Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 39 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
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Ursach« diese« Schweige»«. Ware» doch all« Briefe, die er au« der Heimath vo» >r»o erhalte» der Conmcntar dazu. Mit je arm Humor, der ihm scho» iu seine» Schuljahr« al« humoristischem Gassenjungen eigen war, lenkte er mit vr widerstehlicher Heiterkeit >rno hinüber in je«« Zeit, ih» an Scene» und Schelmenstreiche eri«»er»d, welche damal« edenso streng bestraft wie belacht waren vo» seinen Richter» und manchmal selbst von seine» Anklägern. »Weißt Du Arno", sagte er, „wenn mir meine koboldartiger Einfälle jener Zeit in de» Sinn komme», muß ich noch heute darüber lache». Jener Bauer, dem ich di« Eier, welche ich vo» ihm gekauft, in Ermangelung eine« Sorbe« auf fei ne zusammengrschobeuen Arme häufte und dann unverschämter Weise ohrfeigte, steht mir noch vor Ingen l Seine Hilflosigkeit, zu der er verurtheilt war. da er sich nicht bewegen durfte, mein schadenftohe« Gelächter über sein« Verblüfftheit, al« ich davonlief, waren zu komisch." llnd er lachte so recht von Herzen, daß Lrno eiastimm, n mußte. .Der Einfall von einem Bauern Hexel zu kaufe», den er in den offene» Brunnen eine« dunkeln Keller« schüttete in de» Glauben, Du hobest ihm eine» Kasten angewiesen, und nie Du ihm 'agtest, er soll den Hexel festtrete» —* „Ich und wie der arme Kerl beim erste» Tritt bi« an den Hal« im Waffer stand und ich lachend Reißau« »ahm; — eo war schändlich von mir aber komisch, nicht wahr, Du grboraer Schulmeister?" sagte Josef lochend, ihm da« volle Haar streichelnd. »Du hast wich oft genug abgekauzelt, ober ehrlich gestanden, ich fühlt« keine Reue dabei! Die Eulenspiegelstreiche reizten mich immer auf« Nene!" „Ich versprach mir auch nicht viel vo» jener Reue, aber ich liebte Dich, ich kannte Dein gute« Herz. Erinnerst Du Dich, daß ich Dir sogar einmal Recht gab. al« Du dem geizigen, eitlen Fräulein Rose, die immer Warschauer Sch» he trug, einen ganz neuen verstecktest und ihn erst wied, rgabst, bi« sie Dir für eine kranke Frau so viel Gel» einhä^igte, wie Du wolltest?" »Gott segne Dich, daß Du die« nicht vergeffe«, wie ich selbei', e« ist doch Etwa«, wa« mich nicht ganz verdammen«» wert!, macht", erwiderte Josef scherzend. — »Höre Arno! ich lieb« ein vortreffliche« Mädchen, eine mei»er Schülerinnen", sagte er in tiefernsten, ja bewegte» To» übergehend, »um ihretwillen schon möchte ich rin guter Mensch sei» wollen." — Er zog ein Medaillon hervor, da« er mit entzückten lugin betrachtet«: »Nicht wahr sie ist Udylike vom Scheitel bi« zum Zeh; aber ihre Seele ist vornehmer, rein und himmlischgüti-, wie die lieb« Sormr." »Go verspricht e« die« köstliche Blicken iu die Welt hiue a. Weißt Du, e« erinnert mich an eine Madonna, die fixti rische glaub« ich, nannte sie Esther, Gräfin Wt»iaw«ka hatte sie ihr geschenkt. Hier finde ich diesen Blick wieder. Dt, uujchnld«voll und unbewußt de« eigne» Werthe« blickt dir« luge, ftagend wie ste, die niedre Magd, zu so Überirdisch«, Ehren erkoren sei." Josef küßte mrschämt da« BUd und legte e« au seine frülerr Stelle: »lrno, ich hoffe Du wirft mein Brautführer werden," sagte er daun in weicher, froher Stimmuug. Da« »olle Glück de« Freunde« verdrängte jede» Nebenged, mlru bei lrno, er freute fich deffe» iuuig. »Ihre« Bater« Gunst besitz« ich schon seitdem ich ihm bei «etuer lukuuft «tue Empfehlung »ou «ine« seiner Be, liuer Freund« überreicht«. Dieser hatte «ich ihm al« Ke»»er her spautschen Literatur empfohlen die Lord W. mit groze» Eifer studtrte. — Meine Stellung an de» Lolleg« verlmuke ich ihm, und mei»e« Mädchen« Lieb« bi» ich gewiß. Ich bi» sehr glücklich Arno." Rur et» so guter Mensch wie Ir», vermag ganz bet de»! Glücke de« Inder» den eigne» Schmerz zu verdrSnge», wie e« hier geschah. Joses, in seiner Glückseligkeit bemerlte nur die rege TheUuahme de« Freunde« und sprach harmlo« weiter über seine nächste Zukunft. »Da« Tollege hat sich ßsehr gehoben unter «einer Leittuig und jetzt Freund, wo Du mir eiue ganz besondere Erleichterung au demselben verschaffen wirst durch Deine» deutschen Unterricht, der mir von de» jetzigen Lehrer dnrchau« nicht genügt, jetzt werde ich doppelte Freud« habe» an dem Gedeihe» dieser großartige« Anstalt. Auf diese» Punft der Unterhaltung angekommen entrollte fich vor Arno ein neue« Lebenüblld. I« Austausche der Gedanken waren die Stunden entschwuude». ,E« ist hohe Zeit zur Nachtruhe", unterbrach Josef den Redestrom de« Freunde«: »Gute Nacht und träume gut! Du weißt mau sagt, der erste Tran» au fremd«« Orte hat Bedeutuug." >l« lrno am andern Morgen seine Reisekoffer »ffnet« fand er einige Blätter mit der Ueberschrift: »Dem treuste» Freunde." E« war Esther« Handschrift. II« fich die Freunde nach der namentltch für lrno so erquickeudeu Nachtruhe zum Frühstück im Wohnzimmer einfandeu, sagte er scherzend seine» Gastfreund begrüßend: »Wenn mir ferner jede Nacht in London so gut wie di« heutige bekommt, dann »erde ich mit der Zrtt ei» Halbgott." Sin frischer Hauch de« Leben« weht« in ih«, er sühfte fich leichter, jünger, wie befteft von einer drückende« Last. Josef durste fich ganz dem Freunde widmen, da die Ferienzett de« Tollege ihm volle Freiheit gewährte. St« durchstreiften »st die Riesenstadt, dann besprachen fie daheim da« Gesehene, von dem Treiben und Schaffe», wo Ille« geregett dnrch di« Ordnung de« Gesetze« fich frei bewegte. Ille« rief in ihm ermuuterd: „Hier bleist Du. hier wirst Du Dir und Indern genügen." Josef leitete seine« Freunde« Thätigkeit damit «in. indem er ihn den Lehrplau de« College kenne» lehrte. Bald war lrno derselbe» geläufig so, daß al« e« eröffnet »urd« er fich täglich «ehr bewährt«. Er erwarb fich die Rebe seiner Sollegen und Schüler; Ruhe uud Befriedigung milderte» die Spuren seiner schwere» Erlebutffe. Er fühlte fich al« freier Mann, von Außen trat ihm keine hemmende Beschränkung entgege«. Seine Briefe nach der Heimath erfteuten die Lieben: neue Anschauung«» über Lebe» uud Welt drang« in di« abgeschlossen« Kreise. Obgleich der Briefverkehr nicht die Erleichtern»» de« hmtigen kannte, — schuf doch die Trennung von de« Sohne, der schreiblustig« Mutter eine liebe, neue Abzug»- quelle. Esther uud die Andern schrieb« gar selten. Blätter von Esther« Hand, die er bei de« Oeffn» seine« Koffer« gesund«, war« sei« Heiligthu«, ih« geweiht durch die Aufschrift: „Dem treusten Freunde." — E« war« jene Blätter die Sara Aruo überreichte, »l« er ueb« Esther« Srauk«ztmmrr. wo fie sterbe»«Ira»k lag nur da« erst« Blatt grlesm, da» ihm in Vers« van Gefühl« sprach, di« er nicht anf fich beziehen durste. Esther hatte die BläUer in seine Kiste gelegt, al« diese grschloff« wurde; nur ste uud er kannt« diese kunstlos« Äußerung« eine« retchbegadt« Mtdcheuherzen«. -tarnt ist dl« »ätze de« fielen» 1 |«n ftSblich I s»»st lebst Da vergeben«. „Bet »oll«« sich Mbdm „Der Coim gedente», „Die »ar da» Leben MrgUU. „Die 6mg' a»d thr da»««» weicht« „Sie heaune» die frischeste Rtgaag, „Des Hetze»« ftnik’ge Beoegög „6k ttttct M schönst, M*