Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 20 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
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wo» ihr Ihm» sollt: red kt die Wahrbeit Liner mit de« 8h» tarn, holtet redlich Gericht in den Thoren, «nd Seiner sinne Böse* wider seinen Nächsten im Herzen n. s. w." nnd den Propheten Moleachi, der den herrlichen, wahrhaft humanen tzluSspruch tba»: »Haben wir nicht >lle einen Bater, erschuf un» nicht Alle «in Gott; warum sollen »ir treulos Einer gegen den Andern sein!" — Wie blühen und duften die Blumen der Ethik de» Judenthum» und ihr Reichchum und ihre Mannigfaltigkeit machen eine Auswahl schwer. Bon Simon dem Gerechten, dem letzten der Männer der großen Synode, an, der die Rildthätigkeit als eine der drei Säulen hiustrllt, auf denen dir Welt ruht, di» zu Mai« monide», der die Schriftsteller »Ein Gräuel dem Ewigen ist, wer Uuvkcht übt- — dahin ergänzte: ge» en wen es auch sei — ist es «in Blütheumeer ethischer Vorschriften, die die jüdische Literatur in sich birgt. — Und da trete Einer auf und stelle einzeln« dieser Lehren als die hauptsächlichstm hin, ohne daß chm der Eiuwurf gemacht werden könnte, daß es nock, andere gebe, die e» mehr sind. So dachten Biele und und rschriebeu, sie hielten da» Unterschreiben für ungefährlich. E» galt ja keinem Wechsel — der Gesinnung. Ob's ata irgend welchen Nutzen haben wird? Das ist sehr zu bezweifeln. Der BormtheilSlose unserer christlichen Mitbürger weiß es ohnedies, daß die Juden in so innigem Verkehr mit den Christen eben nicht besser und nicht schlechter sind, als dirsr. Der Judenfeind aber wird daraus machen, wa» jener Dichter uns sagt: »Wenn just der Wurf, den man am meinen braucht, nicht fällt, so muß ein Kunstgriff solchen Zufall corrigften.- Berühren wir noch kurz die Controvrrs« de» Berliner Gemeindevorstande» mit der sogenannten 75cr Lommisfton, wie wir in diesem Blatte mft ihr bekannt geworden, so ist darin» die eine Thalsache als freudige zu registrireu, daß in rem modernen Spree-Babel sich Stimmen erheben für Mehrung der Synagogen und Religionsschulen. Man darf indrß bei Erörterung von so bedeutungsvollen Fragen einzelne Aeußerungen nicht allzusehr aus die Waagschale legen. Das Fetlrn an geeigneten Lehrkräften sollte dem Berliner Gemeindevorstande keine Sorge machen. Wenn die Frage?s^V *JD3, wie von ihm selbst zugestandeu ist, leicht zu lösen ist, so wird auch di« drS?P30 rmn kein unlösbare» Problem bilden. Allerlei für de« FamMeutifch. Nervenschwäche der jüdischen Rare. In einem der neuesten seiner kliuffchen Vorträge bespricht der berühmte Arzt und Forscher, Prof. v. Ziemmßen in München, die Besonderheit der Nervenschwäche der Semiten. Die semitische Rare ist in hohem Grad« zur Nervenschwäche (Neuraathenia) disponirt. »ES geht ja überhaupt ein ueurotischrr Zug durch den ganzen BolkSstamm trotz aller Leistung? sähigkeft und Zähigkeit im Berufe. Hindernisse und Schwierigkeiten de» Fortkommens überwindet der Jude mit staauenswerther Energie und Consequenz. aber eine gemüthlidK Depression, ein LranHeitSfall jn der Familie vermag ihn vollständig zn lähmen." Wie die Ursache, so liegt auch« die Erscheinungsform der Nervenschwäche wrft mehr auf de» Gebiet der Gemüthsstimmuug, als auf dem der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Dem gegenüber sieht Ziemmßen als da» charakteristische der Nervenschwäche de» russischen BolkSstammS» die frühzeitige Erschöpfung der geistbzen Fäüigkeft an; so erweist der Gegensatz noch klarpk die Eigenart der Nervenschwäche de» Juden. Ich glaub«, daß düse Eigenart auf erregend« und nictarbtftfenbc Emwirkuugen, auf Angst, Schreck, Schmerz zwar «ft gedrückter Stimmuug zu reagireu, aber die machest und Uuermüblichkett de» Denken» zu bewahren, es zum Theil mft erklärt, warum di« Stürme der Weltgeschichte durch v Jahrtausend« da» i»raeli-- tische Volk nicht vernichtet haben. Dr. med. Berthold Goldberg. Schtrorrerkniffe. ES giebt keine Gelegenheit im Leben, welch« ein Schnorrer nicht zu seinem vortheil zu benutzen weiß. Lin Mitglied dieser Zunft wußte sich rin hübscqe» Sümmchen dadurch zu vaschaffm, daß er während der Peßachwoche da» Mitgefühl der Nichtjuden durch die klägliche Vorspiegelung, in 3 oder 4 Tagen keinen Bissen Brod über die Lippm gebracht zu haben, auszubeuten verstand. Weiter wagte er di« Dauer dieser Hungerkur nicht hinauszuschieben, da er alSdauu in die Lerlegruhett hätte gerathrn können, seine Existenzmittrl Nachweisen zu müssen, wa» ihm unter Umständen Schwierigkeiten bei der Polizei hätte verursachen können. Durch „Mesusoth" rniuirl. Ein armer Jude stand in brr Hauptstadt vor rinem großen Palast«, dessen Pracht er bewundene. Ein Vorübergehender klopfte chm auf die Schulter und ftagte chnr „Wa« würdest du wohl thun, wenn man dir diesen Palast schenken wollte?" — „Ich würde ihn nicht annehmrn," antwortet« der Gefragte. — „Warum denn nicht?- — „Die Beschaffung der 11MD (Snpseln mit der biblischen Thür»- Pfosteuinschrist) würde mich schon ruinire».- Au» dem Spruchschah des Talmud. Poetisch übertrag»» von Max Weinberg. (Auchüruck »hue Gcnch«t-uu« des Brrftffer» vrrtzsttu.) Fühlst Du zu« Beten Dich verpflichtet, Hab' auch Dein Denken auf v»tt gerichtet. Hast Du mit Fleig Dein Feld bestellt. Den Blick zu« Hi«««l «ende, Auf daß Gott Hanne send«, Und daß zur Zeit auch Regen fallt. Kitthl-l-Arrfgaü-rr. I. Deutsches Aomcmym. Boa 6. in L. Al» Fahrzeug bringt er nn» an» Ziel, Wird oft der Elemente Spiel: Al» Namen führt ihn mancher Nana, Den man auch ander» schreiben kann; Al» Kürst zeigt ihn da» Morgenland, Verändert man der Zeichen Stand. II. KeSrLtsches WortrLLYsel. Bo» A. K. in London. Mit n am End' Sin »leid Ihr seht; Bin Thier e» nennt, Wenn 8 steht. III. KeSräilches ^autrathsel. La» A K.it London. Wirst Du statt r «in 1 hinsetzea, Machst au» der Pflanze Du '»en Götzen. A«si-s«nder Aüthjrl iu »sr. Ar. I. So gi), e» (griech. r), So» (Genetiv im Deutschen und Kranfiföcn) — fiünici H. Palme (Richter 4, 6), «instrrstrauch (L Buch Äfinift 19, 4) * Berautmonlichcr Redakteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck 9. & Wolfs, Magdeburg. Berlag vo» Robert Fries», Leipzig