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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 25 (1889) · p. Seite 96

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
25 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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mit »füllte» Weinflaschen «der lohnende £*UctttM|«g(afMabc für Fm mb Dichter -»geschickt mrtca, sie lohate» t§ de» Arber, a^nc die Sage der Lhemi» zu beachten. Ihre Damen blickten auf titellafe Sterbliche hernieder, mir an« olympischer Höhe. Da» von eine« Scann weiblicher Schwäche» empfohlene Mittel für Ehemännn sich Titel z» verschafft», m» die gefnnde Spannkraft ihrer Frauen z» erhalte», bewährt« sich hin glänzend. — So kannte mb benrtheilte man die deatsche Fra» in polnische« Kreisen. . Deutsche Sitte ist bei diesn Nrt Kraue»', meinte dn Doktor, .da« konservativste System; sie sind vorzügliche Hansfranev, Gattinnen md Müttn; aber was hiutn der Schwelle ihre« Hause» liegt, die Welt mit ihre» Zeichen dn Zeit, da» berüh r und intnesfirt sie nicht. »Ich muß meinem Marne darin beiftiwwen,' sagte Fra» Laura »so lieb sie mir in ihrer häu»lichen Thätigkeit sind. Sie shleppen den mühseligste« Wirthschaft»apparat mit sich, wie de Schnecke ihr Hau». Erleichternde, bewährteste Ersahirngtt anderer Frauen sehen sie verachtend und wißtrawsch an. äi» deutsche» Liebltug»ivstiuü ist die .Rumpelkammer', bewacht von eiu-r Art Pietät und kleiulichn Oekouomi« für rntidi uvirnischeu Plrndn jegliche» Fabrikat»; ihr Motto ist: »Jeder Flick kommt dn Wirtschaft im siebenten Jahre zu Gute.' Fröhliche« Lachrn und Beifallklatschen lohnte dn junge» Frau. «Sie selbst aber sprach bald in ernster Stimmmg: »Abei wa» ich von einn Deutschen gelernt, «nd« ich »ie vergessen. Diese war «it ihrem gelehrte» Manne »ach große, «eisen in unserm Städtchen durch Srankhett aafgehalte , atcin Manu behandelte ihn. Eine» Tage» besuchte fie m ch. Dn Psalm, de» ich so gern lese, war aufgeschlagen; sie di ckte in da» Buch und lad laut den Bn»; »Ueber de» ganzen Erdkrei« tönt ihre Saite'. .Ich deute mir diese» vn», sagte sie, al» die Lehre von rer Weltharmonie. Meist findet der einfache Raturmenft; nicht da» Wort zu« Ausdruck seine» innern ihm selbst unkla, eu Wesen», abn Töne — fie erleichtern ihm da» Herz. Die Musik eine» Volke» ist die instinktive Sundgebung seiun Seel,. I» allen Volksliedern tönt die Sehnsucht nach einem vollkommnn'A Zustande al» dem gegenwärtigen. Diese Töne bilden de» «iesenakkord dn Weltharmonie, dn trotz dn verschieb :ne« Form, je »ach dn Entwicklung dn Geistesbildung rin uiehr oder wenign nhabun, mehr odn weuign bewußtn Hilfe ms ist au de» Eine», dn da» Meuschrnhnz geschaffen »nd sein Ringen md Hoffm vnsteht.' Line Art sinnender Stimmmg beherrschte die Zuhörn, die Dr. «ewbrand unterbrach. .Diese Art zu denken und zu fahle» ist da» Wahrzeichen dn gebildeten deutsche» Frau. Mild« Weiblichkett, stille Tugend durch Bildung entwickelt, ersetze» jede fehlende glänzende Eigenschaft.' »Glaub«. Liebe. Hoffnrng I Hatn diesem Zeichen bleibt fi« :utfn allen Verhältnisse», die veredelnde, erhaltende Hüterin de» Familienleben«', sagte die Doftortu. »Die Aä»,ende«, liebe»«würdtge» Gabe» dn Frauen andern Nationen fehlen ihr meisten», selten gleicht fie den Polinnen in dne» einfachen md doch so edle» Grazie, ihrem euthustaftisch«» Heldenmuthe und ihrem opferfreudige» SeU fl vergessen große» allgemeine» Jutneffen gegenübn.' »Ich ehre dtt hohe edle «etbltchkett dn deutsche» Fra«,' sprach Arthur, »abn wo ich deatsche» Dame» im Salon degegnete, fiele» fie durch de» Mangel gesellschaftlicher Tale at« aas.' .Ach, »ic oft vermisse ich dtt Liebenswürdigkeit dn polnischen Gesellschaft in ihrn natürliche» vornehmhett, dt« «eh, al« jene Förmlichkeit dn deutsche», dtt Grenze» de» Anstandes md nlanbttr Amäherang mtt holdn Aumuth rnwnsen.' »Meine gelttbtt Polenfreundi»,' rief dtt Gräfin die Preisend« mtt dn uuuachahmlichea Zärtlichkeit dn Polinnen m sich ziehend, »Du bist Polin bi» «n» Herz hinein'. .«agn «tt mtt stet» Du.' bat dtt vnwöhnte kindlich, .«» klingt fn zatranlich, so heimisch.' .Hoffntlich findet sich Jeder bei na» heimisch, der in aaftrm Kreise ausgenommen ist.' sogtt fterndlich dtt Gräfin. »Hin begegnet man wedn dem Adel stolz, trotz der Pietät für dtt Ahne», »och Stand«»nulerschied andern Art. »och weuign dem nnerttägliche» Geldstolze,' sprach srenudlich dn Doktor. .Zugegeben!' fiel Arthur ein. .«bn ei» Dentschn sagte mtt bet einer ähnlichen Bemerkung, daß wir «eldstol, nicht kernen, »bn auch nicht den Wnth de» Geld«»!' .Liebe» Kind, vergiß nicht, durch »elche edtt Geaohwheit rn» diesn leider oft gerechte Borwurf trifft. Wtt hörte» oft dtt vätn sage«: .Dn «eichthum hat nur da» Gate, daß n dtt Möglichkeit gewährt, etwa» zu opfnu. n dient dn Verbannung zum Piedestal.' .Gnädige Frau' sagte dn Doktor freimüthig, .rnsne Fehln entspringe« «st au« rnsere» Tugenden. Diesn Edelmulh, diese Opfnfteudigkeit für allgemeine Zwecke, diese «utmüthigkeit. mit dn dn Pole giebt, so lauge er hat. da» heißt so lange n Credit hat. diese herrlichen Eigenschaften machen ibu gar oft zum schlechten Ftnauzin. Boa ettrn Seite Suausnei. von dn mdrreu vnschweuduug au» Mangel au Geschäfttkeuotuiß; Berpfäudmg der Ehre und Wortbrüchigkett find leider oft da» Gegengewicht jeun erhabene» Tagenden.' .Letdn haben Sie in den «eisten Fälle» recht, ltebn Fremd. Auf Mauchen untn «u» paßt, wa» man von Sosciusko sagt: .Ein Kind konnte ihn lieben, und n starb al» ein Kind.' .Sind seine Fehler dtt eine« Einzelnen odn die dn ganzen Natttu?' ftagte die Gräfin. »Ich fürchte da» Letztere' sagte Arthur seufzend. .Dtt Ideale unseres Leben» find Kirche und vatnlaudslttbe, fie haben uns nicht Raum noch Zett gettffen für da» Erkennen der Seschäfttpraxi»; fie find der Augelprnkt rnsne» Dasein». Beide schaffen Mäunn zu Helden, — Schwächlttge abn zn Träumer», Uctheittlosen und für da» praktisch« Lebe» Unfähigen.' .Abn ewig bleibt «» wahr,' unterbrach dtt Doktorin da» ihr zu ernste Gespräch, .dtt Polinnen find bezaubernd md di« Polen ritterlich und edel. Wie oft, lttbn Mam, schwärmst Du von dn köstlichen Naivetät, dtt alle» PolnisG« kennzeichnet l von den Landlenteu dtt zur elegante» Gesellschaft; von der ritterliche» Galanter tt und de« echte» Heldenmnth; von dn voU«mettdtt btt hinauf zu den Schvpsnagr» ihrn Künstln tu Mufik md Lttnatur; übnall herrscht jener frische, ländlich« Hauch und die Schönheit un^drochener Herzenskraft. Selbst den Mangel a» Gründlichkeit, de» man oft bei Polen findet, «tt Du «einst, vngißt «au neben ihrn angeborenen Grazie, Lebhafttgkeit und Toleranz. So spricht mein Man» von ihnen md hin tadett n so viel, da» ist Unrecht.' .Beruhigen Stt fich, verrhrtt Fra«,' sagte Arthur, indem er dn Angeredeteu die Hand küßte. .Wtt Männer trerneu dtt Sache von dn Person. Unsneiu» nennt dtt» nicht Unrecht, sondern Lustausch dn Medimge».' .Erlauben Sir mir, daß ich att Arzt dt« Tafel anfheb« md Vorschlag«, zur Ruh« zu gehen, namenütch für Sie, gnädige Frau, ist e» hohe Zeit, »ach dr» vttldewegteu Tag«.' .Mm «uß Ihnen gehorchen. Sie bösn Mam, bn mtt seine keine Fra« tadelt, dtt uu» so ltebnttwürdtg nattrhatten hat.' meinte die Gräfin, dtt jrnge Fra» «marmeud. .Bitte, bitte Frau Gräfin, nehmen Stt fich wetun an. Abn damit er nicht weitn schelte, gehe ich, md sag« Ihne» meine» besten Drnt für den so schön vnledtm Tag. E» maß geschieden fett, mein Tyrrnn will morgen sehr früh abretseu. Ich ritt, den» n «acht fich gern Afftig übn de» Frauenabschied rn der Treppe, dn mrnchmal, wie n meint» länger att dn Besuch dauert. .Mag dn Herr Doktor sage» «a» n will, daß Sir l’esprit 4 l’Moauer habe», wird er Ihnen nicht vor werfe».

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