Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 31 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492351-8722856-5956662--1180-5373551- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ori rntgegm, tat fit nit unbeschreiblichem Au»druck« dm Sieb' urb Sehnsucht zu erreichen strebte. Ihr flattemd«, leuckimder Mantel wurde von goldener Spange gehalle», trat das Haupt lag rin Strahlenkranz, der immer herrlicher und dusliger wurde, bi» die ganze Gestalt non diese« Glanze um« hüllt war. St« entstwand, immer höher steigend und ich blieb zurück in unsagbarer Sehnsucht, als sollte sie mir für iwm, r bleib«. - Arno sagte sich, er sei ihr vom Geschick gegeben zum Vertrauten ihre» Herzen». Ach, welche grausame Prüfung seine: selbstlosen Liebe! Die er e» ihr gelobt in jener Stunde ihre» Vertrauen», da» wollte er halten, so lange er al hme. Sin sonderbarer Zustand der Lrauken! S» schien, al» sei ihr die Vergangenheit ganz entschwunden. War e» die Ralur, die sorgsam diese Seele in gewiffer Traumbefangenheit erhielt, um sie erst körperlich zu kräftigen für die seelische Stärke, deren sie bedürfen werde bet der Lenutaiß de» verlor« nen Glüc'e»? Der Arzt stimmte dieser Bemerkung Arno'» bei, fand e« sogar al» ein beruhigende», die Gesundheit fördernde» Eynplom. Er gebot. Alle» zu vermeiden, wa» ihre Sinne erregen könnte. So schrieb er auch, Fra« v. Diniawtka möchte keine Blumen senden, manchmal wecke der Duft einer derselben Erinnerungen von nicht zu berechnender Nach» wirkt ng. — Die edle Frau trug da» eigene Leid und die Qual und Erlösung von Esther» Eltern mit tiefe« Mitgefühl. Esther» Genesung gedieh unter der sorgsamen ärztlichen und nüuerlicheu Pflege überraschend schnell. Dir sehen sie heute nach wocheulauger Entbehrung der frischen Lust unter dem wilden Birnbaum, da» für die Wintalaat vorbereitete Setr:idefel» vor sich. Der beginnende Spätherbst mild und warn«, von rechtzeitigem Regen begünstigt, erhielt Baum und Strauch im frischen Grün »eben dürrem raschelnden Laube; «» war al» kehrte der Frühling zurück. Der nicht au sich selbst die Befreiung au» schwerer Krankheit empfunden, der weiß nicht» von der traumhafteu Seel gleit der wiedergewounenra Freiheit. Alle» umher er» scheu t neu, heimlich staunen wir e» an, al» wäre e» ander» al» sonst. Erinnerung verschönt die alte, liebgewohnte Umgebung; ein sanfte», stumme» Lebruöjauchzr» erfüllt da» Herz, da» in Liebe und Dankbarkeit übrrfließt für Gott und Men chen. Mao meint Abdstte thun zu wüsten für die so selbst oerständlich angenommene Aufopferaog ker Umgebung; «» er scheint nur entschuldigend, daß der naturgemäße Egoi»wu» de« Selbsterhaltungstriebe» so mächtig damal» tu dem Kranken gewil lt. Eine Art Freudigkeit au» der Lintazeit erwacht, man sehnt sich, jeden Bisten, jeden Genuß mit anderen zu »heilen, wie gutartige Kinder thun. Dir» empfand unsere lieb« RekouraleSzenti» lebhaft, ohne Mahnung au eine Vergangenheit. Die verflärte Gestalt jene» seeligen Traume» stand deullicher vor ihr al» damal», al» ie ihr erschienen. Sie nahm Arthur'« Züge an. Esther ahnt«, er sei ihr für immer entrückt, ohne de» Schmerz der Trennung zu empfinden, den Zusammenhang der Vergangen« heit und Gegenwart fand sie »och nicht. Nur die Schönheit xr sie umgebende» Natur, nur Liebe für die fie umgeberd«» Mensch-.» «füllte fie. Al« fie ihre» Vater nach dev viele» Tag«, wirderfah, küßte fie ihm die Haud, wie sonst zu Zeiten; fie hatte ihn nicht vermißt und fand seine Gegenwart uicht auffallend. Noch «kannte fie nicht de» einsam« dunkeln Weg «lebt« Schmerze», d« jed« von ihm Betroff«« zu vaudelu hat» daß selbst der Liebevollste nicht da« wuude Herz versteh« od« gar j>« heil« vermag; daß vielmehr au« diesem «ine bi«h« ungenannte Welt selbstschöpferisch ersteh« müsse, glanz- und toulo» vielleicht für pch selb«, ab« nützlich für Andere wirkend, ohne Dank »d« Anerkennung zu erwarte». »Allheilend« Balsam, allgegeuwärtige Naturvollzog auch hi« allmälig ihre Luuderkraft. Vermittelnd trat« die Ander Nembraud'« ein, die uatikliche^armoute zwischen Körp«» und Seelenheilnng bei Gsth« etnznlett«. Die Dok» tortu bracht« dt« Kleinen bet ihr« täglich« Besuch« mit und unbewußt lenkt« fie da« Denk« d« RekMv»le«zk»1tu auf erweiterte Bahn«. Sir dracht« ihr Blumen zu Kränz«; fie freute fich an der Freude dn Ander, wenn fie ihn« damit die Hüte schmückte; fie bat« nm ein« Geschichte und dorchten so belebt darauf, al« wollten fie die Worte von d« 8ipp« küßen. Weiß Gott, welcher Jdeengong di« Erzähl«in auf d« Au«zug an« Egyptm leitete, fie «zählt« wie Andermund Lindern «zählt. Al« fie von den Kindern Israel» sprach, fragte B«tha: »Wo warm ab« ihre Papa'» und Ma««'»?- Da lachte Esth« zum «st« male nach laug« Zeit. Di« Kleinen liefen hinter zwei Schmetterlingen, v«gebllch hascht« fie damach. Esther ging zu ihnen, führte fie in» Zimm« und versprach ihnen Schmettrrling«nrtze zu nähen; suchte in ihr« Listen, fand alle» nvthtge und fügte Stab und Netz geschickt aneinander zu« Jubel d« Bescheakteu. ,H«te find die Schmetterlinge schon schlaf« gegang«, Auderchen, ich darf nicht mehr hinan« tu die Adendlust. Seht, d« Mond geht schon spazi«eu, « läuft «m die ganze Erde." »Ohne Mama, ohne Kindermädchen?' fragten fie «staunt. Sie ging« und kam« mied«, sie tändelten und spielt« in Sirderunschuld und And«glück die walten Sinne de» geprüften Measchmkinde« hin, über den trmnende» Abgrund de» denkend« von dem empfindenden Geiste. Sie vermochte wird« zu denk«. Arthur war ihr «ft« Anknüpfung»puukl an die Vergangenheit. »Ich »riß «», Arno, « ist t« Weg gegangen, den « als Held geh« mußte; jene Traumgestalt zeigte mir sein Ende." Ein Thräueistrom erleichtnte den laug verschloff«« Schmerz. »Du tröstest mich nicht, Amo, ich danke Dir dafür, «» ist mir ein Zeichen Deine» vertrauen» in «einen fest« Will«. Ich werde sein« Tod für tmm« al» ein eh«ue« Schild jedem Erdmleid entgegen halten." Grrsou war bei sein« Reise über So»uowice gekomm«, wo ihm die arme Großmutter Arthur» Ende mitgetheilt. Nach der Schlacht bei Liguy am IS. Juni, bei de« Steg« Napoleon« üb« Blücher, fand mau Arthur« Leich« riugehüllt in die Fahne de« Regiment«, die Hand umschloß fest d« Schaft. So hatte Kranschischrk benchtet, wmige Stund« spät« war « ad« selbst auf dem Schlachtfeld« gefall«. »So starb Arthur al» Held, mit dem Bewußtsein, zu de« Siege Napoleon» beigetragen zu haben lschloß di« Gräfin den Bericht. (Fortsetzung folgt.) Ephraim Spir». «ovelle von Iba Hof»«»». ß »Ich will Ihnen, da*^^ jetzt bei uv» bleib«, auch ei» Beet zuweis«-, sagt« sie am nächst« Morg» zu Ephraim, al» fie fich i» Garten trafen. »Lei un» bleib«? Ja, wen» e» vou mir abhtuge, daun freilich,' «tgegnete dies«. »D« Bat« hat e» gester» Abmd beschlossen,' erwiderte Franzieka, „»ab wir freue» na» alle, daß Sie uu» nicht verlasse».' „Sie auch?' Franziska erwiderte nicht», sie erröthete. »Die» hi« ist Jsw Bert, Herr Spiro", sagt, fie »ach «tu« klein« Pause und reicht« dm» Jüngling eine Hacke.. «ie verguügt arbeitet« di« Beidm nebeueiuemda l Welch' ein Boa» de» reiust« Glücke» quellt tu da ltedad« «euscheubrustk Seli^» Hoff«, süße» Zweifeln, wonnige» Baugm durchwogt« die thaufrische Müdchenseele. Franziska liebte Ephraim, ab« fie wußte ef nicht, fie fühlte t» nur.