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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 43 (1889) · p. Seite 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
43 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 168 (sequence 2)
Language
German
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Herz bewegte« unb wie i« beseligten Tr««»« hörte er die Won:: »Hier finde ich Ruhe und Fried« wieder, die ich so lange vermißte. Dank, Dank, geliebter Freund!" „Du weckst in mir, wa« Dich beglückt. Dein ist die Macht, die mich über wich selbst erhebt", rrwideNe er leise. „Damals als das Unglück über meine jnngen Jahre kam, wie der Nachtfrost über Frühlingsblumen, war mein inneres Leben lobt, öde, hoffnungslos; so trat ich an» «einem Krankenzimmer. Selbst die Liebe zu meinen Eltern füllte diese Leere nicht au«. Mir düulte, ich sei ihnen eine Fremde, da fie mein Unglück und seine Folgen nicht kannten. Bott sei 3)ont, daß e« so war, daß ihnen der Jammer erspart geblichen." Sie schwieg in Erinnerung jener Zeit, —dann fuhr fie fort: „Nicht Deine Gegenwart, sonder» Dein Fernsein belehrt: mich imrmrmehr, welch« Stütze ich an Dir habe, ich erkor nte immermehr Deinen Werth, Du Edler! Du zeigtest bei Deiner selbstlosen Liebe soviel Selbstverläugnuug, hörtest mit tiefem Verständniß meine rücksichtslosen, stürmischen Klagen an, leitetest mich mit milder Weisheit; — da erkannte ich, ,aß Du mein guter Schutzgeift bist, den ich nie lasten kann. So hast Du mrch hinübrrgeleitet zum neuen ledrn»- wert)en Dasein." „Du machst mich stolz und glücklich. Vielgeliebte, ich wrederhole eS Dir und werde «S ewig wissen: Dein reines Wesen hat von Kindheit an mein best«» Selbst gewrckt, gebildtt. — So hat unser Bund aus unsrer Natur heraus fich frei heraus entwickelt, er sei gesegnet." Beruhigende Harmonie wirkte erlösend auf die von den Erlebnissen des vergangenen Tage» überspannten Empfinoungen. Mütterlich sorgend, schloß Natur die vou Thränen de» Abschiedes und des neugestalteten Glücke» müden Augen zum ruhigen Schlummer. Rach ftuudenlanger Fahrt wieherten plötzlich die Pferde wur tcr und mit kräftigem Zuge fetzten sie den schwerfälligen Wa,en in schnelle Bewegung. Die Schläfer, zu welchen auch der Postillon gehörte, erwachten. Mechanisch ergriff er sein Horn und schmetterte kräftig die Melodie de« Liede«, „Wie schön leuchtet der Morgenstern" in die frische Morgenluft hinein. Die Pferde hielten vor dem Posthause, fie hatten r» mtt frohem Wiehern längst instinktiv begrüßt, im fichern Gesühl der Gewohnheit, hier Erholung und Futter zu staden. Arno öffnete die Wagenthür, Esther sprang ftöhlich hinaus, er fing fie in seinen Armen auf. — Der Morgenstern stand leuchtend aui klaren Himmel, wie er gestern al» Abendstern über dem Eltrrnhause Esther» gebuchtet. „Siehst Du dort nördlich den großen Bären?" sagte fie lächelnd. „Wir nanuten ihn als Kinder den Wagen und freuten nn», daß er mit seiner Deichsel auf unser Elteruhar» deutet. — Ist wohl dort ruhiger Schlaf gekommen, die Lieben über die erste Nacht der Trennung von ihre« Stube» hinwegzubriugen?l" „Sie werden von ihren glückliche» Krudem träumen", eru iderte er, schlang deu Arm um fie und wirbelte mit ihr umher in Kinderlnst, bi» fie lachend nicht weiter konutm. „O Gott, wie glücklich bin ich! Du meiu, mein für immer Esther!" „Und wir Beide Ein«, da» lauge, schöne Leben hindurch, meu Arno! Sieh wie freundlich uu» die Stern« winken." Der kühle Morgenwind, der Vorbote de» kommendm TageSgestirne», wirft« fröstrlud; fie eilte» in di« Paffstersture, wo Kaffee gereicht wurde. „Da» erste gemeinsame Eh ffrühstück, Frau, wie schön wirb e» imretgnen Heime sein!" sagte Am», zärttich die vom Morgenwmde rosig augefauchte Wange Esther» streichelnd. Bald ertönte da» Signal de» Postillon», unsere Passagiere stiegen wieder ei». „Himmelhoch jamhzend, zu» Tod« betrübt,' glücklich allein ist die Seele die liebt", sang >ru». „Wahrer und tiefer vermag kei» Wort die Liebe zu bezeichnm, mein Herzen»« glück." Ein warmer Mck der holdm Nachbarin, der ihm in» Herz drang, war die Erwiedemng seiner Amßemug. — Rach dreistündiger Fahrt bog der Wagen um die Waldecke, eine rosige, gewaltige Fläche lag vor dem enlzücktm Paare. E» war die Z>ee. Die Sonne stieg gleich einem Feuerball empor, die zitternde Fluth und die Welle» lmchtetm io feuriger Lohe. Weithin am Herizoute flohen rofige Wölkchen, al» i verstreute eine gütige Gotthcft Rosen auf ihrem Wege. Der Postwagen hielt am Hafeuplatze» dem glitzernden Strande gegmüber. -- Fischerboote mit ihren vom Morgenwinde gebläht» Segeln, zog» wie Riesenvögel mit «»«gebreiteten Fittichen» durch die weichen Wellen dem Laude zu; hoch oben, wo die Wölbung der See fich am äußersten Himmelsrande mit diesem zu verbinden schien, schwebte schattenhaft wie Fatq Morgan« ein majestätische» Seesihiff, verschwindend wie die vorüber» eilenden Morgenwolken. Esther hatte in der flußarmen Heimath keine andre Wasserfläche gesehen, als deu See in Saraovice. Da» fie hinreißende Gefühl voa Andacht und Begeisterung verklärt« ihr ftomme» Antlitz, wie der Erde entrückt lehnte fie au Arno'» Schulter. Die Fischer landete» mit ihrer reichen Beute. In Farbenpracht schillertet: die mannigfachen Seefische; in da» ftöhliche Gedränge der im wafiergefüllien Kahne sich überstürzend:« Menge blick>e Esther mit ftohem Erstaunen. Da» neue, ihr ganz fremdartige Leben, löste endlich ihre fast an Erstarrung grenzende Ueberraschung de« ersten Eindrücke». „Sieh, Liebste, dort auf der Rhede da» Schiff, e» wirb un» dem neuen Heim zuführen", sagte Arno mit froher Stimme, aber zaghaften Herzens, die Wirkung dieser Worte erwartend. Sinnend blickte fie hinan» in die See. — Sie empfand den ganzen, mächtigen Einfluß der großen, geprüften Lieb« de» Manne», dem fie fich angetraut, und innig aber stark sprach fie: „Gott und Dir vertraue ich Leib und Seele, meiu Arno, er hat un« zueinander geführt durch Stürme uub Gefahren der Seele, er wird uu» auch ferner schützen." Hand in Hand eilten fie, da» naheliegend« Hotel zu erreiche», der Wind ivehte plötzlich io scharfe« pfeifende» Töne«. (?»nsetz»ug folgt.) Die M«rra»eu tum ei«ft m»v jetzt. Vne Lol-Illäro-Grinnrrnng. Keine drei Jahre mehr trenne« uu» von der Vollendung de» vierten Saeculum'» seit der Verbannung der Jude« au» Spanien, da di« viele ertriebeueu Söhne Israel« im Jahre 1492 wieder einmal da» schreckliche Drama eine» 9. Aw durchlebten. Der Gottesacker, auf de« die verbannten vou deu Gebeinm der Väter für immer Abschied «ahme«, diente al» Scenerie bet dieser Tragödie und die friedlich« Ruhe der Tobten bildete eine« erschütternden Kontrast für bie nun Verbannten und Heimathlosen. Ueber eine halbe Milli»» dieser Unglücklichen schiede« au jenem Tage von dem lheure» spanische» Baterlaude, aber r» blieben doch einige Tausenb zurück, di« fich mit eine« geheuchelte» Losungsworte de» ferueru Aufenthaft auf der paradiefischeu Halbinsel erkattfk hatte». Diese Schetuchristeu hatte» fich über ihre Gefühlt getäuscht. Während ihr Haupt in goldene» Paläste» ruhte, während ihr Fuß durch hesperische Gärten wandelte, warb ihre Seele von deu Folterqual« de» Gewtfieu» zerrissen, wurde ihnen schon beim Leben von finsteren, fanatischen. Mönche» ein Vorgeschmack der Hölle bereitet. Die Geschickt« - dieser Marrane», nicht di« politische soickern die private, chr

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