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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 35 (1889) · p. Seite 136

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
35 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 136 (sequence 2)
Language
German
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116 fit bk!«t Ruh« noch Ehr« bringe» für uu» selbst, aber zweckfördernd für da« Allgemeine find; alle diese herrlichen Gaben besitzt Ihr Frauen mehr als »ir Männer. — Uafcr ist der stampf auf dem Markte de« Lebe»«. Wohiu könnte der Mann sein erschöpfte« Haupt legen, «euu sein müde« Herz »ach vergeblichem, verkannten oder irrthümlicheu Bestreb« gen Ruhe sucht, wenn nicht ein Weib, seine Mutter, seine Schwester oder Freundin, ihm nicht theilnehmrud die Hand reicht«? Große Opfer vermag der Manu de« Freuude zu bringe»; tausend Dinge die unser Lebe» verschönern, versteht nur die Freundin für alte und junge Tage zu üben, brlohut durch seiu Behage», da« Einzige, wa« sie als Dank erwartet." »Arno, mau muß wirklich sehr gut sei», um sich solchen Zwecken zu weihe», ohne zu-lieben." Estder vermochte nicht He gesenkten Augen zu erheben, sie fühlte wie die Arno'« auf ih r ruhten. .Gewiß Esther, ohue Liede ist mau nicht fähig zu Liebe» »erken; aber meinst Du wirklich, daß nur wir Männer verdienen, vou einem edlen Mädchen geliebt zu sein?" .Da« ist der Traum meine» Leben», seitdem ich zu denken, zu empfinden vermag. Ganz hingegebru dem Einen — Ihn r anz al» Eigen zu besitzen!" äöelche Macht hält mich, dachte Arno erbleichend, daß ich ih, nicht zu Füßen finke und Alle« bekenne. Meiner denkt sie nicht. — Wie sie ihm hier gegenüber faß, verklärt durch die läuteriden Leiden der letzten Zeit, schwieg jede heftige Leideuschast in ihn». (So ist die Wirkung de» wahrhaft Schönen; e» weckt da» sittliche Gefühl, jede» andere weicht ver diesem z«ück. Schörhrit geadelt durch iuueru Werth schützt sich selbst, feclifdjc Anmuth flößt Ehrfurcht eiu Schweigend' saßen die Beiden einige Zeit, dann sagte Arno bewegt: .Dein Traum, weine Freundin, ist der heilige Trieb der Natur, er führt die Herze» de« höchste« menschlichen Glücke zu. Dieser überwälligeud« Trieb .flammt wie «eligon zu« Himmel auf". Aber Liebe wäre nicht unsterblich, fiele diese Flamme al» tobte Asche zur Erde nieder. — 9‘tin, nein, meine Theure! Die Lied« stirbt nicht wie Irdische». Sieh! E» liegt etwe« in der menschliche» Natur, da« »ne rin unabwei»bare» .Muß" unsere Schritte lenkt; hier itbn ist der Scheideweg, der zum Friede» »der Streit de« ßöeiterlebeu» führt." ,Jch empfind« diese« .Muß"! Meiner Eltern Weg, wird »ir da« richtige Ziel zeigen." N .Wie könntest Du lebe», Esther, ohne liebende Theilvahmr; wie könutest Du Gurr, un» dieselbe eutziehe«. di« wir?)tch so lieb haben?" Sie reichte» einander die Hand, reiner Fried« spiegelte fich ta ihrer Beider Auge». .Noch einige Tage und wir trenne» uu» für lauge Zeit, vielleicht für immer. Wirst Du meiner gedenken, wir ich im fremden Lande, unter stemdeu Verhältnisse» stet« dieser St« de gedenken «erde?" .Gnu» mein treustn Freund," da« glaube mir. — Nun fitzen wir hin plaudnnd und Deine Mutln rechnet auf mich bei den Zurüstuugen zu Deiner Reise"! rief Esthiw lebhaft. .Gönne e« mir, Freundin! — Ich Hab« auch »och Manche« i» den Geschäst»büch«ra zu ordnen. Mutt« soll Alle» Aar und bündig übernehmen und Du wirft ihr betstehe r, nicht wahr?" Frau Sara trat mit geheimuißvoll-schalkhastn Miene ei». .Lind«, sagte sie, Later ist eben in sein« richtigen, grimmigen Reiselaune angekowmeu. Er warf Mantel und »t auf den Stuhl, reichte «ir die Hand ohne Wart odn lick und geht mit großen Schritten, dt« Hände auf dem Rücke» gekreuzt, im Zimm« auf und ab. Ihr kennt da« ja! E» muß ihm etwa« A«g«liche« begegnet sein. Fragt ihn richt»; schließt und öffnet die Thüre leise; kommt nicht, di« ,r Euch ruft." — Dies« Reiselau»« de« sonst s, gntmüthigeu Manne«, war zu all« Zeit von b« Umgebung mtt liebend« Nachficht geschont, so auch heute. Unbefangen ttat Dr. Rembrand ein. im «steu Augenblick unbeacht« von dem Dahinschreitendea, deffen zusammengezogene, starke» Augeubranneu, die blitzenden Augen wie eingesunken «scheinen ließe«. — .Gute» Morgen" rief d« Doktor laut zu« zweitenmale. .Sie kommen mir eben recht Dostor! Eine schöne Geschichte habe» Sie mir b«ettet", sagte Gerson mürrisch. .Ich? war die Antwort de« Ueberraschteu. Wa«, wo wann?" .Ich komme eben au« £>., d« Got«vrrkauf ist dort bi« auf die Unt«schrift d« Frau geordnet, wirklich zu« vor- «hell de« Besitzer». Sie will nur unterschreiben, wenn d« Mann einwilligt, daß fie »ach Italien reise. Er bezieht fich auf Ihren Au»spruch, daß die Gesundheit ber Fra« durchau« nicht die Reise uothwendig macht, während fie da» Gegentheil behauptet. Doktor, Sie habe« den besten Stet» im Brette, bei ihr verloren." .Gegen meine Ueberzeugung kann ich nicht Handel«, ich w«de diese doch nicht Wriberlauueu opfern!" — .Ach, diese Weiber! rief G«son wüthend; »er kau» fie «gründen. Die entgegengesetztesten Eigenschaften »«einigen fie in fich, um die Mäun« in Verzweiflung zu bringen! Gott hat fie in seinem Zorne geschaffen." — ' .Diese Dame ist wirklich eine dieser Art. Ein Must« weiblich« Grazie und Herzen»güte, ab« launenhaft wie Sprilwett« und ei» Saleidi«kop, da« bei jeder Bewegung neue Zusammenstellung zeigt i» Form und Farbe", sagte lächelnd der Doktor. .Sie wird ihren Reiseplau durchsetze», v«laffeu fie fich darauf." .Aber der Läufer drängt auf Abschluß de« Lontrakte«, Dostor, « reist sonst ad." — .E« ist doch unglaublich", sagte er, mit t« Faust auf de» Tisch schlagend, daß die Gläser klirrten, .fie weiß, in welche Verlegenheit fie ihren Man» dringt und läßt e« darauf ankommen." .Darum eben, da« ist weibliche Eombiuatiou! E r muß! sie will l Da« stimmt nach ihr« B«echuu»g." .Diese Weiber, Doktor! — Diesen gutmüthigeu, rückficht«vollen Mann, der fie mit Güte üb«hä«st, so zu quäle». Selten wie «in weiß« Rabe ist eine Frau, die die Güte ihre« Manne« nicht al« Schwäche au«Iegt und mißbraucht." Poltern» begleitete Gerson de» Doktor au« d« Thür, der chm lächelnd zuflüsterte: .Gebe» Sie mir die Hand darauf, daß Sie Ihre Frau und ich die metnige al« diese Au»uahme betrachten." .Sie haben Recht, ab« welcher Mann, dem seine Fra« werth ist, deatt ander« über fie al« wir? Da» ist di« Ironie auf da» Gebot: .Und « soll Drin H«r sein". Am andern Tage «hielt Gerson den von Frau O. u»t«zeichoeten Kontrast und de» Auftrag ihre» Manne«, ihr bei dn Durchreise eine bezeichaete Summe einzuhiodigeu. .Also dennoch I lächelte« kopfschüttelnd. Meületwegeu!" Der böse Geist war nun bei Gerson gebannt. Er theilte den Seiuigea da« Obige mit, hinzufügeud: .Jen« Man» hat Recht, wenn er sagt: »Herz und Vernunft möge» bei ein« Frau immerhin au« eine« Stücke sei», aber fie vrrfügt nur üb« ei» Minimnm von Vernunft ganz frei; bei uu» Männern doknmeattrt fich ab« die Vernunft »ach eine» Prinzip und System." Lächelnd blickte» Aru« und Esther eiuaud« an, ihre« gestrige» Gespräche gegenüber war dies« Satz' nur eine humoristische Auffaffuug; die ihrige sagte ihnen beff« zu. Nach diesem häu»lichrn Sturm ttat wird« die behagliche Ruhe ein, mit ihr die weich« Stimmung, welche d« Trennung von geliebten Menschen »orangeht. Die alltäglichste Arbeit bezog fich darauf, mau nähte, packtt, veistegeUe und vernagelte Kisten und Packele, manche« stille Gebet, mancher fromme Wunsch war hinzugethau. (gonf. folgt.)

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