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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 37 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
37 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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•M87. AS K t sch«» 1889. Herausgegebeu von Dr. 9t Nlh«er tn Magdeburg. *■4» Z>r l«trr|iUxt| «. Kelehnaz fir die israelitische jmailir. «v c ri. Her»en«ad«l. ri« kujawische Lnählang Kovelle von JdaHofman». — Allerlei au» dem Anfänge unsere» Jahrhundert». Bon Johanna. — Ephraim Spiro für den 8a«illealt>ch. — Ailthlelanfgaben und Siäthselldfungen. (Untzefngtrr «achdrnck au« »irfem Blatte uutersa,».) HerzeaSavel. Etu« kujamtsch« Erjühluvg an» dem Anfang, uafrre» Jahrhundert» Boa Johanna. «Vf - (Fortsetzung.) 19. Kapitel. Ju dem neuen Wagen fand Arno, ol« er rinftieg. eine ältere Dame und eine Nonne in der Tracht der barmherzigen Schwestern. geschmückt mit allem Liebreiz ihre« sehr jugendlichen Alter«. Sie sagte an ihrem Rosenkränze zählend ihr Vaterunser her, mit einem so frommen Au«drucke ihre« blühenden Antlitze«, daß Mn» meinte eiur« Segen« von diesen rosenrothen Lippe» für sich selber theilhaflig zu «erden. Dann blickte fie kindlich freundlich auf die neben itr sitzende Dame, sich in frauzöfischer Sprache mit ihr unterhaltend. Arno entnahm au« ihren Miltheilungru, daß sie eben in Pari« al« Nonne eingeklridet war und jetzt noch dem Kloster O . . . gewiesen worden, fie sei dort in der Nähe ihrer Heimat. Im Laufe der Unterhaltung, bei der Arno nur den Beobachter spielte, halte er Gelegenheit wahre Frömmigkeit mit jener zu vergleichen »on der mau sagen darf: »den Ehristu« iu der Hand, den Hochwuth und die Eitelkeit im Herzen." Wie verschieden von dieser Nonue in ihrer gottseligen Einfalt mit der reinen Schwärmerei und Hingebung an ihren Glauben, da« prahlerische äußerliche Frommthun dieser Weltdame neben ihr! — Diese trug rin große« goldene« mit Perlen geschmückte» und wie fie mit sichtlichem Behagen sagte, vom Papste geweihte« Kreuz. Sie reichte e« der Nonne, die r« al« et» Geweihte« küßte, aber eine ihr vielleicht unbewußte Verachtung de« irdischen Gute« drückte sich in ihren Zügeu au«, «l« fie r« der Dame zurückgab, die e« zierlich ihrer modernen Nriseroilette beifützte. Al« die Nonne ihr Gebetbuch her- »orzotz, thal jene begleichen, aber wo die Seele der beiden Betenden weilte, mochte nach dem Eindruck den ihre Andacht «achte, sehr verschieden sein. Bei dem Schließen de« schlichte» Büchlein« der Nonne fiel au« demselben ein Bild da« Arno aufhob und r« der frommen Besitzerin» dr«selben bescheiden überreichte. »Wolle« Sie e« sehen?" fragte fie ihn mit kindlicher Freandlichteft »es ist da« Bild unser« Ordeuöstifter«, de« heiligen Vincent." Arne betrachtete mit großem Interesse diese« edle Gesicht, dem nicht« von düster« Wahn und Klosterwesen an- Khörte. Die« klug«, milde Auge, die denkrud« Stirn, dabei r Attsdrock gebietender Macht einer tzristigen Uedrrlegeuheit und dennoch ei» Etwa« in diesen schönen Züge», da« von weltliche», irdischen Leide« sprach »ud von demüthtgenber Erfahrung de« eignen Herzen«! Am»'« Blick rnhte theilnehmeub. auf de« kleinen Bilde nnd al« er r« der Befitzertn reichte, sagte er mit weicher Stimwe: »Die barmherzig« Menschenliebe »«schwebt die ganze Gestalt." »Nicht wahr?" sagte die Nonne, da« Bild sorgsam in ihr Buch legend. -.Sie verstehen, daß e« ein Glück ist, seinem Bunde anzugehöeen?" »In meinem Schlafzimmer Hobe ich di » Bild", sagte die Weltdame leichtfertig, »mir fällt oft bei dem Anblick diese« schönen Manne« ein, er habe nach dem Spruch gehandelt: »Wer viel geliebrt hat, dem wird viel verziehen werden." »Gewiß, Gewiß!" erwiederte die Angeredete, die frommen Augen erhebend, »er hat Feinde und Freunde mit gleicher Liebe gepflegt." Ein leichter, die Unschuld de« Mädchen« belächelnder, Zug flog über da» Gesicht der Dame, doch schwieg sie von der Reinheit ihrer Zuhörerin bezwungen. »Sie haben sich so früh den Verpflichtungen Ihre« Orden« geweiht", sagte Arno ehrsurcht«ooll, .werden Sie c« in späteren Zeiten nicht bereuen?" »Nie, mein Herr! Wenn Sie wüßten, wie glücklich ich bin. vor den Versuchungen dieser Welt geschützt zu sein, vor welchen ich so viel von meinem Beichtvater und frommen Schwestern in Christo gewarnt werde, dann würden fie nicht so froacn!' Mit einem Ernste und Uesen Seufzer fuhr sie fort: »Ich wäre sicher in große Sünde verfallen, meinte unser Prior, weil ich ein gar so lebensfrohe« Mädchen war. Ich spielte am liebsten dir wildesten Spiele mit meinen Beüdern, dei ihren verwegensten Unternehmungen fehlte ich nie, im Gegentheil, ich war diejenige, die jede Zaghaftigkeit mit Spott verhöhnte. Mir war kein Baum zu hoch, wenn ich iu die Nester d:r Vögel blicken und ihnen Futter hinstreueu konnte, sie flohen nie vor mir. Kein Groben war mir zum Ueberspringen zu breit, Niemand war im Weltlauf schneller al« ich." Der Schelm blickte dem reizenden Kinde au« den Aui,rn und ein süße« Lächeln spielte um den schönen Mund bei diesen Erinnerungen. »Aber wie kamen Sie liebe, Schwester in Christo, auf den Gedanken Nonne zu werden?" fragte die Dame. .Mein Onkel ist Dekan. Er hat nie über solche Dinge mit mir gesprochen, aber ich la« trotz meiner Wildheit gern die Geschichte der Büßerinnen, wo so viel ron den Lockungen der Welt und ihren Irrwegen verzeichnet ist und wie wir dem nur entgehen, wenn wir den Weg de« Herrn wandeln, der un« al» unser Bräutigam unser Lebelang darauf leitet." »Nun bin ich seine Braut!" sagte da« h»ld« Geschöpf in heilitzer Veiklärung. »Ihr Orden legt Ihnen so viele Entbehrungen und Opfer anf» vor allem dir Krankenpflege, die oft da« eigne Leben bedroht l" sagte Arno theiluehmrnd. »O wir fürchte» un« nicht! Wir stehen unter gutem Schutz. Wie viele unsrer Schwestern find über da« Meer geschickt, in fremde Länder; kein Schiff ist bi« jetzt untergegäugen, worauf eine unsrer Schwestern gewesen" erwiderte fie tu froher Zuverficht. »Sehen Sie, dort wo der Rauch au« dem Schornstein aufsteigt, wohnen meine Eltern."

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