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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 24 (1889) · p. Seite 93

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
24 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 93 (sequence 3)
Language
German
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früher« Zetten begrübe «an di« Ersehnten. Lrthnr nahm die Kinder cm» dem Wagen und trug sie auf seinen Armen zur Gräfin, die Kleineu küßten und herzten unbefangen die .liebe Tante". Dann führte Arthur sie in den Obstgarten, wo herrlicher Wein und Pfirsiche, blauangehauchte Pflaumen und aride«» falber.reichet, saftige» Obst an Epilieren hing. Sie durften ihre Körbchen mtt selbstgrpflückten Obst füllen, nur zu« Genießen defielben warteten sie auf Arthur» Er» laubniß. Ein Körbchen Pflaume», die Liebling«frucht de» Vater», boten sie sich für Papa besonder» au». Der Gärtner füllte Obstschalen, zierlich mit Weinlaub geschmückt, mit den »chönsteu Früchten, die er in» Zimmer trug, und mit ihm kamen die Kinder, ihre Körbchen den Ellern zu überreichen. Dann waren sie in den Gäugen de» Parke» verschwunden, bi» sie Marianno, der die Kinder an» vertraut wurden, auffand und mtt sich nahm. Eie zeigte ihne» den Geflügelhof und Schafftoll, wo sie allerlei Kurz» weil trieben. Die Frauen hatten einander viel mitzuthrilen. So manche» Jahr war dahin, seitdem sie einander nicht gesehen. Manche» war gewonnen, aber auch unwiederbringlich verloren worden in dieser Zrttl .Unser Erntefest wird heut« nicht so gefriert wie da«al», al» meine Kinder lebten", sagte die Gräfin bewegt." Aber <» ist da» erst« und — vielleicht da« letzte, da» unsere Leute mtt un» feiern. Sie mindesten» solle« froh sein, nach der schwere« Erntezeit! Kommen Sie. Frau Doctorin, sehen Sie, «a» Arthur in der kurzen Zett unsrer Heimkehr geschaffen!" Sie gingen durch die Gehöfte, wo man an Wirthschaft»- gebäuden und Inventar erkannte, daß Umsicht und Verstand hier geordnet und geschaffen. Di« Sonne stand im Westen in feuriger Loh«, die langgestreckte« Wolken mtt jenen gesättigte« Farben beleuchtend, wie sie nur der Herbst zu mischen versteht. Feurige» Roth ging allmählich in reiche» Violett über: goldgeränderte Wölkchen und all die unsagbaren Schattirungen, von Lust und Licht gebildet» über gossen Baum und Strauch. Der Karpfenteich unweit de« Schlosse» erschien wie flüssige» Gold und auf demselben in grüner von der Sonn« umfloffener Gondel saß Marianna mit den Kindern, die in ihren weiße» Kleidchen steudesttahlend, lieblichen Genie« glichen. Sie plätscherten mit den Händen in der purpurnen Fluth und wenn die leuchtenden Tropfen von ihren Fingern niederfielen, meinte man kleine Rubine» fallen zu sehen. Der Kahn landete, al» die Damen dem Teich nahe warm und jubelnd erzählten di« Kinder, wie fi« dm Karpfen Brot in» Waffer geworfen uud diese danach geschnappt. Dr. Rembrand und Archur kamen vom Felde, wo die letzten Garbm aufgeladm wurdm, mit der Nachricht, daß die Schnttter bald ankämen. Kau« war man auf der großm .Freitreppe angrlangt, al» der letzte Lmtevagen durch da» hohe tzosthor hineinschwanlle. Sense» und Sicheln blitzt«, von de» Sonnmstrahlm getroffen, aus dm Echultem der Schnitter und Schnitterinnen. All« Feldgeräthr uud ihre Träger warm mtt Aehrm bekränzt, Kornblumen und rother Mohn prangte überall; tumultuarffcher Jubel tönst und vergeffm war Sonnmgluth und Müh« der Grntezeit. jetzt war alle» Erdmlust und Enttesegm. Oden aus de« hochbeladmm Getreidewagm saß der Großlnech», mbm sich einen mächttgm Kranz von Feldblumen und goldigen Aehrm in der letztm Garbe. Seine Prttsche knallte tn der rrinm Last, er schwmkte, von dem Vivat der Arbeiter begleitet, geschickt den beladmm Wagen in da» Schmnmthor. Zu dm Herrschaft« tratm jetzt juzrudfrische väueriunm -in ihrem schönsten Sonntogtschmuck. Auf eine mtt Blnmm und Aehrm umwuudmm Harke gestützt, staub eine der Bäuerinnm ihr Emtelied singmd, dessen Refrai» von de» da» Gehöfte füllmdm Chor .lustig »iedrrhallte. Einige Mädchm ttngm dm riestgm Ernlekranz zu dm Füßm der Herrschaft, ihr Lied singend: Auf de« wette» Feld« Vogte» golVne Arhren, Rem »nt ohne ttnrraut Sich di« Körner »»ehren. Schnitte» sie mit Sichel», Banden fi, in Garbe» Und di« Stoppeln bleiche» Schote» blüh'» i» Farben. Kräftig erklang hierauf Heda l Ihr Herr Oekouome Sieb ua» Scknap» und Bier. Epmbel, veß und Geige Spielet un«, Ihr Jad-a hier Hedal Drama Dann» Otzcztzz»» kochana. Uaf're Sichel »ahm diel Aehrr»; Und der Pflaq im Feld, Betagt de« Hncreu seine Kleider Diener, vei» und Süd. Hedal rc. Setze» mager au« |it Lisch« — I Schnell ein Göhchcn Herl — Btt «ufik u»d unser» Lieder» Lrlntea »Ir «» leer. H?dal k. da» Lied der Burschm: Heil Ihr Mid che«, htt Ihr Barschen Arbeit »hu» mir gern; Niemand deute a» da» Elend Btt de« gute» Herrn. Hedal it. Mädchen tau»' mit mir den Masur »leb Dtt» Patschchen, giebl Jude sp el un» de» Skrzhninkil Schätzchen, Hab' Dich lieb! Hedal ic. Und wa» Euer Laad Euch bttugtt, Herrschast l Schaut de» Kranz. Uad sür unsre saure Arbeit Staat un» Spiel uud Tanz. Hedal tc. Jktzt spielte da» jüdische Musikdreiblatt, •) da» bei keinem ländlichm Feste fehlen durfte, den Marsch: .E» lebe unser Ko»ciu«ko". Der blind« Arja mit seiner Eymbel, der vier« schrötiae Bassist Asek uad der Violinist Eham an der Spitze der Menge, geleiteten diese nach dem Kruge, wo auf Kostm der Herrschaft ein fröhliche» Lebm begann. .Willen Sir noch, liebe Frmade, wie meine Tochter da» Et niesest feiert«? Sie ließ e» sich nicht nehmen, die Leute selbst zu bewirthen!" .E» war damal» ein frohe» Fest! Die Gestndestube war zum Tanzsaale umgewandelt, Fra« Wanda tanzte den erstm Tanz mit dem Inspektor und alle Ihre Gäste mit dm Bauern und Bäuerinnm", ergänzte Dr. Rembrand. Al» Frau Laura von der Polonaise sprach, die damal» von Herren «ad Damen in Ratioaalkostüm aufgeführt wurde, schien sie ganz in jene Zeit versetzt. .Nicht» Schönere» kann ich mir al» Tanz denken. — Diese herrlichen Männrrgestalten, die in Gang und Haltung Adel und feine Aufmerksamkett zu verbindm wissm, ihr au»druck«volle» Gesicht mit dem wohlgehaltmm Schnurrbart und dem männlichm Frohsinn, dir Art. wie sie ihre aamuth«. volle Dame zu führm verstehen, ihr Blick voll Stolz und Ergebenheit, der dea Werth dieser Leitung anerkannt l Man muß die Polonaise so ausgeführt sehen, um zu begreifm, welche reiche uad graziöse Mimik darin mthattea ist." Jedm Polen erfreut die Anerkennung seiner vortheil» hasten Rationaleigmthümlichkeitm, so war r» auch hier. Die Kinder kamen an, ermüdet vom Umherirren, fie wurdm von der Mutter zur Ruhe gebracht. Da sie von den verschiedmm Gmüffm de» Tage» sehr erregt warm, dauerte e» noch lange, ehe sie die munterm Augm schlossm, obgleich sie gebetet: .Meine Auam fallm zu!" Sie ließen die Mutter nicht von dea Bettchen, uud erzählten einander überstürzmd, von dm Täubchm, die von ihrer Mutter ihr Essen au» dem Schnabel bekommm, von dm Lämmchen, die ihre Mutter au der Stimme erkmam uud diese auch ihr Kdrdchm, und die» uiemal» eine ander« Mutter will uud zur ihrigen geht, um MUch zu triukm. .Alle haben ihre Mutter so lttb. Mamachm, wie wtt Dich!" sagst Hanna, Bertha tächette die Mutter an uud drückte uad herzte sie. Diese machte nun m'-lich Emst. Sie küßte jede» auf die Sttm, löschte da» Licht, und bald schmiegtm sich die feinen, müdm Glieder au da» bequeme Lager. (Fortsetzung folgt.) , *) Jude» find noch heut« i» Pole» di« einzigen Dorfmusikamen. Ic ziehe» Mn Ort »nd Dtt, von Litthauen bi» über di« Grenze, ux» lole» wohnen — stet» gern gesehen« Gäste.

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