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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 41-42 (1889) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
41-42 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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zu scher und betrachtete er eine Stunde laug sehr aufmerksam. 5)ann la» er bis zur finkende» Sanne im Talmud d arübrr nach. >m Abend aber ging er zu« Nichbar Rath«, um da, wie gewöhnlich, ein Glas Wein zu trinke» und eine Stunde zu verplaudern. .Nathan!" sagte Salaman vorwurfsvoll, kaum daß er eine ,g> segnete Wochegewünscht, wie habt Ihr nur eine solche Entscheidung füllen können!" »Welche Entscheidung?' .Nun — die über dar Ei, da» Euch mein Weib gezeigt Hot. Habt Ihr denn nicht gleich erkannt, daß mau eia Li mit einem solchen Blutfleck genieße» darf, ohne Sünde gegen Israel? Und Ihr seid doch saust eia großer Schrift» gelehrte:!" »lud Ihr" — erwiderte Nathan etwa« aufgeregt — »seid'« sonst wohl auch! — Aber in diesem Falle sprecht Ihr wie ein Bauer, wie ein Laudmeusch, der noch nie in seinem Leben eine.LlauS' gesehen hat!" »Wa«?- rief Salaman. »Und Ihr seht Euer Unrecht nicht einmal ein?" — Ihr — Ihr Bauer Ihr!" S» begannen di« beiden Müaner zu streite» und warfen fich di : lüngsteu und verwickeltsten Talmudstelleu an den «opf uad die kürzesten Titel, und der Wein, den fie dabei tranken war »atürlich nicht geneigt, die Gemüther abzukühlen. Und sa kam denn Salamon erst spät iu der Rächt »ach Hause und erklärte seinem Weite Rachel: »Nathan weiß s» viel va« Talmud, wie ich vom Türkischen. Ich will mit ihm Geschäfte machen ich will neben ihm bete», ich will erlauben, daß mein Sohn seine Tächter nimmt. Aber Wein riuken kan» ich mit einem so unwiffeudeu Menschen nicht viehr. Rein! nie mehr, nie in meinen Leben. " Aachel widersprach nicht. »Gottlob!' dachte fie, »da würde mir die« eine verdorbene Ei von großem Segen." Aber so schön sallte e« nicht enden. Am nächsten Tag« waren die beideu Männer in ihrem gemeiusamen Geschäft zusamiaen, und statt die Felle zu ordnen, stritten und grübelten fie der ganzen Sonntag hiudorch — da« Ei ließen fie fich in den Laden bringen, «ud wer vorüberging, mußte ^rn verhäng» ßvolleu Blutfleck anseheu und sein Urtheil darüber ab» grbeu. Da gab nun der eine dem Ratha», der andere dem Salavwn Recht und da« bestärkte fie noch in ihrem Grimm und ihrer Streitlust. Kurz — fie gingen gesondert zu» Abendgebet in die Synagoge und da geschah eine ungeheure Begebenheit: Salaman ließ seinen Betstäuder von de« Rathen« wett wegrückeu Rath« fieberte vor Zorn; iu der Schule hielt er au fich, aber draußen gerietheu dt« beiden Männer mit Watten aneinander, die weder wir Lobsprüche noch wie Ehrenbezeugungen klaugeu. Als Salamon «Mich heftig aufgebracht nach Hause kam, sagte er zu Rachel: »Das Geschäft kan» ich nicht treanen. di« Verladung will ich der Welt »egm nicht rückgängig machen, aber da» erlebt er doch nicht, daß ich wieder Wein mit ihm trinke »der »eben ihm bet«.. .- »Da« Erste th«' nicht,- bat Rachel, »aber da« Zwette thu' »och wieber." .Aftemalrl Er soll mich nicht umsonst einen Eiseukopf geuar nt haben." Aber das war noch da« schlimmste nicht. Der nächste Tag war der Montag, und der gilt ja überall ohnehin ab» ei» schlechter Tag. Immer »ehr Lente strtmlen iu den Laden «nb sahen fich das vielbernfene Ei au und gaben ihr Urtheil ab. Ader die Einen erklärte», der Genuß sn erlaubt, die Andren bestritten dies. Und bald gab es nicht mehr zwei Getier im Pelzwaarenladen, sonder» fünfzig, die beiden Pa« eien stritten sich herum, daß es gar nicht mehr schön *ar, Ratha» und Salamon, die beiden Parteiführer, wurde» immtt wüder gegen einander. Ratha, war wüthend wegen der Schande, dir ihm Salamon gestern mit de« Betständer ang'thau, und Salamon bat ihn in seine» heutigen Worte« just auch nicht um Verzeih«,g. Und gegen Abend, nachdem bereit» Hunderte da» Et beroch«» nnd geprüft, nachdem man bereit« in qavz Barnow von nicht« andere« sprach als von den Blu'fieck. gegen Uten') hatte man noch von etwa» Andere« zu sprechen: Nathan uad Salamon wrrrn einander in die Haare gefahren, n:d)t etwa blot wörtli h. sondern mit der Faust und allen fünf Finge» n. Di« viele Sprechen, da» Hetzen und da» Spotten. da» Rechtgebm uad da» Bedauern regte die beiden Männer natürlich noch mehr auf, uad al» Salamon an di<sem Trge wuthschlumead nach Hause kam, da schrie er seinem Weibe zu: .Such' Deine« Sohn eine andre Braut, Nathan» Rüsel« heirathtt er nicht, und selbst wenn ich die größte Schaad' mit ihm erlebe, selbst wenn er mir sonst ledig bleibt — die Tochter einer Maua«», der die Hand gegen mich erhoben uad mir den halben Bart - ausgeriffea hat — die hettmthet er uicht." Da ergrimmten auch Rachel und Mauaffe, die bisher zum Frieden gerothe», und begonnen nun ihrerseits den ftri«g gegen die Nachbarn. Zwei Tage verflossen. Wie e« während der Zeit i« Laden an»sah, — «» ist gar nicht zu erzählen. Die beiden Laufleute, die doch ehrbare Familienväter waren, schienen wirklich allmählich zu glauben, der paffendste Platz für de« Einen Hand sei im Bart de» Andern. Und die anderen Leute fochten auch nicht mehr mit Watten und mit Aussprüchen frommer Rabbiner, sondern nur noch mit Fäusten und Nägeln. Da» Ei, die Ursache d.-s Haber«, lag avch immer auf einem Teller im Loden «ad weckt« immer neue» Streit. Denn mit dem Beschaaea begann, mit dem graenseitigen Borwurf der Unkenatniß im Gesetze fuhr «an fort, und mit Prügeln schloß man. Wie eine Raserei, wie eine ansteckende Lraukheit war die Rauflust über di« Menschen gekommen. Al» Salamon am Mittwoch Abend todmüde und obgehetzt heimgeschlichen kam, sprach er zu seinem Weib«: »Eü muß Alle« eia Ende haben! Lieber da» Geld verlieren, als die Gesundheit. Morgen mache ich Schritte, um di« Com« paguie mit dem Gauner, mit dem Halunken zu lösen...." Da wurde Frau Rachel ernst, und so zornig sie war, mahnte sie doch zögernd: ,E» ist doch nur um ein Eil- — »Et ist um Israel!- erwiderte Salamon schreiend. »E« ist um Gotte» heilige Lehre! Uad da sollte «an noch an irdisch Gut denken?! Rein, und wenn ich betteln müßt', mit diese« Berächter de» Talmud uad der Thora ziehe ich nicht mehr an einem Larren." Und Donnerstag »ar wirklich die langjährig« Gemeinschaft gelöst: da» Geld theilten fie nnd nur »och dir vorritthigen Felle sollten auf gemeinschaftliche Kost« verkauft weichen. Da kam am Abend diese» Tage» zu unser« alten Rabbi ein Bote, welcher chm ankündigte, der weise Rabbi Mai« von Piuczow werbe in Barnow die Sabbathruhe holten, ans sein« Reise nach Bel». »Gottlob!- schrie der alte Mann, »nun sch' ich zu den viele« Eseln auch «inen Propheten. Ich kenn' denn Rabbi Mai« der macht mir di« verrückte» Leute wieder fing!" Am Freitag früh ließ er die beiden Pelzhändler. dann verschiedene angesehene Männer au» beiden Parteien zu sich rnfim nnd ftagte sie, ob sie nicht de» erwarteten Weise» dte Entscheidung übertragen wollten. »Natürlich,- erwiderte» ie, „mit Freuden.- Denn Jeder hoffte au» dieser Ent» cheiduug für sich Frende und Triumph. Da« Ei ward i» «erliche« Zuge au« dem Laden abacholt und in einer zn»; gedeckten Schüssel in da« Hau» unsere« Rabbi Übertrag«». Zugedeckt war aber die Schöffel deshalb, weil da« Ei infolge. de» Liegen» au der freien Lust etwa« stark roch and etwas unangenehm dazu. Zu Mittag traf Rabbi Maier ei« und gleich nach de» . Eflea versammelte» sich die Streitende» im Hanse de» Rabbi. ... So viele ihrer Platz hatten, drängte» sich « die Stube, di« * ■> übrigen erfüllten den Raum vor de» Haust nnd benützte»; die Zeit eifrig, sich uoch Allrrlei in der letzt«» Stunde a»,! den Kopf zu werfen. Blnme» waren'« nicht. Ter würdiges

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