Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 22 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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F.,L-\. ,r. P % - ' s«disch«.r m 22. tttilifi'f/f// feraufgegdai Mn Dr. M. Hc|Mtr ln nnaMnutg. ' -*N*. Jw KünWnj i Ktietri»- ftr Mt ittaMschk liiilie. «M*- m. r r, fitt)tnaabd. Line kujawlsche CnSUuaa «ul tan Anfänge unsere» Jahrhundert». Bon Johann«. — Allerlei für den JUltllllt! vamlUentlsch: Hohe» Alter. — Dir Henne. — Stäthselansgaden and »tüchsellöfungen. (lln»efngtrr Nachdruck an» diese» Blatte nnttrsagtJ Herze«savet. -in« kujawlsche Erzählung an» dem Anfänge unsere» Jahrhundert», von Johanna. 1») - »Lber in diesem stürmischen Vetter, in so später Abend» stnnde werden Sie doch nicht mitgehen, gnädige Frau? Ich «ehe allein, verlassen Sie sich ans mich, bedmken Sie, da» Han» liegt am Lud« de» Dorf«».' Sie klingelte, und bittend »o sie befehlen konnte, ließ fir sich von Tomaffet Mantel und lleberschuhe bringen, beruhigst den warnenden Arzt mit der Versicherung, daß sie sich sehr vorsichtig angekleivet, und daß er selbst wisse, wie wenig chr Wind und Wetter schade. »Ich muß da» Kind sehen, e» ist ein Trost für sein« arm« Mutter, die nach dem Tode ihre» Manne» doppelt an de« Klein« hängt.' sagte sie weich. Der Doctor fügte sich, sie hüllte sich in Ghawl und Mantel, reichte ihm ihren Arm und eine angezündete Laterne in der Hand, die sie dnrchan» selbst tragen wollte, verließen fir da» Schloß. Da» Laternenlicht zuckt« unruhig hin und her, der Sturm trieb den Sehenden Dachsteine und Stroh von Dächern, und abgebrochene Zweige von Bäumen auf den Weg. Am Himmel zogen dicke, graue Wolken in wilder Haft, nur hier und da blickte ein funkelnder Stern hindurch. .Wir unrecht, gnädige Frau, daß Sie «itgekommeu sind,' sagte der Doctor besorgt, die Dame mit Mühe aufrecht haltend. .Jetzt stad wir am Ziele,' antwortete sie, in die Thüre eine» Bauernhäuöchen» tretend, welche der Sturm aufgestoßen hatte. — In dem niedrigen, von einem Oellämpchen beleuchteten Stübchen, kniete Katiuka vor einem hölzernen Srueistx, da» über de« Bettchen de» Kinde» hing. Sie umschlang die Knie« der Kommenden und küßte weinend die Hand der Srästn. .Katiuka,' sagte diese, .der Herr Doktor will Dein Ltud sehen, bringe die Lampe her.' Henrik lag da mtt stark gerötheten Wangen, dt« fiederglühenden Augen auf da« Srucifix gerichtet, murmelte er unverftäuLltche Worte. Die Srästn tauchte die feinen Fingerst» da« nah« hängende Wethuäpfchen und benetzte, ein bezeichnend, mtt dem geweihten Wasser Stirn und Schläfe de» Kranken. .Spricht Henrtt oft'so vor fich hin?' fragte der beobachtend« Arzt, .versteht er Dich, wenn Du zu ihm sprichst?' .Seit gestern weiß er nicht, wenn ich zu ihm rede. Ach k Herr Doctor, manchmal lächelt er und spricht laut mit der Mutter Sott«» s, schön, daß ich weinen muß.' Da richtet« fich da» Kind plötzlich auf. kniet« tu seine« Bettchen, dir Hände gefaltet, und sprach deutttch mtt lieblich« Stimm«: .Stth Mutter, dtt Täubchen silberweiß, ste kommen, mtt trocknen den Todesschwetß. Sin Krenz von Rosen bringen st« mit, ste holen so freundlich Dev» Kind von Dtt. Dtt «ö«lein so roth, morgen ist Henrik tobt.' Dann fiel er erschöpft in die Kiffen zurück. .Soll ich den Herrn vtcar holen?' fragte die Mutter zaghaft. .Laß e« bi» morgen,' sagte der Doctor mild, »ährend er di« fliegenden Pulöschläge Henrik» zählte, ..ich komme sehr zeitig zn Dir.' Sr verordnet« kalte Umschläge auf den Kopf, welch« Frau von Winiawöka selbst umlegte, um der unerfahrenen Frau die richttge Anwendung derselben zu zeigen. Tie küßte die heiße Stirn wie zum ewigen Abschttde, der Blick de« Arzte« sagte ihr. «» sei hier zu Sude. .Wird mein Kind leben, Herr Doctor?' fragte Satinka mit bebender Stimme, vor ihm auf die Kuiee sinkend. .Maria möge über Dein Kind wachen«' antwortete die Gräfin tröstend statt de» Befragten und küßte ihr den Scheitel. .Hott den Herrn Vikar, wenn Henrtt unruhiger wttd.' Ste öffnete da« Fenster, um frische Luft in da» dumpfige Zimmer zu leiten; aber kaum waren die Herrschaften fort, als Kattuka e» wieder schloß, mit jener Abneigung gegen da» Lüsten, wtt es den Leuten dttser Klaffe eigen zu sein pflegt. Draußen war e» ruhig geworben; man hört« in »er stockstnsteru Nacht nur da» Gekrächze der Dohlen, da» Bellen der Hunde und da» Knarren der Fahnr auf dem Kirchthrr«:. 11« man wieder am Kamin saß, dessen verglimmende Kohlengluth jene eigenttzümliche. betrachtende Stimmung er- »eugt, so verschieden von der Wirkung der hellbrennenreu Flamme oder dem hell« Tageölichte, versuchte der Arzt dtt tieferregte Frau zum Schlafengehen zu bewegen, aber vergeben». Sr kannte ihre Neigung, dtt Näthsrl de» Dasein» zu besprechen, welche ste stet» dem Einflüsse Gotte» oder de» Teufel« zuschrteb. Sr knüpfte an da» eben Erlebst an, sprach über psychologische Er scheinungen, die er in seiner Praxi» zu beobachten Gelegenheit gehabt, da er wußtt, daß die» Thema, so ernst e« ist, fie dennoch zerstreute und ihr ungewöhnliche« Schweigen lüfte. .Henrik» Verse erinnerten mich an Ursula Kochanow«ka, deren Gedicht« mir neulich «eine Frau vvrla»,' sagte Dr. Nembrand. ,Stt meinen dtt st jährig« Dichterin, Tochter de» Dichter» Kochanowski tu Lzarnila», Herr Doctor? — Wie erklären Sie fich solche Erscheinungen?' fragst fie lebhaft berührt von dem angeregten Thema. .Suchend und ftagend bewegt sich Biele» tu uu», wa» de» Menscheugeiste di» jetzt unbeantwortet bleibt,' erwiderst dttser. .Nach Wahrheit ringt dtt strebend« Seele, aber et mag keinen Sterblich« geben, der nicht Ungelöste» hinübernimmt nach einer nn» unbekannten (Bett, dtt uu» Klarheit bring« mag. Aber vor Alle« find wtt verpflichtet, den uns bekannt« Naturgesetzen zu folg«, dtt wtt nie ungestraft verletzen.' ,S» giedt ja HeiUge, dtt unerklärliche Wunder thm» l' sagst dtt Gräfin lebhaft.