Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 27 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 4)
- Language
- German
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— 106 — hoch, der Glanz der dunkel» Augen war weniger feurig al» blitzend und sein Mineuspiel um di« Mundwinkel stet» bewegt. Er war an» einer fernen Stadt hierhergekomme», »m den Vorlesungen de» berühmte» Rabbi Elje Homowitz anzu« ahnen. Nicht al» ob er au» seinen talmudischen Studien pra!tischen Rotzen zu ziehen gedachte, nein, er stndirte nur, um Gott gefällig zu sein, und — sagte er sich im Geheimen — weil selbst auch de» Reichen die Gelehrsamkeit ein erhöhte» Ansehen verleiht. Und darum vor allem war e» Herrn Ser der zu chun, dessen hervorsteheudster Tharakterzug die Litellett war. Ja dem kleinen Städtchen fand diese nun chr« vollste Befriedigung, da r» sich rin jeder zur Ehre rechnete, Herrn Sender bei sich pr sehen, und jede mit Töcjteru gesegnete Familie die leise Hoffnung hegte, ihn für sich gewinnen zu könne«. Auch Herr Benjamin g«b derselben Raum und er sah e» gern, daß Sender Recha mancherlei Aufmerksamkeit erwie» und oftmals de» Vater besuchte, um sich mtt der Tochter zu unterhalte». Der zweil« der mit dem Hausherrn Eiugetretenen war unstieinbar gekleidet und anspruchslosen und bescheidenen Wes:>». E» war Ephraim, der die Stelle «ine» Handlungsgehi feu bei Benjamin bekleidete. Jeder hatte Ephraim gern, er war, was er zu sein übernommen, war bescheiden und gefällig, sprach nie ohne gefragt oder mindeste«» aufgrfordrrt zu sein, und auch nur daun sprach er nur wenig. Dagegen besorgte er olle» mtt gewissenhafter Pünktlichkeit und hatte sich durch seine unerschütterlich« Redlichkeit da» unbegrenzte Vertrauen seine» Herrn erworben. Ephraim» Aussehen zeigte Lebhaftigkeit, während sei» Benehmen ruhig und gemessin war. So setzte er sich auch jetzt mit einem Buch« odseit» und brthettigte sich, ganz vertieft in da» Lesen, selbst nicht durch Zuhören an der Unterhaltung der beiden Herr«. Recha war indes in die Küche gegangen, um nach dem Rech en zu sehen. ,G» ist mir recht erfreulich, Herr Sender", leitete der Hautihem die Unterhaltung ein, daß Sie heute Abend mit uns Kaffee trinken. Wir köamn alsdann länger zusammen plau lern, und auch meine Tochter kann an der Unterhaltung theilnehmrn und manche» von Ihnen lernen." „Sie wiffen, geehrter Herr Benjamin, erwiderte Sender, »welch« Freude r» weinen Eltern macht, wenn ich in frommen und gebildeten Familien verkehre, und Vater und Mutter zu ehren, befiehlt un« schon die heilige Schrift. So erfülle ich durch da» Vergnügen, welche» ich in Ihrem Hause genieße, nicht nur eine hettige Pflicht, sondern auch ein göttliche» Gebot." Herr Benjamin meinte, daß sich Eltern zu einem solchen Sohne Glück wünschen könnte», wie er selbst e» auch thun würde. Diese schmeichelhafte Andeutung sollte dem jungen Manne beweise», daß er al» Schwiegersohn hochwillkommen sei; <r verstand den Wink uud antwortete: .Ob wohl andere Leute ebenso gut von mir denken, wie sie, Herr Benjamin?" Da trat Recha eia uud brachte den Kaffee. Ihr Erschein« war eine versöhnend« und erquickende. Tiefbrauue» Haar, einfach gescheitelt und im Nacken in Locken endend, zierte chr Haupt. Da» dunkelblaue, feuchtschimmernde Auge blickte mild und sanft. Die fein geschwungenen Lippen, die gesunx, und doch zarte Gesichtsfarbe, chr schlanker Wuchs, chrr leichte», ungezwungene» Bewegungen, und vor allem die» lindlich« Wesen, die» anspruchlose Sichgeben stempelten die achzehniährige Recha zu dem lieblichsten Mädchen. Ztzre Grbwl hatte ihrer Mutter Tod zur Folge. Der Vater U«ga>> da» einzige Kind mtt übergroßer Lieb« und ließ «» auf da» Sorgfältigste erziehe». Tüchtige Lehrer wurden heran,,«zogen, welche Recha'» Geist weckten, den zu entwickeln und zu bilden sie sich redlich bemühte. Da» Lese» der besten Schrift« hatte sie zu der Ueberzmgung geleitet, daß der wahre Gottesdienst nicht der ceremouttlle, sonder» der » sei. «oralffch und sittlich zu Handel», gegm alle Mensch» 3 gut und liebreich zu sein, und die Leid« der Mühselig» * und Beladenen nach Kräftm zu lindern. Ihr ganze» Thun -1 und Wirken athmete Lieb« und Barmherzigkeit, und jeder, - der ihr nahe kam, empfand d« Zauber ihre» Wesen». Wie sollte nicht auch der junge Freund de» Vater» ih« . unterlieg«, und dm heiß« Wunsch hegen, diese» seltme Mädchen für sich zu gewinn« i _ (Fortsetzung folgt) Allerlei für de« Familientisch. Mtßverstciuduiß. Ein polnischer Ehemann kam zu einem Rabbiner nutz beantragte einen Scheiduugsast zur Trmuung von seiner Fra«. Nachdem Letzterer alle Mittel aufgebotm batte, dm treulos« Gatt« umzusümmen, sagte er mdlich zu oemselbeu: .Ich setz« aber ganz bestimmt voraus, daß der Grund, welchm Sie vorschützen, auf beiden Seit« liegt." — .Da» ist et gerade", erwiderte heftig der Ehemann: .vorn hat sie eia gebrochene» Rasmbrin und hinten ein« Buckel!" Andem Spntchschatz des 'Tat««-. Poetisch übertragen von Max Weinberg. lNachdruU ohne »enehnüiuno kct vertosiers MitMia.) Settfumktma nlamt gern diesen Lauf: Erft wenig Lob — viel Xakl draus. Gehst Du voron und greifst »tt au, Go HUst Dir trage» mancher Man» Doch solle» e» «ntre allein besorgen. So mußt Du wohl »arten noq heute und morgen. KLthsel-Aufgalterr. I. Deutsche &Qarabt. «on 0. i, 3. Die erste that das zweite. Drum traf sie das BerhSuguiß; Das Ganze stets vermeid«. Du kommst sonst in'« Gesänguih. II. Deutsche» Mörterräthset Bon I. Eansmau» in Esse». Offen. In einer Stadt im PHUiperlaud, Durch Ausall ich verborge» fand, Was Füistenhäupter schmückt Wer «weu will die Ldsuug schnell. De» Kopf nur hi» zu» Fuße stell': vielleicht daß es ihm glückt Keöräische Aharade. von A. K. in London. Ei» «ücht'ger Künig ist'», ei» Held, De» «eine erst« zeigt. Doch ist kein Miicht'ger in der Welt, Der je der zweite« gleicht Und wenn die beiden Ihr vereint Ab» Ga» ze» stellet dar, Di« heii'g« Stadt vor Euch erscheint, I» Dempel der Altar. KtchUksöMS der Kitttzjel i» »sr. Kr. I. Hase, Hase« (a Kops de» Alphabets). EL *T3 (Prophet), Ood (engl. .Gott"), m. pLsS- »lasch.) 2P 2j? (Lad. «in «ich). vnantwortlicher Redactrur vr. «ahmer, Magdeburg. Druck vo« D. L Wvlss, Magdeburg. Verlag von Uoder« Fhtess, Lettztzitz. ... -