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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 35 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
35 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^S8S. Jüdisches 1889« L^KllikL-F/A// $ffauSgtgebcn von Dr. ». Nahwer in Magdeburg. -t- - Zir WnIsMiii«. Klehrmg Kr die «nelitische Familie. i»- Inhalte HerzenDadel. Eine kujawisch« Erzählung aut dem Anfänge unsere« Jahrhundert«. Bon Johanna. — Ephraim Spiro. Novelle von JdaHofmana. — Allerlei für den Familleiltieh. — NSthselausgaden und RL'hsellSsungen. (Unbefugter Nachdruck au« diese« Blatte untersagt.) HerzenSaoeu Ein« tujamisch« Erzählung au« de« Anfänge unsere« Jahrhunden» Bon Johanna. M] - (Fortsetzung.) Er eilte au» Bett, er berührte eine eiskalte Hand. Er küßte die Stirn, fie war marmorbleich und kalt. Verklärung war über da« edle Gesicht gegossen, wie e« nur nach überstandenem Erdenleid sein konnte. Der Arzt hatte aus diese >rt de« Tode« vorbereitet, — aber ist sie darum faßbar? Arno war seiner Sinne nur so weil mächtig, daß er vermochte den Aufschrei seine« Herzen« zurückzuhalten, um die Mutter nicht zu wecken. Ader sie trat eben an da« Krankenbett, wie sie e» in vielen Nächten der ganzen Zeit gethan und al« fie den Sohn erblickte und eine» Llick auf da« Bett warf, da war ihr alle« klar. Mit der ganzen Leidenschaft ihre« kräftigen Herzen« warf sie sich ans die Leiche des geliebten Manne«. Sora war durch den Jammerschrei au« ihrem Schlummer erwacht, sie lag ja seit Wochen io den Nächten angekleidet auf dem Sopha. Sie hob mit Arno die Ohnmächtige und führte fie von de» Schrecke »Sorte hinweg, und al« der herbei,erusene Arzt bestätigte, wa« Alle selbst schon begriffen, strömte io früher Morgenstunde eine Menschenmenge in« Hau«. Valentin war Bielen Freund, Rathgeder und Mitgenosse ihre« Streben» gewesen und Alle fühlten mit der Familie de« Dahiogeschiedene», daß ei» schön»« Leben für immer verloren war. Geh' hin. Du Mann der Milde und de« Frieden«, den Leg der menschlichen Bestimmung. — Sei Einer wie Du, da« Blld der erhabenste» in der großen Welt ungekauaten Lugende«; sei er Schöpfer oder Zerstörer eine« durch Menschensteiß, durch Meoscheugeist geschaffenen Reiche«, ihnen Allen gehört doch nur der Keine Raum zur letzten Ruhe! 18. Kapitel. Da« Trauerjahr im Baleutiusche» Hanse war vorüber. Mao mußte sich da« Lebe» einrichteu, »ach der inner» und äußern Umwandlung, welche sich naturgemäß in Mutter und Sahn «ollzog, nachdem eiu so bindende« Glied, wie da« Oberhaupt der Familie e« gewesen, sich abgelüst. Arno hatte da« Geschäft verkeinert, da seine Mutter e« nicht aufzugebeu vermochte, um nicht ganz die gewohnte Thätigkeil zu entbehren. Sie meinte, chatkräftige Menschen dürfe» sich nicht zu früh zur Ruhe setzen, da fie nicht «ehr Rene« beginnen können, dem Altgewohnten s» lange treu bleiben, bi« fie selbst e» nicht mehr mögen. Währen» Sara Samariterdienste anäüdte, fand chre Schwester mit ihre» regen Geiste immer neue Aokvüpfung«pimkte, indem fie Jedem, der e« beanspruchte, Rathgeberin in den praktischen Dinge» de« geschäftliche» Leben« war. Sa hatte sie znr Anfrechthaltnng manche« zerrütteten Han«- «der Famtlienwesen« deigetragen; manche rathlase Existenz durch verständige und durchgreifende Mittel, die sie «Ü richtigem Blicke hänfig aufznfinde» wnßte, erhalte». Dadnrch, daß fie det ihre» geschäftlichen Treiben gern »ud aufmerksam hinhörte auf da», wa» die Menschen herzbedrängt ihr vertrante«, hatte fie ungewöhnliche Menschenkenntnisse und sie wußte oft früher »wo Einen der Schuh drückt" al« er selber. Im GeschäftSlreibeo lernt man da« Wesen der Menschen kennen und oft, wenn fie ihr oerworreae« Treiben sah. dachte sie an die Worte de« Propheten Zacharia: .Der Mensch ist e>n eitel trotzig und verzagt Ding." Jhr verstand besiegte auch die Bedenklichkeiten ihre« liebenden Mutte, Herzen« al« der Moment nahte, wo Arno den mit ihr oft besprochenen Entschloß, nach England zu gehen, auSführen wollte. Daß er keine Neigung für da« kaufmännische Fach besaß, hatte sie längst erkannt, ebenso die Gefahr, die dem Begabteren noch mehr droht al« dem gewöhnlichen Menschen — wenn er seine Kräfte nicht richtig gebraucht. In dem Hause de« Doctor«, wo Arno seit seines Later« Tode mehr al« je verkehrte, fand er Trost, Belehrung und Ermuthigung für seinen Plan. Josef hatte ihm eine Stelle in London al» Lehrer, in derselben Schule, wo er al« Direktor wirkte, verschafft. Arno sollte dort im Deutschen Unterricht ertheilen und da« Englische allmählich erlernen, daun wäre für seine Zukunft gesorgt. Mehr bedurfte der anspruchslose, strebsame Mensch nicht, und so war Alle« geordnet und seine Abreise war festgesetzt. Esther war die vertraute ieiner Pläne und Hoffnungen, fie bestärkte diese selbstverständlich. So wohl ihm ihre Uedereinstimmung that, so »eh war ihm, daß fie so ganz ander« al« er der Trennung gedachte. „Wie be»eiden«werth seid Ihr Männer, sagte fie eine« Tage«, wo er ihr im schmerzlichen Kampfe gegenüber saß. Euch steht die Well offen; Euch ist vergönnt, Sure Fähigkeiten zum eignen und fremden Wohle zu benutzen; jede« ernste, richtige Streben findet meist seinen lohnenden Weg. Und wir Frauen?" Sie seufzte schwer. »Weißt Du noch, was «ein Vater Dir gesagt? Euer Wirk» im Familienkreise ist da« Fundament de« Staat«- lebeu«. Wo die Geschichte von de« verfall eine» Staate« spricht, zeigt fie zugleich den Abfall der Frauen von Sitte uh» edler Weiblichkett: geordnete bürgerliche Verhältnisse und gefestigte Grundformen de« staatlichen Leben«, gehe« immer Hand in Hand mtt geordnetem Familienleben. Im Allgemeinen findet «an, daß bedeutende Männer, Söhne charaktervoller, guter Mütter find." — .Aber unser Einfluß hört ans» wenn wtt keinen Wirkungskreis habe», nufere Fähigkeiten auzuwendenl" erwiderte Esther bedrückt. »Wäre e« so, liebe Freundin, wie Du zu denken scheinst, daß nur verheiraihetr Frauen zu wirke» vermöge», daun wäre da« Fraueuloo« in der That unbarmherzig. — Ader meinst Du wirvich, daß die viele» edlen Gabe», »tt denen die Natur Euch var so« bevorzugt hat, zwecklos da find? Gute Frauen stad Genien, dtt «u» die Gabe, Gatte« bringe», welchen»« Männer» in schweren Zeiten oft fehlen: Geduld, Milde, selbstlase Opferfähigkeit, treue« Festhalte, in onschetnend kleine» Dinges wie die Wett fie deurt heilt, r*tt

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