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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 30 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
30 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MM. Jüdische« 188& Heraudgegebea von Dr. M. Lahmer in Magdeburg. A»r zlattthalümg«. Kelehnms str die israelitische Famlie. «N*- , „ Herzeudadel. (Eine kujawische Erzählung au* tan Anfänge unsere* Jahrhundert» Bon Johanna. — Ephraim Spiro -ANNslls ' Novell« von Jda Hof man». — »llerlti für den Aamiliealksch. — Noble Sparsamkeit. — Lu« dem Sprachschatz de* Talmud kJ “ » doetisch überlragen von Mop Weinberg. — Räthselanfgaben und Siäthsellösungen. iUndefugter Nachdruck au» diesem Blatte untersagt.) HerzeaSavel. «ine kujawische Erzählung au» dem Anfänge unsere» Jahrhunden», von Johanna. sFortsetzung.) «l« Esther den freundlichen willkommeugruß ihrer geliebten Mutter hörte, erwachte fi« wie au« einem schweren Traume. Ihre schonende Kiode»liebe verscheuchte mächtig die Empfindung de» eignen Leide». Tie küßte die Mutter und blickte freundlich lächelnd auf fie hin» ai« diese mit ängstlichen Fragen nach ihrem Befinden forschte, da Tara der eigenthümlich verschleierte Blick dr» Linde» ausfiel. Esther brachte Grüße der Gräfin und suchte die Aufmerksamkeit der Mutter von sich abzulenken, aber diese bemerkte bald, wie verschieden der leichtangrstimmte Ton von dem matten Auüdruck dr» Gesichte» war. «ach dem Vater fragte sie. Dieser war abgereist; fie fragte Arno nach dem Befinden seiner Mutter, trank eine Lasse The«, die fie erwärmte und ihr wohl that, wie fie der Mutter zu Lieb« sagte. Daun ging fie zu Bette, da diese e« wünschte. Sara half ihrem müde«, kranken Kinde, daß e» zur Ruhe kam, blieb bei ihm bi» e» die Augen schloß und entfernte sich schweren Herzen». Di« Arme ahnt« nicht, welche Schreckeu»zeit fie erwartete. Armer Vater I Wird e» lohnen, Pläne für da» Wohl deine» Linde» zu ersinnen? Sara war in der Nacht «ehrmal» anfgestandeu, um an der lei»gevffneteu Thür zu horchen, ob Esther schlafe, e» war alle» still, fi« legte fich beruhigt nieder. Al» e» tagt«, ging fie an Esther» Bett, die mit writgr-ffneten Augen, vergrößerten Pupillen und glühend geröthetra Dangen dalag. Auf die Frage nach ihrem Befinden kam feine Antwort, kein Blick fiel auf die Fragende, er irrte ruhelo» umher. „Hale de» Herr» Doktor-, rief fie der alten treuen Dienert» zu, die weinend davoneilte. Dr. Rembrand saß seiner Gewohnheit nach schon in dieser frühen Morgenstunde au seinem Schreibtische ohne Zöger« folgte er der Magd. Mit einem Blicke auf die Kranke war seine traurige Diagnose gestellt, der fliegende Pul» bestätigte seine Von«», setzung noch mehr. Man wußte in den Krankenzimmern wo Dr. Rem» brand» Hülse beansprucht wurde au der Art, wie er blickte, »te er de« Kopf neigte um den Kranken zu beobachten, wie er die denkend« Stirn auf sein« Hand stützte ob der Zustand leicht vber bedenklich sei. Sein Mitgefühl al» Menschen» freund, sei» Hinhorch«» auf die leisen Winke der Natnr. nicht »nr bei de« Kranke», sondern auch auf bi« geäugstigte Umgebung desselben, machte ihn zum Tröster wo Hülfe uu- »ögttch »er, zu« theilnehmend«» Freunde, zu« Seelsorger in de» schwere» Stnnben der Geprüfte«. De» Kraule« Znstand aber war sei» fartgesetzte« Studium, de« er selbst die Nachtruhe «pferte; sorgenvoll theilte er seiner Frau manchen Fall mit, »er ihm da« Herz besonders beschwerte. Hier erwachte die Thriluahme für die Tochter seine» Freunde» und für da« gebrochene, jugendliche Leben in ganzer Tiefe. Er beantwortete die ängstlichen Fragen der Mutter mit innigem Blicke und den Worten: «Wir stehen alle in Gotte« Hand!- traf seine Anordnungen für die Typhu»krauke und versprach bald wiederzukommen. „Wäre nur der Vater da.* dachte er, .wird er da» geliebte Kind Wiedersehen P- Jm Schlosse zu Sarnowice war rege» Leben. Da» für Arthur und Pan Franschischek notwendige Reisegepäck, darunter eine Schabiacke von rothew Tuche, worauf in Silberstickerei, von der Gräfin selbst gefertigt, der polnische Adler und Wappen der gräflichen Familie. Wie viele Träume von Heldenthuw, von Sieg und Tod, von Liebe und Schmerz waren mit hineingewebt in diese» Geschenk für den geliebten Enkelsohn, da» auch der prtesterlichen Weihe nicht entbehrte. Vor dem Schlosse hatte sich Jung und Alt versammelt, um noch einmal die Hand de» gütigen Herrn zu küffen, die manche Thräne de» Danke» benetzte. Arthur hatte den Tag vorher bei dem Dekan gebeichtet, die Sakramente genommen und die ganze Nacht nach der Abreise Esther» mit seiner Großmutter durchwacht. Er hatte ihr da« Geständntß seiner Liebe anvertraut, ihr Esther al» sein theuerste« Kleinod au» Herz geleat. Er schwur auf da» vor ihm stehende Eruzifix, wenn er wiederkehre, die Geliebte vor oller Welt al» sein Weib heimzuführen. Alle Bedenken und Gründe seiner tief ergriffenen Zuhörerin wußte er mit der Urberzeuguug seiner unbezwingbaren Liebe und der Esther« zu befiegen. Seine» Mädchen» großem, starken Herzen durfte er vertrauen, fie werde beweisen, daß .Liebe die stärkste Verwandtschaft ist-, wie er e» von ihr gehört. „Die Zeit wird alle« zur Reife bringen, wie e» Jesu Ehristi uud die heilige Jungfrau bestimmensprach fie, Arthur au» Herz drückend. Früh am Morgen kam der ueunzigjäqrige ehemalige Inspektor vou Arthur» Großvater, kniete nieder und in flehendem Tone bat er den Scheidenden anzunehmea, wa» er feix Jahren für ihn al» ein Heiligthum bewahrt. „Ich wußte Herr Graf, daß dt« Zeit kommen wird, wo mein gnädiger Herr da» Schwert ziehen wird für da» Vaterland. Ich habe e» erlebt! Gelobt sei dafür die heilige Jungfrau! Hier bring« ich da» so lang Aufbewahrte. - Der Alte zog ein Skapulier au» einem mit einem Kreuze verzierten Lederbeutel, worin ein, wie er sagte, vom Papste tu Rom geioeihte», ganz vergilbte» Papier lag. Ein Bettrl» mvnch, der direkt au» Rom gekommen, hatte e» ihm einst gegeben. „Gnädiger Herr,- sagte der Kniende, „ich erheb« mich nicht eher, dt» Sie diese geweihte Schrift annehmen.

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