Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 41-42 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492351-8722856-5956673--1229-5373590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisch«« Herausgegeben von Dr. M. Nahwer in Magdeburg. _Ar Kktnhrltrug «. Keletznns fir die israelttische Familie. _ es,***. Knddüch! — »er Blatttropfeu. >u» .Deborah". — Her^n»adel. «ine kujaivische Erzählung au« dem «„fange unsere« iMÜllir! Iahrhnndert«. von Johanna. — Allerlei für den Fem.illen«l,ch. — Röthsetnnsgaden und Mthsellösungen. ' Beklage r Ephraim »Piro. Novelle von IbaHofmann. — Allerlei für den Familientisch. (Undefngier Nachdrnck an« diesem Blatte Untersagt. K«ddUeh! verherrlicht und geheiligt meide Bein hehrer Name in der Belt, Die er noch feine« Wohlgefallen Geschäften bat und noch erhül». Er löste walien seine Herrschaft In eurer Zelt und euren Lnaen, So lange Menschen in der Belt Den Romen seine« Volke« vagen. De« Heil'gea heil'ger Name sei Gelobt, verherrlicht und gepriesen, Erhöht, erholen und verehrt, Ihm »erde Brei» und Ehr' erwiesen, lieber alle Melodien, Alle Lodgesänae, Leder, lieber allen Nuh« und Preis Hat st in heilger Name wieder I Möge seine« Volke« Flehen Golldiq angenommen werden von dem himmlischen Gebieter, von de« Schvpier dieser Erden. Und der Vater in dem Himmel Möge seine« Volke geben Fried' und Freu»' in Hüll' und Fülle, Freud' und Friede. «lüg und Leben. Wie von ihm in Hlmmelshöhen Seel'ae Eintracht wird erhalten, Allo in gang Jörael Laste stet« er Frieden walien. Der vlNtstropfe«. Au» »Deborah.' »In der Wastergaste' — erzählte mir die alte Frau — »schief gegenüber der alten Betschul', da stehen zmei Häuser, merkwürdig ähnlich an Größe und Banart. Sie gehören jetzt tzeide dem reichen »drahain Steiner, dem Vutüpächter »an Sorolowka. Bar vielen, vielen Jahren aber, da ich nach ein jnng Mädele war und eben Braut geworden, da hausten da zwei Männer, die einander nach ähnlicher waren, al« die Häuser: Salamou Bierkrug und Nathan Hal»tnch. Sie waren Bride blond und Nein und stießen Beide mit der Annge an und hatten zwei Mädchen geheiratbet, die auch einander ähnlich waren, «nd eruäqrten fich Beide durch den« seiden Handel und waren Beide sanfter Bemüthsart . . . . die Aehulichkrtleu find gor nicht «ufzuzähleu, «nd wie fie znsannneuhielien. «nd wa« für Freunde fie waren, ist gor nicht z» beschreiben, wa« für Freunde! — e« war schon »rdentlich znm Sprichwort geworden t» Städtchen. Wenn «an von Zweien au»drückeu walte, fie seien besonder« defreundet, so sagte man nicht mehr wie sonst; .fie sind wie David und Jonathan', sondern: »fie find wie die Pelzhäudler in der Wastergaste." Denn diese» Handel trieben di« Beiden, und zwar uatürlich in Gemeinschaft, und jede« Jahr, wenn fie den Gewi»» theilteu, gaben fie fich ans'« neu« die Haud uud de siegelten di« Kreuudschaft durch ein äußere« Zeichen; da« erst« Mal »ranke» sie sich einen Rausch in gutem Wein a» und im zweiten Jahre machten sie znsammen ei« wall. | fahrt zum Wunderrabbi von Nadworna; im dritten Jahre i ließen fie i re Familienständer in der Betschul zusammen. | rücken und im vierten Jahre verlobten fie ihre Sinder mit. | einander: Solomon« Sohn Manasse ward Bräutigam mit Nathan» Rösele. Und so war olle« voller Frieden und voller Freundschaft, bi« ein klein unscheinbar Ding dazwischen kam und dir innige Freundschaft in Todlfeindschast wandelte und den Frieden in einen Srieg, wie er gewig noch selten so fürchterlich war zwilchen zwei Menschen und zwischen zwei Familien. Die sonsten Männer wurden zu wilden Tigern unk ihre braven, stillen Weiber zu grimmigen Tigerinnen und ihre Sinder zu Lotzen, die einander die Sieider zerrissen und die Gesichter zerkratzten. Und wenn e« wenigsten« nur unter dm beiden Häusern allein geblieben wäre! Aber nein! — die ganze Stadt hat jene» verwünschte kleine Ding in Aufruhr. Srim« und Hader gebracht, die ganze Stadt war angefüllt mit Tigern und Sätzen, und wa» dos für ein Geheule «nd Ge» kratze war, können hundert Schreiber nicht beschreiben. Ihr könnt Euch dmken — sogar zum Bczirk«gericht ist man gelausm, zum kaiserlichen vezirttgericht, welche» fich doch sonst nicht dämm zu kümmern hat, wenn eia jüdisch Sind da» andrre schlägt. Verzweiflung-voll hat der arm« alte Rabbi au»gerufen: »Mein einziger Trost ist noch, daß nun der Mesfia« bald kommen mutz, denn die Zeiten erfüllen fich, oou denen geschrieben steht: die Völker der Erde erheben fich gegen einander. Ach! wenn doch nur schon der Prophet Elia» auf seinem Esel daher geritten käme!" Aber wenn e» auch damal» viele Esel in Barnow gab, ein Prophet war nirgendwo zu erblicken. Und da» alle» hat jene» kleine Ding angerichtet. Wa» meint Ihr wohl, wa» war jme» kleine Ding? Aber ich will Euch nicht rathen lassen! Ein Ei war'»! Di« Sache hat fich aber so zugetragrn. An eine« Freitag Vormittag, wie gerade Red Salamvn in Geschäftm verreist war und erst zum Sadbath wiederkommen sollte, hat sein Weib Rachel Snödel für den Sabdath gemacht. Und zum Unglück war unter den Eiern, die fie dazu aufschlug, eine», da» hat einen Blutfleck im Detter gehabt. Ein solche» Ei darf man aber nach den Speisegesetzen genießen «der nicht, je nach der Größe und der Stelle de» Blntflrck». Und da Rachel fich da» al» schlichte Frau nicht zu mtschriden getraut hat und ihr Mann verieift war. so ist fie zu« Nachbar, Red Nathan, hinüber gegangen und hat ihn gebeten, seinen Spruch darüber zu fällen Der hat dm Blutfleck eine halb« Stunde lang angeschaut, dann eine Sluude im Talmud »achgelesen und endlich entschieden erklärt: da« Gesetz verbietet den Genuß eine» solchen Ei». — Die sparsame Frau Hot e» darauf seufzend zu Seite gestellt und mit eine« neue» ihre Snödel fertig gemacht. Am Sadbath aber» bei» Mittagrflen, hat fie sich beim Aufträgen der Speise des Lorsall» erinnert und ihrem Manne davon berichtet. Red Salamon war zwar nur ein PelzhLSler. aber doch zugleich rin weiser Talmudift und ein eifriger Forscher der Lehre. Darum verlangte er gleich nach dem Esten da» Et