Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 39 (1889) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
39 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492351-8722856-5956671--1221-5373584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IIS — «Bei Frohsinn ein eMet Bttefcn, »Ein heitere», harmlose» Leben .Lat Gkm l .6 fort mit den -lagen! ,0 fert mit dem Zagen, .Da» bringt dem Leben Gewinn.' -Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst', aber falge dabei auch dem Naturgesepe: e» fordert Gelbstbeherrsehnng und Selbpberück- Mtf»ung. _ Via kann wen fordern, daß Zeder der lebt, anch Lust »um langen Leben bade. Jang sterben und in einem glücklichen Momente ist mir da» Schönste. _ Da» unglücklichste und de»halb auch da» poetisch gesti««teste »esen ist da» Bett. Wenn Jemand eine Rede hält, blo» u« die ZubSrer )«m Weinen c bringen, dann wirkt e» auf mich in derselben Welse, wie wenn ich iemanden höre, der Witze machen will, damit «an lache. .Wie ist man al» Kind voll von Freudep, .Wie leicht, wie glücklich ist man da I .Doch wird man älter, kommen Leiden .Und Ernst ist, wo man Frohsinn sah. •Mein Frohsinn wo bist Du geblieben, •Warum entflohst Du mir so schnell? .Die Harmonie in mir ist schon vertrieben i »Welch Miß ton schreckt mich auf, so ichrcsf, so grell! .Was kann mir Ernst, wa» kann mir Sanftmuch nützen? .Wie sehr vermist ich Dich an jedem Ort; »Nur Du kannst noch vor Unverstand «ich schütz« I .Kommst Du nicht bald, ich haß' Dich — aus mein Wo,»!' .Ich wollte die Liebe vermeiden, .Und schuf mir unendliche Leiden.' Arme» Sind I Seitdem Du liebst, denkst Du über Dich selbst; früher lebtest Du »ie die Blume i« Beete, Freude und Wonne verbreitend, beglückt und beglückend. Jak Salamith Du hast Recht: »Wecket und reget nicht auf die Rebe — »Er ist hin! Ist auch Dein lieberfüllte« Gemüth für immer zerstört?" dachte Arno seufzend. (Fortsetzung folgt.) Ephraim Spiro. 1*] Novelle von Ida Hosrnann. (Fortsetzung.) >l» Frau Staubescheu, »elche sich unter sorgfältigster «lege erholte, wieder erstarkt war, wurde da» Vermählung»- fest gefeiert, und am nächsten Tage reiste» Bater «ad Mutter mit der jüngere» Tochter ab, um die Flitterwochen de» jungen Ehepaare» nicht zn störe«. Rach einiger Zeit holte Fr«»zi»ka ein Versäumnis nach, de« sie sich schon feit Woche» schnldig gemacht hatte — wer aber kennt nicht die Untugend der Glücklichen, für eine Weile die ganze Schdpfmig zu »erzeffeu? — fie schrieb chrer Freundin: »Meine theure Recha l Du ahnst wohl nicht, daß, während Du zu Hause »die prosaischsten Tage" verlebst. Deine Freundin sich verlobt und verheirathet hat. Erinnerst Du Dich jene» Briefe» von Herr» Spiro, de» ich Dir im Bade S. zu lese» gab, in welchem er soviel von seine« Freunde sprach? Wen» Du, liebste Freundin, jenen Brief nicht nur flüchtig gelesen, so wirft Du Dich entsinne», daß darin von Herr» Schiffslientenant Pr an die Rede ist, und — der ist mein Gatte. Komm, überzeuge Dich, daß ich gut gewählt, und sage mir, daß Du «ei« Wahl lobst. Low», besuche un» und lerne «eiae» Paul kennen. Beruhe, »aß ich so kur, schreibe, et« Hausfrau hat gar viel zu ihn» auf einem so große» Gute, nomeutlich in de» Honigmonden. Ich freue mich kindtsch. Dich bald zu sehen, und rufe ftk ja: Aus baldige«, Mb. Ache» Wiedersehen. Det« Franziska." Einige Woche» später!heilte Bater Staubescheu de« junge» Paare mit, daß er wieder Nachricht von Hem» Spiro empfangen» »nd er legte den Brief bei, mit der Bemerkung, daß dieser ein beweiskräftige» Dokument für Ephraim» ehrliche Strebsamkeit und Willenskraft und für fein treue» Herz sei. Der Brief lautete: •Mein theurer Freund k Meinen Eutfchluß, New-Kork zu »erlaffen, führte ich wenige Monate nach meinem erste» Briefe a» Sie au», denn die Stadt ist übervölkert «nd bietet däher wenig Gelegenheit zu schnellem Erwerb. Ich machte meine geringe Habe zu Geld und that Matrosendieuste, um unentgeltlich «ach Apynwall zu gelangen. Die Fahrt dauerte neun Tage. Bon da au» ging ich per Eisenbahn nach Panama, machte wiederum eine vierzehntägige Seefahrt auf dem Men Meere, ebenfak!» Matrosendieuste thnend, und erreichte endlich da» Siel «einer Reise, Sau Franzisko. Soll ich Ihnen die «gend und die Menschen, Sitten und Gewohnheiten schllder«? O, Freund, wenn «an mit beobachtende« Auge um fich blickt, so fällt e» nicht schwer, täglich Neue» zu erfahren und zu erkennen, aber ob hier, ob dort, der Mensch bleibt fich überall gleich, ist stet» derselbe, mehr seiner Eigenliebe und seine« Eigennutze dienend, als er e» fich zu gestehen wagt. Ich tadele nicht nur andere, mein Freund, auch mir selbst gllt dieser Tadel, da ich. wie ich Ihnen schon früher angedeutet, in eigennütziger Absicht einen selbstischen Zweck verfolge. Ich kam mit einer Baarschaft von achtzig Dollar» tu San Fra»zi»ko an, miethete mir ein Local für vierzig Dollar» monatltch, die ich vorausbezahle« mußte; ervffnete eine Restauration und sah hoffnungsvoll der Zukunft entgegen. E» war zehn Uhr vormittag«, kein Gast ließ fich blicke». Den Rest «eine» Gelbe» hatte ich zur Anschaffung von Speisevorräche« ausgegebe«, mir blieben nur noch fünf Dollar» übrig, und mein Herz war von banger Sorge erfüllt. Da kam mir ei« Gedanke. Ich hängte *n das Schaufenster ein Plakat, worauf in großen Lettern geschrieben stand, daß hier täglich ei» neue» Räthsel ausliege und daß der erste, der es löse, ei« Glas Punsch gratis erhalte. Ich ließ — e» kostete mich die Hälfte meine» vermögen» — in der verbretteste» Zeitung der Stadt diese Lockzeile» ein» rücke», «nd — fie hatten Erfolg. Ich hattt nicht Hände genug, alle» kam, jeder wolltt da» Räthsel lesen und löse», und ei» Schneider, et» geborner Deutscher, war der Glückliche; er traut de» Grati»-Punsch und noch ein halbe» Dutzend Gläser außerdem. Er war nicht wenig stolz auf seine Heldenthat und jubelte mir zu: »Sie find ei» großer Aopfl" »Und Sie, Freund, haben einen Zopf!" erwiderte ich, «nd diese» Witzwort, de« zwar jeder Witz, nicht aber die Thatsächltchkett fehlte, züudett, «achtt mir den Name» eine» angenehme», unterhaltende» Wirthes und ich hatte ungeheuren Zulauf. Ließe fich, diese» unbedeutende Eretgniß zu Grunde legend und darauf immer weiter bauend, nicht ei» ganze» Buch über die Albernheit der Menschen schreiben? Ich habe mir schon eia kleine« vermögen erworben, aber ich arbeite anch Tag und Nacht und göuute mir bi» jetzt nicht einmal die Zeit, meiner geliebte« Mutter zu schreibe». Eile» Sie, theurer Freund, ihr einliegenden Brus zu sende» und de» Rest der beigeschloffeue» Summe, nachdem Sie Ihr gütige» Darlehen vorher abgezogen haben. Empfange» Sie meinen »ärmste» Dank. In diese« Briefe sage ich der Mutter, daß ich in Amerika bin, und ich hoffe, daß der Gedanke meiner gesicherten Zukunft ihr de» Schmerz der Trennung einigermaßen erleichtert. Nachdem ich nun »ich vorangestellt, kouüne ich, verlegen, eine Krage ans den Lippe», die ich ttzuu möchte, un- Miß, ob ich es darf. Hat er Sie besucht? Ich «eiue Pa«, meinen Freund, de» Schiffslteutenant? Nicht wahr, er ist eine Sernnatur, herrlich an Seist und an Adrper? Hat er sich lange in Garbenhei» aufgehalte»? «a» sagt Franziska, Ihre Frau, wollt' ich sagen, und was sagen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.