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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 39 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
39 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische« utilifi-l/f// Herautgegebeu von Dr. M. Nah «er in Magdeburg. -*N^ Zur Kxttttaltatf l Kelehr»»s fiir hie isriMsche Ftmiie. Inhalt: An» neue» Jahre 6660. — HcrzrnHadel. Ein« kujiuvlsch« Erzählung au« de« Tnsaag« unsere« Jahrhundert». Bon Johann» — Ephraim Spiro. Novelle von JdaHofmann. — Allerlei für bot Familieatifch. — RLthselausgaben und RtUhsellllsungen. (Undefngter Nachdruck au« diese« Blatte uuterf»,«.) A«« «e«e« Jahre 5050! Bon I. Herzberg, Jnvwraz!«». Ein Jahr ist »tederv« entschwunden, Ei« Jahr, s» kurz, doch auch mit lang! Kurz, wenn da« Glück un« hat gesunde«, Laug, wenn un« ttafru Leide« bang. v. wohl Dir. hat de« Glücke« 2»n»r Dir ihre Strahle» zugrsandt. Hat -»»de Dir, hat Dir die «onne Ur leuchte»» «utlttz zugewandt! Wir schnell ist Dir da« Jahr enlftvgen! Dir war e« nur et, süßer Lran«, Der alle» ga««er Dich entgogeu, Du «erlieft srtur» Wandel kau»!- Doch ach, wollt' Dir da« Jahr «ur senden Beschwerde», Sorge» oh« Zahl, — Dir war'«, als wollt' e« «immer ende« Mit fet»rm Jammer, seiner Qnal Mit fehnf»cht«»«llr», he ihr« Blicke» Ntefft ««glich D» t» daugrm Schmer«: .wie l«*|t werde», ach. noch drücke» Die Sorge» »et» belaftet Herz!'- Doch still, belastet «e»sche»herz! Hat Dich et» schwere« Loo« getrosten, Staff Deine» Blick »ur Himmel»««« ll»d setz' a»f Sott Dein stete« Hoffen! Hat auch da« Jahr, da« »»» derroaue». Der Kreude» wenig Dir verlieh », I» »eue» Jahr, da« setzt begouue», L«tzt »ott et» deff'rr« Dich zieh»! Herze«»aoeu Glu« lusawisch« Erzählung ou« dem Anfänge unsere« Jahrhundert» Bon Johanna. tt) - lSvrtsepung.) 20. SopiteC. Die «ahrnft de« Schiffe«, auf de» Iruv sich befand, »ar vom Laude her von Tausenden begrüßt, die a» Ufer der Themse, von verschiedenen Interesse» bewegt in bunten Gruppen sichtbar waren. Inf de» Schiffe »ar jeder Reisende beschäftigt, feine Effekten i« «ebne». Mau rächte einander die Hand zu» »schiede mit einer Därme, al« wäre man lange Zeit mit einander bekannt; dar enge «au» »acht nachbarlich. Bald fallt» M» Irn» den Boten diu« freien Lande« betreten, wo Platz und Freiheit ist. in den ,ratzen «reis menschlicher BeßrebAnge» eilwulreteu, wo «an nicht ftagt: Welcher «aufesstan, welchem Laude gehörst Du'au. .Frei ist Dort und Thal-, jauchzte e« in «rno, hier nennt man mich nicht Eindringling, Fremdling. Du ermunternder, trost. reicher Bedanke „Gleichberechtigung"! Mein Leben und Streben beweise e«, daß ich ihrer «erth sei. Ei» Drängen und Schieben der Reisenden nach der Bordrrseite de« Schiffe». Dann kamen Lootsen mit ihre» Böte» um die Lngekommenen aufzunehmeu. Bald war da« Ufer erreicht und au« der harrenden Menge trat Josef dem erwarteten Freunde entgegen. Trotzdem die beiden Männer im Laufe der Jahre sich verändert hatte», erkannten fie einander denuoch und Joses, der Jüngere und Stürmische von Beiden, vergaß die englische Sitte, sich nicht öffentlich zu umarmen, s, ganz, daß er «rno mit voller Inbrunst an sein Herz drückte »ud ihn immer wieder küßte. Josef übergab seinem Dieuer die Beförderung de« Gepäckes, die Freunde bestiege« einen Fiaker. Halb betäubt von der Großarttgkeit der Er. scheiuuugen, die in so mannigfacher Art dem lkleinstädter ent,, gegentrateu, saß Arno Arm in Arm mit Josef, der ihn nur liebevoll ««blickte, aber mit Fragen verschonte, so sehr es ihn auch drängte, Nachricht von seinen Liebe» und der Heimat zu höre». Ein Blick drs treuen Freundes, rin warmer Händedruck genügte ihm; wußte er doch, wie erschütternd sein« Bewunderung und das Staunen war, als er damals von Berlin, der Hauptstadt seines Vaterlandes, nach London der Wettstadt kam, wie mochte es »un erst Irno berühren l Endlich hielt der Wage» vor Josef« Wohnung. Al« «rno die mit Teppichen belegten Stufen betrat und er daß mit englische« Lomfort sür ihn eingerichtete Zimmer erblickte, als Josef wie rin vornehmer Herr, seinem Diener lufträge erlheilte, stand der Gast wie im Traume da. War die» Josef, der arme Junge, dem Esther aus abgelegten Kleidung«, stücken Anzüge sür die Reise besorgte, als seine Mutter ttt bittrer Armnth es nicht vermocht? Und wie stattlich sah Josef aus, wieviel freier und leichter war sei» Betrage», mit Arno'« verglichen! Er stand wie verzaubert, seine Blicke folgten de« Freunde, der mit umfichtiger Sorgfalt das Gepäck Aruo'S ordnete, ihn dann «ts seine» Träumen weckte» indem er seine» Ar« faßte und chu zur Mahlzett in sein eigne« Zimmer sührtt. „Uebrrakl Comfort"! sagte Arno, al« Josef sich mit ihm an de« gutbrsetzttn Frühstückslisch niederlteß. — »I« wohl", sagte lachend der freundliche Wttt, „»« ist ander» als zu Hause in der Gaffe. Ader nun effrn wir auf euglische Art, es wird nichts gesprochen, eh« wir satt sind." Das deutsche Gemülh brach aber dttses englische Ge» bot und es wnrde wacker gefragt »nd geantwartet so, batz Josef von der Heimat mindestens das G«tr erfuhr. Gestärkt und erfrischt von de« Genoffene», beantwortete Arno des Freunde« tausendfache Fragen. Es verging Stunde um Stunde bis es Abend wurde. Wohl überwältigte Beide oft Wehmuth und In» schwieg manchmal plötzlich, in Sinne« versunken. Oft flog ei» Zug ou Schmerz und Trauer über sei, Gesicht, die BewogUmp' seine« Innern verrattzend. Josef bemerkte »nd ahnte die

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