Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 27 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
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Mer aber Mt chm Ille» entrückt, hier erwachte »er omtümchfte Trieb olle» Leb«»». Me Liebe, t» ihrer ganz» Macht; »er ihr trat jetzt jede «»der« io de» Hintergrund fei»«» glühende» Herze»«, da» tUgob ftagtr, «b «» geopfert »erb«» »Me. Me im Traume sprach er Warte var sich hi», die sei»« Stimmung orrrtethr»: .Seele, die Erianrnm» »ohat wie ei» Geier tu Deine» Gruud, I» des Schi»«!« »tlde» 8Mnn schläft sie und Da bist gesund, «der weu» di» Ruh' tu'« Herz wtedntehrrt und vertraue» Sasse» r« dl« Klauen I' *) £ Rach ruhigem Schlafe und mehrstündiger biast, di« v Ara» aon Diniawska mit Beten «»»füllte, fühlte fie sich, - »ie fie sagte, gekrästigt, obgleich fie bleich u»d abgespannt «»sah. — Die Wallfahrt wurde nun fortgesetzt und bald begegnete »«au neue» Zügen, au deren Spitz« Geistliche im Meßgewaude und mit dem Lrucifch, psalmodireud, vorauzogr», «»der nachfolgenden Meng« in kirchlich-rythmische« Gesänge begleitet. Unsere Freunde schlofieu sich diesem Auge an vud so näherte mau fich allmählich dem frommen Ziele, «au «rkauute die» durch die am Wege stehenden Kapelle», genannt: »Die Letdmöftatioueu de» Herr».- Abend» erreichte «an v «tu Städtchen, wo Arthur im besten Gasthaus« Quartier bestellt hatie und »ach eine« mäßige» Abendbrode zur Ruh« «Ute, »achdem er Fra« von Winiavska gut oersorgt wußte. Die «eiste» Wallfahrende» richtete» fich rin, wie e« eben ging, tu Ställe», Heuböden «ud Scheunen, Sah mau diese Menschen von Uebermüdung, Ualauberkeit, nicht nur da» leußrre, sonder» diese auch durch Blick, Wort u»d Thal vrrrathende Innere fich aurprägeu, dann mußte man wohl «» Wunder glaube», sollte durch di« kirchliche Weihe die» alle» gereinigt werde». Minner, Frauen und Mädchen hatten 4» boaten Durcheinander ihr Nachtlager eingerichtet und wer nicht Platz fand, kamvirte i« Freien. Helle« Slockengeläute weckt« di« fromme Schaar, die au» ihren uuheimlicheu Nachtquartieren wogt« und au Braunen und Rinnen ihre Morgentoilette verrichtete unter Schäker» und Scherze», dir Ohr und luge jede» Befferfühleoden verletzte». Frau vou Wiuiaw«ka wandte fich entsetzt um, al» fie von ihrem Fenster au» den Anblick dieser frivole» Scheinheiligen bemerkte. Sie ließ durch ihre Diener Geld an Alte «ud Krüppel »ertheileu und war eine der Liste», die weiterzogen, nachdem fie gesrühstückt. Endlich entschloß fie fich auf Arthur'» »tele« Bitten ihren Wage» zu benutz«», da sie fürchtete, die Suieerutschuvg den Salvarienderg hinauf, bei vermehrtem Wandern nicht a»»führen zu könne». Gegen Abend lag diese Anhöhe endlich mit ihrem Schmucke, der Lalvartekirchr» vor ihnen. L» war die» kein symmetrischer Bau, aber eine imposante Waffe, die den Lindruck eine» vielkaotigea Felsen» machte mit kühnen, kräftige» Umrissen, ein wahrer Felsen Lhrtsti, von der Festigkeit, wie fie der Staube fordert; unerklärlich «ie die Mysterien der Kirche; uuerschütterlich wie die Geheiumiffe der Urkraft; . »o» »ächttger Totalwirkuug, durch dir Maffenhaftigkett ivlpoittreud. 4« Borüberfahreu nach de» gestrige» Nachtquartier erschütterte da» Schauspiel, da» fich uuseru Freunden darbot, ihr ganze» Wese». Bo» de» Fuß« der Anhöhe bi« zu ihrem bretteu Plateau lagerte eiue »»irre Masse; Andere klimmten ermattet hinauf, darunter Bliude, Lahme uud Mißgestaltete. Graue Wolkeu- »aff«, beschleunigte» die Duukelheit, die allmählich da» ergreifende Bild verhütte. .Der Glaube vrrsetzt Berge.- Der Gl«ubeu»«ifer überwand die Schwäch« de» irdische» Leibe». Auch Frau van Wtuiaw»ka war thril» auf Snieeu rutschend, thetl» vou Arthur u>ch ihrem Diener gehoben, von Begeisterung Märkt *) «RicyHewU. tu da» Innere der Kirche gelaugt, sie kniete vor der Schutz- Öca ihrer Tochter. Der Sammetmautel der heilige» ta stoß tu lange» Falte» nieder und Gräfin vou Wiuiawsk» senkte ftowm uud demüthtg die Auge», al» sie de» von ihr gestickte» irdische» Schmuck der Heiligru erblickte. »Der Geist ist willig, aber da» Fletsch ist schwach.- so schrieb Graf Arthur uach der Rückkehr vou der Wallfahrt a« Dr. Rembrand. .Somme» Sie. Großmutter liegt schwer daruieder.- Der Arzt fand die Sranke im höchsten Fieber, phauta» flrend bi» zu Halluciuatior-eu. Die übermäßigen Anstrengungen, Andacht»übuagen uud Lrreguugeu der kirchliche» Liuflüffe beschäftigten ihren Seist. Bald lag fie in stummer Verzückung, bald stimmte fie Sirchrnlteder an und in die Leere blicktud sprach fie zu Märtyrern und Heiligen, bald horchte fie und fuhr entzückt empor, ihnen für ihre Segnungen dankend. Sie wehrte jede Berührung ab. man vermochte nicht ihr Nahrung zu reiche». Energische« Einschreiten de» Arzte» war hier geboten. Narkotische Mittel bewtrkteu Schlaf, sie waren ihr durch Eiuathmm beigebracht; dann flößte »an ihr behutsam Nah« ruug eia, wem» momentane» Erwachen eiutrat. Unter verständiger, ärztlicher Behandlung uud Mariannen» treuer, kundiger Pflege uud Wachsamkeit erholte fich die Sranke allmählich. Al« die Genesung der Gräfin so wett vorgeschritten war, daß Arthur fie ohne Besorguiß verlaffeu konnte, reiste er für mehrere Tage ob tu Geschäften, di« thetl» seiner Wirthschaft, theil» dem polnische» Srieg»bedürsuiff« gatten. _ (Sortsetzuvg folgt) Sphraim Spiro. Novell« »»«IdaHosmaan. fl Die Sonne batte auf de» Himmel» Antlitz dm Scheidekuß gehaucht. Die sadbathlich gekleidetm Frauen und Mädchen de» Dtädtchm Gaibtng im .. .schm verabschiedetm sich gegenseitig und suchtm ihre Wohnungen auf, währmd die Männer und Jünglinge zum GotteSdimste nach dem Tempel eilten. Die Abeadschattm senktm sich zur Erd« nieder, freundlich lugtm die Sterne vou der Himmelrdeck« herab, und auch dm Monde» rrnst-blaffe» Antlitz ward sichtbar. Bor der Thüre eine» statüichm Hause» versawmeltm sich einige Männer um in gemeinschaftlichem Gebet da» Erscheinm de» Rmmonde» zu begrüßen. Herr Benjamin, der Eigenthümer, öffnete die HauSlhür und rief: .Recha, bringe ein Licht herbei-. .Erlaubm Sie da» mir,- wandte sich mit einer leichten Verneigung ei« junger Man» zu Benjamin, und ohne deffm Antwort abzuwartm, trat er in da» Hau» ein, au» welchem er al»bald mit einem Lichte herautkam. Da» Gebet war gesprochen, die Bersammeltm trennlm sich, und HerHBmjaain betrat in Begleitung zweier jungm Männer seine Wohnuug. Mit freuudllAm Gruße eilte Recha den Eiutretmdm mtgegm, und der Vater legte segnmd beide Hände auf der Tochter Haupt, indem er leise Worte, fromme Worte murmelte. Nachdem er dem Sabbach nach rinm Schridegruß gesuugm, welche« die beidm jungm Männer leise folgtm, machte e» sich Herr Bmjamin bequem, und lud auch Herrn Sender ein, sich nirderzulafsm, um dm 2bmd zu verplaudern. Herr vemamin, ein fünfziger, von gedrungener Gestalt, trug da» Aussehen behaglicher Gesundheit und Zufriedenheit. Er war eure jmer gemmhlichm Nature», die fünf gerade sein laffen, die verträglich und gefällig, aber keiner tiefm Empfindung fähig sind. Da« Gefühl der Behaglichkeit war sein Alle». Zweifel uurßtm chm ferne bleiben, er lebte fromm, vertrau« Gott und dachte — über seinen Handel. Dauiel Sender, ein junger Man» von fünfundzwanzig Jahr«, war »on langer, schlanker Gestalt uud blasser Gesichtsfarbe. Sein Haupthaar war lang und krau», die Stirne