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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 37 (1889) · p. Seite 146

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
37 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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.Wie erfreulich für Sie", sagte Lruo, dem die iuuigr Opf«i reudigkeit de« Mädchen« da« Herz bewegte, .die Ellern so nahe zu haben!" Mit ernstem, säst strengem Lutdruck antwortete di« Nonne: .Al« die Eltern wich Jesu geweiht, haben sie ihr Recht auf u ich verloren Al« da« Haar mir vom Haupte geschuitt,'» war und die langen Strähnen um mich hrrniederfielen — da war auch zerschnitten wa« mich bisher an die Welt gebunden." .Auch da« natürliche Band, da« Kind und Eltern uaauflöt ich bindet? fragt: Arno erregt. Sie neigte bejahend da« sonst so milde und jetzt so kalte, ernste Antlitz. .Welche Braut Jesu kennt mehr al« die Liebe zu Ihm? Au«!>iesem unerschöpflichen Born der Gnade wird jeder Kreatrr der Labetruvk gereicht", sagte sie schwärmerisch. .Wer diese« OrdenSkltid trägt, ist erfüllt von himmlischer Liebe, wozu wäre die irdische uöthig?! Kranen Sie den Segen der Gaadenwahl, den un« das Kloster al« unsre Welt zeigt? Die Werke und Einrichtungen der Menschen erschri ren daneben so nichtig! .Ich bin Jude", antwortete Arno. .Wir hatten nie Klöstei. Wir meinen da« Leben sei jedem Reinen rein, und Aufopferung zum Wohle unsrer Mitmenschen sei auch hier in der freien GotteSwelt geboten und ausführbar." ü:in leichter Schauder überlief die ganz« Gestalt der Nounl, al« sie da« Wort „Jude" hörte, Arno bemerkte r« wohl. Aber bald wich jene Empfindung dem Mitleid, da« sich ir ihren Blicken spiegelte. „Ich werde für Sie beten, daß die Gnade de« Herrn über Sie komme und Sie erleuchte"! sprach sie mit rührender Demuth. Der Wagen hielt an dem Posthause der Station, die Dame» stiegen au«, Arno grüßend. .Möge Dein Glaube Dir helfen"! dachte Arno, grrüht von dir Tugend und Unschuld de« schwärmerischen Kinde«. .Er sihütze Dich, daß Du den gethanen Schritt nie bereuen mögest!" l'.nb er dachte a» seine Tante Sara, wie sie auf allen Wegen de« Leben« doch immer nur den gottgefälligen gewaudeit und wie jener Dank, deu sie einst im frommen Sinne ausgesprochen: .daß Gott sie so schön geschaffen", sie ebenso gefeit hatte gegen sündige Versuchung, wie jene Nonne iu klösterlicher Einsamkeit. Und er gedachte Esther«, wie sie dem Glauben ihrer Väter ihre reine Liede geopfert. War das Lebeu der Doctorfamilie zu Hause nicht die frohe Hingebung de« eignen Wohle« für jeden Hülsesuchenden!? Uud doch halte« sie sich Alle n cht für »Auterwählte durch die Gnade." E« bleibt unnatürlich, dachte er weiter, einem Bunde auzugehören, der alle natürlichen Menschenbande löst, uud die Abtödtung aller menschliche» Jntereffen nur sür Einen Zweck fordert, der auch ohue jene grausamen, weil widerr atürlicheu Mittel, zu erreichen ist. Am späten Nachmittag hielt endlich der Postwagen au dem Hafenplatz, wo außer dem kleine» Posthause nur Fischerhütten unweit der See zu erblicke« waren. In einiger Entseruuug lag die kleiue Stadt, die in ihre» Kaufläden Alle« für eineu Seereiseude» Uueotbehrliche darboteu; e» (amen auch Händler hinaus au die See und Arno kaufte wa« ihm al« oothweudig bezeichnet wurde ohne viel zu überlegen. Der nie gekannte Anblick der See, die heute besonder« bewegt war, nahm ihn ganz gefangen. Er ftaud an einem Boote, da« eben mit Seefische» augekomme«, die in ihrem waunizfachen SchnppeaNeider» wunderbar erglänzte» und ttotz te« Mangel« ihre« ihnen entzogene» Elemente«, munter umher prange». Der Lärm der Fischer, ihrer Weiber und Kinder, da« Gewühl am Hafen und auf de« Bäte» und Schiff:», da« ganze ihm »ngewohute Treibe» de« Seelrbeu« berührte unsere arme .Landratte" gar mächtig. Nach kurzem Regenschauer bildet« sich ei» herrlicher - Regenbogen der sich im Augenblicke weithin über der See wölbte. Sie lag da, von dem Baude umfange», da« in immermehr gesättigten Farben eine» Wiederschein bi« in den Grund der See bildete, uud wie e» sich auf den sanftbrwegteu Wellen schlängelte, schienen Himmel uud See verbunden, man meinte diese aufschanern zu sehen ob der holde« Verbindung. Als der Regenbogen allmählich »erblaßte und die Abendsonne am blauen Himmel erglänzte, lag über dem reinen Blau der See ei» zitternde«, goldige« Netz, dessen Masche« von lebenden Wellchru durchbrochen wurden. Hoch auf der Rhede erglänzten die mächtigen Schiffe, die mit ihren Masten welche wie Fenersäulen leuchteten, von dem lohenden Scheine der untergehenden Sonne übergosien waren. Der sandige Strand schien wie mit Goldstaub überschüttet und der Leochithirrm tauchte blendend« w iß hervor au« den waldbekräuztcu Höhen der nahen Küste. Allmählich verschwand Alle« im goldigen Duft. Sauste Abeudwolkeu hüllten die Erde in Stille und Ruhe, nur einzelne Seemannsstimmen riefen einander zu, wa« Arno unverständlich war. Die liebliche, großartige Natur cene hatte ihn überwältigt und doch seine Lebensgeister erfrischt. Ein Plätzchen am Strande da» der Regen nicht getroffen, da ein Fischerboot darauf gestanden, bot uaserm Reisenden einen liebliche» Aufenthalt. Er dachte au die Lieben daheim, er hätte sogcru jeden Genuß mit ihnen theile« mögen. Wa« hätte Esther empfunden wäre sie hier! E« reihten sich Bilder an Bilder, die sich zu Worten gestalteten, er lauschte denselben, wie fie au« seiner Seele ihm selber fast unbewußt aufstiegeo: .tt* linnt dnt Thräne in den Land »tm Stopfen still geweiht den Tobten, »Wie schmerzvoll treue Liebelboten .Gesandt in» unbekanMe Land." „Ein Tropfen neben dieser Lee?!' ,Zal liefet ist in» «enschenherz »Und mehr die Thrän' in nnfem Schmerz, „Air groß und tief die mächtige Seel" (Fortsetzung folgt.) Ephraim Spiro. 10J Novelle von Iba Hosraann. (Fortsetzung.) Paula hatte getha», wa« sie für ihre Pflicht hielt, weiter iu Recha zu dringe«, erschien chr nickst geboten. Sie reiste ob, und eine Stunde später ttaf Sender ei», hocherfrent, seine Braut wiederzusehe». Daß diese seine Freud« nicht theflte, merkte er im Rausche de« Glücke« um so weniger, al« Herr Benjamin sich in Aufmerksamkeiten und Freundschaftsbeweisen gegen den Schwiegersohn überbot. Der Abend verging tu angenehmster Weise, Sender hatte viel zu erzähle», da da» verfloffene halbe Jahr ei» inhaltsvolle« und errigmßreichc« für ihn gewesen. Ohne seine Studien zu vernachlässige», hatte er dem Vergnüge« viel Zeit gewidmet, und die Eitelkeit, der hervorstechendste Zug seine« Eharacter«, hatte reichliche Nahrung gefnudeu. Er wohnte fein, kleidet« sich elegant, lebte flott, war änßerk freigebig, und so gewann er bald eine Anzahl Kueipftennd« und erlangte Zutritt in vornehme Kreise. E« verging keine Woche, ist welcher er nicht Einladungen zu Bälle» und Soiree» empfing und c» regte sich iu dem eittcu Manne der Gedanke, der ihn bald völlig beherrschte, daß r« kein gering«: Vorzug sei, von der gräme der Gesellschaft empfang« zu »erden, »nd daß ««' sei« Strebe« sei» muffe, sich in dies«: Kreisen eine Stellung zu erringe». Daß sich durch Geld u nd Verbindungen schon manch« deu Adel »«schafft habe, raurte th« oft eine innere Stimme zu, da magre auch noch ein« sein« Freund«, ei» Theologe, zum v«such« an ihm »«den: .Du, mit Deinem Geld und Deine» Kenntnisse» , Sender, ich begreife nicht, daß Da um deu Preis de« Uebertrttte«

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