Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 31 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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.»81. Jüdische« 188». Herausgegeben «ton Dr. M. Nahmer bi Magdeburg. Magdeburg. An Pwrtziltn,» -richm, flr die iv«Mss,k Fmilit. . Herzensadel. «Ine kulawisih« «rMlnua au« de« «nfange unsere« Jahrhundert» Ban Johanna. — Ephraim Spiro. * Novell«' von Id« Hofman». — Die Juden in Kalifornien. - «llrriri für den Samilientisch. - «n Jerusalem. — «u» dem Spruchscha» de« Daimn». »oetisch übertragen von St* *i «eiuberg. — Näthselansgaien und Räihselläsnnoen. (Undefngter Nachdruck au« diesem Matte Inhalt! nntnfagt.) HerzeaSavel. «ine knjawisch« Erzählung au« de« Anfang« unsere« Jahrhundert«. Bon Johanna. *4] - (Fortsetzung) wie Gefesselte erst nach Lösung ihrer Bande die Unfähigkeit, ihre Glieder z« gebrauchen, empfinden, so hatte der Uebergang von verzehrender Angst zur Hoffnung Sara überwältigt. Ohnmächtig brach fie zusammen, bi» belebende Mittel fie zum Bewußtsein brachte». Jetzt erst ent» fernteu fich dir Freunde, nur Arno blieb im Wohnzimmer. Rach mehrstündigem stärkendem Schlafe eilte die zärtliche Mutter au da» Bett ihre» Kinde». Der >rzt hatte fie geweckt, die Kranke »erlangte nach ihr. „Mutter, wie köstlich ist die Speise, dt« Du mir gereicht* sagt« fie. Jene eigen, thümltche Bewegung der Lippen, die «an nach Schmackhaft- Geusffeueu an fich oder Indern bemerkt, zeigte fich auch hier. „Ich biu so erquickt.' .Nicht» habe ich Dir gegeben, «et» Herz i Gott hat Dich erqu ckt mit der Speise au» dr« Gau «den* *) sagte die fromme Mutter gläubig im davkbaren Tone. — Mutter und Kind blickten rinauder an mit ei«« >u»druck — war e» Paradiese»»»««? — Bielleicht kostet der Mensch an der Grenze, wo da» Lrbeu den Tod überwiudrt, s» himmlische Seligkeit l — Dr. Rembrand verließ jetzt beruhigt seine Patientin, die ihm lieblich wie ein Kind zulächelte. Er verbot jede Uuterhaltuug und »rdnete die nöthige Diät an. — Nachdem Esther ein Gia» Milch getrunken, fielen ihr wieder die Augen zu; dt« gütige Natur waltet« nach ihren ewigen Gesetzen, fie hielt ihr Geschöpf in ihren schützenden Armen. „Stören Sie diese« Schlaf nicht, Frau Gerson, er stärkt sie wie kräftigste Kost* hatte der Arzt gesagt. Nach mehrstündigem Schlaft erwacht, nahm fie die ver- »rdnetrn Stärkungsmittel mit gutem Appetit. Sie blickte wir suchend im Zimmer umher, dann fragte fie: „Bin ich denn so schwer krank gewesen? Ich bin so matt, und — wie mager «eine Hände find.* „Du warst schwer krank, mein Sind, aber der Doktor meint, Du wirst Dich schnell erholen, Du darfst nicht viel sprechen.* »war Arno bet mir? Einmal erwachte ich tu der Nacht, er saß au meinem Bette, die Hände vor dem Gefichtr, Du «den ihm. Da» war gleich verschwunden» ich weiß nicht wohin.* „Er hat hier oft mit mir gewacht, wenn Dante Valentin «ud Frau Doktorin müde »urdeu und ich ««»geruht hatte.* „Ich möchte ihn sehen, Mutter l* Sie bat so rührend, daß diese nicht widerstehen konnte. „Gteb mir die Hand, Mutterles* Sie küßte diese, hielt sie lauge in der ihrigen und schlief fest ein. Die Mutter wagte nicht die leiseste Bewegung; wer könnt« dem *) Paradte». geliebte» Kranken seine Hand entziehen und schmerzte sie auch krampfhaft, wie jetzt Sara'». — Endlich lösten fich Esther» erschlaffte Finger allmälig im Schlafe. Sara ging eben in» Wohnzimmer, wo jemand die Thür vorsichtig öffnete; e» war Arno. Sie winkte ihm, leise flüsternd zu bleiben bi» Esther erwache, fie möchte ihn sprechen. Sara überreichte ihm ein kleine» Heft, da« sie in Esther« Schrank gefunden, al« fie dort in schwerer Stunde ein Tuch für die Kranke gesucht, sie meinte e» wären Abschriften au» Büchern, sie ahnte nicht, daß e» die tiefsten Beheimutffe ihrer Tochter waren, di« diese fast unbewußt in ihrer zaghaften, verschwiegenen Liebe ntedergeschrieben. Da» Heft zitterte in Arno'« Händen, al» er einige Zellen gelesen; er reichte e» Sara, die ihn durch Zeichen bedeutete, e» zu behalten. Er aber hatte genug an den Worte», die seine Seele tief verwundeten. „Es schlägt s» rastlos mein arme« Herzt „Ach jede Bewegung ist tiefes Schmerz. „Unendliches Senne« ziehet «ich hin, „Acht ich leb' und vergehe, kann nicht sagen: ich bin! „Mein Schmerz ist groß und heilig, wem soll ich es klagen I „Der mich so ganz versteht, der ist so weit, so weiti — „Hier maß ich verstummen. Niemand begreift mein Leid. „So seh ich sehnend die Dag« vergehen l „O Seel«, wann wirft du erquickt auserlteh'n? „Im Körper begraben, im leblosen Srab, „Da ist meine Seele gebettet hinab! „Doch st« liebet, st« übersteiget all« Schranken; „Und bin ich auch rastlos, «ich steht Niemand wanke». „kiie erhebt «ich und läßt mich nicht untergeh'n; „So bleibt sie mein Trost, io stark und schön.' wem diese Worte galten, wußten nur Arno und Esther, fie schienen ihm die Inschrift auf ihr gemeinsam verlorene» Glück. In diesen Gedanken saß er da, bleich und verstört. Sara war wieder bei ihrem Kinde, sie erwartete mit mütt:rlicher Zärtlichkeit dessen Erwachen, um ihr da» bereitete Stärkungsmittel zu reichen. Esther öffnete die lugen, mit dankbarem Lächeln nahm sie da» Bereichte. „ES ist so recht nach meinem Geschmack, Mutier, Du hast e» wohl selbst bereitet?* Freudig wurde die» bejaht. „Ist Arno da?* fragte fie nach der Thür blickend. „Bitte laß ihn zu mir kommen.' Sich selbst vergessend, nur beseelt von der Freude, die Neubelebte wiederzusehen, trat er leise heran. wie fie verändert war! Bleich und kraftlo» wie eine gebrochene Blume, Augen und Schläfen eingesunken, da» ungeordnete Haar die abgemagerten Schultern bedeckend. Dennoch so rührend schön, wie ein Geb lde au« anderer Welt, au» der sie nach schwerem Kampfe wieder gekehrt. Ihr Blick schien noch nicht sicher, man wußte kaum, wohin sie ihn wandte, al« sie zu Aru» sprach. Die Mutter hatte fich entfernt. „Ich träumte so schön, Iruoi — Ich sah eine Gestalt tu lichtuwfloflenrr Straße wandeln; immer höher schwebte sie, immer verklärter eilte fie mit »««gebreiteten Armen einem