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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 20 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
20 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 20. Jüdisches 1889. Ar Wtthaltlms». Kelthnug flr die israelitische Familie. «M*- iititlif i-§liitf Hrrausgrgebm von Dr. M. Nahmer in Magdrburg. Hrrjtnsadtl. Eine kujawisch« Erzählung auS dem Anfang - unsere» Jahrhundert». Bon Johanna. — Monatiplauderei. Atftftsif»» Bon M. 8. (Schluß) — Allerlei für de» Familientisch: Nervenschwäche der jüdischen Race. Schnorrerlniffe. Durch »Mesusoth^ » ruiuirt. — Aus dem Spruchschah des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. — Räthselausgaben und Kitthsel» lösungen. (Unbefugter Nachdruck au» diesem Blatte uutersagt.) Herze» sadel. Eine kujawisch« Erzählung au» dem Anfänge unsere» Jahrhundert». , Bon Johanna- 14j - Neunte» Kapitel. Der Sonntag war da mit seinem feierlichen Glocken» grläute, den frommen Kirchengängern der städtischen und ländlichen Bevölkerung. Frau Valentin ließ Vater und Sohn allein und ordnete mit geschäftlicher Umsicht ihre Waaren während der Kirchzeit. Valentin vertiefte sich bald iu dem aufgrschlagene» Buche: »Mendrlsohns Phädo» über die Unsterblichkeit der Seele." Arno saß ihm gegenüber, sinnend den Kopf auf den Arm gestützt. Zufällig schauten Bride auf und ihre Blicke begegnet« sich. '.Warum siehst Du mich so ernst an, mein Sohn?" fragte der Vater mild. Arno senkte die Augru vor dieserr Blick voll weiser Güte und Menschen freundlichkrit. Wußte er doch, er sei mtschlossm, seinem Vater ein« großen Schmerz zu bereiten. »Vater," sagte er zögernd, „im ganzen Lande strömt Alt und Jung zur Berlhrrdigung de« g< liebten Vaterlande» herbei, e» drängt auch mich dazu. Willst Du e» mir gestalt«?" Da» Buch «tfiel den Händen Valentin» und mehr erstaunt als erschreckt sagte er in väterlichliebendem Tone: »Arno, Du willst unter die Soldaten gehen? Hast Du vergessen, daß selbst der Staat r» berücksichtigt, den Eltern nicht den einzig« Sohn zu nrhmm?" »Laß mich kämpf«, lieber Vater," sagte Arno mit l«cht«d« Augm, »für König uud Vaterland. Au» viel« Gemeinden haben sich Freiwillige gestellt, bei Leipzig Hab« sie da» riseme Kr«z erworben." „Mein Sohn, Du weißt unsre hellige Lehre verpflichtet un», der Obrigkeit zu gehorch«; dem Kaiser zu geben wa« de» Kaisrr» ist, e« ist Sttte in J»rael und sie bleibt r« von Geschlecht zu Geschlecht, eia« Segm zu sprich« w«n wir ein gekrönte» Haupt sehen; jeden Sonnabend wie an jedem Feste bet« wir für da» regierend« Hau» de» Fürsten, wo wir al» Bürger aufgmomm« find. Du weißt, welchen Weg sich unsre Vorfahr« vorgezeichnrt, al» sie der Ueber» uracht der Römer erlag« uud sich nach vergeblich« Kämpfen Sr Auswanderung mtschloflen. Sie sagt« sich: »Uuserm itrrlandr künn« wir uicht mehr nütz«. Lasset un» ausüb« — wohin auch unser umherirrmder Fuß un» führen wird — wa» Jesaia» gelehrt: »Fried« und Eintracht", damit wahr werde wo« er al» da» höchste Jd«l de» reinen Mruschenthum» ausgesprochm iu dm Wort«: »Uud richt« wird Gott unter d« Böllern, zurecht» weis« diele Völkerschaft«. Und sie schmird« ihre Schwerter in Pflugschar« und ihre Speer« zu Sichel». Nicht erhebt Volt arg« Volk ein Schwert uud uicht lern« fürder sie dm Krieg. Kommt und lasset un» waudela im Licht« Gotte»." E» trat eine Pause ein. Diese Worte hatte Arno von frühester Jugend an gehört und in sich aufgmommen al» ewige Wahrheit. Aber zu allen Z»it« hat da» Streb« der Mafien nach einem begchreu«w»rthen Z ele den Einzeln mitgerifien. Arno stand an der Schwelle einer n«m Zeit, er meinte sich da» Bürgerrecht nur verdienen zu könnm, wenn er für das Vaterland Leib und Leb« einsetze. „Dürfm wir Rechte fordern. wenn wir nicht Pflichten übrmehmen?" antwortete er. »Gewiß wird da», wa» unser König seinem ganzen Volke zugefichert, auch un» gelten. Wenn der Nachbar Streit sucht, kann der Friede nicht bestehen." »Du hast Re-bt, mein Kind. Aber ist e» unsere Schuld, daß nicht alle Wlker über den Krieg so denken wie wir?" „Sie nennen uns Feiglinge", erwiderte Arno finster. .E» ist nicht der erste und auch nicht der letzte Schimpf, den sie uns anthun. Wohin unser Fuß im Exil uns führte, immer hatten wir drn Muth, un« untere innere Freiheit zu bewahr«. Aul den Trümmern Jerusalems Hab« wir diese erkaunt und erwarb«. Unsre Kräfte gehören nicht alle!« der Scholle, wo unsre Wiege gestanden, sie gehören der ganzen Menschheit! Wir haben ihr bis heute unser Scherflein dargebracht mittm unter Verfolgung und Verachtung, die un» durch Engherzigkeit, Beschränktheit und Eigennutz unsrer Feinde getroffen. Wer den Mulh har Foltern und Scheiterhaufen für seine Ueberzeugung zu erduld«, den kaun man nicht ,»rige" nmnen. Der Krieg lehrt da» eigne wie da» Leben seiner Mitmenschen gering acht«. Da» ist der Anfang jmer Betrachtung des Dasein» die Mörder und Selbstmörder erzieht, und die, Gott sei Dank, bei unserm Volke selt«, ja sehr selten Vorkommen. W«n die Herren mein«, sie könnten die glweckten, brutalen Leidenschaften der Menschen so schnell zurückdrängm oder begrmzen, wie sie diese heraufbeschworrn zum eignen Dienste, dann irren sie gewaltig. Da» Leb« jeder Creatur soll un» heilig sein, darum hat unser weise Gesetzgeber angeordnet, daß wir selbst bei dem Schlachten der Thiere, die wir zu unserer Rahrunq brauchen, rin« Segm sprechen sollen, al« milderndes Moment für die nothwrndige Gewalt, di« wir autüben. So lrhrt un» da» Gesetz da» Leben al» etwa» Heilige» anzusrhn." »Ich bin noch nicht zu Ende, Arno," sagte Valentin, als sein Sohn einen neuen Einwand auf d« Lippen hatte. »Der Krieg vertilgt die Ehrfurcht vor Leb« und Eig«. thu« des Nächst«; noch lauge nach drmsrlb« bleib« diese traurig« Wirkungen. Ran kann von der roh« Masse nicht »erlang«, daß sie sich moralisch« Gesetz« unterw.rst, während diese vor ihren Augen mißachtet werden. Wa» soll der Klieg bei wltivirten Völkern verbessern, die uicht» weiter brauch«, al« friedliche» innere Entwicklung, um für rin gesunde» Staat»leben und seine Segnungen empfänglich gemacht zu werden? Aruo staub im hart«, inner« Lampst, mit d« Ueberzeuguugm seine» Vater», die auch da« Fundameur seine» eigen« Leben» wäre», uud seiuer eigen« Auffa,.»ag de

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