Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 20 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
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»orräthign (Hnbfabcn war die Deichsel wieder dienstfähig. Der Bauer und die armen, u »verwöhnten Thiere waren einander in Bezug ans Zähigkeit ziemlich ähnlich. Den Pferden schadete ihr Augla«ftoll und da» schlechte Futter ebensowenig, wie dem Bauern seine dem ähnlichen LebenSbedingungen. Beide überwinden in unbegreiflicher Weise alle Schwierigketten. Bei gut«, Wegen pfiff und saug der Bauer seinen Kujawiak so fröhlich. wie seine Pferdchen tapfer vorwärt« trabten, daß recht» und link« „ftitf und Funken stoben." Doktor Rembrand saß während jener Reparatur, wie sie öfter bei seiner Landproxi» vorkam, in der einzig nicht durchnäßten Wagenecke, denn überall tropfte der Regen harmouisch hernieder. Mit stoischem Gleichmuthe la» er ein medizinische« Werk; er benutzte jeden freien Augenblick zu seine« Studium. E« la» sich heute schwer, da die zerbrochnen Dogenfeuster sorgsam von dem einsichtsvolle» Kutscher theilweis« mit Sackleinwand verhängt waren. Rach vierstündiger Reffe durch Dick und Dünn hielten endlich die dampfenden müden Gäule vor den Ruinen eine» rhemal» stattlichen Schlöffe». Alle» war hier Ruine: der einst imponirende Herr von Konar»ki, der den Arzt achtungsvoll mtt den Maniern eine» Ehev alter« empfing, wie der kümmerlich« Diener, der wie jener Lajoaost in „Pan Todd&tus" einen Schlüsselbund der ehemaligen Schloßchore und Zimmer an seinem Ledergürtel trug zur Ehre de« Hause», sei e» auch ^r» ehemalige» Besitze«. In gewohnter Devotion befreit« er den Dostor von dem .feuchten Mantel, und Herr von KonarSki öffnete höflich dir Thür eine» Zimmer«, dessen morsch« Schwelle wie weiche» Moo» nochgad. Der unveränderbare uueutdehrliche polnische Ramm, dessen Ziegelrost sich der Diele de» Zimmer» anschließt, war mtt langen, gespaltnen Scheiten Birkenholz«» e an denen, trotz ihrer feuchten Frische, lustig die n emvorlodertn und knatternd wie Kartätsche« al» schüffe zum Empfang de» Eiutrttendea angesehen werde» konnten. Ei« wackelnder Lehnstuhl mit zerriffeuer, verblichener Stickerei und bloßgttegstu Sprungfedern wurde «« den Kamin geschoben, und nachdem der Doktor Platz genommen, wurde Kaffee gereicht. Mau war genöthigt, dir au» Meißner Porzellan gefertigten Taffen mtt den fünf Fingern zu »«spannen. da da» Ohr fehlte, aber ihr Inhalt machte de« Ruse de« polnischen Kaffer« alle Ehre. Hinter einer schirfherabhängenden zerfetzten Seweaportiöre lag die kraust Dame auf einem einst prächtigen Divan von kanariengelbem >üa». Da» Polster guste neugierig in die um" ihn veränderst West trotz der Bemühungen der Hausfrau, dir» zu verbergen. Ein zersetzter Teppich vor .«»selben zeigst in komischer Verzerrung Mazrppa au sei» dahiujageude» Roß gebunden: der ehemalige Parquetbodm war therl« geborsten oder lose, thett» waren die Einlagen überhaupt nicht vorhauden; der Sophatffch, ein Mnsterwerk Pariser Arbett, auf deffen Flächen rate Gropp« griechffcher Männer und Frauen bei nanu Festmahle dargrstellt war, von kostbarer Mosaikardeit, stand wackelnd da, dir Kunstgegeuständ« zerslött; unsaubere, zerschlagene, sstllenweffe mit Papier verkstbte Feusterscheiben warft« düstere Schatten auf ost seidene Tapete, von der etnzttne Fetzen heradhinge» oder .nachlässig au«grbeffert wäre». Herr von Kouar»st gelettest den Arzt in diese» Zimmer, dst Kraust lag ermatstt auf dem Diva», di« Augen halb geschloffen. Mtt jener Empfindlichkeit, dst nnvöse» Kranke« . eigeu ist, bemerkst, sie, daß ihr Jemand nah«; sie öffnest dst Augen. Al« ihr Davor Rembrand von ihrem Manne vor-?«stellt worden war, faßst er «ach kurzer Verbeugung den )ul» der Kranken, dessen unregelmäßige Schläge, in Folge eine» überstandeuea Krampfanfalle», de« Arzt bedenklich .machten. „Svaöma" flüsterst dst Frau kau» hörbar und schloß wieder die Augen. Doktor Rembraud nah« au» seine» Mediziukaste« ei« cheruhigeude» Mittel» deffen Wirkung er au dem Krankenbett« beobachtest, schickte Herr« von Konar»st sott, um absolust Ruh« in der Räbe der Kranke« zu haben. Er selbst blieb und beschäftigst sich durch Lesen in seine« medizinische» Werst. Bald stat ruhiger Schlaf ei», der mehrere Stunde« auhstlt, und al» die Kraust gekrästigt erwachst, uahm sie Bouillon. Dokwr Rembrand war an den eiuzig bchaglichen Raum der Wohnung, an den Kamin, znrückgekehrt, der da» Zimmer wohtthuend erwärmst. Wie der Blitz huschte «ine zarte Gestatt vorüber im eleganten Regligäe und al» Dostor Rembrand sie eben hinter der Portiöre verschwinden sah. blieb ihm nur der Anblick niedergrtretener Schuhe und durchlöcherter Strümpfe, durch die da» zarst Roth de» zierlichen Fuße» Fräulein Wanda'», der Tochter de» Hause«, fichtbar war. Bald hörte er da» Kichern der jungen Dame und ihrer Mutter, welche durch jene unerklärliche Elastizität nervöser Frauen wieder courfähig in einem ebenfalls elegante« Negligee, zwar etwa» bleich, aber mtt vornehmer Haltung in» Zimmer stat, dem Arzst mit srntimeutaler Stimme ihr Leide« Nagend. (Fortsetzung folgt.) Mo»«tt»planderei. «-U M. 8. - (Schluß.) Da lasen wir jüngst vom Luxemburger Prozeß. DstRedactto« de» »Luxemburger Wort" — hat sich wegen einer Beleidiguug der jüdischen Religion und ihrer Bekeuner zu »erautworten. Ihrem Bertheidiger wurde di« keiueSweg» leichte Aufgabe, ste von dstsem Bergehen zu entlasten uud er glaubst die» uicht ander» und besser thuu zu könne«, al» daß er da» jüdisch« Volk al» einen Au»bund der Unmoral hiustellst, dem «» nur darum zu thuu sei. da» Wohl de» Staate» uud der Gesellschaft zu untergraben. Ob wohl der Herr Berthetdigrr selbst so etwa» glaubt? Wst wissen e» nicht; aber da» wissen wir, daß bet aller Weitläufigkeit, tu die er fich bet setuer Beweisführung erging, bei allen Hilfsmitteln, dst er tu da» Bereich der Berthetdigung feine» «(inten zog — e» ihm doch nicht gelungen, sriun Mohre» weiß zu wasche«, sicherlich darum nicht, wett er fich dabei einer Seife bedienst, welche nur Schaum erzeugst. Rur Schau», da fie gefälscht, und ihre Ingredienzen uicht die der wirkliche« Sttft warn. Mau weiß «st ost mau bezüglich diese» wasch - mittet» getäuscht wird — und so auch hier. Jndeß, wa» konnte der Bertheidiger dafür? Er hatte dst Seffe nicht selbst fabrizirt, sondern ste von Hern Rohling bezogn. Da» ist bekannt — wenn fich daher Herr R. al» Seifenfabrikaut etadltrn würde, so -nässe er nur eine» sehr zweifelhaften Berttann» von Seiten de» Pnblikum». Ans — und für Seifenblasen will Niemand etwa» gebe«. Da» that auch der Gerichtshof tu Luxemburg und »erurtheilst die Redarttou de» »Luxemburger Wort" zu 800 Mk. Geldbuße. Wa» tut» im vorigen Monat noch in hervorragender Weis« beschäftigte, war dst Diskussion über dst bekannten 18 Sätze. Ich weiß wohl, ich rstkire, indem ich auf diese» Thrma zu sprechen komme, ein strngr» »Halt!" fetten» der Redactto», di« der wetteren Behandlung diffe» Gegenstand«» da» Thor geschloffen hat. Aber wa» thut mau nicht alle», wa» soll man nicht alle» thua für rinn friedliche« Ausgleich? Und so meinn wst zu jner Streiffache, daß i« Grunde genommen beide Partein Recht haben. Dm« e» ist ebra schwer, in eine« Blumengarstn eine« Strauß zu wiudn, der nach dem Gffchmack Aller sein soll. D«u müßte ebn der ganze Garten genommen werden. Dst Ethik de» Judnthtun» zieht sich durch alle Gesetzbücher desselben, sowohl durch die der schriftlichen al» «üadli re« Lehre, von Abraham an, von de« Gott sprach: „Denn ich kenne ihn, daß er seinen Kiudrn und seinem Hause gebiete« wird, den Weg de» Ewtgn zu bewahren, Tugend und Gerechtigkett zu übn" — bi» zu dem Propheten Secharjah, der dem volle dm Willen Gotte» mtt de» Worin verkündet: »Da« fft e».