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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 38 (1889) · p. Seite 151

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
38 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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Als ctac« Tag«« ciatn Brief k»Mi Recha erhielt, «einte ste, sich z» Pr«» wendend: »Wie würde Fräulein Benjamin sich fernen, dm Shrai» |tt hörml- Und wie schade, daß Sie da« jnnge üdche» nicht kennen. >1 »Kre die« ein Gewinn für Sie, ein« vrreichernng Ihre« Lebens.- »In der That?- »Gewiß. Recha ist eben so gut al« ste klug, nud «de» so klug al« fir schön ist." »So?' forschte Pro», »da« Mädchen ist schön, gut nnd klug. Ephraim war vier Jahre im Hause Benjamin, und hat ihrer mit keiner Silbe jemals erwähnt. Da dämmert wir ein« Ahnung auf. Krisch die Segel gesetzt, meine Der» »nthung steuert im richtigen Fahrwasser. Wahrlich, meine Krrunde, ich Hab« soeben auf festem Laude, zwischen diesen vier Mauern eine Entdeckung gemacht. Da« ist eben @te« »annsglück seit Kolumbus' Zeiten. Wir haben de» Instinkt der Entdeckungen: neue Welten und uene Menschen, neue» Leben »nd neue Liebe, unserem Auge bleibt nicht« verschlossen. - Ei» »armer Blick streifte bei den letzten Worte« Aranziska, welche errvthend zu Boden sah. »Ephraim-, fuhr er fort, »erzählte mir sein ganze« Lebe», sprach mb Ihnen allen, von Ihre« jüngsten Töchterche», Mn Ihnen, Fräulein Franzi«ka, von Bater nud Mutter, M» Karl, von Herrn Benjamin, beschrieb mir sogar beste» Hau« »nd Garten, ein Frmnd der Sleiomalerei. schilderte er mir die unbedeutendsten Einzelheiten, nur von Fräulein Benjamin sprach er nie. Einmal erwähnte er vorübergehend, daß Herr Benjamin eine Tochter habe, aber er nannte nicht einmal ihre» Namen und ließ mich im Unklaren darüber, ob ste alt oder jung, ob sie schon vermählt oder noch frei sei. Hurrah!- rief er in freudiger Bewegung, »jetzt möchte ich in den Mar« steigen und Ephraim zurufen: »»Landl Landl Ich Hab'« gefundenl Ich Hab'« entdeckt!— Einmal, ich erinnere mich besten, at« sei e« erst heute geschehen, fragte ich ihn, ob sei» Herz noch frei sei. Sr wurde roth wie rin Seekrebs und fing an, von a»deren Dingen zn reden. Damal« fehlte mir der Schlüffe! für sein zurückhaltende« Benehmen, heute weiß ich et zu deuten: er wollte mir nicht beichte», und lügen — nein, da« kann der Kamerad nicht.- »Ste mögen mit Ihrer Bermnthnng das Nichtige getroffrn haben-, bemerkte Herr Staubesche«, »ist es doch «tnem jede» tieffühleudeo Menschen eigen, seine heiligsten Gefühl« zu verbergen, selbst dem Freunde ge^uüber.- Aranziska schwieg. Wohl war die Jugendschwärmerei schon seit lauge der zärtlichsten Freundschaft gewichen, aber »och immer konnte sie nicht ohne Rührung jene« seligen Gefühle« denke», welche« gleich Frühling«schauern ihr junge« Herz »achgeküßt. Daß Prau recht hatte und daß auch Recha ihrerseits Ephraim liebte, war ihr «icht mehr zwerfel« hast. ja. sie begriff kaum, wie ihr der Gedanke nicht längst gekommen. Mit welch' lebhafte« Jatereffe halte doch Recha stet« ihren Berichten über Ephraim gelauscht, mit wie »armer Theiluahme sich seiner Mutter zugewendet l »Mvgrt ihr euch finden, wöget ihr glücklich sein, ihr lieben Beiden,- flüstert« Franziska feuchte» Auge«, bevor sie einschlief. Herd Paul Prau, der sich im Staubescheu'schen Hause sehr behaglich zu fühlen schien, hatte in Garbruheim sein Hauptquartier anfgeschlageu und machte jeweUige kürzere »der längere Auflüge, über deren Zweck er jedoch Stillschweigen beobachtete.- In einer lauen, mondhellen Sommernacht gellte plötzlich der Feuerruf durch , das stille Dorf» die Bewohner aus dem Schlummer schreckend und sie hiujageud zur Stätte, wo da« entfesselte Element in roher Kraft wüthete, zum Schulhause. Wie das Feuer eine solche Ausdehnung genommen, wie es überhaupt entstanden, war eia Räthsel, deffeu Lösung vor der schreckeuerrrgenden Wirklichkeit ganz in den Hintergrund trat. Haushohe Flammen umzingelten und umloderten das Gebäude, das Dunkel der Nacht taghell erleuchtend, knisternd 2wd zischend stoben flogen die.Funken vom Giebel de« Hause«, ale« in ei» unabsehbare« Feuermeer hüllend. Die Haus thürr wurde gesprengt, aber kein« Möglichkeit hindnrchzugela,ge«. Fl«,«me» nnd Ranch verwehrten de« Eingang. Welch' ein Jammer l Schnell — die Spritze herbeigeschastt. Leitern angelegt, Waffrr geschleppt und ein wiederholter Versuch der Muthigfte«, de» Rauch und Flammen zu« Trotz, eiuzudr lugen. E« gelang. Mau traf den Bater mit den Töchtern um die ganz hinfällige Mutter beschäftigt, welch« sie, in Bette» ringrbüllt, ungefährdet au« dem Hause zu bringen versuchten. E« war die höchste Zeit. I» Folge eine« sich erhebende» Gewilterfiurwe« griff der Brand mit rasender Schnelle um sich, flackernd und zischend, krachend und praffelnd stürzte Balken uw Balken, und al« der Morgen graute, war da« stattliche Schulhau« nur noch «ine rauchende Ruine. Am Tage nach der Schreckeusuacht traf Herr Prau, zu welchem die Kund« de« Unglück« gedrungea war, in Garben» heim rin und überzeugte sich, daß nur die Habe der Familie verloren, keines aber ihrer Glieder geschädigt worden sei. »Hören Sie meinen Vorschlag,- begann er, .Sie alle bedürfe» der Erholung nach diesem aufregenden Ereigoiß, kommen Sir für einige Wochen zu mir, seien Sie «eine Gäste. Ich habe mir — die« war der Grund meiner wiederholten Reise» — in P. (in Gut gekauft. Machen Sie keine Einwendungen, ich handle nicht durchaus selbstlos, da ich bei der Einladung auch au «ich denk«, und die günstige Gelegenheit benützend die wirthschaftlicheo Kenntniste Fräulein Franzidka's bei der Einrichtung für mich tu Anspruch nehmen möchte. - Hrrr Staubesch«« willigte gern eia, auch die Frauen freuten sich der angenehmen Abwechslung und so reifte mau daun am nächsten Morgen in der Frühe ad. Das Anwesen, herrlich gelegen, bestand aus einem stattlichen Wohuhause mit Oekouomie» und Hintergebäuden, eine« geschmackvoll angelegteu Garten, in welchem ein Weiher mit der »Mioiaturflottenicht fehlte, au« Acker und Wiesenland uebst einem halben Morgen Wald. Franziska war ganz an ihrem Platze, sie war in ihre» Element. Sir verstand trefflich zu leiten, zu ordnen, sie waltete zum frommen aller. »Daß sie doch fo fortwalten möchte-, dachte Paul, der mit innerlicher Freud« ihr Thun und Wirken beobachtete, »daß sie doch für jetzt und für immer hierbleiben möchte, den Platz in meinem Hau» «nd an meinem Herzen einnehmend. Wer weiß, vielleicht will sie auch? Sie — sie kann mir doch mtt dem Wunsche »icht entgrgentreteo, au mir ist es, fir zu fragen, um sie zu werbe» l Eine schwierige Sendung l Wahrlich, lieber bei Sturmes wehen fteuerlos auf drm Meere segeln l Math, alter Junge, Muth l Halt, vielleicht kommt mir der Gefährt« schwerer Stunden, mit der Uniform wieder. Gesagt, gethan. Er begab sich schnurstracks ans sein Zimmer, und — so wenig er es sich gestehen mochte, er dachte, daß die Uniform ihn wohlkleide und daß er Franziska so vielleicht gefallen werde. Er ging in den Gatte«, wo er sie beschäftigt wußte, und je mehr er sich ihr näherte, um so sonderbarer wurde es ihm zu Muthe, bis er endlich auf dem Standpunkte stand wieder umzukehrea. »Es muß ja heute nicht sein,- meinte er, machte aber schnell wieder Kehrt und sprach zu sich selbst: »Schäme Dich, Paul, ist Dir den» aller Muth tu» Wasser gefallen! vorwärts. Marsch. - Franziska war überrascht, einen fremde» Offizier vor sich zu sehen, als ste jedoch Paul erkannte, begrüßte ste ihn lachend: „Servus, Herr Lieutenant. Die Uniform kleidet Sie vortrefflich. Sie erwarten wohl Besuch, daß Sie sich in Gala geworfen haben?- »Nein. Der heutige Tag soll in anderer Weise für mich von Bedeutung sein, ich-- Er brach ab, beide schwiegen eine Weile, daun Paula's Hand ergreifend und >n dieser Berührung gleichsam neuen Lrbeusmuth findend, begann Paul wieder:

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