Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 32 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M&2. Jüdtsch«« m Herau»g«geb» Mm Dr. SR. Aahmer in Magdeburg. Z»r Irttttzaldmg«. Kelehnmg flr dir isrnelitische Fsmlie. . f, Herzealadel. Eine kujaioische Erzählung au» dem Anfang« unsere« Jahrhundert» vou Johanna. — Ephraim Spro. Novell« von Jda H-fmann. — Allerlei für den Fomilieatis«. Ein ««rkwürdige» Br ab. Saffooniana. Triftiger Scheidung«- “ grund. Eaneau. Jra Lrfefaal. — NLihfelaufgaden und SiLthfellösungen. (Unbefugter Nachdruck an« diese« Blatte untersagt.) Herzensavel. Eine kujawffch« ErzLhluag au» dem Anfänge unsere» Jahrhundert« von Johanna. 5*5] - (Fortsetzung.) Sie war trotz der edlen Fassung plötzlich eine gebeugte Greift» geworden, aber keine Klage kam über ihre Lippen. »Mein Entschluß ist gefaßt, mein Freund, ich gehe in ein Kloster der Karmeliterinuen, gestiftet von einem meiner Urahne». — Sagen Sie mir nicht« dagegen l — Ich weihe mich den schmerzvolle» Erinnerungen meine» Leben«, hier Hab« ich nicht« z» thun." Da« Geheimniß dr« unglücklichen Measchenpaare« verschwieg fie, bat nur, daß dt« Doktorin Esther vorsichtig von de» Tode Arthur» unterrichte» möge. Sie komme noch Abschied zu nehmen von den lieben Freunde». Der schwere Tag kam. Ricmaud im Dorfe al« der Probst, Sabulrwiez und Martanna, kannten die Bedeutung der Abreise. Die einzige Bitte, die Gräfin zweimal im Jahre im Kloster zu besuchen, war ihnen bewilligt. »Euer Alter bleibt sorgenfrei, meine Lieben; weinet nicht um mich, mein Weg ist zu Jesu und der Mutter Maria." Mao war durch Gerson in seinem Hause auf die Abschied», stunde vorbereitet. E« war ein feierlicherAugenblick al« die Gräfin ankam, nur wenige Worte waren gewechselt, daun geleitete man fie aus ihren Wunsch zu Esther. Niemand folgte. Beide Lridbetroffeneu sanken einander wortlo« in die Arme, ihre Thränen vermischten sich. Die Gräfin richtete fich aber zuerst auf, hatte fie e« doch al« Pflicht erkannt, die kaum Geneseue zu schonen. Mit dem Blicke jener Madonna, die einst Esther so entzückte, überreichte sie ihr ein Etui, adresfirt au Esther: »Andenken au die schönen Tage der Kindheit. Arthur." Diese einfachen Worte erschütterten da« arme Mädchen tief. Sie bedeckte ihre thränenfeuchten Wangen mit den Händen, Thränen quollen durch die Finger. Sie umarmte die Gräfin, küßte die Hände der Armen, bi« fie dieser erschöpft in den Schooß sank. Frau v. WioiawSka öffnete da« Etui. E« enthielt jrue« Diamaotkrenz, da« einst bei der kindischen Maskerade eine Rolle gespielt. Die kostbaren Brillanten blendeten Esther« thräuenfeuchte Augen, seit jener Linderzeit sah sie da« Kreuz zum ersteumale wieder. Wie ander« blickte fie heute daraus hin! »Wie schönI" sagte fie und drückte e« an ihre Lippe», .werth zum Schmucke einer Königin". Sie schloß da« Eiui, überreichte e» der Gräfin und mit bebender Stimme sprach fie: »Soll e« mir eine Mahnung sein an «ein verlorene« Glück? I» diesem Sinn hat e« mir Arthur nicht gelaffen." »Nein, nicht zur Erneuerung Deine« Schmerze« mein Kind, sondern al« Trost, al« Zeichen Eure« u»lv«b,rea 8tebe«bulldr« sollt« e« Dir gelten." »Eie, gnädige Fra», eutsagen der Welt mit ihren Schätze»; St« kaffe» selbst die Zeichen Ihrer liebste» Erinneruugen zurück. Laffen Sie mich Ihren Spuren folgen. Nicht da« Hinschauen auf da« mir so bedeutungsvolle Geschenk wird meine Beruhigung sein; Erhebung und Trost werde ich suchen und finden, wenn ich in Arthur« Namen wirken und schaffen könnte, wie er e» erstrebte zum Wohle der Mitmenschen. — Nehmen Sie da» Kreuz, geliebte unvergeßliche Frau, weihen Sie e« der Schutzpatronin von Arthur» Mutter." »Er hat mir nicht zuviel von Dir gesagt. Du Gute, alt! er mir in der Nacht vor seiner Abreise Euer LiebeSgeheimni« vertraut. — Ich ahnte e» nicht, daß r» so traurige» Abschluß finden werde. Da« Kreuz aber gehört Dir, ich werde e« nach Deiner Bestimmung verwenden. Ich kann Dir weder seinen inner» noch materiellen Werth ersetzen; ich bin arm, mttne irdischen Güter habe ich der Kirche fl'> weiht. Hast Du Wünsche, die ich Dir erfüllen könnte? Sprich! Du würdest mir da« Herz erleichtern." Esther bat um Unterstützung für J>.sts und eine Summe, deren Zinsen htnreichrn würde, Waisenkinder zu erziehen. .Diese kleinen Wünsche vermag ich Dir noch zu erfüllen, mein herzige« Kind" war die Antwort. Esther fand kein Wort der Erwiederung. Sie öffnete die Thür ihre« Zimmer« und winkte ihren Eltern. .Bitte, Frau Gräfin, sagen Sie Alle« meinen Eltern, ich vermag e« nicht." Zum letztenmale umarmten fich die nun für immer Scheidenden. Esther zog fich zurück al« ihre Mutter die Thür schloß, um ihr Kind fich selbst zu überlassen. — Arno trat in« Wohnzimmer um Gerson einen Brief zu überreichen, dann entfernte er fich, bescheiden grüßend. .Wer ist dieser junge Manu?" fragte die Gräfin mit ungewöhnlichem Jntereffe, .ein herrlicher LhristuSkopf]" .Er ist der Sohn meine« Schwager« Balentio, eia Jugendfreund Esther«", erwiderte der Äeftagte. Hiermit überreiche ich Ihnen gnädige Frau, dir Copie de« gerichtlichen Dokumente«, da« Bermächtniß Ihre« lieben Eakelsohne« Arthur, Sie sind Erbin seine« sämmtlichen Berlnögeu«." Erbleichend, in tiefster Erregung sagte sie: .Au« diesem traurigen Liebeszeichen Arthur-, entspringt für mich ein neuer Schmerz. Esther hat da» Andenken Arthur«, da» Kreuz, di« Sie, lieber Freund kennen, nicht angenommen. Hätte ich noch die Verfügung über irdische Guter, dann wäre dies,« Bermächtniß Ersatz für Esther geworden. — Aber e« gehört der Kirche; der ich testamentarisch festgesetzt, daß nicht nur wa« ich besitze, sondern auch, wa« durch Schenkung oder Erbschaft mir noch nachträglich zufällt, Kirchengut sei. Zur freien Verfügung steht für mich noch eine kleine Sumine bet meinem Banquier in Berlin, die Zinsen genug briuzt, Esther« kleine Wünsche zu erfüllen." Sie bat um Papier und Tinte, schrieb und «utersiegelte eine Anweisung au jenen Banquier und überreichte fie Gerson. Stumm predigte der Glaube au die Menschheit, die Werke de« Heil« in dieser kleinen Gemeind«. Der Abschied war schwer, »« war ja eine Trennung für immer.