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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 26 (1889) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
26 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 100 (sequence 2)
Language
German
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Durchgehen de» Gespanuch schlich eben ei» sokhe» mit ge» senken Köpfen vor einem kleinen Leiterwagen einher, wort« auf Stroh gebettet eia Bäuerlein süß schlummert«. Pmez, der sich bei dem Solospiel der Gesellschaft als da» fünfte Rat am Eaaea fühlte, bemerkte da» Fuhrwerk, stieg au» und machte sich da» unschuldige Vergnügen, den Wagen nach der Seite umzuwenden, woher er eben gekommen. Seine blarkea Augen lachten und leuchteten, wenn er sich dachte, mit welchem Gesichte der Bauer bei seinem Erwachen um sich schauen würde, wenn er die eben verlassene Straße wiedersieht. Wahrlich, ein dummer Spaßl Aber wer kann leugnen. der überhaupt noch da» Lachen liebt, daß man diesen Jungenstreich nicht belachen müßtet Wer dabei ein lange« Gesicht macht, nun, dem ist nicht zu helfen. Du Helle», prächtige» Lachen, da« selbst die griechischen Güter zu Ehren brachte, wohin bist Du geflohen? Du gesunde», hmzeinfältigr» Lachen, wie ander» bist du al» da»» jenige, welche» man heute bei den Posten und zweideutigen Couplet» auf jmm Brettern hört, die die Welt bedeuten sollen! Daß man sich morgen über sich selbst wundert, bei solchen Posten gelacht zu haben, ist vielleicht da» Beste daran, nicht wahr? Man wird meist so ernschaft nüchtem nach solchem Lachen. Du kritische, arme Zeit! Hell Tuch, Ihr gotlbegnadeten Lacher, deuea e» recht au» reinem Herzensgrund kommt! Haltet e« fest, e» ist gesund für Leib und Leben! Aber war damal» weniger Schinerz und Leid auf Erden? Gewiß nicht l Da» Menschenherz und seine Bestimmung ist ei« Wrllewige», da» Leben bleibt immer, wa» e» von jeher gewesen: da» lacheude und trau krude Bild de» Geschaffenen! Jene reisenden Loufleutr konnten wegen ihre» häu»lichm Gesehäfte» ruhig sein, daheim walteten Weib und Kind sachverständig, da sie gewöhnt waren, die geschäftlich« Last nicht auf den Hausherrn allein zu walzen. Auch Frau Sari und ihre Tochter waren, so wie vor der Reise mit Borbereitungeu zu derselben, jetzt im Geschäft reichlich in Anspruch genommen. Urber Esther war eine stille Heiterkeit gekommen, oft sang sie da» Lied eine» spanischen Dichter», da» unter jenen war, die der verschwundene Guitarrnlehrer ihr gegeben, leise vor sich hia: Daß Ich dich lieb«, «acht mir Pei», Vergeben» wünscht ich dir'» z« klagen. Der Quell springt murmelnd an» de« Stein, Da» volle Herz weiß nicht» z« sagen. JeV Vöglein fingt sein Lied hinan» Und Licke töut von alle« Zweigen, Di« mein« drückt kein Wörtlein au». Ich kann dich lieben nnr »nd schweigen.- Beruhigend wirkt« auch auf da» gute Mädchen ein Brie' von Aruo, der ebenfalls zur Mrffe gereist und im Aufträge einer Geschäfttsache au sie geschrieben. Andeutungen, die nur sie verstand, bewiesen ihr, daß Arno Haltung und Ruh: gewonnen. Dana, al» nach beendeter Mefle die Geschäftsleute zurükkehrten, war ihm ihr heiterer, herzlicher Willkommen» grüß eine Genugthuung, für die sein liebes, treue» Gemüch Dan! und Freude empfand. Gerson hatte kaum Weib und Kind mit dankbarem Herzm gegen Gott begrüßt, al» rin Schwarm von Kindmn au» der Gaff« in sein Hau» stürzten den Meßtribut von chm rinholend, wie sie e» bei den andern von der Mrffe Hei, gekehrte» schon gethan. Da» war die ftohe Erntezeit für dr« muntere Schaar. Dir haufenwei» auf dem Tisch« au»g Packten Zuckerschachteln lagen, bei einem der Kausleute wie I»ei dem andern für sie bereit. Die gelben mit rochen Deckilu und weißen Tüpfchrn versehenen Schächtelchen bargen gar Köstliche»: farbige Zuckerplätzchru und Erbse», zerschnittene Stücchcu Lebkuchen und gebrannte Mandelstückche». Bei -diesem Anprall der Tridutforderndeu hatten alle Erwachsenen im Hause zu thun; e» war lustig anzuseheu, wie diese de» Anforderungen genügte» uod a» da» Ehrgefühl der. Kleine» appellierte«, daß nicht Ei«» zweimal forderte. Wie diese dem Versuch widerstanden, möge» dir Gütler »riss«», beruhigt zogen st, ccft ab, al» da» letzte Schächtckchm vom Tische verschwunden war. Al» die Waarenballen und Kisten »ach Wochen rintrafeu, gab r» neue Lust. Da» war «in Lebe». Alt und Jung half die auf der Straße »»«gepackte Waare in da» »Gewölbe" schaffen, so nannte man selbst die niedrige» von Holz erbauten Geschäftblocale. Verstecken »rar in dm leer« Kisten gespielt, Springübuogm von den hochaufg>rick>teteu ang.'stellt. auf den zusammengebarktm Strohhaufm toAljte sich die Goffrnjugend jede» Geschlechtes und jeder Eoufesstou in übermüthiger Lust umher, bi» dm grausame, gefürchtete Polizeidimer da» Wegschaffeu sämmtlichrr Spielutmsiltm anorduete. Esther hatte die einfach« Buchführung währmd de» Vater» Abwesenheit besorgt und half ihm auch jitzt Messe» conto» u. s. w. ordnm. E» warm da nicht die mächtig« Tladdm der doppelt italienischen Buchführung zu überwältigm, Soll und Habm warm im Ganzen in dem Notizbuch de» Kaufmann» eingetragm und leicht zu übersrhm. Bei Valmtia hatte seine geschäftskundige, reg« Frau in der Meßzeit so gut wie allein gestanden, da sie ihrem gelehrtm Manne gern abwehrte, wa» ihn in seinem Studium störte. So hatte Esther auch hier geleistet wa» nüthig war und Arno fand in dem Geschäftsbuch« manche beschriebene Seite von Esther» Hand. Nun war ma» wieder beisammm am Vorabende de» lieben Sabbath», *n jener wohlthuendm Stimmung die un» beherrscht nach einer übecstandenen, ungewöhnliche« Thütiakrit. Es war soviel mitzuthellm von den einfachen Erlebnissen. man saug, lachte und scherzte bi» die Schlafenszeit kam. Sara zeigte ihrer Schwester geheimnisvoll ein Paar filbeme Leuchter, di« Gerson zum einstigm oder vielmehr baldigm Hochzeitstage für Esther gekauft, günstige Einkäufe erleichtertm diese Ausgabe. Er dachte dabei an seine geliebte Tochter, wie sie al» junge Hausftau die Soanabendlichter in dm schönen Leuchtem segnen würde. Sein Blick ruhte damal» vielsagend auf Amo» dm mit ihm zum Goldschmied in Frankfurt gekommen, ihm bei dm Wahl de» bedeutuug»- vollen Einkäufe» zu helsm. Abm dm Ahnungslose verstand nicht» von dem wa» Gerson bewegte. Sonnobmd begegnete Dr. Rembrand Freund Gerson, dem m mitthellte, daß Graf Arthur sich zu Morgm avge» meldet und ^gleich aebeten, Gerson mitzuthellm, daß m ih» dort zu sehen wünsche. Arthur hatte die geschäftlich« Besprechung nur zu« Vorwand« genommm; dm wirklich« Gruud seine» Komm«» war die unübmwlndliche Sehnsucht nach sein« Geliebten. Alle vrdenkm waren geschwundm, die Religion »ad Stande» - begriffe ihm mtgegenhielten. Alle Berücksichtigung für sein« Großmutter schrm chm überflüssig, da er immm «ehr erkannte, wie hoch da» geliebte Müdcheu in ihrm Werth» schätzuug stand. Rur «ine Stimme, die de» bedrängt« Vaterland«», übertönte selbst seine Liebe, nur diese« vermochte m jede« Opfer zu bringe«. Er war völlig vorbereitet, nach Pari» zu gehen, um sich dort dm polnischen Legion auzufchließeu, abm al» Lohn eine» glüeüicheu Erfolge» sollte dm ehelich« Bund mit dm Erwähltm seine» Hmzen» sein künftige» Lebm beglücken. Er traut« dem lirbewarmeu Herzm de» Mädchen zu, daß sie für ihre Liebe Alle» wagm würde. Und daß « geliebt sei, da» ahnte sein« bewegte Seele, deren zartrstm Saite» schon bei dem Grdankm an ein« Blich ein Wort, ein« Aeußeruug Esther» mbebtm, di«, ihr unbewußt, Bmräthm ihrm vmborgmen, heiligen Liebe waren. Heute mußte m sie sehm und ihr sag«, »a» « bi» jetzt mll mäualichm Selbstbeherrschung verschwieg«. Gerson hatte sich verabrckxtermaßm bei Dr. Rembrand eingefundm, wo m Arthur fand. Dies« thellte dm Frmudm mit, daß jetzt sei« Entschluß, »ach Pari» zu gehe», feststehe.

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