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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 31 (1889) · p. Seite 121

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
31 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 121 (sequence 3)
Language
German
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*4 Mm Nähe the »whlthat. daß ihr da» fefctt reicher, schlurr btteflt, seit sie ihn kannte, tat Jüngling mit de» feurige« li:|c und brr Denkerstir». wie sollte Ephraim Nicht gerührt, nicht dankbar feto für so viel Lied« I Am nächsten Lage trat er sein Amt an und fand sich »artresflich darin »urecht. Cr gab sich viel Müh«, mehr al« «erlangt wurde, aber er wollte da» th« geschenkte vertrauen nicht nur rechtfertigen, sondern auch vergelten. Er verstand es, aus da» kindliqe Gemülh zu wirken. Seist und Herz zu bilden und da» Begriff«vermdg«n seiner Schüler zu ««reichern. Staubescheu würdigte Ephraim» Leistungen. „Frau," sagte er eine» Abend» zu seiner Gattin, »unser Spiro ist et» besserer Lehrer al» ich, und fast glaube ich, er ist auch ein besserer Mensch al« ich." Herr Staubescheu irrte, er war zu demütbig, besser war Ephraim nicht. Staubeschru war «in wackerer Mann und wirkte im Umfange seiner Mittel und seine» Kreise«. Hat rin anderer reichere Mittel, geistige oder materielle, oder einen größeren Wirkung«, tzrets, und leistet tu Folge dessen mehr, so ist er nicht würdiger. Daß der Uuterlrhrer die Kirche nicht besuchte, war nicht auffallend, da auch sein Borgesetzter de« katholischen G«tte»hause fern blieb, während die Protestanten glauben Mochten, daß er e» allsonntäglich besuche. Durch sein stille«, bescheidene», achtungfordernde» Benehmen wußte er sich all« gemein belicht zu machen, und besonder» die Kleinen hingen dem jungen Lehrer tu aufrichtiger Zuneigung an. Ephraim * war glücklich und gab seinen Gefühlen in einem Briefe an seine Mutter beredten Ausdruck. »Meine geliebte Mutterl E» ist heute Sonntag, und »ährend ich die ganze Woche de» Berufspflichten obliege, geben mir diese den Sonntag frei, de» ich dem Vergnügen und meiner Ausbildung widme. Zu «einem größten Vergnügen nun gehört e». Dir, gute Mutter, zu schreiben, und wenn die» erst jetzt geschieht, so zögerte ich nur deshalb, um Dir sagen zu lluuen, wie e» mir hier dehagt. Zuvörderst aber danke ich Dir tauigst für Heu große» Koffer mit Wäsche, 'Kleider» und Büchern. Wie gut Du bist, meine Mutter, ich kan» e» Dir nie genug Hauken, Ich glaub« daß ich auf zehn Jahre hinan» »it allem versorgt bin, nur schade, daß da» Zeug nicht auch mit wächst, denn e« dürften mir die Kleider bald zu kurz »nd zu eng werden, da ich hier gute Tag« habe. Wen» Du »ich uur al» Schultaeisterleiu sehr» könutest, liebe Mutterl Ich glaube, daß ich keiner der schlechtesten bi» und ich fühle «ich glücklich tu der Erfüllung meiner Beruf»pflichteo, jeden Gedanken a» die Zukunft, die mir vorgeschwedt, von mir «eisend. Di« ganze Familie Stmibescheu betrachtet mich al» Angehörige, und sie habe» alle» Anspruch auf »eine Daukbarkett uad Freundschaft, und besonder» ist mir Arauztska. die so schwesterlich für «ich sorgt, lieb wie eine Schwester. Da ich freie Verpflegung i« Hause habe und «cbu Freistunden in Familienkreise verbring«, so fehlt r» «ir selbst au Gelegenheit, Ausgaben zu mache«, und ich bitte Dich de»halb, liebe Mutter, diese kleine Geldsrudung »»» «tr auzuuehmen und Dich möglichst zu pflege». Schreibe . »tr recht bald und sei auf» Herzlichste umarmt von Deinem Sohn« Ephraim." So »ergtugeu Ephrat« die Lage auf» Angenehmste, sab er verschonte nicht, sich durch eifrige» Stndinm weiser» webilde». Etwa sechs Monat«, nachdem er vorstehende» Brief geschrieben, war sein Geburtstag, »ud er wurde »«, beu Freunden «it kleinen Aufwerksa«keiteu erfreut und «ou Franziska «it etuer selbftgefertigte» Arbeit überrascht. .Ob er fich wähl freue» wirb, daß ich ih« die Börse selbst gearbettet habe?" sechste sie sich. Ja, er freu» sich herzlich, er war bewegt, »ud hatte für j»«, et» »armes Wart des Daule». Al» er zu Franziska trag» m che die Hand zu reiche», ^wagte sie nicht «lfzuschaueu, »ud hielt, >« ganze, Leib« zitternd, ihre Blicke gestukt, da»» eilte fl« hinaus, um sich auszuwetue». Warum fl« wohl Thräueu vergoß? Wer vermöchte die Gefühle und Ahuuugeu, die Wonnen und Zweifel und ave jene Empfindungen zu ergründen, die da» Herz «tuer liebenden Jungfrau erfülle»! War fie doch fich selbst nicht Nar, konnte fi« doch fich selbst keine Rechenschaft geben, «nd forderte auch keine, und e» war «in Glück, daß durch da» stete Zusammenleben, fie fich ihrer still keimenden Liebe kaum bewußt war, während eine Trennung dieselbe zur lodernden Flamme entfacht hätte. Aber anch dieser Schmerz sollte ihr nicht erspart werde», der armen Franziska! Bet einer der Schulprüfnugea ereignete e« fich, daß der Herr Dekan bet Stanbeschen nähere Erkundtgangen über den Unterlehrer einzog, und er war nicht wenig erstaunt und erschreckt, daß ein Jude al» solcher an einer christlichen Schule angestellt sei. Wohl wußte der Herr Dekan ebenso wie der Schulvorstand, daß gerade seit zwei Jahre«, also seit Ephraim im Amte war, die Schule zu er» besten zählte und stet« besondere» Lob erhielt, doch da» war plötzlich oer» gessen. Fort muß der Jude, beschloß der Herr Dekan, uud nach wenigen Tagen erhielt Staubescheu die Verfügung, keinen Unterlrhrer mehr anzustelleu, der nicht von der Schulbehörde genehmigt sei. tudem es auf da» zarte Gemüth der Sinder uachtheilig wirte, wenn der Lehrer nicht einen echt christlichen Wandel führe. Herr Spiro sei somit zu «nt» laffen und da» Wettere der Schulkommisfion vorzulegeu. Staubeschru las den Erlaß, erblaßte «ud glaubte nicht ander», al» sein hochgeschätzter Uittrrtehrer sei verläumdet worden. Sr lhat sofort die nvchigeu Schritte, «nd mußte die traurige Erfahrung machen, daß er fich geirrt und daß alle versuche zu Gunsten seine« jungen Freunde» auf unüberwindliche Schwierigkeiten stießen. Unter diesen Umstände» konute dt« Sachlage Ephrat« nicht länger verborgen bleibe»; Staube» scheu übergab ih« die Zuschrift vom Dekanate, uad betheuert«, eher sein Lehramt niederzulegru, al» schweigeud diese Uu» gerechtigkeit zu dulden. Ephraim lächelte bitter ob der ihm wiederfahreueu Unbill uud sagte: .Nein, Herr Staubescheu, wackerer Manu, meinetwegen dürfen Sie fich da» Leben nicht erschweren, uud Garbeuheim eine» Lehrer» berauben, der so wie Sie versteht, Mens cheu herauzubtldeu. Tine» zweiten wird es wohl so leicht nicht stade». Ich «erde ein andere» Unterkommen suchen, morgen reise ich." Die ganze Familie trauert« uud bat Ephraim, seine Abreise wenigsten» uoch um eiutg« Tage zu verschiebe», nur Franziska bat nicht. Sie schien fich wenig «m sein Fort» geheu zu kümmern uud eutsaltete «tue fieberhafte Thättgkett. Arme» Mädchen, ihr drohte da» Herz in Stücke zu breche», jetzt — jetzt kam es ihr zu» Bewußtset», daß fie liebt«, daß fie nicht geliebt ward. Sie konute nicht weinen, nicht llagea, stumm trag fie ihr Leid. »Ziehe hin, Ephraim, all' net» Glück zieht Dir nach, «ud allen Segen de» Himmel» fleh« ich auf Dein theure» Haupt," so sprach t» i» ihrem todtwuude» Herzen. (Forts, folgt.) Die Silbe» tu S«Üfor»ie«. Das in Leipzig erscheinende Uuterhaltuugsblatt »Für Mußestunden" enthält in einem Artikel .Kalifornische Bilder" von K. Ludloff folgende anch jüdisch« Kreise iuteresstreude Mitteilung: Ei» seltsame» Bölkergemtsch, welche» fich in de» berühmte» Goldlande Kalifornien eine Httmath gesucht hat! Anglo-Amerikaner, Irländer, Deutsch«, Spanier, Mexikaner, Franzosen, Jtalteuer, Schwede», Norweger, Dünen, Alba- Mser, Monteuegriner, Ungar», Russen, Ehtnese», Japauer, Reger, «Üdsee-Aesulaner «ud «tue große Zahl I » r a e l i t r u au» aller Herr«» Länder . . . De» Deutsch«» schließe» fich, »am auch nicht ganz, s»

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