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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 20 (1889) · p. Seite 76

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
20 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 76 (sequence 2)
Language
German
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neuer Zeit; verzweifelt tief er: »Also ich soll Ludere für mich kämpfen laffm. Alle* annehmeu und nicht» leisten?" .Wollen diese stolzen un» in ihr« Reihe»? Oder meinst Du. daß der Staat au» Schonung für un» Rekruten» gelber von un» fordert, statt un» der .hohen Ehre" wie fie «4 nennen, würdig zu finden, .de» König» Rock" zu tragen? — Danken wir e» ihnen, daß fie un» dem rohen Handwerke entziehen, obgleich sie e» un» nur zur Schmach anzuthun wein n. Ll» der König den .Aufruf an mein Volk" erließ, mochte er wohl am wenigsten an un» gedacht haben. Freiwillig. wie Du e» möchtest, gingen Manch« an» unserer Geuninde in den Kampf, sie kämpften wie gute Bürger, aber gleich« Rechte mit diesen haben sie nicht errungen. — Rehmen wir e» hi« als ein Erziehungsmittel." .Rehmen wir es al« solches hin, Vater," war die warme Erwiderung. Die Geschickte belehrt un», daß die Völker «»ander erziehen; verwöhnt haben sie einander allerding» nie rnd nirgends, das bat unser Bolk reichlich erfahren. Aber die Hoffnung auf beffere Zeit soll unS nicht nur zum Dulden, sondern auch zu mutbigem Handeln kräftigen. So hast Du eS mich gelehrt, mein Bater." .Von unfern edlen Kräften mögen sie keinen Gebrauch «ach«. Hat doch Friedrich der Große Mendelssohn nicht mim Mitglied« der Akademie ernenneu wollen, trotz bc» Wnnsche» ihrer Professoren! Folgen »otr also unserer Tradition und unserer Ueberzeugung. Dem Staate stad friedliche, thätige, gehorsame Bürger mindesten» ebenso nützlich, wie jene!riegaischen. und wohl dem Lande, wo jene allein oöthig sind t Wenn alle Völker die» «kennen uud di« Fürsten chre Läudergier bezähmt haben werden, dann fft unsere und so die Mission der Menschheit erfüllt. Reich« mir die Hand, »ein Sohn, versprich mir, dem Vaterland« ein treuer Arbeiter am Zriedenlwerke zu fein 1 Hoffen wir, daß diese Erziehung dem Allgemein« zum Heile sei." Arno reichte überwältigt dem Bater die Hand m-hr au» tödlicher Liebe al» au» Ueberzeugung. Versühnung und Ruhe senkten sich in sein Herz. .Uud nun noch Eia» mein Sohn! Richte immer Dein« Blick uud Dein Thun nach den großen Ziele» der Menschheit, aber erst sei Mensch. Al« solcher bist Du verpflichtet. auSzuharreu al» einzige Stütze Deiner alten Eltern, die «» für Dich sich auch haben sauer werden lasten; gründe Dir eia l)au», führe ein Weib in daffelbe, ei» Weib, wie e» Salrmo schildert. Esther ist Dir theuer, führ« sie un» za al» -kocht«." Arno erbleicht« bei diesen Worten, die ihm sein verloreve» Glück in seine« ganzen Werth« zeigten. .Erst Mensch sei», dann Weltbürger; erst da» Hau», daau die Welt; erst die eigne entwickelte Persönlichkeit, bau» chre Erweiterung für da» Allgemeine; auf Erdeu baue« uud schaff», um de» Himmel zu erwerbe« I" vollendete sein Bater. Aruo küßt« ehrfurchtsvoll di« Hand deffm, der chm unbewußt so weh« gethan. Er ging au da» Tagewerk. — Die Kirchzett war vorüber, der Laden füllte fich mit Käufern und wieder war der göttliche Fluch «in Segen: .Du sollst De» Brot im Schweiße Deine» Angesicht» verdienen." Arno hatte gelernt, wa» er that ganz zu thuu; in tiefem Frag« und Antwort«, Handeln und Feilsch« der Säufer durch .die Treu« hn Kiemen" war er, der gut«, thätize Sohn, der arbeitsame Bürger, der sich selbstvaleugn«dr Mensch. _ Zehnte» Kapitel. Siegentage, wie sie der Herbst bringt, warm eiugetretm. Der fette, kujawijche vod« fft ein GolteSsegm, wa» fest« Frurhtbarkeit betrifft. W«n der Pflug die schwarze, glänzend: Erd« durchschaeidet, da» Ackeiffrld umstürzt und da eigen thümliche Ervduft au» dem aufgelockatm Bob« aut» strömt, athmet mau ge« recht tief diesm Geruch, dm da Städter nicht kennt und chu vielleicht gar »»ästhetisch nennt. Abei: wer dm Pflug selbst geführt oda auch uur am Raine de» Ackerfeld«« sich befindet, da vergißt diesm Dust de» frisch gepflügten Felde« nicht, wmn ihm auch längst Stadtluft die Brust bangt. Ab« Herbst und FrühlingSregm weich« dies« Boden auf «ad verwandeln di« Landwege chellweise in Sümpfe und Lach«, die zu jena Zeit so tief warm, daß da» Wasser durch den Boden de» Wag«» drang und da Reffmde gmöthigt war, Turnübungen in da Lust mit sein« Beinm zu mach«, wollte a seine Stiefel nicht preiSgebm. Die Räda sank« bis über die Axe in dm Morast, man hätte ein nette« Gartmbeet anleg« könnm von da an da Rädern hängengebliebenm Erde. Jedamann nahm einig« Stau,« von Hause wir, um sie in schlimmen Fällm al» Hebel für sein im Sumpfe festgnannte« Fuhrwerk zu benutz«. In strömendem Reg« hielt ein soadabare» Gefährte vor dem Hause bei qffuchtfftm Arzte» da Stadt und 11«» gegmd. AuS dem Fmsta seine» Studierzimmer» blickend, erkannte Dr Rembrand da» Fuhrwerk sofort al» eine» jma bedeutungsvollen Symbole gewisser polnisch« Wirthschastm, adliger, hauatergekommena oda nachlässiger Gutsbesitzer. An eiaa fchwafälligkn, mächtig« Kalesche, da« Bordeck und Wagenschürze mehr graua, eingeplatztn Baumrinde al» Leda glich«, befand sich ein Gffpan« von sechs Güulm. Widrig verfilzte Zäpfchen statt da flatternden Mähne da Füllenzeit hing« traurig an den gffmktea Köpf« da arm« Thier«, die noch klein« warm, al» die Kameraden ihr« Ra«. Man konnte nicht« Lomisch-tragifchae» sehm, al» dies« Gestelle au» Lederhäut« und Kaochm. die mau an dem von dem schlecht« Riemenzeug halbgegerbtem Felle zähl« konnte, mit ihren viaundzwaazig dünnen, von Morast bi» üb« die Lmdm vollgesprcht« krumm« Stöckm, Beine genannt. O du mtarteta Sproß de» edlm RossrgeschlechteSl Welch« zürnend« Sott hat dich zu deinem irdische« Jammerthale, die kujawffchm Wege, vadammt? Die ehemalig« Riem« warm vielfach von schmutzig«, knotig« Stricken zusammmgehaltm uud «bm zog da Kuffcha» ein Bau« iu triefmda Borka, au» dam Tasche ein Päckchm solch« Stricke und ein« übel zugerichutm Brief seine« Harn an dm Arzt, mit klamm« Fingern hervor. Die Gäule war« de» Bauern Eigmthum »ad von dem Gutsbesitzer für diffm Tag gemietha, da die devastirte Winhschast übahaupt so gut wie kei» lebmde» Inventar auhuweffm hatte. Har von KonarSk», dessen gefährliche Nachbarschaft Pan Franschffchek so oft seine Pflicht vagess« machte, bat dm Arzt in jmrm Briefe, seine kranke Fra» zu besuch«. Während di« armm Pfadchm etwa» Heu b kämm, war da Bauer in» Hau» gerufm, wo a am wärmend« Küche»- feua von da mmscheafrmndlichen Frau Doctortu Buttabrod und Schaap«. «hielt, da» a mit eine« .Padam-da-nog" dankmd anuahm, uud nachdem sein, vor dem Kücheufma Settockneta Mantel noch dampfte, rüstete a sich mit dem Int« zur Reffe. — Mau reiste oamal« nie ohne Betffack, wollte man sich nicht »erschiedmm Eomtualitäten in Dorf und Stadt »»»setzen, zum Beispiel übahaupt feine Schlafstätte zu finden, oda solche, deren Anblick ein frffche» Strohlag« vochuzieh« gebot. So war e« in vielen Herrmhäusa« auf dem Land« und iu Gffrhvfm in dm Städtchen. Bettsack und Mediziukastm wurdm in dm Wagm gepackt, erstaa al» Sitz au Stelle de» durchnäßten Sttohbünvel», letzt«« al» Rorhbehelf bei dm Krank«. Die junge Frau Doktorin und ihre Töchterchm grüßtm zum Abschred« hintn dm gefchlossmm Fmstau, bi» mdlich die Pferd« «tt grausig«« Peuscheuhiebm und drohmbem Hel und Ho l iu Bewegung gesetzt wurde». Kaum war man eure halbe Meile gefahren, al» da Spaannagel und die Deichsel drachm. Phlegmatffch stieg Mt Bau« ab, fluchend kremte a sich hinter dm Ohren, war ab« iu solche» Situation« geübt, sich zu helft». Er brach eium Ast von ein« am Weg« stehend« Birke, zog sei« Kueipmeffer au« da und bald war ein Pflock statt de» Spanuuagel» da: zweige drehte a kräftig zusammm und «tt dies« und sein«

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