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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 25 (1889) · p. Seite 97

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
25 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 97 (sequence 3)
Language
German
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tafftr. habe» Sie st» Gala, gesorgt" saßt» Arthrtr mtt -der- HsMHsMtzfs ^RnbU^Ut Die Grüfi» bat trat bl* * Erlanbuiß, Mt schlafend« Sisbct »och einmal zu küsse», fit beglestete Mt Ara« Voktori» ins Schlafzimmer. .9» gWt nichts Holderes", fegte fie, »als ei» schlaft«- dts Li»d. Der Friede und die Unschuld bleibt Euch, für tagt, lange Jahre Eures Lebens!" Sit küßte leist die rosigen Wangen, und legte jedem eine Düte mit Naschwerk a»f das Bettchen. Bald war alles im Schlofft still. Nur im Betstühle kniete die Gräfin, dann verlöschte auch dort das Licht und wohltbitigcr Schlaf senkte fich auf die Müdeu. Die Rl ckfahrt der Doktorfamilie am frühtu Morgen war ei» ueutr Festtag für Elter« und Kinder. Bogelgesang begleitete das fröhliche Geplauder der Kleine«, Me voll der «ruangeschanten Wunder waren. Wafferdüuste hüllte alles i» Nebelschleier, plötzlich zerriß fie Me Sonne. Die magnetisch vou ihr augezoge«, lösten fich die Dünste. Aus Wald und Teichen, vou Flur und Gräben stiegen fie auf, sich im reinen Aether verthellend. Wie Phöbus aus glänzendem Köcher sein Erschoß, so entsandte Me Souue ihre leuchtenden Strahle» weithin iu die «och ungelöste Nebelmaffe. Auf Weg und Steg standeu Strauch u»d Gräser im reizende« Schmuck des Thaoes, der de« Ramd jedes Blättchens mit Perle» sch»rückte. Der Hafer mit seinen goldue» Glöckchen, die bärtige Gerstenähre, jedes hatte seine» leuchtruden Thautropfeu» worin fich die gebrochne» Sonueustrahleu tausendfarbig »irderspiegrlten. .Ein Tag ans dem Laub« verlebt, sagte Frau Remdrand zu ihrem Ma»»e, lehrt die Kinder trotz ihrer Zerstreutheit mehr vou Gott und Natur, als ein Jahr auf der Schulbank." Das fich kuudgebende Leb« tut geschloffenen Ei, das .Liiurmcheu, das unter Hunderte» vou Schafen seine Mutter wie diese au der Stimme ihr Junges erkemtt, die Macht, die jedes Thier zu de« Elemente hiuzieht, das ihm Gedeihe» bringt, es abstößt, wenn es seiner Natur nicht augemeffeu ist, alles das hatte das Kiudrrgemüth berührt und ihre Fragen über jene Wunder konnte» uud werde» nie eine andre Antwort finden als: »Dies alles hat der lieb« Gott geschaffen". Wie diese ersten, ungelösten Fragen des Menscheo, find auch sei»« letzte» vom Kommen u»d Gehen, vom Welt- «fang ond Untergang u»d de« fortrollenden «ade der Ewigkeit. (Fortsetzung folgt.) Der fbttifewitÜiMii «rter Ludwig XIV. Bon L Lazard-1 Um einen Pfefferhasen zurecht zu machen, sagt da» bürgerliche Kochbuch, muß man für'» erste einen Hasen überhaupt haben. Um »Antlsemitismus" zu erregt», bedarf es nicht so vieler Umstände, hat man ja denselben in Ländern erregt» wo es gar keine Juden gab, zu solchen Zeiten, wo ihre Sitten und Bräuche allen msgesammt vollkommen unbekannt waren. Sebastian Eonrart, der erste Gehrimschreiber der französischen Akademie, dessen kluges Schweigen Boileau gelobt hat» veröffentlichte bekanntlich kein Buch während seines «anzrn Lebens, er sammelte tagtäglich und stapelte auf, was in immrr bemerkenswert!) schien, und seine in der Bibliothek »es Arsenals aufbewahrten Sammlungen find eine werchvolle Quelle vou Erkenntuiffen. Man findet darunter eine Anzahl von Stücken über oder vielmehr gegen die Juden. Sie zeugen von wenig Wohlwollen, obwohl «an sie so gut wie gar nicht kannte, da es damals gar keine in Paris gab. Das eine dieser Stücke ist eine lange Satire von 200 schlechten Vers«, gegen einen Juden gerichtetet, dessen Namen mau nicht einmal nevut; hier folgt das beste Stück, es wird nicht *) Ln» tan Asnaixe da« ArohiTes'.Isr. 6660 übersetzt vou ch.La.we. genibe bas beste Zenguiß vou her Begabung de« Verfassers ablege»'): »Ihr Juden da. Erdengeschmeiß» nicht seid ihr geboren «st einer Seele glühend für den Krieg; En« schönste» Thate» und Eure kriegerisch« Leistung« sind Zinsen, ihr frechen Wucherer, hundert für hundert; falsches Zeugniß reden, verrätherisch «ns Schade« zufüg«, oder «ns zu morden, wie es thaten jene Juden, welche die Brunnen vergifteten. Da» sind Eure Beschäftigungen, da» sind Eure Geschosse, Eure Dolche uud Eure Sperre." Man findet in der Sammlung noch ein Sonett, offenbar gegen einen getauften Juden, an dem man seine Habgier und seine» üblen Geruch tadeln» hervorhebt. Wenn man sich zu dieser Zeit wie zu allen-anderen darauf beschränkt hätte, böswillige Berse gegen die Jude« zu veröffentlichen, so würde man sich nicht so sehr darüber haben bellagen müssen, aber man blieb dabei nicht stehen; mau dichtete ihnen Missrthaten und Brrbrrchen an, selbst i« Städten, wo gar keine Juden lebten. Dergleichen ereignete sich im Jahre 1652 zu Pari». Ein Unglücklicher, Namens Bourgeois» wurde im einem Streite von Trödlern erschlagen; bei dieser Gelegenheit veröffentlichte man ein Dutzend Erzählungen, in gebundener und ungebundener Rede, welche all«, mehr oder weniger, di« Juden hierfür verantwortlich maihten. Der Geschichtsschreiber der Pariser Gemeinde Löon Kahn') fragt sich, ob man daraus auf da» sonst wenig wahrscheinliche Vorhandensein einer Pariser Gemeinde schließ« dürfe. Man darf ganz kühn nein sagen; eistlich well Ludwig Xm. sie 1615 vertrieben hatte, wie er glaubte für ewige Zeit«, sodann weil der Name Jude im Volksmunde auf alle Trödler überttagen wir. ohne Rücksicht aus ihre Religion. So heißt es in dem vorzüglich« »Nachschlagebuch für Kaufleute" von Suvarh'): »Man giebt ziemlich oft dm Trödlern in Paris den Namen Judm, sei es, weil das Volk glaubte, daß sie ebm solch« Betrüger wär«, wie die Juden es ehemals war«, als sie in Frankreich am Handel mit alt« Sachen theilnahmrn, sei es, daß man in einig« Famili« dieser Krämer Nachkommen ehemaliger Juden vermuthete, ei« keineswegs so ganz unbegründeter Verdacht, obwohl man in ihrer Gemeinde ebensogute Sacholikeu, wir in irgmd einer andern hatte." Z» gewissen Fällen des Wahnsinn» steht der Kranke iu allen denjenigen, welche sich ihm nähern, Leute, welche darauf ausgehen, ihn zu vkrsolgen; so wittern die judmfrindlich angehaucht« Schriftsteller überall Juden und entdecken solche, wo sie fich gir nicht find«. Genau so behändest «au dm berühmtesten Banquier der Regieruugszeit Ludwig XIV, ein« Mann, welch« chm iu Geldverlegenheit« im spanisch« Erbfolgrkriege unterstützte, Samuel Bernard. Etnch, sicher Zeitgenosse» und mehrere der unsrigm Hab« ihn für etnm Juden verschrieen: iudeß gehört« Bernard einer alt« protestantischen Familie an, echer von deujmige«, welche an der Spitze der Parffer Kirche stand«, und wmn iu dieser Hinsicht irgend welcher Zweifel gehegt wird, so braucht man nur die Einzelheiten in sriaen bürgerlichen Brrhältniffm durchforschen, ausgezogen au« d« Verzeichnissen des Tempels von Egarenton und veröffentlicht im 2. Bande der Ltehklopädir von Lichtenberger. An Bernard» Sette müssen wir ein« zwesten berühmt« Mann nennen, welch« einer seiner Zeitgenossen nichts desto wmiger der Judrnfreundschast verdächtigte, nämlich Moli«re. Eme der schlechtesten aegen ihn gerichtet« Schmähschrift« ist sicherlich der Eiomire, hypooondre de Boot enger de lit ChnloMfcye. Man web, daß Moliöre in dem Eckhause der St.-Honolä- und der Vicilles-Etuvessttaße geboren war; dott fanden sich Trödler, wetcheo man, wie oben gesagt, dm Nam« Judm gab. Mol örrs Vater hatte ei» wmig dieses tollt«, Rede. ') Dir Verse find es wahrhaftig nicht werth, daß «an fl sie in deutschen Versen «trdrrzugeden, deshalb in ungi *) La« Juiia k Paria — Paris Dorischer 1889. •) Vom Jahre 179«. mühen ndener

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