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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 24 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
24 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Herau«gegrben von Dr. M. Nuhmer in Magdeburg. Zar Katnhaltaua. Kelehraag flr hie israelitische jamlie. HerzeuSadel. Eine kujawische ErzShluag au» dem Anfänge unsere» Jahrhundert«. Bon Johanna. — Lerherrlichung J»rael» » durch Abbb Laeordair«, r^rvducitt durch Abbü Krömont. — Allerlei für de» Familientisch. — Au» dem Epruchschatz de» Talmud. ,JU^UU» Poetisch übertragen von Max Weinberg. — RSthselausgaben und Rüthsellösunqrn. (UnbesAgter Nachdruck au» diese» Blatte untersagt.» Her-e«Savel. Line kujawisch« Erzählung au» de« Anfänge unsere» Jahrhundert». Bon Johanna. 18j - Zwölfte» Kapitel. Al» Dr. Rembrand zu Hause ankam, hatte er kaum Zrit, Weib und Kind zu begrüße», da »ehrere Kranke schon stundenlang seiner geharrt. Wir sehen ihn am andern Morgen in seiner einfachen, freundlichen Wohnung. Durch die geöffneten Fenster fällt Heller Sonnenschein und frische Morgenluft weht den Duft einer nahe am Hause befindlichen Linde, in besser» Blücher» Bienen summen, in da» Zimmer. E» war einer jener herrlichen Herbsttage, an welchem die Sonne den Erdeukmdera noch einen warmen Abschiedsgruß sendet. Auf Blumenbrettern stehen hinter blendend weißen Mullgardiurn reichblühende, duftend« Levkoien, Rosen, seurig» rothe Nelken, Hortense» und blühende Eacte. Man merkt e» den Blumen an, daß eine pflegende, kundige Hand für sie sorgt, ihre Freundin, Frau Laura, wie sie e» für Alle» thut, wa» ihrer Obhut anvertraut wird. Sie hatte die köstliche Tugend, in den Schranken ihre» Berufe» zu verharren und dort ihre besten Eigenschaften zu verwertheu. Bei aller »Treue im Kleinen' schlug ihr edle» Herz i» Theiluahme sfür Andrer Leid und Freud', uud mit weiblichem Zartstun fand sie Mittel uud Wege, hilfteich zu wirken. Ost sagte chr Gersou, wenn er sie io thätiger Liebe für Hülf»brdürstige schaffen und sorgen sah: »Frau Doktorin, legen Sie Ihren Gefühlen einen Zaum aal" — »Mein Wille ist so viel mehr al» mein Thun,' antwortete sie dann freundlich, »daß die» schon ganz gezähmt und gezäumt hinter jenen eiuhertrabt — e» ist nicht zum Durchgeh«», Freundchen l" Ihrem Manne war uebeu ihr da» liebe Heim der schönste Rohepuukt der Welt, und wie er heute neben ihr saß, dir beiden Töchtrrchen» Hanna und Bertha auf seinen Knieen, lag Alle» draußen hruter ihm; er war so glückselig wie ein kiud, da» den Augenblick ganz und voll genieß». Der Kaffeetisch war gedeckt, Blumeuduft erfüllte da» Zimmer, Me» war frisch und blank, die Frau, die Kinder uud die Dinge ringsumher. Rach dem Frühstücke bestürmten die Klriuen den Bater, choeu auf seiner Flöte ihr Liebling», lied vorzublasen, uud die Mutter, daß sie dazu stnaea möchte. E» war da» damals populäre Liedchen, welche» französische Soldaten häufig in ihren Quartieren sangen, al» Napoleon- Stern im höchsten Glanze prangte: ' »Napoleon sein Sohn »War König in Nom; »Ar ist noch sa Nein — »So soll er ja sein." Dreimal mußte der Bater diese Melodie blase«, die im Chor begleicht wurde. Dan« sollte die Mutter von diesem Kuiser Napoleon erzähle», wa» die Kinder schon hundertmal gekört. Diese hatte den Kaiser wirtlich in ihrer Vaterstadt gesehen, »mgebeu von seine« Offizierru, als er dort de» llebergaog über die Weichsel ««»führte. Di« achtjährige Hanna mit ihrer reichen Phantasie wollte immer wieder hören, wir ein Kaiser a«»sehe> wenn sie auch schon gehört, daß Napoleon damal» keinen Kaisrrmantel und tiinr Krone getragen, sondern einm dunkelgrünen Rock wie Papa'», und ein lleioe» Hütchen und Me so fteuadltch angrschout, al» erwarte er von Jemandem angesprochen zu werde». »Aber der Ander: war schön," sagte Hanna, »wie hieß er nur?" »Mürat, mein Kind. Ja der hatte eine goldgestickte Uniform und prächtige Orden und einen Generalhut mit herrlichen Federn; dieser Held war schön, viel größer al» der Kaiser!" Ein Stückchen von dem goldnrn Pferdegeschirr der kaiserlichen Equipage besaß die Mutier, eine kleine Gold« treffe, die bei dem Vorübeifahrrn an ihrem Elternhause abgerissen war. Die Goldtresse war in der Phantasiej^der Kinder da» Fundament zu einem Goldpalast, der bi» in die Wolken reichte. Dr. Rembrand blieS während dieser Unterhaltung auf seiner Flöte weiter, daö einfachste Lied, aber wohl dem, der e» au» vollstem Herzen gedichtet. ES paßte gut zu der sanften, altmodischen Melodie: »Guter Mond, Du gehst so fülle", und noch mehr zu de» Doktor» Heim. »Siuge, liebe Laura," sagte er bittend. Sie sang mit Innigkeit und Wohllaut da» für die heutige Zeit zu sentimentale Lied: Ar« und klein ist meine Hütte Aber Nah' und Ctnigfcit Lohnt in ihr; aus jedem Schritte Folget di« Zusricdenhet». Loh' die Lieb« in ihr wohnen, Die un» Noseutränze flicht. O Geschick I ich taufa’ um »tonen Mit dem reichsten Fürsten nicht. «enn «ein »eibchen mir am Herzen Heiler wie ein Engel liegt. Bald mit Scherzen, bald mit »üffen Sich tu «einen Armen wiegt. Wenn di« Silberqmlle rauschet Bor der kleine» Hütteathür Und der Mond un» dann belauschet: Gatt, o Gott, wie danl' ich Dir! Die Sinder klatschten Beifall, küßten die Eltern, und hinan» ginz e» in den kleiuen Garten, wo sie ihre Beetchen begießen wollten. Al» die Eltern allein waren, theilie Dr. Rembrand seiner Frau die Erlebaiffe seiner gesirigen Reise mit. E» war ihm Bedürfaiß, seine Gedanken mit ihr au»zutauschen. Er meint«, ehrende» Vertrauen de» Manne» zu seiner Frau wecke da» ihrige, Werchschätzung. die er ihr erweise, stärke ihr Selbstvertrauen und wäre der beste Boden zur Entwicklung ihrer natürlichen Begabung. Sein Stand ließ ihn die Menscheu tu Augenblick.n sehen und erkennen, wo die Geheimniffe de» Seelenleben» sich unwillkürlich, oft unbewußt enthüllte». So hotte er r» erlebt, daß manche Frau ihre edelste» Fähigkeiten in sich verschloß, wo der Manu durch Maagel an Zutrauen, durch herrische« Wesen dem Wöbe

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