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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 30 (1889) · p. Seite 116

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
30 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 116 (sequence 2)
Language
German
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Dirk wird Sie stich- «ad kagrlfest machen, so lauge-Sie es bei sich tragen!" Arthur entfaltete daS ganz zusammeageklebie Papier und laS laut: .«1- «1- D-f B-j- Bf Bf «f. — Sitf SctuAf BertuS t Sebuschfl Uranurmentf Jesu» f Maria f Josef f.“ »Diese« kräftige und heilsame Gebet wurde im Jahr« 805 auf dem Grabe unsere« Heilande« gefunden. Kaiser Karl erhielt e« von Leo Hl-, dem heiligeu Papste. Wer rie« Gebet täglich betet oder beten hört mit dem Vaterunser au« Jesu Leiden verbunden, wird keine« uuuatürlichen Tode« sterb:n, auch nicht durch Gift umkommen. Steht still, alle sichtbaren und uufichtbaren Gewehre, damit ihr nicht auf uu« loSgeht. durch die Treue unser« Herrn Jesu Christi, ocz von Johanne« im Fluß getauft war! Steht still alle sichtbaren und uusichtbareu Gewehre durch den Befehl de« heiligen Gericht»! Steht still alle fichtbareu und unfichtbarei» Gewehre durch die Angst unsere« Herrn, der mich und dich geschaffen! Steht still alle fichtbaren und uufichtbaren Gewehre durch die Märtyrer, die gestorben find im Nameu Gotte«! Amen!" Ob jener unbesiegbare Wunderglaube de« Katholiken oder die weiche Stimmung der letzten Abschiedsstunde e« vermochten — genug Arthur ließ sich da« Skapolier von seiner srg'njprechenden Großmutter, die e« noch durch einen Kuß weihie, um den entblößten Hal« hängen, wo e« verborgen neben Esther« Medaillon ruhte. Befriedigt erhob sich der Grei«, noch einmal da« Kuie de« geliebten Herrn umschließend den er einst auf seiaeu Arwln getragen. Arthur streichelte gutmiithig da« graue Haar de« mit gefalteten Händen vor ihm Stehenden und drückte ihm einige Goldstücke in dieselben. »Pflege Dich Alterchen und bete für mich." sagte er zärti ch. Noch eine innige Umarmung Arthur« und der Gräfin, die ihn bi« an den Wagen geleitete der da« geliebte Kind zur nächsten Poststation brachte, noch ein letzte« Winken mit irm Tuche und dahin ging e«, — von wo nimmer Rückkehr sein sollte!- Franschischek war schon Tag« zuvor abgereist um vorzubereiteu, wa« noch zur Reise fehlte. Al» er vor Frau von 'BiuiawSka gekniet und diese ihn mit mütterlicher Sorg» fot und frommen Wünschen entlaffeu, erfreute e« fie, de» sonst so energielosen Jüngling zum Enthusiasten umgewandelt zu fihen, fie war stolz auf Polen« Söhne. — In ihrem Betstühle kniete die edle» hochherzige Polio, die ihr Theuerste« dem Phantome, der Befreiung Polen» durch Napoleo», geopfert. Nur da« eine Wort drängte sich über ihre Lippen, da« Wort, welche« der Pole in allen Foroieu seine« vielgeprüften Leben«, in seinem vieldeutigen Sior so oft gesprochen: „Zal“! Hier hieß e« Unterwerfung, edle Hingabe in den Willen Gotte«. Sie dachte dabei an Arthur« und Esther» Liebe und ahnte nicht, wie bald diese ohne konventionelle« Zuthun gelöst sei» sollt«. Esther« Zustand veränderte sich wenig iu den ersten Tagen. Die sorgenvolle Mutter wich nicht «her von dem Krankenbette, bi« die Natur erbarmend ihre Rechte geltend machte, durch überwältigeudrn Schlaf die Arme zur Ruhe zwiugeud. Me Freunde und Freundin»«, hielt« abwechselnd Nachtwach, und Arm» war unter dies« der Unermüdlichste, er blieb fast ohne Speise und Trauk am Kopfende de« Bette«, um EiSumschläge zu erneuern und Sara hilfreich zu sei», die sich am liebsten vo» ihm unterstütz« ließ. E« war ihr, al« hätte et ein Recht darauf, tu Esth«« Nähe zu bleib,»; wenn er sich entfern« mußte, that « es mit schwerem Herzen. Ach I er wußte e», bin Gebet ändere d« Will« Gotte«! Ader er betete mit der Ueberzengnng, daß es d« sigeum Wille« zu ändern »ermag, wem, wir iu selbstvergessener Hin- . , .* /' ■ teSt&t schweigend da« über uu« gekommme Leid Sein Bet« war ein Schrei de« Herz««, d« «ußrr ihm nur die allwaltmde Vorsehung hörte. Gr ließ die tröstend« Worte. Gottesstrafe sei nur scheinbar eine solche, auf sich, wirken, er gewöhnte fich daran, nachdem der Arzt geringe' Hoffnung gegeben, Esther al« verklärten Engel, alle» Erdeuleid entrüctt, in lichter Welt geborgen zu seh«. Und dcuuoch «achte er und Sara den Marterweg der wechselnd« Empfindungen durch, unr dem bekannt, der am Krankenbett eine« geliebten M«schen gewacht, dessen fliehende« Leb« wa» gern um d« Preis de« eigen« erhalten möchte. Die Nacht kam, wo die Geister de« Tode« iu geheimniß» voller Stunde der Mitternacht im Kampfe um da« junge Lebeu da« Krankenlager umschwebten. Man nennt diese Stunde »die Krifi«", e« war der vierzehnte Tag der Krankheit. Sara ahnte nichts von dieser mtscheidmden Stunde, aber sie erkannte die Gefahr de« Zustande«. Die Balentiusche Familie, die Doktorin, wachten heute wie die ganze schwere Zeit hindurch abwechselnd am Krankmbette, nur mit Mühe die arme Mutter zu kurzem AuSruh« bewegend. Ihr Jammer steigerte fich durch die Abwesenheit ihre« Manne«, der nicht« von Hause erfuhr, da er oft den Ort wechselte und die maugelhafte Postverbindung jener Zeit jed« Briefwechsel erschwerte- »Der Schreck, der Schreck, könnte ich ihm den erspar«"! seufzte fie oft zaghaft. So saßen sie Alle in banger Erwartung im Wohnzimmer, nur Arno und der Doktor waren bet der Kranke», die sich unruhig hin und her warf, unverständliche Laute murmelnd. Der Doktor tröstete sich selber und die Umgebung obgleich er erkannte, daß menschliche Hilfe hier vergeblich sei, mit der unberechenbar« Widerstandsfähigkeit der Jugendkraft und der Gesundheit diese« Orgaoi«wu«. Der unbarmherzige Zeiger der Uhr rückte gleichgiltig dem gefürchteten Augenblicke näher und ihr markerschütternde« Tiktak ertönte einförmig wie nnerbittlicher Tode-ruf. An der Decke de« Zimmer« bildete der Schatt« der flackernd« Nachtlampe sonderbare Schattmringe. über d« Fußbodm zuckt« lange dunkle Streiflichter wie unheimliche Geister. Die Stadtuhr schlug Ein«, durch die Fenster warf der Vollmond sein« geisterhaften Schein tu da« Zimmer.- Die Kranke blickte plötzlich um fich wie noch nie seit ihrer Erkrankung. »Mutter, gieb mir zu trink«- bat fie matt, trauk begierig ei» halbe« Gla« Wasser, kehrte sich zur Wand und schloß die Aug«. War e» Tod oder Schlaf? — Sauft athmet« fie: fie schlief! »Die Spannung der Züge läßt nach, der Pul« schlägt «higer, geht Alle hinaus" flüsterte der Doktor, die Hant wird feucht. — Schick« Sie die Unsrigen nach Hanse. Ich hoffe, fie ist gerettet!" Bet dem erlösend« Worte brach Sara zusammen, die Spannkraft der LeidenSzeit ließ »ach: eine tiefe Ohnmacht f,Igte. Man brachte fie zu Bette, rief ihre Lebensgeister durch verschied«« Mittel wach, dann schlief fie fest ein. (Fortsetzung folgt.). Ephraim Spiro. Novelle von Jda Hofman». st (Fortsetzung.) Am frühen Morgen hatte Ephraim da» Baterhau« ver» laff«, die Sonne lächelte schon freundlich, er merkte e» nicht» die Natur erstrahlte i« herrlichste» Frühlin-gkleide, er sah e» nicht, die Bügel schmettert« jauchzend chr« Morgengrnß in die Lüste» er hört« e» nicht, er eilte vorwärts, wie von Dämon» getrieb«, immer vorwärt», und d« Inhalt seine» ganz« Fühl« »nd Denk«» bildete d« einsame» verlassene Frau, ferne Mutter.

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