Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 46 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 3)
- Language
- German
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tage, hörte Sontheim und mgagirte ihn sofort für ihre Bühne mit ziemlich bescheidenem Gehalt. Wenige Woche« später kam der großh. bad. Hofmustkdirektor Gaßaer auf der Suche »ach einem Tenor hierher, hörte S. gleichfall» uud uahm ihn sofort mit nach Karlsruhe, damit er vor de« großh. Hofthrataintendantea Bar»» v. Gemmingen und dem Hofkopellmeista Strauß und Operuregisseur Mayer Probe säuge. Diesen Herren gefiel er so sehr, daß der Intendant ihn augenblicklich auf 3 Jahre mit steigendem Gehalt austellte und die festgesetzte Konventionalstrafe von 300 fl. bezahlte. Der Tag seine» 1. Auftretens kam heran, der 18. Oct. 1839, an wechem er den Sever in Brllini'S Ror- «a saug, mit dem er trotz seine» BangenS und seiner unleugbaren Anfänaaschaft einen vollständige« Erfolg errang. Der Tenorist Haizinga wurde Sontheim» Borbild, der sich auf da» liebevollste de» jungeu Manne» annahm, welcher ihm dafür . sowohl, wie seiner unerreichten Leistung halber zeitlebens eine schwärmerische Verehrung bewahrt hat. Reben Haizinger waren e» die berühmten Sängerinnen Fischer- Schwarzbeck (dramatisch und Zerr (Koloratur), nach welchen sich Sontheim bildete, »ährend Ludwig Desioir (nachmal« in Berlin) ihn schauspielerisch unterrichtete, und dessen Othello tzewiß nicht ahne Einfluß auf de« jungen Manne« Leistung w der gleichnamigen Oper war. So groß war da« Vertrauen der Karlsruher Bühnenleiter in sein Können, daß S. schon am 1. Dez. den Othello singen durfte, de« nach kurzer Ait der Mansaniello in „Die Stumme von Portict* folgte, »ährend dir große Zahl der übrigen Rollen: Tamio (Zauberflöte), Max (Freischütz), Edgardo (Luc'a) rc. dazwischen lagen, denm nach uud nach alle die großen Aufgaben folgten, welche die neue Opernrichtung stellte. In seiner künstlerischen Heimach Stuttgart hatte er i. d. Jahren 1842 uud 1843, sich al» Gast am Hoftheater hören zu lasten, wo er selbstverständlich die wärmste Aufnahme fand. Da» für dir Karlsruher Oper verhänguißvolle Jahr 1847 traf S. schon ol« Meister an, der sich infolge de» am 26. Febr. gen. Jahre» stattgefundenrn Theaterbrande« und Sistinmg der Oper zum 2. Male in der Welt wagte, nachdem er früher schon in Pest gastirt hatte. Er sang in Kastel 22 Mal, später in Aachen al« Bast mit glänzenden Erfolgen. I« Rov. deflelbe» Jahre« sang er zum ersten Male wieder in Karlsruhe den Gomez im .Nachtlager* in dem daselbst errichtet« Jnterimtztheater. Lange sollte iudeß da» wiederaufgmommme ruhige Künstlerwirken daselbst nicht baue«, d«n di« Unruh« de» Jahre» 1848 störten dastelb«, und vir sehen S. al» Schützer der Ordnung im Wachtuud Patrouilliendi«str auf dm St« aß« von Karl»rnh« marschirea, al» eifrige» Mitglied der dortig« Schützeagtlde. 1850 folgte er alsdann der Einladung tat Stuttg. Hofbühne zum Gastspiel auf Anstellung, und begann dastelb« a« 8. Okt. als .Eleasar* in der .Jüdin*, mtt welchem er ein« sieghaften Erfolg erzielte, der uach seinem weiter« Auftrrtm m Martha (2 Mal) uud Lnerecia Borgia zur Anstellung auf Lebmszeit führte. Im März 1851 fand »lsdann sein erste« Auftreten al» Mitglied de» Stuttg. Hoftheater» statt; B«aro in Luerecia Borgia war seine Antrittsrolle, in Martha »ud Prophet trat er da» 2. und 8. Male auf. Um diese Zett begann die nachmal» so berühmt gewordene Glanzzeit der Stuttgarter Oper, welche «tt dem schon vorher hier wirlendeu Pischek, Frl. Wärst (Leisiaga) und d« bald nachher eiaaetrrt«en Schütkh und Frau Marlow chren Höhepunkt erreiche. Eine ganz« Reche großer Opem wurde mtt S. und theil» weise dem gm. Zusaunueaspiel zu« erstenmal dm Stuttgartern ««geführt. Mehr wie in Karlsruhe wandte sich S. tu Stuttgart auch der Spieloper zu und hat bekaantlich ans chrem Gebiete ebmso große Erfolge z» verzeichn«, wie in da «roßen Opa, wobei «an nur an sein« Fra Diavolo, Postillon, George Brown (Weiße Dam«), Alessaudro Stvadella und an feine li«beu»würdigea Leistungen in Adler« Horst, de« Liebestrank u. a. m. zu erinnern braucht. I« vie viel« -Konzatm a währmd da lang« Rech« seiner hiesig« Thätigkrit mttgewir kt uud dmselben durch seine Lietervorträg dm höchst« Reiz verlieh« hat, läßt sich kaum aufzähleu; die meist« waren wohlthätigen Zweck«,, da Unterstützung hil fsbedürstiga Tollegm, reismda Künstln u. s. w. gewidmet, wofür sich S. stet» gern find« ließ. Ganz besondae Marksteine seine» Künstlalebm» aba bildet« seine zahlreich« Gastspiele, welche sich auf Dmtschland, Oesterreich, Ungar«, Schweiz re. ersttecktm und die a von Stuttgart au» t. I. 1857 begann. G»nz außergewöhnliche Erfolge hatte S. in Wien, und da» strenge, kritische, verwöhnte Publikum, wie die gesam mte Presse Haber, den schwäbisch« Sänga ausgezeichnet, wie kaum einen männlichen Gast vor und nach ihm. — Daß so langem, hochbedeutendrm künstlerischem Wirk« auch die verdienten Au«zeichnungen folgt«, versteht sich von selbst. So wurde S. u. «. von König Wilhelm von Würtemberg schon in dm 6va Jahrm zum kgl. württ. Kammersänga anaunt und mit der großen goldmrn Medaille für Kunst am Band« de» Kronenordm« ausgezeichnet; zahlreiche Auszeichnungen folgt«. Rach den glänzmdm Erfolg« währmd da Jahre 1868—1872 i« Auslande, neben dmen die Wathschätzung S.'s in da Heimath sich womöglich noch erhöhte, wurde e» un, so schmazlicher empfunden, al» da Liebling de» Publikum» sich im letztgenanntm Jahre. 1872, plötzlich von seine« Wirken zurückzog und bi» 1874 eine vollständige Pause eintreten ließ. Seitdem ist er aba bi» in die jüngste Zeit sowohl auf da Bühne wie im Konzert» saal oftmals aufgeireten. Bei den Borst-llungen zum Best« der deutsch« Bühnengenossmschaft zu Stuttgart in d. I. 1887 und 88 trat Sontheim zulebt auf der k. Hofbühne auf, währ«d a eine größere Anzahl von Wohlthätigkeit«- konzalea allezeit gern durch seine Mitwirkung unterstützte. DeS LordmayorS ÄfaaeS Um-«-. London, 9. Novemba 1889. Alle Eismbahnzüge, Omnibusse und Pferdebahnen, di« uach da Eich und den Straßen fuhr«, durch welche der Lochmayor Sir Henry Jsaac» heute seinen Umzug anläßlich seine» Amr«antritte» hielt, waren von Passagieren vom früh« Morgen an überfüllt. Ab« auch an dichte« Gchränge von Fußgänger», daß sich nach den Mittelpunkt« de» Schauspiel« wälzt«; fehlt« es nicht, und lang« vor da Mittagsstunde, um welch« die Procesfion sich von da Guild» hall pünktlich in Bewegung setzte, war die Straße von Zuschauan dicht besetzt «ad kein Fmst«, Balcon »da Dach da Gebäude war lea. Und es verlohnte sich da Mühe, Zuschau« zu sein, dm« de« Auge w>.:d sehr viel Sehen»- wache» gebot«. Morgm« war die Stadt ra Nebel gehüllt, da sich ab« spät« lichtete, «ad »bschon da Himmel bewölkt war, kounrr doch hin «ud «ieda die Sonne zu« Durchbruch komm«, um da» malerische Bild da in reichen Flaggenschmucke prangmdm, «tt Blumeuauirlande» und andewn Dekorationen au«gestattetm Straßen» sowie die äußerst pittareöke Processtoa selbst, wie «an sie gewiß fett viel« Jahrm nicht gefthen, zu beleuchten. Ba» Defiliren de» Zuge» «u eine« gegebene« Punkt« nahm etwa eine halbe Stunde in Ansprach und dann schloß sich überall eia dichte» Gewoge da von da Polizeimaunschaft bi» dahin zurückgehalten« Menge an. I« Zuge, da von batttma Polizei» Mannschaft «öffnet wurde, welch« eine Adtheilung de» 12. Lanzia-Regiment» und dann di« baittme Mustkbande da kgl. Artillerie folgt«, wurdm die sich hia aaschließmdeu Batretn da Föcheration da Offizttre und Uataoffiziae da Fruerwehr Arankreich» und Algerien» vom Publikum überall war« begrüßt. Gleich darauf kämm die Delegirten da Feuerwehr vaschtchena englischer Städte. Dann da» Corp» da Dieastmänna mit chra Musikbaade und ebenso eine Abtheilung da 1. landoua freiwilligen Schützenbrigad« mtt ihre« Musikcorp» und mehrere andere Abordnungen «tt chren Bannern. Wie gewöhnlich kamen dann die Re-