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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 32 (1889) · p. Seite 124

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
32 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 124 (sequence 2)
Language
German
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Die Ztactorftarilk Mt §dtmmta, dir Leine» reichte» fröhlch »ie zum GetmrMage Blnme, fitr die g»te Laote. Mao geleitet« die Tirfged«»-tr «, ihre Equipage, au» welcher ste »och mit ihre« Tischen tuch ei»e» Groß zo»ehte. »Wenn sich die Losterpforte htoter ihr schließt, faßte Dr. Kembraad, ist sie ei»e Ldaeschiedeoe für diese Sült. Mög>: die Schwergeprüfte dart Itohe fvcheu! — wir aber wolle» »etter lebe», da» heißt, weiter wirk» «d schaffe» für di« t.nfriflcn tmb die Mitmeuscheu." Die Zeit brachte Leid und Freude; für iouner wird der 4inz< l»e mit seinen Pflichte» einzutret» haben für sich «ad Indexe, di« täglichen Forderungen de» Leben» drängen die Erleb niffe vergangener Tage in den Hintergrund. Jcher Unglücklich« lernt endlich verstehen, daß nur er allein seine« dunkeln Weg zu durchschreite« Hab«; Niemand kann ihm diesen ersparen. — E» kommt endlich ei« Tag, an welchem eine »»her ungeahnte Welt selbstschüpfrrischer Straft erwacht, glanz- und tonlo», aber sie feit ihn gegen lleine Erden« leiden, die andere Menschen leichter Niederdrücke». llngestüm sträubt sich der Mensch gegen da» uner» schüttbliche BerhLngnIß. da» ist naturgemäß. Eh« der Geist Rau« gewinnt, da» zerbrochene Herz zu besiegen, lasset dem klchnerz sein Recht; diese Empfindung ist berechtig», wie jede andere, die Gott in unsere gebrechlich« Hülle gelegt. Da» Buch Hiob spricht von seiner Auflehnung gegen sein Verhängnis; da« ist nicht ftotnn, aber e» ist menschlich. Ehre dem nrenskhlich fühlenden Weise«, der Gotte» Au»spruch zu Elipha» nicht oerschweigt, der zu Hiob» Belehren» gchörte: »Mein Zorn ist entbrannt wider Dich und Deinen zn»ei Gefährten, denn ihr habt nicht so aufrichtig von mir geredet, wie mein Knecht Hiob " Der Au»bruch de» Schmerze» ist wie reinigende» Ge« Witter, e» mildert die sengend« Glut und erhellt die Rächt in un». Zeigt e» un» auch die Verwüstung; wir sehen doch daukiar rva» nn» geblieben, — wir halten un» nicht al» zum Unglück Au«erkorene, sondern da» Bewußtsein trägt un»: Zum Weltganzen gehört Ätd »oie Freud«. — Endlich erwacht in un» di« Selbstlosigkeü der erhellende«, ulchtt fordernde« Liebe, wir leben, um Andere zu leben. Die Liebe stirbt nicht ab mit den Heimgegangenen. Ein tarke», liebebedürstige» Herz liebt weiier, da Liebe un» sterblch, sie, der erhaltend« Odem Gotte». Wie Alle», wa» wir sind, der Wandluna unterworfen ist, so ist r» auch die Liebe. Die erst« selbstbewußt« ist »wie Religion, die zum Himmel flammt." Diese Flamme kann erlöschen, aber Sd&uittt ersteht au» ihr: feste, vertrauensvolle Freundschaft, find« »liebe, Liebe für die Mitgeschöpfe. Wo, »vauo, ist thätige, selbstlose Liebe überflüssig?! — Viesen Leben-Prozeß wird Esther» große, reine Seele butc&fäniirftn« — Wünsche« wir nicht Vergessenheit! Fort damit! E« soll nicht vergeflen Herden, wa» wir geliebt. Erinnerung! sie is der Vorzug de» Menschen vor Alle« Geschaffenen. Srchözehnte» Kapitel. Sora eilte gleich nach der Abreise der Gräfin zu Josef- Mutter. Frau Hermann, die Nachricht zu bringen, daß für ihren Sohn gesorgt sei. Er staod vor dem Examen ohne AuSscht für die nothwendigen Mittel zu demselben. Diese Sorge kannten unsere Freunde mehr alt die Mutier, da Arno davon unterrichtet war und Pläne zu einer Sammlung in se nem Kreise entwarf. — Run durfte Niemand eia Opfer bringe», da» ihren Verhältnissen gegenüber kein leichte» war. Wer die Wirkung de» frohen Berichte» gesehen, würde jeden Reichen bedauern, der sich da» Glück versagt, fich solche Stur den zu verschaffen. — »Schreib« Joses", sagte Sara im Fortgehen, »daß er nächsten» eine Anweisung erhalten wird, wo er da» Geld abhol ea soll. Grüße chn von un» Allen und sage ihm, seine ilte Freundin Esther habe e» ihm bei der Gräfin erbet, n." . Wer dir Zeit «ach de« Kalender berechnet» de« «aa r« eine kurz« sein, voa jenem Augenblick berechnet, »» sich da» Geschick zweier Menschen auf der dlumenbekränzten Jasel am See entschieden hatte. — Sie selbst waren für immer getrennt; iu de« lleine« Kreise wnrde« neu« Lebentwege avgebatzut, die nach der« schieden«« Richtnuaen führte». Au» de« ruhig« Hafen ih«r Tage war die Gräfin hiuau-geschlendert, sie mußte Anker werfen, um de» Stürme» ihre« Alter» festen Gmnd zu schaffe». Lölkergeschicke waren entschiSen; Rußland Sieger; Napoleon nach Helena vabauut. Deutschland frei! Die Zeit! Diese» lleine Wort, e» bringt und nimmt Alle» mit sich wa« auf Erde« ist. — Du uuau»deakbare» Wort, so mächtig in Deiner uaabwei»baren G.walt; Du Erzeugerin und Verzrhreriu alle» Hohen und Nieder«, alle» Glanze» und alle« Elend«! Wie leise «ad sicher schreite,? Du dahin, Du. der wahr« Pcoteu« de» Leben». Seitdem sich Arno auf den Wunsch seine» Vater» mehr dessen UnterhaUung widmet« und dadurch mehr mit der Wissenschaft beschäftigte, erwachte tminer gebieterischer in ihm der Drang seiner bisher uirdergehaltenen Neigungen für dieselbe. Ja dem jetzt eifrig gepflegten schriftlichen Verkehr m't Josef äußerte er oft, wie unbefriedigt er sich fühle und daß um sein« Kinde-liebe ihm Kraft gäbe, da» Opfer so vieler Jahre auch jetzt beharrlich zum wohl« der Estern zu bring«. Sein glühende» Herz, seine strebende Seele, sei« thatkräfttger Seist, e« lag Alle» in ihm gefesselt. Mit lockendem Sinke blickte ihn di« weite Welt au, wo Rau« und Frühest ist, stch seine« Schiffen» zu fteuen, wo Mensch dem Menschen gleichgestellt ist. daß Jeder sein Wiffm und Können für sich und da» Allgemeine verwrrthen kann. Er ahnte, daß sein L ben ein andere» werden müffe, al» sein bi»hnige» in dem abgesonderten engm Gemeindeleben. ,8« ist eine Lust jetzt zu leben," schrieb er seinem Freund«. »D«e Vorboten zur Erfüllung der Geiste-freiheit sind erstanden in den großen Männern unsrer Zeit, Schiller. Herber, Kant und dir Dioekurea Lesstng und Mendel»sohu. Sie verdrängen mit siegender Geiste-Hell« die alte Finsterniß, jetzt gilt e» Raum zu gewinnen zum Mitwirken au dem neuen Ausbau." E» kamen die Tage für Valentin, von denen e» heißt, »Ke grfallm un« nicht." Altersschwäche feffelt« ihn an da» Bett. Sein vielumfassrnder Seist vertiefte sich nur iu einem Gedanken, e» war da» Geschick keine» Volte«; sein Denken konzeutrirte sich ln dem Gipfelpunkte eine» ungewöhnlichen RückwärtSblicken» in die Bergaugenhest und eine« erwachenden Schauen in die Zukunft. Au» dem Nebelschleier seiner düstern Jugend in Russisch- Pole«, traten Erinnerungen hervor, wie Schauergestalten au« Grüften. Ein Osterabend tauchte einmal auf au» jene» Ehao», al» er den Seinigra dir an seinem Bette saßen erzählte, wie sein Vater eia Opfer jener wahnwitzige« Beschuldigung, von dem Gebrauch de« Ehristenblute» zu Ostern, Eden. — Er schloß di« Augen, überwästigt von jener erung; hätte man nicht sein regrlmäßige» Athmen vernommen, man hätte glauben können, er sei nicht mehr. Ein sanfter Schlaf haste sich einaefunden, der den schmerzlich«« Ausdruck seine» mild» Antlitze«, mit eine« überirdischen Schimmer verscheuchte. Er erwachte grftästigt, Arno reichte ihm ei» Gla» Ungarwein, der chn sehr belebte. »Ich träumte von meinen Eltern," sagte er „fU segneten mich". Er faßte Arno'» Hand. »Dich scheint meine Osiererinneruog angegriffen zu haben," mein Sohn. »Danken wir Gou, daß dies« finster« Zeiten vorüber sind. Wo dir Gesetze eine» Fri.'drich dr« Großen herrschen, kann de« Laude keine solche entehrend« Schmach angethan «erden. Brrurtheilt für all« Zeven ist jene» uuverze hliche Verbrechen rohester Vrrdächiigung. Zum Himmel schreit ihre Stimme,. ste wird die Völker wach erhalten, dir Macht de» Fanatt-mu» wird der Vernunft und Gerechtigkeit weicheu." (Sottfc|ung folgt)

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