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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 43 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
43 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■M4». - savischt» iss». L^AUierK/^// Herau»g«geb« von Dr. M. Aatzmer in Magdeburg. z« Kckrhtttm- ». Kelehnmg str die israelitische jßMe. _ . HarzeXadal. Lin« kujiuoischi Erzählung all» dem Anfang« unsere« Jahrhundert». Bon Johanna. — Die Marrane» von Uz!üüt!! «inst und jetzt. Lin« Xol-Äckra-Ertnuerung.— Die Dofferprob«. Bon B. Mandl. — Allerlei für den Fomilientifch. ^~ — AIthfel«fgabea mb Nächselllsrngm. (Undefngter Nachdruck nl diese» Blatte nntrrfagt.) Herzensadel. Ein« kujawisch« ikrzllhluug an« dem Anfang« unsere« Jahrhundert«. Bon Johanna- - Nicht in die Zukunft reich» de« Menschen Eros». Kein Wunsch »n schwebt dahin al« frommer Tran« Der ihnen träume» mag zu guter Stunde. (Leopold Scheser.) Leicht und durchfichlig ist der Brautschleier, dennoch stildet er die heilige, abgeschlossene, sich uie wieder lösende Brruzr de« Mädcheuleben«. Geschiedeu von all den Unschuld«- volle» Grnüffeu deffelbeu, meist getrennt von Ort uud Menschen, die ihr liebevollen Schutz gewährten, wo keine Verantwortlichkeit ernster Natur fie bedrückte, da sie uur im Namen der Eltern zu handeln hatte, steht fie da eingehüllt in jene« luftige Gewebe, mit beglücktem oder verzagtem Herzen: ihre Zukunft ist entschieden.- Daher mag die aufrichtige Theilnahme für Bräute entsprtugeo, die selbst den Fernstehenden berührt. ~ Ohne viel darüber nachzudeukru, empfindet Jeder mehr »der »enigrr, daß fich unter dem Trauhimmel und Altäre der Abschluß de« schönen Jugendleben« vollzieht. Wa« wird ihr da« ueue Leben bringen? ftagrn liebende wie ueidische Blicke. E« ist al« beginne erst jetzt die Bedeutung desselben für da« Mädchen. — Dort stehen fie Bride, die von heute ab, abgesoudert vou Allen Andern, ganz allein, gemeinsam die Folgen ihrer Bestrebungen in guten wie in schlimmen Tage» tragen werde«, alle« Andere tritt zurück vor diesem Liebe- und Pflichtbündniß, selbst die treu geliebten Elter», die sie nicht zu schützen vermögen vor den unberechenbaren Kämpfen de« Leben». Wuuderbare, gehrimnißvolle Eimichtuug der Natur, die de» Bund zwischen Mann und Weib, al« ersehnte« Glück jede« richtig fühlende« Menschenherzeu» erscheinen läßt I — Uneigennützige« Bestreben der Eltern, dem natürlichen Befühle ihrer Linder da« eigne Bedürfen untrrzuordnen. — ©o soll e« s :i», nach uralten, ewigen Gesetzen, so vollziehe» fich die göttlichen, in Lieb« und Selbstverleugnung., In Esther« mit grüaeu Tauaeuzweigeu und Blumenkränzen geschmücktem Zimmer, von Lerzeulicht und Duft erfüllt, staub unter dem Trauhimmel da« glückliche Brantpaar, bru Bund für ihr Leben zu schließen. Er eia Bild «äunlicheu Ernste«, fie, die Verkörperung rührender Hingebung, mit vertrauendem, wen» auch gese«ktem Auge. Nur die »ächfte» Freunde beider Elter» waren Zeugen de« feierltchen Akte«, deu der Vater vollzog, »ach dem schöner» Rechte Israel», die eigne» Ikiuder selbst zu trauen. Worte, wie fie nur dem Vater seine« Kinde gegenüber i» solche« Momente zu Gebote stehen, folgten dem symbolreiche», gesetzlich«» Erremoniell. Dana ruhten die Hände der Elter» segnend auf den so geweihten Häuptern ihrer Kinder, die in de» Krei« der Thrureu trat«», vou diese« überhäuft mit Glückwünschen, die ihre Züge deutlicher au«- sprachen al« ihre Lippen. So schloß eine Frier, die nur der Mensch allein, unter allen geschaffenen Wesen dieser reichen, weiten Erde zu verstehen vermag I Ein einfache« Mahl beschloß den wehmuthreichen, glücklicheu Tag. Mancher herzinnige Toast war dem Brautpaare, den Eltern und Gästen gebracht und in Frohsinn erhoben fich Alle, ai« Hanno und Berta in leichten Röckchen, da« Haar von Blumeukiänzm gehalten, mit Silberflügeln an den Schultern, wie liebliche Genien, mit kindlichen Wünsche«, von der Mutter gelehrt, Blumenkränze überreichten. Da« Brautpaar ging Reisekleider mit ihren Festgewändern zu wechseln; die Doctorin folgte Esther, ihr den Schleier und die Myrthenkrone abzunehwen, die fie in eine von ihr selbst kunstfertig gearbeitete Truhe legte. Manche Thräne der Freundin benetzte sie. Da« gebieterische Posthorn erklang, der Augenblick der Trennung in seiner ganzen berechtigten, unabweisbaren Macht löste die fich liebeud umschlingenden Arme der Sinder, Eltern und Freunde. Weinend, ohne die Bedeutung de« Augenblicke« zu begreifen. drängten sich die Kleinen zu den Scheidenden, von ihnen gebrrzt, geküßt und reich beschenkt von Esther, lächelten fie unter Thränen. Die ganze Gesellschaft begleitete die Abreisenden bi« an» Posthau«. Al« fie eingrstiegen und der raffelnde Wagen in der Dunkelheit der Nacht verschwand, deuteten nur einzelue Tön« de» Posthorn« die sich immermehr erweiternde örtliche Trennung an. Ihnen folgte der von Jedem der Anwesenden heimlich, aber der Herzensfitte gemäß, nachgesandte Segen: .Der Ewige segne und behüte Dich, er laffe sein Antlitz über Dir leuchten und gebe Dir Glückseligkeit." Stumm aber vollen Herzen« trennten fich die Begleitenden. Gute Nacht! — O Du geheimnißreiche Nacht! Der Tag kennt nicht Deine Mysterien! Im Grauen der Nacht fällt befruchtender Thau auf die von der Tage»hitze welkenden Pflanzen und Bäume; Liebe, Verbrechen, Rache hüllt sich in deine Schatten; dem Müden bringst Du Ruhe; dem Verbrecher weckt Deine Stille da» von Tage«lärm betäubte Gewiffeu. Bringst Du gesunden Schlaf, dann ist der.König wie der Bettler der Wirklichkeit de« täuschenden Leben« entrückt, kaum, daß Träume den Schläfer daran mahnen. — Blumenkelche schließen fich, andre strömen berauschende Düste au«, die der Tag »tchl kennt; verstummt ist der Gesang der im warmen Neste ruhenden Vögel. Die Bäume rauschen leise, eiu Wispern und Säuseln scheint vou Geistern der Luft uud de« Walde« in liebender Zwiesprache getauscht zu werden. — Diese bezaubernden Naturlaute wirkten auch auf die beiden Glücklichen im sonst raffrlndeu Postwagen, der heute wie eiu« schaukelnde Wiege in sandiger Landstraße deu altgewohnten Weg gemächlich von den schläfrigen Pferden gezöge» wurde Da« müde Haupt au Arno'« Brust gelehnt vou sriuem Arm« umschlungen, flüsterte Esther Worte, wie sie ihr »olle«

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