Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 22 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 2)
- Language
- German
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Ar«! Man Sie ^«te». daß, »» eim« Einzckn» will». stch M Weltgesetz tjtott? (ft «cRattct »och irtaer Seite hin chw tkfertnfe,,. Die («rniNk „fern Stifte ist s» mtnketbat geregelt, daß jede übmtrftdeM vemchim« einer derselbe, jene Harmmi« i» Diöbarmmft Mer A»M»ng unsere« Organ i«»u« herbeiführt. Ser die« »it Bewußtsein vers duldet, der ist der wahre Sünder geg» de» heilige« Seist in un«, da« ist die schwerste Sünde, di« der Mmsch « sich selbst und Lodere» begeht. Die Natur ist uuerbittlich ta ihren Eonseqnmz». Aöketik wie Wollust bestrafe, fich unfehlbar.' „Dann Hab«, unsere Märtyrer gesündigt» meine» Tie?" und eri schwärmerischer, fast faustischer Blick traf den Daelar. .Für die Wahrheit zu leiden uud zu sterben, ist meuscheu» würdig; uur darf ewig« Wahrheit nicht mit dem Wahne Efttzeluer verwechselt werde». Dieser bringt de« Meuscheu Verfinsterung. jene ist ihre Leuchte: ihr Martyrium ist «' nkennen«wrrth, jeue« höchst bedaueruswrrth. Gnädige Frau» ich erleuor nur eine Art von Märtyrrru au: (ft find Die» jeuigen, »elche gelitten und «och leide» für die großen Idee« der Menschheit. Wa« Sokrate« bei seinem Kistbecher. Jesu« am Kreuze, Mase« in der Wüste uud Salllöi auf der Folter bekannten, ist immer da« Eine: sie alle erstrebte» die Bered luux der Menschheit i« Allgemeinen uud hielten die wahr» hast allein seligmachende Kirche jedem zugänglich durch Freiheit de« Gedanken«. Freie Entwickelung jeder persönlich» Begabung znm allgemeinen Wohle, Ausklärvng um Aberglauben uud Unwifseuheit durch klare« Denken zu verdränge»; die« haben außer jenen große», «erkaunteu Märtyrern «och viele Unbekannte »nd Ungenannte erstrebt. >lle anderu Arten von Märtyrer« fiud Schwärmer uud um so gefährlicher, je «ehr sie wirken." Die Sräst» blickte dm Enthusiasten, wie sie ihn innerlich nannte, beinahe mitleidig an. „Jene Schwärmerei." fuhr er fort, ohne fich »on diesen Blick«, beirr» zu laffm, »schafft die Kirche, nicht die Religion, diese hold«, milde Trösterin der Menschhest; Fana» ti«w««, Herrschsucht und viele irdische Schwäch» hob» schwürmerische, hingebende uud uuselbstäudige Natur» gewiß oraucht für ihr» Zweck. Nur echte Religiosität ist ei» mächtige« Erzfthuuggmittel der Menschheit, den» fie ist r«, die de« mmschlichm Wiffm die weihe gftbt." Di« uachdmkend« Zuhörerio spielte an ihre« goldu» Krmze, da« fie an ihre» Halse trug. .Mir kommt da« Heil oo« dem Sesteuzigteo," sagt« fie heiter und mild, .wöge auch Sie sein Snadmblick er» taufet» I" Dem Dartor war e« erwünscht, al« Tomaffek wst zwei brmrmdm Lichtem eintrat, andmtend, daß er bereit fei» dm Herrn nach seine« Schlafzimmer zu geleite». .Tomaffek ist verständige al« tch," sagte Dr. Rem» braut, „er «innert »ich, daß für Sie, gnädige Frau, SchlafmSzeit ist, Ihre Peudule zeigt Mitternacht. Met, Prinzip. Sie zur Ruhe zu mahn», habe ich hmte freventlich übertreten." „Lieb« Herr Dottor. Sie kenn u meine Gewohnheit, ich gch« nie früh« zu Bett, aber Jhueu ist di« «nhe nöthig. Gute Nacht!' rief sie de» fich empfehlmdm Doctor zu, chm die Hand reichend. Die Sräst» war tolermtt und nachfichttg für mmfchlich« Schnächm. Sie bedauerte die Ungläubige» uud Süuder. die ter Hölle verfall» »arm. uud hoffte für fich durch ihr echt katholische« Leb» himmlisch» Lohn. Unbewußt verschloß sie ihre heilig» Gefühle „dm Unheiligen", wie fie ihr erschienen, so ganz, daß fie äußere« Elmd, wo fie uur vermochte, zu lindem suchte, ab« jede Berührt», und Belehrung »ft Jene» scheute au« Toleranz ad« jru« Art vo» stolz« Demuth, die ei» Gemisch ist vo, Selbsttäuschung und Fr»«, «igkrit. Eftte grwtfie Rückwirkung ihr« Anschauungen »arm auf Arthur übergegaogeu. Hatte a auch vftl AUhmgebrachte« überwunden, «ft dem Wunderglaub« seüter Kftch« kämpfte -;|i.: er imwrlich ,ar oft. «r sandte jetzt ftst» ftrmfe ftS « Ssth« liebte, «r war erüst ge»«»« v»r der Zeft, sogar häufig nüdfitinig. Di« ttmfcbu, seine« Wesm« ihr gegm» üder vallzog fich so plötzSch, daß fie d« Sräst, sofort «tf» fiel, fie äußkrte die« auch damal« z» Sersm. «ft war erfrmt, Arth,« tu freier, ftotzrr «tim,»», »u sehen, aber fie hatte keine Ahm», von der Ursache, welche dich, «and« laug vor ihre» Augm vollzog. Sdeusoweuig ahnte fie sei« Kämpfe mit fich selbst, dft ihn triebe, al« einzig Hülf«q»elle die Arbeft zu suchen. lleberall wirft« seine heilige wabr« Lftbe, welche dft besten Fädigkeit» weckt, die nichtmit jmer zu vergleich«, ist, der» brfelubmde Wirkung di« Sft»e lähmt, ft nachdem fie ihr Opfer beherrscht. Arth« schuf i» kurzer Zeft. w<S ihm früher »icht in Jahr» «»glich gewesm wäre, lieber«I im Dorft wer» Arbeiter beschäftigt; e« wurde rrparirt uud gebaut, wa« Jahre laug vernachlässigt war. Wich» wurde» entwässert, dft fett Jahrzehnt» ein» Schatz von Torf barg»; Sriib» wurde» zugeschüttet uud andere gegrabm; wilder von Strauchwerk und abgeftorbeum Bäum» befreit, um dem Baumwuch«. Raum zu verschaff»; überall auf weg «ub Sftg erkauute «an dm ordumd» Dian eine« gebildtt» Laadwirthr«, e« war eine Luft, dieft frische, viel» seifige Thäti;keft zu sehe». Gute Smft» wirft» «ft i« dieser ihn sortreißmdm Thäfigkeft, er uaunt« diese seine „Dreieiutgkett". Sft hieße«: dankbarste Liebe für fein« Großmutter, aufopfemdste für da« thmre Baterlaud, deff» Aureole der einst zu erringrud» Freiheit Napoleon« Haupt umschwebft, uud Träume, durch« webt und Mi-fl fort von dem Stanze seiner Lftbe. Ihm war, al« müßte er auf de« Stammschloss« seiner Ahn» schafft» und wirk», al« sollte e« für vieft, viele Jahre geordnet und gesichert werdm, e« war ihm so ganz eig» zu Muth« —, er dachte au sein Testament. Gestärkt vom gesund» Schlafe erwachft Dr. Rewbraud zeifig wie immer uud Tomaffek. der seine Sewohuheft» kannte, hatte wft Umficht uud zarter Aufmerksamkeit, man möchte dies« der polnisch» Dimer eigene Tugmd neun», für Alle« gesorgt. Er war gekommm uud gegangen wie ei» dimstdarer Seist. Al« der Doctor setum Kaffee genommen, eilte er in'« Dorf, dft Krank» zu besuchen. Unterwegs begegnete er dem m« Katiuka kommende, Likar im Talar mit Hoftft uud Monstranz. Hmrtk h»Ne dft letzte Oeluug empfange», er war von seinem Leid» erlöst. Dr. Rembraud «ich dem traurig» Anblicke der arme» Mutter au«, die in ihre« erst» Schmerze keinem Tröste zugänglich sei» mochte, uud eftte zu Dmm. dft seiner Hülfe bedurfte». Durch die Umficht der Sräst» war manche« Uebel gewildert mancher Rekonvaleszent durch sorglich« Pflege an« herrschaftlicher Küche gekräsfigt. „Man mrrft ei« sürsorgeude Hand," dachte Dr. Rembraud uud stimmte vo» Her»» i» da« Lob. da« ihr dankbar von all» Seit» gespendet wurde. Jan, ehemaliger Verwalter bei Arthur« Großvater, trat dem Her» Doctor rüstig und ehrfttrchtövoll entgegen, sei:»» gebrochu«, aber gehellt» Arm «och in der Bdtd«. während der Arzt ein» frischen Verband umlegt«, statt de« vm ihm ftüher angewandten, sprach Jan mft Begeistert», vm der Gnädigen. „Aber," sagte er, „daß fie gestern bei Kafioka war. ist überfiüsfig. Dft Sünderin verdimt da» «icht, fie hat Wurst i» dm Fast» gegessen, uud der Herr Vikar hat doch gepredigt: „Ihr gemein» Leute haftet hmft da« Fast» nicht mehr hellt,; ihr macht'« dm Edelleuteu nach, dft da sagm: eine Wurst durch'« Waffer gezog» gllt in der Fastmgett für rin» Hecht; «der der Tmftl wird Sich dir Wurst brat» «ud kein Waffer wftd Euch dann dm höllisch» Dnrst lösch», dann denft an die souderdar» Hechte, dft Ihr Euch zu» Hohne der Kftch« mögrbacht.' Ja. so sprach der Herr