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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 40 (1889) · p. Seite 159

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
40 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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arbeiteten fU gem i» der Hoffnung, dem Gute» Aulgabe» zu erspare». Al» Fra« Hriman« Ar»»'« Ankunft and seine Verlobung mit Esther erfuhr, eilte sie zu Gers»»'«. — Die stürmischen Kragen waren erfreulich beantwortet; dann holte Arno au« seinem Zimmer «in von Frau Men, Josef« Frau, selbstgefrrtigte« Pastellportrait. Die Malerin, ihr Manu «it dem Söhncheu auf deu Lnieea, wäre» sprechend ähnlich dargestellt. Da« Auge der alten Frau sprach beredter al« ihr Mund, unaussprechliche» Entzücken wehrte jede« Wort. Thränen flössen die runzlige Wange hinab, sonnige« Lächeln verbreitete sich zugleich darüber. Endlich wagt« sie da« Bild zu berühren, e» au sich zu drücken, es mit Küssen zu bedecken. Sie Hütte den Stuhl verfehlt, deu mau ihr zum Sitzen anbot, wäre fie nicht von Esther darauf niedergelassen worden. E« war kein Wunder, daß die beglückte Alte nur Laute de« Erstaunen« fand, al« fie hörte, daß ihre Schwiegertochter da« Bild gemalt, diese Lady; daß Josef der Geutelmau ihr Sohn, und da« süße halbjährige Saäbchen «it rosigen Wangen und blonden Locken wie seine Mutter ihr Enkelsohn sei. -- Sie fragte nicht mehr nach ihren Kindern, sie nahm da« Bild mit sich al« höchste vestätiguug ihre« Glücke«. Bei ihrem Triumphzugr nach Hause, begleitete fie ein ganzer Zug von Leuten, die nicht befriedigt von dem flüchtigen Anblick de« Bilde«, den die Frau ihnea gegönnt ihr wie zu eiuer Wallfahrt, in ihr Stübchen folgten. Ja wohl, ihr Sohn hatte wahr gesprochen: „Die Kinder fiud die Zierde der Eltern". Ephr«im Spiro. tbs Novell« von Jda Hofmaa». (Fonsetzung statt Schlug.) Recha hatte da« junge Paar seit wenigen Tagen verlassen» al« wiederum ei» Brief Ephraim« eiotraf, in welchem er Vater Staudescheu anzeigte, daß er in wenige» Wochen Bau Fra»zi«ko zu verlassen gedenke, um sich nach dem Oregon territory zu wenden, uud daß er, nachdem er wieder festen Fuß gefaßt, seine neue Adresse augebea werde. „Jetzt ist un« alle Möglichkeit abgeschuitteu, der Mittler dieser beiden lieben Menschen zu sein, für die nächste Zeit wenigsten«,« Nagte Franzitka. „Lasse» wir e« für die nächste uud für alle Zeit«, ant» »ortete Paul. „Ju da« Heiligthum der Lieb« sei jede« Dritten der Zutritt versagt, ich hoffe zuversichtlich, daß fie sich finden werden, ohne unserer Hilfe zu. bedürfen." Ju der Heimath angekommen, erzählte Recha dem Vater, »ie beueideu«»erth da« Los« Franzitka'«, wie glücklich diese sei, uud ohne daß fie e« wollte, schnitt fie «st dieser Schtlderuug de« alte» Manne tief tu« Herz. „Sieh, so glücklich kvunteft auch Du sein, uud ich wäre e« dann mit Dir, Recha, meiu Kind," Nagte er. Ovaler, »«lauge vou «st, wa« Du willst," gab die Locht« zurück, „nur da« eiae nicht, daß ich «ich, zu» gwettrumast einen Mauue verlobe, der mir Abneigung «in» flößt, uud e« ist nicht «eine Schuld, daß ein jeder, d« um «ich wirbt, sich dadurch gleichzeitig meine Autipathst erwirbt.« „Achtuudvstrzig Kreuz««, sagst d« eiutreteude Brieftrilg«. „ein Brief an« Amerika.« Rech« fiihste fich wst von einem elektrischen Schlage durchzuckt. Der Val« «öffnest da« Schreibe» und meinte: „Bon »e« da« wohl sein mag! 8te« mir deu Brief vor, Recha, ich habe dst Brille nicht hier.« „Ich will Dst fie hole», vastr.« Sie brachst dst Warst nur mühsam hervor, »ahm deu Brief, flüchtete i« dst Einsamkit ihre« Zimmer« uud Io«: „Jaoksonrille, Oregon Territory, deu 20. September 1846. Werthgeschätzter Herr Benjamin! Diese Zelle» »«de» mich, de» Sst wohl v«geffe» haben, Ihnen wird« tu Erinnerung bringe», »nd e« ist «st angenehm, Ihne» «tttheilen zu köuune» daß e« mir gut geht uud daß ich mst Erfolg arbette. Obgleich ich dst Richtung Ihre« Geschäft« kenne, hoffe ich, daß Sst meine« lebhafte» Wunsche, mit Ihne« in Seschäft»verbiudu«g zu steten. Rechuung tragend, dst Güte habe« wollen, da« Incaff» beifolgend« £ 100 p« 1. November ans.in London zu besorgen, «ich für den Betrag zu «kennen und mir dagegen für eine annähernde Summe stichst Weine in rein« Qualität zu senden. — Ich «bitte wir Ihre gefälligen baldigen Nachrichten, deuea ich mit um so größere Fbeude entgrgrasehe, al« ich nur festen etwa« au« Deutschland höre, und doch weilen mir theo« Menschen im alte» vaterlaude. — Ich sende Ihnen und den Ihrigen meine herzlichsten Grüße und »«bleibe Mit Hochachtung Ihr ergebenst« Ephraim Spiro." Recha hatst dm Brief gelesen, imm« und immer wled«, bi» sie chn auswendig wußte, bi» chr die Augm braunst«. Wa» wallst Ephraim? Daß e» ihm nicht um eine geschäftlich« Verbindung zu thun war, uutalag für sie keinem Zweifel, diese, war nur «iu Borwand, um al» Anknüpfung»-, al» Berührungspunkt zu dtmen. „Er liebt mich, ich fühle, ich weiß e«," jauchzte e» in ihrem Herzm. „Deine Liebe dringt zu mst, von jmsett» de» Weltmeere», mich «wärmend und durchglühend, gleich d« Sonne. d«en Strahlen un» Licht und Wärme verleihen au» mtllstnmfach« Meilenweist. Er ahnt wohl nicht, daß ich die Antwort schstibm w«d«l O, daß ich seine Freud« belauschm, daß ich ihn sehen köunst, wenn « Heu Brief de» Bat«», von der Hand der Tochstr, der Geliebt« erhält!" Dir» Antwortschreibm fiel Recha schw« und sie vernichtest mehr al» ein« Brief, bi» sie sich mdlich mtschloß» dm erst« abzusendm. Er erschien ihr zwar keine«weg» gelungm, ab« sie wußst, daß sie nicht« Bess«e» zu Stand« bring« könne; dies« war zu v«räth«isch, jm« zu steif, ein dritter zu grzwungm und so schickst sie dm folgeadm ab: Geibing, dm 30. Decemb« 1S46. Herrn Ephraim Spiro. Jacksonvillel Ihre Nachrichten habm mich augenehm üdnrascht und Hab« ich Jhnm die Übermächten £ 100 — nach Abzug d« Spesen mit Fl. 116V — gut aeschrirbm. Au» umsettig« Rochuuug wollm Sst dm Versandt de» «eiae» erkeuum, wofür Sie «st Fl. 1116 gutzuschreibm belieben. E» würde mich geftmt haben, näh«e» üb« Sst zu hören. Bei mst sind die geschäftlichen, sowie die Famütm-Berhältnisse noch imm« dst alstv, nur meine Gesundheit hat abgmommm. Ich Grüße Sie achtungsvollst M. Benjamin, in dessen Auftrag R. B." Da» Schreiben schwamm auf dem M-e:e und mst ihm Recha« Wünschen und Hoffm. Wochen bang« Erwartung, fieberhaft« Erregung entschwanden, bi» endlich nach drei Monaten solgiuve Antwort einstof: „Seit ich Ihre Zeilm besitze, Recha. leb« ich ein erhöhte» Dasein. D« Sinn, dst Warst bedeut« mir nicht». Ihre Schriftzüge ab«, da» Blatt, auf welchem, mein getatfotb, Ihr Auge geruht, stad «st hellt,. Zürnen Sst nicht, Recha, wmn ich dst Sprach« d« Trunkenheit spreche, ich kan» nicht and«», kann «nd »Ul keine Maöke tragen. Dam« schwsta ich bi» heute, zu stolz, von Lstbe zu sprechm, ehe ich aus dst Einwilligung Ihre» Bat«» zählen, eh« ich Jhnm eine Zukunft bieten kannst. Mein« Hoffnung, da» Zstl meine» Sstebm» uud Wünschen« warst Du, Mädchm, Du! Da» Lebm — ein eitler Wahn, ein toll« Wahnsinn wäre r» »st ohne Dich und Dein« Liede. Recha, laß' mich wied« und imm« »ictar dm Ramm aussprechen, d« für mich alle» «inschließt, wa» schön ist «nd begehrenswert-, Recha, auch Du liebst «ich Od« wst? Könnst es and«» sei«? Hat mst Dein Blick beim Abschied nicht verrathm, wst weh Dst da» Scheide»

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