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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 24 (1889) · p. Seite 92

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
24 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 92 (sequence 2)
Language
German
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~■>'.'yvTr **.«■; — SS — ' *»■ da» LSort von dm Lippm bannte. — da» Wort, welche» itm dm ungeahntm Reichthum. der ihm gehörte und ihn hätte beglück« können, für immer »«erschloß. «kr pflegte sein gewounme» Glück. Er bildete da» reiche, einfache. lebmSvolle Weib so. daß Niemand ahom konnte, daß i,r Schulbildung fehle. In chrm Mädchmjahren fand man keine für Mädchen de« Lörgrrstande«. Je harmonischer eine Natur ist. desto schtverrr kann man brstiwmm, wie viel ihr von außen zugetragrn wird und wie viel sie au» sich selbst geschaffen. Sir tmg in da» alltägliche Leb« hinein, wa» die Ideale ihrer rdlm Natur sie gelehrt, sie sah im Gewöhnlich«, Alltäglich« mehr al» der trockene Verstände»« mensch, der sich einbildrt, praktisch zu sein und demnach dm schönern Theil de« Dasein» verliert. .Diese Praktiker,'' sagte sie oft, »sehm dm Wald vor lauter Bäumen nicht. Der kalte Verstand ist dm» Lebm gegenüber doch gar oft rin arger Stümper." »Lieber Mann," sagte Laura, al» der Toetor zur fest» gesetztm Stunde pünktlich wie immer aufbrach, um in seine Prox » zu gehw, .ist Dir Esther'» veränderte» Wesm nicht ausgefallen? Gerson fft auch ein solcher Praktiker, ich fürchte, er verrechnet sich bei seinem Wunsche, dir Tochter mit Arno zu vereinigen. Die Beiden sehen durchaus nicht au» rote glücklich Liebende. Da» Lebm läßt sich nicht auSrechren »oie ein Exempel, wir ist, al» stimmte diesmal da» von Gerftn berechnete nicht." .Etwa» bedrückt die« sonst so hcitere Gewüth," antwo»tete der Angerrdete, .aber Du weißt mein Kind, ich Hab« Spiroza'S Wahlspruch auch zu dem weinigen gemacht: .Nicht loben, nickt tadeln, sondem begreifen lcrnm sollen wir." Ich werde versuchen, die Ursache ihrer Veränderung zu ergründen, ehe ich mit Gerson darüber spreche." .ES ist mir leid, da» liebe Mädchen io sellm zu sehm, aber sie ist im Geschäfte der Eltern unmtbebrlich und ich unser» Kleinen. Grüße sie von mir, wenn Du sie siehst," sagte Laura. Zärtlich küßte er seine lieb« Frau, nahm Hut und Stock und mit gutem Muth, rin Gebet um Gotte« Beistand im Herzen, begann er sii» beschwerliche», ihm heiligr» Tage- »verk. Wo Armuth und Roth, do't suchte er seine Kranken zuerst auf, die schon bei seinem Erschrinm Trost und Hoffnung empfanden. Mancher von dies« fand unter fernem Kopf!issrn eine wohlthättge Spende, al» der .Goitgesegnete", wie sie ihn nanotm, längst in andere halbversunkenr Häuser Trost und oft anch Hülfe brachte. Frau Rembrand regte sich stisch i« Hause, e» gedieh Alle» unter ihren geschickt« Händen und al» fie die lieben Lindci umfing, dachte sie daran, daß ihr Hau» ein gesegnete» sei. Acht Tage warm vergangen nach diese« Morgen, al» eine Einladung zum Erntefest für di« Doctorfamilie und die Gersonsqe au« Sarnowice onkam. Gerson dankt« im Namen feiner Familie, da er zur Messe reism mußte und die Sttnizer dadurch unmtbehrlich im Hause seien. Der Doctor nahir dir Einladung an, dm ander« Tag sollt« die Gäste abgelwlt rverdm. Dm Kinde« war die» stohe Botschaft. Zu kLante Wiuiawtka müsahrrn; zu dieser Tante, dir sie au« der Beschreibung der Mutter kannten und an deren Ramm sie Alle» knüpft«, toa» brgehrmtwnth auf Erdm toar. Wa» konnte schöner sein! Nachmittag aber sah e» im Studirzimmer de» Vater» schr problematisch au». Hanna stäubte mich wichtiger Mime den Bücherschrank au», al» die Mutter mit komisch-ernstem Gesichte rintrat, Bertha an der Hand. »Sieh' nur, Baterchm, wa» wieder Brtha angerichtet hat, sie darf nun nicht mltfahrm, nicht wahr?" Dir Angeklagte stand ganz vrmichtet da in dem Bewußtsein ihre» Unrecht», ein Bild de» lächerlichsten Jammer». Sie hatte dm Frist» kämm der Mutter in ihr krause» Haar über der Stirn so verwickelt, daß an der Lösung diese» Wirrwarr» die Künste de» grschicktrstm Frismr» geschrttert wären. Wahrscheinlich hatte ihr Justiukt ihr da» einzige Mitttt eingeaebm, nämlich da« Haar abzuschneidm. Leider kam die Mutter zu früh, der Kamm hing «och an der andern Hälfte quer über da» Gesicht. So stand die Weiamd« da, da» Schürzchen vor dm Augen. Al» Hanno die grausame Frage der Mutter weg« de» Zuhausebletben» Hütte, stürzt« sie zu ihr» da» schmerzbewegte Gesichtchm in ihr« Rockfaltm bergend; sie schluchzte so laut, daß der stillvrrhaltme Schmerz der Berbrecheri« sich löste und beide ein tramige» Hrulduett auffühttm. Um nun der Aufregung eia Ende zu mach«, entschied der Vater: .Weil Hanna mir so schön beim Räumm geholfm, soll Bertha chr zu Lieb« mitgmommm werdw." Mit jener bmttdmSwrtthm Elastizität de» Kiudergemüthr» verwandelt« sich die Jammer» in Frmdmthränm. Händeküffm bei Vater und Mutter und da» Versprechen .nie» nie wieder uugezogm zu sein" waren vollzog« und jauchzmd ranntm sie au» der Thür. .Wie sie verschieden sind," sagte dir Vater. .Hanna hat hier Fragen an mich grttchttt über Gott, über Leben und Sterben, die wir bi» an da« Grab mit aller unsrer Wei«heit nicht zu beantwottm vkrmögw. Wie rührmd und bewunderungswürdig sind diese so kindlich auögesprochmm Fragen I Woher kommm sie in da» Gehim ttne» Kinde»?" »Bei Bkttha äußert sich der leichte Sinn, sie kommt nie in rin rmste», soll ich e» Denken nenn«, wie e» sich bei Hanna zeigt. Ihr praktischer, klarer Sinn sichert chr, wie ich hoffe, rin thatkrästige» gedeihliche» Leb« in jedem Verhältnisse. Aber in der Liebe zu einander sind st« sich gleich und ihre Gegensätze sind ganz wohlthumd. Du weißt, TrcibhauSpflanzen soll« unsere Kiodtr nie werdm," sprach die kluge Mutter. .Deine Att sie im Still« zu beobacht« und zu leitm, sichett sie vor jedem Abweichm de» Natürlich«. Du wehrst nur dem Wuchern de» Unkrautes und die schvue Pflanze hat Freihrtt, sich zu mtwickeln," sagte zärtlich der dankbare Mann. Er schte sich an sein« Schreibtisch und sie nahm ihr Klöppelkifsm, um die letzten Araber kea an den gefertigt« Spitz« zu vollmdm. Der Dottor liebte e», btt seiner Arbttt Laura in seinem Zimmer zu sehm. Sie «attemte sich jetzt mit der fertigm Arbeit, e» war Zttt, die Kinder zu baden und sie «ach ihrem Glase Milch und Brötchen zur Ruhe zu bttngm. Diese frühztttigr Schlafm«zrtt kam ihn« diesmal besonder» zu gute, dmu sie erwacht« Morgen» früher al» gewöhnlich. Der verbttßu«g»volle Tag, von dem sie gestern, bi« sie die Augen schloss«, geplaudett, war da und ließ ihnen keine Ruhe. Sie schlich« mtt ihrer Röckch« aus dem Arme lttse au» de« Schlafzimmer der Eltern nach der Kindecstub« und niemal» hatte Bertha so geduldig Schwamm und Bürste «trag«, al« heute, wo sogar die Scheere der kinderftau fie ebm nicht angmehm berührte, al» fie da» Haar an der Stirn auäzugleich« versuchte, wie «» die gestrige Frisur näthig machte. Jede» Wagmgeraflel, jeder Peitschenwall lockte die klemm au da» Fmster, trotzdem sie von der Mutter darauf vorbereittt war«, erst Mittag» zu fahren. Da» Frühstück war hmte Nebensache die Spitte macht« sie ungeduldig, sie aß« ihr Obst, da» ihre Liebling»- kost war, mtt Zerstreutheit, und da» Mittag war heute für sie gamicht nüthig, sie sttm ganz satt, mttntm sie, aber dmnoch verzehrt« sie ihre Porno» mit gute« Appetit. Endlich hört« sie dm ttchtigm Peitschenknall und ersehnte Equipage hmt vor de« Hause. Bald war mr.a reiseferüg und al# man wirklich fuBr, war der Weg durch Frag« der Kinder verkürzt, worauf sie keine Anvott beausprucht« und von Aotwottm, di« sie ungefragt gab«. Die Welt glückseliger Kinderlust umfing sie ganz, sie, die Alle» schafft, wa» da» Himmelrttch auf Erdm gmaunt werdm kann: da» volle, nubeschräukte Gmieß« der glücklichen Gegmwart, die unbewußte und doch ganz rrfüllmde Frmd« am Dasttn. Man war an Ott und Stelle, ehe mau e» erwatttte. Mtt Juuigkett und unveränderter Zuneigung

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