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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 26 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
26 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische. uftiltfi-l/j// Herautgegebe» Mn Dr. M. N»h«er in Magdeburg. Z>r llii(t|ilin| i -richmt fit Mt i»r«lUche frailit. Inhalt: Harttnladtl. Li« kujamische Erzähl Komllleuiisch. Der Sammelplatz de» RäihskllSsungen. ung an» de« Anfang« unsere» Jahrhundert» von Johanna. — Allerlei für den Hornvieh«». Hebel angebrachte Reinlichkeit. Gut abgetrumpft. — RLchselansgaben und (Unbefngter Nachdruck nn» biefe» Slattr untersagt.) Herzeasaoel. Ein« knjawifch« Erzählung nn» dem Anfang« unsere» Jahrhundert». Vau Johanna. *>,. - Dreizehn te« Lapi tel. Mächtige, sogenannte schlesische Fuhrwerke standen vor de« Häusern der Laufleute. Linnene Decken zum Schutz gegen Unbill der Witterung über da» ganze Gefährte gespannt vier kräftige Pferd« mit den Messingverzierungen und Glöckchen geschmückten Ehomen«« aus dem breiten Nacken, ein mächtiger Pinsel an einer groben Theerpaudel befestigt an den unter dem Wag« befindlichen Stangen zum Schmieren der breiten Wagenräder, Alle» die» machte den Eindruck der Vorbereitung einer längeren Reise. Und so war es auch, denn man fuhr zur Frankfurter Messe. Der Weg dorchin brauchte acht Tage und die Gasthäuser unterwegs boten den Reisenden weder ein anständige« Nachtlager, noch Erfrischung an Speise und Trank. So waren denn diese Rrisewag« zum Speise-, Schlaf- und Spielzimmer eingerichtet. Der große lederne Bettsack, vollgestopft mit Betten und Wähhe, ersetzte die heutigen Fauteuil» »er Etsenbahncoupee» und deren Schlaft äume; am Tage dienten sie al» Sitze und Abend» bre tete man die Betten au». Die vier bi» fünf Reisekamrradrn, die solche» Fuhrwerk gemeinsam gemiethet, fanden durch nachbarliche Rücksicht in demselben Raum genug zum schlafen. Jedenfoll« schlief r» sich unter dem leichten Berdeck in schönen Rächten bester, al» in dm von Brantweindunst grfülltm Wmh»hau«stuben. Borräth« von Speisen und Getränk« für acht bi« zehn Tage wurden zur Reisezehrung mitgenommen. Gebratene« und Gepökelte», Butter, Gänseschmalz, Salz und Pfeffer, gemahlener Laster, alle» iu Büchsen verpackt, und selbst — Spielkarten waren nicht vergessen. Ein leicht zu beseitigende» Brett, quer über die Waaendreite fest aufgelegt, diente al« Speise- und Spieltisch, «er da meint, di« einförmige Reise wäre langweilig gewesen, da dir Abwechslung «dm nicht besondere Reize bot, der irrt sich. Wem meilenweite Sandwege, wo dir Räder bi» zur Achs« einsanken, nicht selten »arm, der Theergeruch der Räder, die mehrfach geschmiert wurden, und die sich nach eiuigm Stundm wiederholende Fütterung der Pferde eben keine schr angenehme Sache ist, de« ist nicht ga verdenken, daß er sich nutzt an die Stell« der Reisenden wünscht. Aber ein köstlicher Reisekumpa» guckte schelmisch au» jedem Wageuwiukel hervor, der Humor, jetzt rin veralteter, mmudischer Gesell. Ihr zischend«, stöhn«dm Lokomottvm; du schrille» Signal, da» di« abgchetzt« Reismden zur Eile aufjagt; du keuchende» Dampfroß mit deinem regelmäßig«, egenden Stampfen, da» die Plauderlustig» übertönt und in Wort eine» gemüchlichm Witze» gestattet; ihr fremd« Passagiere, die Ähr einander anstarrt oder verstohlr» beobachtet, da es nicht lohnt, für da» kurz« Beisammmsein ein Jntereste anzuriMu, versteckt «ch Hinte, mr« Zweckmäßig- Kitt» — die Poche de» Reis«» ersetzt ihr nicht! Während die Pferde ihr« Futtntrog leert«» lagerte e» sich schön am Waldwege unter den breitästia« schattig« Buchen, durch die da« Himmeltdtau lugt; e» schlendert« sich angenehm nebm dem bespannt« Fuhrweike am Rand« de» Walde«, wo man d« Pferd« im Sandweg die Last gern erleichterte. E« schlief sich gar sanft, w«n man wieder einstieg oder wenn mit immer neuer Lust da» Spielbrett festgerammt und die Lart« zu einem feinen Solo gemischt wurden. Uno fuhr man durch den Wald, wo Wurzeln oder Lnorrrn den Wagen bald auf da» «ine oder da» andere Rad hoben, da gab e» doch herzhafte Stöße, daß man wußte, man habe Lnochen im Leibe, statt wie jetzt im Eoupö drtttrr Klasse, ein dumpfe» Gefühl der Betäubung vom Lopf bi» Fuß zu empfinden. Was sie für Allotria trieben, diese alten sonst so ernsten Männer, da» thäte kein anständiger h«tigtr Quartaner — e» wäre doch gor zu dumm > Einem behaglich Schlummernd«, best« höckrigr Ehimborosso-Rase so geeignet schien, auch etwa» andere» al» seine Brille zu trag«, setzt« sie eine gespaltme Federpose, worin rin brennende« Wachslicht geklemmt war. auf. und weckten ihn durch rin plötzliche» Geräusch. De» Schlaftrunk««» Schreck, al« er die Lugen aufschlug, war köstlich. Al» di« Flamme ihn blendet-, meinte er, sein Lopf stehe in F«er, u»d al» er danach griff, fuhr er in'» brennend« Licht, da» noch glimmend in da» Haar eine» der Lacher flog, al» der Gefoppte e» von sich schleuderte. Ein einzelner Schlummernder am Tage, war ein verlorener Posten. Die Wachenden führt« sicher einen Stzelm«stteich au», e» war etwa» so Verlockende«, den Schlaf eine« solch« Gerechten zu benutze». Der Streich mit dem Wachslichte forderte Rach« und diese stachelte den verhöhnten Wolf Hindele» an, sie au»zuführm, e» war ihm gleich, wer von d« Verschworenen büßen sollte. Gerson war über seinen Voltai.-e eingeschlummert, an der Stelle, wo Jemand vom Saturn au» über die winzigen Geschüpfchea. dem Erdengeschlech», seine witzig« Bemerkungen macht. Er schlief so süß; um den Mund zog sich ein ironische« Lächeln, sicher hervorgrruf« von de« Gelesen«. Wolf zog ihm leise die Nachtmütze von dem Lopfe, nagelte sie i« Wald« an einen Baum, schoß danach mtt der zur Sicherheit der Reisend« mitgenommenen Flinte; dann stülpte er die durchschosten« Mütze Gerson leise ans dm Lopf. Darauf feuerte Wolf rin« Schuß nah« am Wag« ab, wodurch der Schläfer jäh auffuhr, nach seinem Lopft faflmd, um die wackelnde Mütze aufzusetzen. Al» seine Finger durch die durchschoss«« Stelle fuhr«, blickte er entsetzt um sich, mtt der Urberzeugung, daß ein Schuß ihn getroffen und er einer Lebensgefahr «ttonn« sei. Ein schallende» Gelächter de» heitern Kollegium» riß ihn aber bald au» seiner Bettachtung und er mußte «» sich schon gefall« last«, zum Schreck auch noch d« Schab« und dm Spott mit ft» d« Lauf zu nehm«. Der Gelegenhettämacher, Zufall, sorgte auch manchmal für manche» »uzeitige Späßch«, zu welch« ewe» gehörte» da» dem gutmüthig-maliziösm Perez noch bei späterem Er»Lhttn ein« komische Geuugthuuua gewährte. Lus einer jener Saudflächm, wo man nicht zu fürchttu hatte, tu seine» Schlaf« gestört zu werdm, durch Wageuflöße oder 392285

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