Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 34 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 3)
- Language
- German
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dir» auch Deiner Schwester und Gerson. Mir, ahnt die Beide« finde« einauder auf ihre eigne Weise. Nachdem fie diesem Srmsche beigestimmt, sagte Baleutia: »Geh zur Ruh, e« ist spät. Sieb mir die Haud, auch Du Iruo l Gut, daß Du gelomme«, ich möchte schlafen, ich bin müde." Er wandte da« Seficht zur Wand; al« mau sein ruhige«, tiefe« Athmeu hörte, entfernte fich Frau Baleutiu leise, Arno schlummerte bald im nahen Lehnstuhle, bi« der erste Morgenstrahl durch dir FenstervorhSnge fiel. Leise öffnete er da« Keuster, erfrischend strömte die reine Lust in da« Kraukeuzimmer. Da kam bange Ahnung über ihn; der Bater hatte seit Wochen nicht so lauge geschlafen. «Fortsetzung folgt.) Ephraim Spiro. 7) Novell« von Jda Hosmann. (Fortsetzung.) Auch Herr Sender zeigte sich al« Freund de« Hauses, besuchte den -ranken täglich, und keiner verstand e» besser, al« er, ihn zu unterhalten und zu zerstreuen. Wie sehr wünschte Herr Benjamin, seine Tochter diesem Manne zu verbiuden, uud er ließ keine Gelegenheit vorübergehen, um e« ihr anzudeuten. Nach und nach kehrten indeß seine Kräfte wieder, uud al« der Frühling kam, war er wieder so weit genesen, daß Ephraim keinen Anstand nah«, Benjamin mit seiuem Entschlüsse bekannt zu machen, welchen letzterer im eigenen Interesse bedauerte, io dem de« Jüngling« aber gutheißen mußte. E« war Anfang März, al« Ephraim in da« Wohnzimmer trat, um Abschied zu nehmen. Recha war allein. Sie saß über eine Arbeit gebeugt in der Fensternische, blickte auf und zeigte ein Antlitz von krankhafter Blässe. »Wie bleich Sie find, fehlt Ihnen etwa«?" stagte er, »ud seine Stimme bebte - Recha versuchte zu lächeln. »E« friert mich," antwortete sie und zog zitternd au« ihrem Arbeilrkördcben eine Brieftasche hervor. »Nehmen Sie die« kleine Andenken von mir. Ich habe zur Erinnrrung an mich in die Brieftasche zwei Worte eingestickt. Sie haben mir viel zu vergeben, aber wie konnte» wir denn ahnen, daß Sie, in dieser Stellung —-" Sie konnte nicht weiter reden, ihr drohte da« Herz zu brechen; wohl schmerzte fie der Gedanke, daß Ephraim in ihrem Hause nicht nach seinem Werthe gewürdigt worden, doch daß er jetzt schied, daß er fie verlaffen, daß da« Weltmeer fie trennen solle, da« war da« Bitterste. »Andenken? Erinnerung? Glauben Sie, daß e« für «ich eine« äußeren Zeichen« bedarf, um Ihrer zu gedenken? Lasten Sie mich schweigen, Recha, lasten Sie mich scheiden, leben Sie wohl." Und Ephraim, unfähig fich länger zu beherrschen» stürzte fort, hinaus, hinweg, um fich selbst und seine Mannheit wiederzufinden. »O, ich ganz allein, ich trage die Schuld, daß er geht," klagte da« einsame Mädchen, uud Thräuen rannen ihr die bleichen Wangen herab. »Er zitterte, al« er mir die Hand zu« Abschied reichte, — wenn er mich liebte I Wie aber öunte, würde er mich alsdann verlosten?" Recha versank in schmerzliche« Sinnen, sie konnte Niemanden sehen, schloß sich, Krankheit vorschützend, zwei Tage laug ganz ab, um ihre Fassung wieder zu gewinnen. E« gelang ihr, und fie suchte fich an dem Gedanken aufzurichlen, daß Ephraim fie liebe, daß er wicderkehren werde, uud fand darin Trost. Einige Wochen später schrieb sie ihrer Freundin: »Meine theure Paula! E» fehlt mir nicht an inueren Antrieb, leider aber an Muße, Dir zu schreiben, da die rauhen Tage de« so vielbesungenen Monat Mai auf die Gesundheit meine« Bater» sehr uachtheilig gewirkt haben. Seit mehrrreu Tagen ist er wieder an« Bett gefesselt, e« ist eben elf Uhr Nacht«-uud ich schreib« Dir io de« Krankenzimmer. Diese wiederholte Krankheit de« Later» schnürt mir da« Herz zusammen, uud ich kau» mir nicht denken, daß e« — außer dem Leide« selbst — auf der Welt Härtere« geben kann, al« Menschen, die uu« theuer find, leiden zu seh«». ohne helfen zu können. Al« der Bater da« vorige Mal so krank daniederlag, ward ich veranlaßt, Ruhe zu suchen, von ihm, der e« nicht einmal der Mühe werth gefunden, un« von seiner Ankunft in Amerika zu unterrichten. Zwei volle Monate find schon seil dem Tage seiner Abreise verfloffen. Wird er noch nicht in New-Aork sei«? Konnte er nicht von Havre au« schreiben? Er wird doch, sage Paula, er wird doch nicht verunglückt sein? Geliebte Freundin, hast Du vielleicht irgendwo gelesen, daß ein nach Amerika segelnde» Schiff verunglückte? Denke Dir, Paula, keine Zeile dl« heute! Wenn er etwa« für mich fühlte, er hätte schreiben wüsten! Wenn Du ihn gekannt hättest, würdest Du meinen Schmerz begreifen, wen« Du ihn hättest reden hören, würdest Du ihn gleich mir geschätzt und bewundert haben. »Liebe," sagte er einst, »sei die Weltseelr, sei die Sonne, die unser geistige» Leben erwecke, entfalte, erwärme uud belebe." Wenn er über die Aufgabe de« Leben«, über die Geschichte der Natur, über die Bestimmung de» Menschen sprach, über alle« wußte er, vermöge seine« gewaltigen Geistes, einen Reiz zu vrrbrriteu, der mit fortriß uud den Hörer hoch emporhod über die glatte Alltäglichkeit, in die Regionen der hehrsten Gedanken und der reinsten Empfindungen. Jetzt ist er fort, weit fort, und nur ich, meine unzarte Neugier, mein Aufwühlen seiner leidvollen Bergangcuheit ist daran Schuld. Wüßtest Du, wie diese« Bewußtsein mich quält. Ach, ich komme mir sehr klein vor, und wenn nicht eine so ernste Willenskraft in mir lebte, ich müßte ganz verzagen. Ich umarme Dich, meine Paula, und bin in schwesterlicher Liebe Deine Recha. Benjamin« Zustand erfuhr trotz aller Pflege und Sorgfalt keine Besterung, ja er begann sich zu verschlimmern, und der Kranke erbat fich einen Notar, »um al« letzten Willen" noch einige Vermächtnisse zu wohlthätigen Zwecken zu bestimme». Recha, die de« Later« nahen Tod vor Augen sah, war trostlos. »Beruhige Dich, mein Kind, wenn ich sterben soll, so ist r» der Wille Gotte» und dagegen hilft kein Murren. Allerdings," seufzte der Kranke, »würde ich ruhiger au« dem Leben scheiden, wenn ich Dich versorgt wüßte — mit Herrn Sender wärest Du e«." Recha zuckte zusammen, dann sagte sie: »Bater, würde e« Dir eine groß» Freude sein, wenn ich mich noch heute mit Herrn Sender verlobte?" Benjamin« Augen leuchteten, und beide Hände auf der Tochter Haupt legend, sagte er: »Gott segne Dich, Du bist eia gute« Kind." E« klopfte, der Arzt kam, fand den Kranken wohler aussehend, und al« er fich entfernte, fragte die ihn begleitende Recha: »Mein Bater ist sehr geschwächt, Herr Doktor; glauben Sie, daß eine große Freude günstig auf seinen leidenden Zustand wirken wird?" »Allerdings", erwiderte der Arzt, »wirkt Freude wohl» thätig auf den menschlichen Organismus, und sie würde auch bei unserem Kranken von befferem Einfluß sein. Ader Fräulein Benjamin," und er sah forschend in Rechas bleiche« Gesicht, »vergessen Sie auch die eigene Gesundheit nicht." Er verneigte sich und ging. »Die eigene Geiundyeil hiuzugeden würde mir weniger bedeuten, al« mein Herz, meine Liebe, meine ganze« Leben zu opfern," dachte Recha, »doch e» sri.">