Eharlove Mrch-Pferff«, befand sich während ihr« Direeno«»- fähigkett in Zürich um j«e Zeit hi« i» (St» ttgart) zum vr-