Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 26 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r'FFiZTTS?7 :. .*-s — 101 — o »tef$e moi fetae Augckg«hett« in Brptauf da» Geschüftüche chm» treuen Hände» anzuvertraneu. Nach dieser entschiede»« Aeußernug wäre jche andere Erwäi«»g überflüssig geweftn. E» war eine ernste Stunde verflossen, in welcher. wie bei den» Teftmneute eine« Sterbende», Alle» ruhig ennogeu und festaestellt wurde. Der Hauptpmckt war der, daß Arthur» Bermög« der Großmutter verbleibe, um» er nächsten» auch gerichtlich feststelle« wollte. Frau Doctoriu kam. die Herren zu einer Taffe Kaffee in ihr Wohnzimmer zu bitten. Eie «ad die Kinder hatten Arthur gleich bei seiner Ankunft empfangen, aber auf einen Wink ihre» Manne« stch entfernt, al» Gerson eintrat. Die Männer folgten ihr jetzt und dem belebend« Lin» Puffe ihre» verständigen und heitren Benehmen» gelang e», die ernste Stimmung bei einer Taffe guten Kaffee zu verdrängen. „Mein Herz ist voll Freude," sagte Gerson, .die Gegenwart ist gut und die Zukunft hoffnungsreich; mein Alter ist durch die Au«ficht verschönt, daß mein einzige» Kind einem lieben, braven Manne anvertraut werden wird," den ich für sie gewählt." Der arme Zuhörer, an den diese Worte gerichtet waren, war wie electristrt von der ganz unerwarteten Erwähnung Esther» und ihre» Beschicke». Le kämpfte einen inner» Lrrzen, oder in sein Leben einschneidend«» Kampf, ehe er Grast fand, an Gerson die Frage zu richten: »Sie haben für Ihre Tochter gewählt?" Er sprach in so erregtem Tone, daß die kluge Frau Doktorin merkte, e» sei mchr al» gewöhnliche Theilnahme, um» Arthur diese Frage ein gab. .Und nur hätte e» denn besser thun können, al» ich, -Herr Graf? Bon ihrer Kindheit an war e» mein Liebling»- wuusch, Esther mit Valentin» Sohn, Arno, zu verbinden. Sie wuchsm h«an und lebten miteinander wie gute Geschwister. Esther kennt den Wunsch ihrer Eltern und wird ihn erfüllen; sie ist gut und »«ständig. Im nsten Augenblicke, al» wir von ein« Babindung mit Arno sprachen, gerieth sie in eine Auftegung, wie wir sie bei ihr nie »orau»gesetzt." .Da» Beste, wa» Sie thun können, He« Gerson, ist, daß Sie ihr Ruhe zur Uebeilegung lassen," bemerkte Frau Laura. .Sie bat so rührend, nur für uu» leben zu dürfen," antwortete d« Aogeredete, daß ich für den Augenblick mein« Wunsch zurückhalte. Sie wird zu dem erwünschten Resultate kommen und ist sie einmal zufrieden, daun wird sie e» imm« sein. Uuverheirathet kann und soll sie nicht bleiben, e» ist gegen die Natur, daß ein so HÄflose» Wesen wie da» Weib einsam im Leben stehe. Selbst wenn Manche« nicht in d« «steu Zeit stimmt, in d« Ehe gleicht stch alle» aus." .Da» ist Despotie von Ihnen," warf Archur ein, .ab« nicht Liebe für Ihr Kind. Wa« giebt Ihnen da» Recht, •gegen dessen tiefste lleberzeugung für sie zu bestimmen?" .Meine Erfahrungen vor Allem. Die Eharactereigmschäften «ns«» Mäuu« sind nach vielen Setten hin die erste Bürgschaft für ein zufriedene», eheliche» Leben. Rohe Leidenschaften finde» Sie selten, selbst in' d« ungebildeten Klaffe; dies«'ist die Sorge um Weib und Kind ebenso hellig wie dem Gebildete« uut« uu». Dem Weibe wird so lange e» irgend möglich ist, keine schwere Erverbchatigkeit zugemuthet; dem Manne ist unermüdliche Arbeitskraft und rastlose Thätigkett Lebenöbedinguug." »Ab« Sie irre», Herr Gerson, wen» Sie meinen, daß die» einem zarte» Frauengemüthe genügt. Diese rastlose Thätigkett raubt dem Manne deu Einblick in da» Seelenleben sein« Frau", entgegnete Archur. »Sollte ehrende» Vertrauen, wie wir e» unfern Frauen entgegen bringen, inde» wir sie al» Rachgeb« innen i« unser« Sorg«, Lewpichwugm und Erfolge einweihen, nicht ihre edelste« Kräfte weck«? Sie müsse« ganz «nvernüustrge Geschöpft sein, um die Werthschätzuug nicht zu begreif«, die darin liegt, de» Manne» Theilnehmerin zu sein au allem wa» « ist und hat, — He« Graf —" »Mir scheint alle» Große und Nie meist au» d« Phantasie de» Weibe» zu komm«. Wenigsten» sind die Polin«« dadurch zu all« Zeilen Heldiun« gewes«; ihre Phantasie lehrt sie für heilige Zwecke die Schätze dies« Erde veracht«". .Sie (rau« unsere Frau« und Mädch« nicht", berichtete d« Docwr, .ihre Erzichung ist eine andere al» in Ihr« Kreis«". .Man fürchtet nicht, wie bei Ihn«", nahm Gerson da» Wort, .dem jungen Kinde eine Ohrfeige zu versetz», wmn e» darauf ankommt, ihm ein« Denkzettel für Lerfäumniß zu geben, voran e» hätte denken soll«. Uns«e Kinder werden mehr durch die Wahrheiten de» Leb«» al» durch deffm Träumerei« «zog«. Da« h«anreiftnde Kind wird für die Interesse« d« Eltern dadurch erwärmt, daß e» ihr Vertrauter wird, soweit e» seinem Fassungsvermögen gebot« werden kan». Die» weckt früh in ihn« da« Bewußtsein d« gemeinsamen Berantwortlichkeit de» Familienwesm», wo Jede« verpflichtet ist, nach Kräften mitzuwirk« und zu v«zichtm, ohne da» Gefühl, ein Opfer zu bringen, w«n e» nicht «langt wa« e» eben wünscht". .Ab« die schöne, sorglose Jug«dzett, He« G«son, die fft v«loren". .Glaub« Sie da» nicht, Hnr Graf. Da» naturgemäße Band zwischen Elt«n und Kind ist zwar ernst, aber nicht abtvtend. Die Jugend ist so elasttsch, daß sie imm« Wied« emporschnellt; die Tragweite der Verhältnisse versteht sie nicht zu beurtheilm wie wir Alt«, da» mildert auch die Wirlung auf da» Gemüch". .Also imm« nur Proxi» und kein Jd«l i" rief trübe dn Graf. .Un» Töchtern Israels", schaltete Frau Doctor ein, .Wink« die Mädchenträume ebmso lockmd, wie jedem andem Mädchen. D« liebe Gott bat da« Weib .nach seinem Wohlgefallen" geschaffen, da wird « auch daran gedacht haben, un» soviel Phantasie zu schenk«, um mchr zu Inx« al» man uu» lehtt". .Erziehung durch da» Leben macht für da» Leb« tüchtig, man sorge nur für die richtig« Stütz« deffelbm: Gottesfurcht, Barmherzigkeit für jede Er«tur und Ehrfurcht für die Elt«n", rief Gerson. Atthur hatte in diesem Augenblick nur Jntereffe für Erziehung»lehr«. wett er im Geiste an die eigmthümliche Entwicklung Esther» dachte, auf sie bezog er alle» wa» « sagte und hörte. .G«son übertreibt wirklich nicht, wenn « von glücklich« Resultat« dies« Bildungsformen spricht. Soviel ich in mein« Praxi» «fahr« habe, sind Weichlichkeit, krankhafte S«timmtalität und Schwärm«ei seltmer bei jüdisch« Mädch« al« bei all« anderen vorherrschend. Ab«, Fr«ud Gnson, glaub« Sie darum nicht, daß da» Leb« ein Rechemxempe! sei, es geht oft in unberechenbare Brüche". .Ja ja, Herr Gerson". rief hett« Frau Laura, .d« Verstand ist ein respectabl« He« und weis« al» da» Herz; ab« mit sein« Schwäche quält e» jenen und, da « d« Klügne ist, giebt « wie jed« kluge nach, so behäst da» thörichte Herz Recht". .Da» meine ich auch", sagte sinn«d d« Graf. .Um auf Esther zu komm«, meine Verehrten. ihrer bin ich sich«. Wa« meine Wahl für Sie betrifft, He« Graf, die Sie Despotie nmnm, die gebe ich nicht auf. Esther sttmmt in so viel« Ding« mtt mir überein, daß ich nicht fürchte, e» könnte in diesem Falle nicht sein. Sie ist die vlüthe meine» Leb«», sie soll geschützt sei» durch ein« ihr« würdig« Mann. Dann kann ich ruhig staben!" .Und Knu Sie dennoch irren, w«n da» Herz ihr« Tocht« sich abwendet von dem für sie Erwählt«?" fragte Arthur, und sein Auge glühte in unheimlichem Feuer. .Verspreche» Sie mir, 3h« Tocht« durch keinerlei Zwang,