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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 41-42 (1889) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
41-42 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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i. J — lös —JCr5 Rabbi Maier aber trat vor und Iftftde dm Deckel der Schüssel. Aber da fuhr er unwillkürlich zurück und «it der «iue« Hand an die Nase, die andere aber zitterte so stark, daß sie die Schüssel fallen ließ. Sie zerbrach, »ud da» Ei lag ansgegossm am Boden, da» Ei. oder vielmehr «iue faulende, moderige Masse, an der man kaum ein Dotter, viel weniger eiuen Bluttropfen erkennen kannte. Anfang» schwttgen alle verdutzt und hieltm sich nur stumm dir Nase zu. Am schuellstm faßte sich Rabbi Maier. 9t nahm da« Wort und sprach: »Liebe Leute, wer mit dem Blutfleck recht gehabt, weiß ich nicht. Aber mit dem Streite habt Jdr Alle unrecht gchabt, denn der Mensch soll mtt seinem Nachbar in Frieden leben. Darum bitte ich Euch, versöhnt Euch, und laßt da» Ei hier schnell wegkehren.' Und so geschah r». Der ganzen Gemeinde warm die Schuppm von dm Augm gefallm. Auch Reb Salamou und Reb Nathan versöhnten sich. Sie tranken wieder wein miteinander, die Betständer rückten sie zusammen, die Compagnie ward von Nmem geschlossen. Und wmlge Wochen später gab e» eine lustige Hochzeit in Barnow. Salamon» Manosse und Nathan» Riffele warm die Brautleute. Alle freuten sich doppelt, denn um ein Haar wäre die ganze Freude für immer »erdorbea gcwesm — durch ein Ei!.. Herze«SadeU Ein« kajawisch« LrzLtztulig ,»« dem U »sauge uajrre« Jahrhundert» Bo» Johanna. **) - 22. Kapitel. In stiller Dämmerstunde als Arno'« Mutter da« Geschäft geschloffen, ging sie mit dem Brautpaare hinau« nach de« .Gute« Ort". Nicht »ie heute »arm diese Frieden»stättm gleich Gärten, von liebender Haod gepflegt. Oede war der Platz, di« Grabhügel nur mit Grün bedeckt »ie die gütige Natur es gespendet, manchmal zierte ein Strauch, ein Baum da» Grab, der emporsproß au« einem wer weiß woher verwehten Saameukorne. Nur Grabsteine bezeichueteu die Stättm, »erschiedm in einfachster Kor» uud Material, wie e« ebm die Verhältnisse der Hinterbliebenen gestatteten. Zu den Er. ruugmschastm der neuen Zeit, gehört auch der er»ach«ude Siu» für Geschmack und Verschönerung unsrer Umgebung «ud gemeihter Stättm; ein Symbol de» neuerwachsendm Leben» über Trümmer düstrer Vergangenheit. lieber valeutiu» Grab hatte jene Winde, von welcher Arno bei setuer Abreise nach England eine Rauke gepflückt, et» Blumeuuetz gezogm, es blühtm uud dufteten die ros« uud »eißm Wiudm tu üppigster Fülle. »Einige Tage vor sei»«» Ende, mußte ich dem Bater versprechen, niemal« ei» Wort unsere« Wunsche«, Euch vrrvereint zu sehe», gegen Euch zu äußern. .Mir ahnt, sagte er, die Beide« find« einander. E« hat sich erfüllt, «» war Gotte« Willel- — Sir hörte» diese Sorte, al« zöge der uustrrbllch« Grift de« geliebte» Heimgegangeum ex ihnen vorüber. — So tauschten sic Gedankm »ud Ertuueruugr» au ihn au», bi« dt« Stund« kam, wo der Wächter Hie Pforte »de« Eingang« zur Ruhe" hinter thnm schloß. Zu Hause augelangt, faudm sie Elter« und Nachbarn nuf de« »bgeriudetm Baumstamme »or der Thür, der unverändert der öiebli»g«fitz geblirdm. .Auf solche gemüthliche Stunden, Esther, muß «a» i» London Verzicht«, dort ist ^tzrit Geld", e« treibt rastlo« weiter. Auch mein Urlaub ist bald zu End«, Herr Doktor', antwortet« Arno, auf die Frage »ie lauge er «och z» bleib« gedenk«. Nachdem Arno freundlich «f hundert Frag« der Neugierig« über Engländer, ihr Treib« und Leb« geauttvortet, entfernte» sich die Nachbar». Nur der Doktor blieb, sei« Krau hatte t» Wribermllegi»» «iyuberath» »eg« Eicher« «Gfteuer. Der verständige Nach der geschästgkuudig« Mutter Ar»«'« »ar anzmammm: Englisch« Mod« für Toilette und Wäsch« sei« hier maßgebend; Esther sollte dort für fich unter Miß Elle»« Leitung da» Pafsmd« besorge«, hier wäre nur du» Nothweudigste auzuschaffeu. So »ar auch die Verzögerung der Hochzeit beseitigt. Die Männer beobachteten da» im klaren Mondlichte wandelnde Paar in der amschenleerea Straße, ein ernste« Gespräch beschästtgtr fie, da» nur ihnen hörbar. .Wirst Du mir gern in da« fremde Laad folgm, Esther?! vermagst Du nicht die Heimith, die Eltern za verlaffm, dann, — er smfzte tief auf — bann bleiben wir hier.' — .Und Du fragst, mein Lieber? Ehre »ich mit dem verttauea, da« Du mir stet« gewährt, indem Du mir dieselbe Kraft zutraüst, die Dich bewegt, mir da» Opfer anzubietm, alle Bortheile Deiner Bestrebungen aufzugeden um meinetwillen.' Inniger drücktm sie die in einander ruhmden Hände.' .Ich danke Dir Esther, aber die Entscheidung liegt nicht bei un«. Die Eltern sollen da« große Opfer bringm, Dich wahrscheinlich, jahrelaug nicht zu sehen.' Arno fühlte da« Veden, da« de« Mädchms Schritte hemmte, unterdrückte« Weinen wehrte jede andre Aeußerung. Dr. Rembrand thellte Sers»» ein Gespräch mit, daß Arno'« bescheidene« und doch so muthige« Streben bezeichnete. ,E« war weder mein Wunsch, äußerte Amo neulich zu mir, berühmt zu »erden, noch finde ich in meinen Anlagen die Berechtigung dafür. Aber ich hoffe zu jener Zahl der Zufriedenen gezählt zu werden, die »hue Zwiespalt, ohne Eitelkeit, ohne Enttäuschung, den Weg de« Leben« gehen mtt dem Glauben au die eign: und der Menschheit Berdefferung«- fähigkeit.' — „<£« giebt nicht» Neue« unter der Sonne', sprach Rembrand. .Alle» wa» da ist, zur reichsten uud schönsten Blüthe und wem e« glückt, auch zu gesunder Frucht zu gestalten, da« ist da« erstrebeu«werthe Ideal auf Erde«, daun werden Idealisten nicht mit schwärmerischen Phantasten verwechselt «erden, deren hochfliegeuden Träume verwehe», wie Nebel der Wirklichkeit gegenüber verwehen.' .Siehst Du Laura', sagte Rembrand auf dem Heimwege, .hatte Geriou nicht richtig für sein Kind gewShlt?' .Ob fie so Arno'« Werth al« Ergänzung ihre« inueru Wesen« zu schätzen »erstalldeu hätte «ie heute, nachdem sie die läuternde Prüfung überstanden, ist doch zu erwäge«. Freiwillig verzichtet kein Mensch auf seine Ideale; daß der Graf ihrer romantische» Jugrudphautafie damal« mehr entsprach al« Arno, davon wirst auch Du überzeugt sein.' .Nach schweren Erfahrungen, oft auch uur durch g-ößere Reife unsrer 8eben«anschauuugen, stehen wir manchem «usrer Jngendideale selbst fremd gegenüber', meinte der Doktor. Ernster, gedankenschwerer al« seit langer Zett. standen die Verlobte« vor de« Bater al« dieser, am Freitagabend au« dem Tempel kommend, fie segnett. Die Sabdathftimmuug der Gäste verdrängte nicht die persönliche der Familie. Die harmlosen Witze «ud guten Einfälle, ein laugeutbehrter Festgenuß im häuslichen Kreise, verfehlten die erwLuschtt Wirkung desouder« m»f Arno, de» da« Herz schlug wir bei einem Unrecht, wen» er darau dachte, de» Ellern die Zi^de ihre« Alter« zu »ehmen. Endlich war »au allein! Me nie in diese» gastlichen Hans« hattt mau die Sutferuung der Gäste gewünscht. Jede« Mitglied der Familie hattt dtt Trennung oou einander still in fich erwogen; glich diese doch einer Opferuua, de» Eltem zumeist, dtt gar einsam zurückblttbm; s» d Kutte e« dm Kinder». — E« bliebe «ne« jener ungelöst« «Achsel de« Mcnscheugeschicke», warum ebm i» Alter, wo Lilfgbedürfttglett der Eltem uattttgmiLß «tntritt, dtt Kinder diese verlaffeu solle»; so wünschen es btt Eltem. Dtt Tochttr wtt der Sah, mögm fich i» selbst« rschaffrum wtrk»»««kress, ihr- «igeue

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